Kakao ohne Mineralölrückstände: Informationen zu Schadstoffen, Zucker und Lieferkette

Morgens eine Tasse Kakao? Das Getränk ist nicht nur bei Kindern beliebt. Ein heißer Kakao hebt die Stimmung und versetzt uns in glückliche Kindheitstage zurück. Öko-Test hat sich Kakaopulver jetzt genauer angesehen - und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis: In den Pulvern steckt meist zu viel Zucker, in einigen auch Mineralöl.

Was hat Öko-Test untersucht?

Für den Test haben die Verbraucherschützer:innen von Öko-Test 16 kakaohaltige Getränkepulver eingekauft, darunter sieben Bioprodukte. Sie haben Packungen ausgewählt, die sich mit ihrer Produktaufmachung gezielt an Kinder richten. Die Produkte haben zwischen 1,30 und 6,49 Euro gekostet und wurden in umfangreichen Laborprüfungen analysiert. In umfangreichen Laborprüfungen ließen wir den Zucker- und Fettgehalt, Methylxanthine (Theobromin, Coffein) und den Kakaopulveranteil bestimmen, außerdem wurden Cadmium und Mineralöl analysiert. Auch die Belastung mit Keimen wie Enterobacteriaceen, E.coli, Salmonellen und Schimmel wurde gemessen. Darüber hinaus bestimmte das Labor mithilfe eines standardisierten Löffels ein Löffelgewicht, anhand dessen sich die Portionsgröße berechnen ließ, wenn der Hersteller selbst hierzu keine Angaben auf der Verpackung machte.

Kakaopulver-Proben im Labor

Hauptbefunde: Zucker, MOSH und Cadmium

Die Hauptzutat aller Produkte ist nicht etwa Kakao, sondern Zucker - und das mal wieder in einer Produktgruppe, deren Marketing sich vornehmlich an Kinder richtet. Was zudem extrem auffällig war: Der geringste vom beauftragten Labor festgestellte Zuckergehalt lag bei rund 60 Prozent. Zehn Produkte der insgesamt 16 im Labor untersuchten Produkte enthielten mehr als 80 Prozent Zucker. Neben den Inhaltsstoffen haben die Verantwortlichen von Öko-Test bei ihren Analysen auch Lieferkette und Anbaubedingungen ins Visier genommen.

Besonders geht es um gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) und Cadmium. In insgesamt sieben Produkten wies das Labor Mineralölbestandteile nach, genauer gesagt gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH). MOSH reichern sich im menschlichen Fettgewebe und der Leber an. In einigen Kakaopulvern wurden die bedenklichen Mineralölbestandteile MOSH nachgewiesen. MOSH reichern sich im menschlichen Fettgewebe und der Leber an. Bei MOAH sieht die Sache anders aus: Einige aromatische Kohlenwasserstoffe, vor allem solche mit drei oder mehr aromatischen Ringen, gelten als erbgutverändernd und krebserzeugend, schreibt die Efsa.

Bedenklich für die Gesundheit von Verbraucher:innen ist zudem, wenn Kakao und Schokolade größere Mengen des Schwermetalls Cadmium enthalten. Cadmium reichert sich im menschlichen Körper an, ist krebserregend und kann zu Nierenproblemen führen sowie die Knochen demineralisieren. Bei Schokolade und Kakaopulver gelten in der EU seit dem Jahr 2019 − abhängig von der Art des Produkts − Grenzwerte von 0,1 bis 0,6 Milligramm Cadmium pro Kilogramm.

Lesen Sie auch: Rezept für erfrischenden Minzkakao

Wie gelangen Mineralölbestandteile in Kakao und Verpackungen?

Mineralölbestandteile können auf verschiedenen Wegen in Lebensmittel gelangen. Das BfR weist in diesem Zusammenhang z. B. seit Jahren darauf hin, dass der Übergang von Mineralölbestandteilen aus recycelten Kartons auf Lebensmittel möglich und zu erwarten ist, da für die Herstellung unter anderem bedrucktes Altpapier verwendet wird, das Mineralölbestandteile aus Zeitungsdruckfarben enthalten kann. Mineralöle gehen beispielsweise aus Jutesäcken in Kakaobohnen über. Bei Verpackungen kommen als Verunreinigungen vor allem so genannte „batching oils“ sowie Druckfarbenbestandteile in Betracht. Für die Herstellung von Karton aus recyceltem Altpapier wird auch bedrucktes Zeitungspapier benutzt. Diese können bisher im Recyclingprozess nicht ausreichend entfernt werden und gelangen so in die Lebensmittelverpackungen aus Recyclingkarton.

Analytik und Bewertung: Warum die Bestimmung schwierig ist

Die Mineralölgehalte in Lebensmitteln zuverlässig zu bestimmen, wird daher noch wichtiger. Die Analyse gelte als äußerst anspruchsvoll, insbesondere, da es sich um komplexe Gemische handele, die als Summe aller Komponenten zu quantifizieren sei. Nach derzeitigem Technikstand würden MOSH und MOAH am einfachsten mit einer online gekoppelten Flüssigchromatographie-Gaschromatographie-Flammenionisationsdetektion analysiert, nachdem die Proben säulenchromatographisch gereinigt sind. Ein normiertes in Ringversuchen überprüftes Referenzverfahren, um die Mineralölbestandteile zu analysieren, gebe es aber bisher nicht.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2023 abgeschätzt, dass erwachsene Verbraucher über Lebensmittel täglich zwischen 9 und 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht MOSH aufnehmen, sowie zwischen 0,4 und 13 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH). Für die Bewertung der MOAH-Gehalte in Lebensmitteln ist die Fraktion mit drei oder mehr aromatischen Ringen besonders relevant, da in dieser Fraktion erbgutverändernde und krebserzeugende Stoffe enthalten sein können.

Laboranalyse: LC-GC/FID-Gerät

Testergebnisse: Viele Produkte schneiden schlecht ab

Von den insgesamt 16 Kakaopulvern im Öko-Test waren kein einziges „sehr gut“ oder „gut“. Keines der Produkte schneidet dabei besser als „befriedigend“ ab. Ausgerechnet die wohl bekanntesten Marken wie „Nesquik“ von Nestlé und „Kaba“ erreichen lediglich die Note „ungenügend“. Das liegt laut Verbraucherschützer:innen vor allem bei beiden Produkten am unverhältnismäßig hohem Zuckergehalt und zugesetzten Aromastoffen. Die Probleme von Nesquik: zu viel Zucker, Mineralölbestandteile, zusätzliche Aromastoffe, aus unserer Sicht problematische Werbung und ein nur ausreichendes Teilergebnis Kakaoanbau und Transparenz. Auch der Kaba Das Original Kakao, dessen Name so bekannt ist, dass er für viele synonym für Kakaopulver steht, schneidet "ungenügend" ab.

Mit der Note „befriedigend“ schneiden immerhin drei Produkte ab, darunter der „Ja! Kakao Drink“ von Rewe und der „Cho Quick“ von Penny. Das Bio-Produkt „BioKids Kakaodrink“ von Bio Zentrale überzeugt die Tester:innen mit einem deutlich geringeren Zuckergehalt im Vergleich zu den anderen Produkten. Wer Wert auf weniger Zucker legt, wird vor allem bei den Bio-Produkten fündig. Bei allen sechs Bio-Kakaopulvern ist der Zuckergehalt „in Ordnung“.

Lesen Sie auch: Alles über 100%ige Kakaoschokolade: Vorteile und Nachteile

Transparenz, Arbeitsbedingungen und Umweltaspekte

Das Augenmerk der Verbraucherschützer:innen lag nicht nur auf den Inhaltsstoffen und möglichen Schadstoffen, sondern auch auf der Herkunft der Hauptzutat, dem Kakao. Die Hersteller sollten ihre Lieferkette belegen sowie Auskunft zu Zertifizierungen und der Zahlung von Mindestpreisen, existenzsichernden Löhnen und Prämien geben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Vor allem bei den sozialen Aspekten machten Hersteller keine oder lückenhafte Angaben. Die Lieferkette für die von uns getestete Charge haben uns die wenigsten Hersteller vollumfänglich belegt. Lediglich zweimal erhielten wir Nachweise bis zu den Kleinbauer:innen, anhand derer wir die Lieferkette lückenlos nachvollziehen konnten. Andere belegten sie nur bis zum Kakaolieferanten.

Allerdings fallen nicht nur die Produkte wegen ihres Zuckergehaltes und ihrer Schadstoffe meist durch, die Tester von Öko-Test kritisieren außerdem den problematischen Anbau und die Menschenrechtsverletzungen auf den Kakaoplantagen der Anbauländer. Auch eine angemessene Bezahlung für die Kakaobohnenpflücker:innen wird bemängelt. Das garantiere auch kein Fairtrade-Siegel. Ebenfalls fehlt es oftmals an Kontrollmechanismen für verbotene Kinderarbeit in den entsprechenden Ländern. So sollen laut Unicef etwa 1,56 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren allein in Ghana und der Elfenbeinküste im Kakaoanbau arbeiten.

Scharfe Kritik übt Öko-Test an: Menschenrechtsverletzungen auf den Plantagen und fehlenden Kontrollmechanismen bei Kinderarbeit, keine angemessene Bezahlung der Kakaobohnenpflücker und mangelnder Umweltschutz - Gefahr vor Pestiziden. Giftige Pestizide belasten die Gesundheit der Kakaobauern und die Umwelt. Doch von den 338 Substanzen decken sowohl Fairtrade als auch Rainforest Alliance gerade einmal weniger als die Hälfte ab.

Kakaoernte in Westafrika

Entwaldung und Zertifizierungen

Als weiteres Problem führen die Verbraucherschützer illegale Rodungen wertvoller Wälder für Kakaobäume an. Fairtrade und Rainforest Alliance schreiben zwar, dass ihre Standards die Abholzung von Regenwald ausschließen, doch lange haperte es an funktionierenden Kontrollmechanismen. Der Zertifizierer Rainforest Alliance setze zwar bereits ein Entwaldungsverbot ein und nutze dazu die Satellitenkartierung zur Überwachung. Fairtrade sei hier noch nicht ganz so weit. Doch ein Abholzungsverbot greift nach Angaben von Öko-Test erst ab 2024.

Was kann Verbraucher:innen tun?

Fertiges Kakaopulver sollte aus gesundheitlicher Sicht nur selten auf deinem oder dem Frühstückstisch von Kindern stehen. Der Zuckergehalt ist in den von Öko-Test untersuchten Marken fast überall zu hoch. Halte deshalb Ausschau nach dem Fairtrade-Siegel, noch besser nach den Zeichen von GEPA fair+ oder Rapunzel Hand in Hand. Tipp: Am besten kaufst du fairen puren Kakao und mischst in deine heiße Schokolade nur so viel Zucker, wie du möchtest. Fairer Handel mit einer fairen Bezahlung der Arbeiter:innen ist bei Produkten aus dem globalen Süden unverzichtbar.

Lesen Sie auch: Ein detaillierter Blick auf das Kakao-Fasten

Interview mit Lebensmittelchemiker über MOSH und MOAH

Praktische Hinweise beim Kauf

  • Achte auf den Zuckergehalt: Viele Produkte enthalten über 60 % Zucker; Bio-Produkte schneiden hier oft besser ab.
  • Suche nach Transparenz: Hersteller, die Lieferketten bis zu Kleinbauern nachweisen können, bieten mehr Vertrauenswürdigkeit.
  • Bevorzuge reine Kakaopulver und dosiere Zucker selbst.
  • Achte auf Zertifikate, aber prüfe kritisch: Kein Siegel garantiert automatisch existenzsichernde Löhne oder vollständige Entwaldungskontrolle.

Wissenschaftliche und regulatorische Perspektive

Die Europäische Kommission hat Grenzwerte für MOAH erarbeitet, die vermutlich frühestens ab dem Jahr 2026 als offizielle Grenzwerte in Kraft treten werden. Das BfR geht davon aus, dass besonders bei trockenen Lebensmitteln mit einer großen Oberfläche die Migration aus Verpackungen relevant ist. Für MOSH kommt die EFSA zu dem Ergebnis, dass die aktuelle Aufnahmemenge in der europäischen Bevölkerung über Lebensmittel keinen Grund zur Besorgnis darstellt, die Datenlage ist jedoch unvollständig. Die analytische Nachweislage ist herausfordernd, und es gibt derzeit keine gesetzlichen Grenzwerte, die die Gehalte an Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln umfassend regulieren.

Langfristige Herausforderungen für den Kakaosektor

Pflanzenkrankheiten und der Klimawandel bedrohen den Kakaoanbau; strenge Grenzwerte für Verunreinigungen erfordern neue Praktiken, und hohe Rohstoffpreise können für kleine Hersteller das Aus bedeuten. Seit dem Jahr 2023 steigen die Kakaopreise. Grund für die hohen Preise sind unter anderem massive Ernteausfälle in Westafrika. Forscher arbeiten an Lösungsansätzen, etwa durch Bodenmaßnahmen gegen Cadmium-Aufnahme, Züchtung geeigneter Sorten oder sogar zellkulturelle Alternativen zur Herstellung kakaohaltiger Produkte.

Wichtige Testergebnisse (Übersicht)

Problembereich Funde im Test
Zuckergehalt Geringster gemessener Anteil ~60%, zehn Produkte >80%
Mineralölbestandteile (MOSH) In sieben Produkten nachgewiesen; fünf davon Bio-Label
Cadmium In mehreren Produkten nachgewiesen; EU-Grenzwerte 0,1-0,6 mg/kg
Transparenz / Lieferkette Nur zwei Hersteller lieferten lückenlose Nachweise bis zu Kleinbauern
Werbung Verpackungsdesign oft gezielt an Kinder gerichtet; Kritik gemäß WHO-Empfehlungen

Unabhängiger Journalismus braucht Menschen, die dahinterstehen - auch in der Google-Suche. Hinweis: Öko-Test veröffentlichte die Testergebnisse erstmalig in der Ausgabe 05/2023. Haben sich zwischenzeitlich Änderungen bei den Produkten oder gesetzlichen Grenzwerten ergeben, ließen die Verbraucherschützer:innen eine neue Laboranalyse durchführen.

tags: #Kakao #ohne #Mineralöl #Rückstände #Informationen

Populäre Artikel: