Können alkoholhaltige Pralinen betrunken machen?

Alkoholhaltige Pralinen, auch Schnapspralinen oder Likörpralinen genannt, sind besonders zur Weihnachtszeit beliebt und werden häufig verschenkt. Doch immer wieder taucht die Frage auf: Können diese süßen Leckereien tatsächlich dazu führen, dass man betrunken wird? Und wenn ja, wie viele müsste man davon essen, um einen Rausch zu verspüren? Der folgende Artikel widmet sich intensiv dieser Fragestellung, beleuchtet Gerichtsentscheidungen und persönliche Experimente und klärt, welche Mengen wirklich relevant sind.

Wie viel Alkohol steckt in Schnapspralinen?

Die Alkoholmenge in Schnapspralinen variiert stark je nach Hersteller und Art der Praline. In der Regel enthält eine Praline zwischen 3,5 und 6 Milliliter Alkohol pro 100 Gramm. Besonders Mon Chéri mit Kirschlikör gilt als Klassiker: In einer Praline befinden sich rund 0,66 Gramm Kirschlikör, wie Christina Schimmele, Ernährungswissenschaftlerin bei Ferrero, dem Hersteller von Mon Chéri, gegenüber bigFM erklärte. Bei rumhaltigen Varianten schwankt die Menge je nachdem, wie großzügig die Hersteller bei der Zugabe des Rums waren.

Infografik verschiedener Alkoholwerte in Pralinen

Auch Weinbrandbohnen oder Pralinen mit anderen Spirituosen fallen darunter. Die genaue Kennzeichnung ist dabei nicht immer gegeben; die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine Liste zusammengestellt mit Lebensmitteln, in denen Alkohol enthalten ist. Diese wird bei vielen Produkten oft unzureichend gekennzeichnet, was für Kleinkinder, Schwangere, Kranke und Alkoholiker zum Problem werden kann.

Wie viele Pralinen müsste man essen, um betrunken zu werden?

  • Einer höchstwahrscheinlich unglaubwürdigen Internetquelle zufolge entsprechen 450 Gramm Likörpralinen einer Flasche Wein. Meine vier Packungen entsprachen also anderthalb Flaschen. Würde ich betrunken werden oder Diabetes bekommen?
  • Wenn du 75 Kilogramm wiegst, müsstest du an Weinbrandbohnen, die im Schnitt ein Gewicht von 10 Gramm aufweisen, innerhalb kürzester Zeit etwa 40 bis 50 davon verdrücken. Dann kämest du möglicherweise auf einen Wert von über 0,5 Promille. Da ist es wahrscheinlicher, dass dir vorher furchtbar schlecht wird. Um also wirklich betrunken zu werden, müsstest du also über 100 davon essen. Ähnlich sieht es auch mit den anderen Leckereien aus. Bevor du also betrunken bist, wird dir wahrscheinlich übel.
  • Bei Mon Chéri etwa müsstest du mindestens 132 Pralinen essen, um einen Blutalkoholwert von 1,32 Promille zu erreichen. Das bestätigte auch ein Gutachter vor Gericht, welcher die Aussagen eines Angeklagten mit wissenschaftlichen Daten untermauerte.
Schaubild: Mengenvergleich Pralinen vs. Bier/Wein

Persönliche Erfahrungen: Selbsttest mit alkoholhaltigen Pralinen

Ein Selbstversuch zeigt, was passiert, wenn man versucht, sich durch Schnapspralinen zu berauschen: Nach zehn Pralinen war mir schon übel. Ich wartete 20 Minuten, damit der Alkohol in meinen Blutkreislauf aufgenommen werden konnte. Danach zeigte das Atemtestgerät 0,3 Promille. Nach der zwanzigsten Praline fühlte ich mich dann aber schon beschwipst.

Ich durchsuchte das Internet nach Ratschlägen und las irgendwo, dass der Zucker und das Fett in der Schokolade die Wirkung des Alkohols schwächen könnten und ich mich dadurch weniger betrunken fühlen würde. Ich fing an, die Seiten abzubeißen und den Alkohol herauszulecken. Ich versuchte auch, die Pralinen als Schnapsglas zu verwenden und den Alkohol daraus zu trinken. Nach 30 Pralinen machte ich wieder eine Pause. Das Atemtestgerät zeigte 0,5 Promille.

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Selbstversuch: Schnapspralinen und Blutalkoholmessung

Mein Mund quoll fast über mit billiger Schokolade und Baileys-Imitat, doch irgendwie habe ich es geschafft, 45 Pralinen in mich reinzustopfen, ohne mich zu übergeben. Das Atemtestgerät spann aber diesmal und zeigte von 0,0 bis 0,7 alles an. Doch wie konnte ich mir ohne einen wissenschaftlichen Beweis meiner Trunkenheit sicher sein? Körperliche und geistige Tests folgten: Ich hatte Schwierigkeiten, aufs Rad zu steigen, konnte aber dennoch fahren. Am Computer machte ich einen Mathe-Test für Elfjährige und brauchte ungewöhnlich lange, was auf eine leichte Beeinträchtigung hindeutete.

Gerichtsentscheidungen: Pralinen als Ausrede für Trunkenheit?

Ein kurioser Fall vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main sorgte für Aufsehen: Ein Mann hatte nach eigenen Angaben eine Tüte Schnapspralinen gegessen und argumentierte, seine Trunkenheit sei ausschließlich darauf zurückzuführen. In der Verhandlung gab der Alkoholsünder an, nach einem Saunabesuch unterzuckert im Auto auf dem Parkplatz eingeschlafen zu sein. Von einem unbekannten Pärchen habe er einen Beutel mit etwa tischtennisballgroßen und vermutlich mit Wodka gefüllten Pralinen angeboten bekommen. Davon habe er acht oder neun Stück gegessen. Dass sie mit Alkohol gefüllt gewesen seien, habe er nicht bemerkt.

Ein Sachverständiger erklärte, dass der Mann rund 0,2 bis 0,3 Liter Hochprozentiges trinken müsste, um auf einen Messwert von 1,32 Promille zu kommen. Das entspräche etwa 132 Mon Chéri-Pralinen. Selbst wenn er nur zwölf gegessen hätte, hätte jede mehr als zwei Zentiliter Schnaps enthalten müssen. Das Gericht stufte die Argumentation als nicht glaubhaft ein und verurteilte den Angeklagten wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe und entzog ihm die Fahrerlaubnis.

Zusammenhang von Pralinenkonsum und fühlbarer Alkoholeffekt

Menge PralinenBlutalkohol (Promille)Körperliche Auswirkungen
100,3Übelkeit
200,3-0,5leichte Beeinträchtigung
300,5Beschwipst, Konzentrationsprobleme
1321,32Fahruntüchtigkeit

Dabei muss man sich vor Augen halten: Um wirklich betrunken zu werden, müsstest du also über 100 Pralinen essen. Ähnlich sieht es auch mit anderen Leckereien aus wie Rumkugeln und Stollen. Bevor du also betrunken bist, wird dir wahrscheinlich übel - die Menge an Zucker ist enorm.

Illustration: Pralinen und Auswirkungen auf den Promillewert

Gesundheitliche Hinweise und Aufklärung

Neben dem eigentlichen Alkoholgehalt spielt auch die Beeinflussung durch Zucker und Fett eine große Rolle: Der Zucker und das Fett in der Schokolade schwächen die Wirkung des Alkohols. Das ist vor allem für Kleinkinder, Schwangere, Kranke und Alkoholiker eine Gefahr - denn der Alkoholgehalt wird oft nicht ausreichend gekennzeichnet.

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Bereits bei einem Blutalkoholgehalt zwischen 0,3 und 0,5 Promille kannst du in bestimmten Fällen schon Probleme bekommen. Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass du diese mit Süßigkeiten schaffst: Es reicht dann beispielsweise ein Bier zum Essen oder ein Glas Wein, dann kann es schon eng werden, wenn du zu oft nach den Naschereien greifst.

Was zählt, sind Achtsamkeit und Aufklärung und nicht die Tatsache, ob ein Kind nun Zugang zu Likörpralinen hat oder nicht. Selbst wenn ein Kind zwölf Packungen Likörpralinen bei dem Versuch verdrücken würde, sich zu betrinken, wäre eines gewiss: Es wäre so angewidert, dass es bis zu seinem 18. Geburtstag keine mehr essen möchte.

Fazit: Beschwipst durch Weihnachtssüßigkeiten?

Generell gilt Entwarnung: Alkoholhaltige Pralinen machen in der Regel nicht betrunken, solange man sie in üblichen Mengen genießt. Du musst dich, bildlich gesprochen, durch Berge von Rumkugeln, Weinbrandbohnen und Stollen essen, bis du fahruntüchtig oder betrunken bist. Pralinen können zwar betrunken machen. Aber vor dem Rausch dürfte die Übelkeit kommen.

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