Ist Honig ein Allergen? Eine umfassende Betrachtung

Honig, ein Naturprodukt, das aus Nektar und Honigtau von Bienen gewonnen wird, besteht hauptsächlich aus einem Zuckergemisch (65-80 %) und Wasser (16-20 %). Weitere Inhaltsstoffe können Pollen, Pilzsporen, Bienenkörperbestandteile oder anderes organisches Material sein. Obwohl Honig viele positive Eigenschaften zugeschrieben werden, stellt sich die Frage, ob er auch ein Allergen sein kann. Dieser Artikel beleuchtet die Thematik umfassend und geht auf verschiedene Aspekte ein.

Allergie oder Unverträglichkeit: Eine wichtige Unterscheidung

Oft werden die Begriffe Allergie und Unverträglichkeit synonym verwendet, obwohl es sich um unterschiedliche Reaktionen des Körpers handelt. Bei einer Nahrungsmittelintoleranz kommt es zu Stoffwechselstörungen, beispielsweise durch einen Enzymdefekt oder -mangel. Dies führt zu dosisabhängigen Darmreaktionen wie Blähungen, Krämpfen, Durchfall oder Verstopfung. Häufige Beispiele sind Laktose-, Fruktose- und Sorbitintoleranz.

Im Gegensatz dazu ist eine Allergie eine fehlorientierte Immunreaktion auf bestimmte Stoffe, die Allergene, die in der Umwelt oder Nahrung vorkommen. Der Körper stuft diese als fremd ein und löst eine spezifische Immunantwort aus. Bereits kleinste Mengen des Allergens können ausreichen, um allergische Symptome hervorzurufen. Diese können von Schwellungen im Mund-, Nasen- und Rachenraum über Magen-Darm-Beschwerden und Atemwegsprobleme bis hin zu Hautreaktionen und einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock reichen.

Gibt es ein Honigallergen?

Es gibt kein spezifisches "Honigallergen" im engeren Sinne, aber Honig kann Allergene enthalten. Bei allergischen Reaktionen auf Honig können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen:

  • Pollen: Im Honig enthaltene Pollen werden oft als Ursache für allergische Reaktionen angesehen. In 10 Gramm Honig finden sich durchschnittlich 20.000 bis 100.000 Pollen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Pollen von Insekten-bestäubten Pflanzen wie Klee, Löwenzahn, Weiden oder Raps, aber auch um einige vom Wind bestäubte Pollen. Die Zusammensetzung der Pollen hängt von Ort, Jahreszeit und Herstellungsmethode des Honigs ab.
  • Pilzsporen: Auch Pilzsporen können im Honig enthalten sein und allergische Reaktionen auslösen.
  • Bienenkörperbestandteile: Allergien auf Bienenkörperbestandteile sind ebenfalls möglich.
  • Kreuzallergien: Eine allergische Reaktion auf Honig kann auch auf einer Kreuzallergie beruhen, beispielsweise bei Pollenallergikern.

Es ist wichtig zu beachten, dass eine Pollenallergie nicht automatisch eine Honigallergie bedeutet. Manche Pollenallergiker reagieren nur auf bestimmte Honigsorten, während sie andere vertragen.

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Pollen im Honig: Menge und Relevanz

Die Menge an Pollen im Honig ist normalerweise nicht ausreichend, um einen wirksamen Effekt zu erzielen. Der Gesamtanteil der Pollen im Honig beträgt maximal 0,1 %. Zudem handelt es sich meist um ein Gemisch unterschiedlicher Pollenarten. Bienen sammeln vorwiegend Nektar und Pollen von insektenblütigen Pflanzen, während windblütige Pflanzen wie Hasel und Erle im Frühjahr eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienenbrut darstellen.

Api-Therapie und Bienenstockluft

Die Api-Therapie umfasst verschiedene Anwendungen mit Honigbienenprodukten. Honig wird zum Verzehr verwendet, und Bienenstockluft wird zur Inhalation eingesetzt. Bienenstockluft ist ein Dampfgemisch, das neben Pollen auch Propolis, Wachse, Harze und ätherische Öle enthält. Propolis soll entzündungshemmend wirken, kann aber auch Allergien auslösen. Auch die in der Bienenstockluft enthaltenen Pollen oder ätherischen Öle können allergische Reaktionen hervorrufen.

Obwohl mit der Api-Therapie geworben wird, dass der Pollenkontakt allergische Reaktionen reduzieren soll, geht der DAAB davon aus, dass die Pollen in der Regel nicht in ausreichender Menge vorhanden sind, um einen ähnlichen Effekt wie bei einer Hyposensibilisierung zu erzielen. Daher wird diese Therapie zur Anwendung bei Heuschnupfen nicht empfohlen.

Diagnostik und Behandlung einer Honigallergie

Bei Verdacht auf eine Honigallergie sollte ein Allergietest beim Arzt durchgeführt werden. Eine gängige Methode ist der Pricktest. Bei der Behandlung akuter allergischer Beschwerden helfen Antihistaminika.

Allergenkennzeichnung und Honig

Honig ist ein reines Naturprodukt ohne jegliche Zutaten. Daher gibt es kein Zutatenverzeichnis und keine Kennzeichnung von möglichen allergenen Zutaten. Allerdings reagieren etwa 2 bis 11 % der Bevölkerung allergisch auf Proteinbestandteile im Honig. Ob und welche Allergene im Honig eine Allergie auslösen, ist bisher nicht eindeutig geklärt.

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Seit dem Inkrafttreten der Lebensmittelinformationsverordnung VO (EU) Nr. 1169/2011 müssen die 14 häufigsten Allergieauslöser im Zutatenverzeichnis der Lebensmittel aufgeführt werden, auch wenn sie nur in kleinsten Mengen vorhanden sind.

Kennzeichnung von Allergenen: Was ist zu beachten?

Die Allergenkennzeichnung ist auf allen vorverpackten Lebensmitteln Pflicht. Die Zutaten, die zu den häufigsten Allergenen gehören, müssen genannt werden. Bei loser Ware kann die Information schriftlich oder mündlich erfolgen. Bei der mündlichen Auskunft muss eine schriftliche Dokumentation vorliegen, die Verbraucher:innen auf Wunsch einsehen können.

Die "Spurenkennzeichnung" ("Kann Spuren von… enthalten") ist rechtlich nicht geregelt und daher für Verbraucher:innen nicht hundertprozentig verlässlich.

Allergene in Gerichten und Küchen

Prinzipiell besitzen fast alle Nahrungsmittel Strukturen, die Allergien auslösen können. Deklarationspflichtig sind aber nur die 14 häufigsten Nahrungsmittelallergene. Da diese Allergene in vielen Einrichtungen verwendet werden, können Kreuzkontaminationen nicht zu 100 % ausgeschlossen werden.

Um eine einwandfreie Deklaration der Allergene sicherzustellen, müssen alle Produkte, die in die Einrichtungen gelangen, vom Hersteller einwandfrei deklariert sein. Diese Deklaration wird in interne Dokumentationssysteme übernommen und ermöglicht eine korrekte Deklaration der Speiserezepte.

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Praxis-Tipps zur Allergenkennzeichnung

  • Verwenden Sie klare und einheitliche Formulierungen in Speisekarten und Produktlisten.
  • Ergänzen Sie bei Bedarf Piktogramme oder Icons für eine schnelle visuelle Erkennung.
  • Stellen Sie eine Allergenübersicht als gedruckte Liste oder per QR-Code bereit.
  • Aktualisieren Sie Ihre Angaben unmittelbar bei Rezeptänderungen.
  • Kennzeichnen Sie auch unbeabsichtigte Spuren („Kann Spuren von … enthalten“).

Bei der Kennzeichnung von glutenhaltigem Getreide und Schalenfrüchten muss stets die genaue Sorte genannt werden (z.B. "Weizen" statt "Getreide", "Mandeln" statt "Nüsse").

Allergien bei Kindern und Erwachsenen

Allergien treten in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich häufig auf. Erwachsene reagieren häufiger auf Fisch, Obst und Nüsse, während bei Kleinkindern oft Kuhmilch oder Hühnereiweiß die Auslöser sind. Im Laufe des Lebens können sich Allergien verändern. Frühzeitige Information und eine angepasste Ernährung helfen, Beschwerden zu vermeiden und das Risiko für Folgeerkrankungen zu senken.

Honig mit Zusätzen

Honig darf keine anderen Stoffe als Honig zugefügt werden. Ein Honig, dem beispielsweise Gewürze zugesetzt sind, ist kein Honig im Sinne der Honigverordnung. Für die Kennzeichnung eines Erzeugnisses wie "Honig + Gewürz" gelten die allgemeinen Anforderungen der LMIV. Es muss eine beschreibende Verkehrsbezeichnung verwendet werden, die nicht gegen die Vorgaben der Honigverordnung verstößt.

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