Ist Marmelade vegan? Was Veganer beim Kauf beachten sollten

Marmelade gehört zu den Klassikern auf dem Frühstückstisch. Manche streichen sie pur aufs Brot, andere genießen sie mit Sojajoghurt - oder gleich mit dem Löffel aus dem Glas. Doch ist Marmelade eigentlich immer vegan? Und worauf sollte man als Veganer achten?

Begriffsverwirrung: Marmelade, Konfitüre, Fruchtaufstrich

Streng genommen ist Marmelade der falsche Begriff für den leckeren Brotaufstrich aus Früchten und Zucker. Denn die deutsche Konfitürenverordnung besagt: Nur Zubereitungen aus Zitrusfrüchten dürfen Marmeladen heißen, zudem muss der Fruchtanteil bei einem Kilogramm Marmelade mindestens 200 Gramm betragen. Im Alltag wird dieser Begriff aber gleichbedeutend verwendet wie Konfitüre und Fruchtaufstrich. Eine weitere Regelung in der Verordnung legt fest, dass Konfitüren mindestens 55 Prozent Zucker enthalten müssen. Für Fruchtaufstriche gibt es eine solche Vorgabe nicht, sie haben folglich oft höhere Fruchtanteile.

Welche Zutaten machen Marmelade nicht-vegan?

Da in vielen fruchtigen Süßigkeiten (z. B. Gummibärchen) Gelatine zum Einsatz kommt, könnte man denken, dass auch in Marmelade Gelatine verwendet würde. Gelatine wird aus Schwarten hergestellt und ist weder vegetarisch, noch vegan. Daher wäre Marmelade, die mit Gelatine zubereitet wurde, auch nichts für Vegetarier und Veganer. Gelatine (E441): Aus tierischen Knochen und Häuten. Manche kommerziellen Produkte enthalten Gelatine (E441) als Geliermittel, das aus tierischen Knochen und Häuten gewonnen wird. Auch Cochenille (E120, Farbstoff aus Schildläusen) kann vorkommen.

Was allerdings in seltenen Fällen vorkommt, ist die Verwendung von Honig. Honig darf in Konfitüren und Fruchtaufstrichen eingesetzt werden. Die Konfitürenverordnung legt fest: Honig darf in allen Erzeugnissen als Ersatz für einen Teil des Zuckers oder den gesamten Zucker verwendet werden. Damit kann es sein, dass in Konfitüren oder Marmeladen Honig verarbeitet wurde. Der häufigste nicht-vegane Zusatz in Marmelade ist Honig. Die Konfitürenverordnung erlaubt, Zucker teilweise oder vollständig durch Honig zu ersetzen - deshalb immer die Zutatenliste lesen.

Warum Marmelade in Deutschland und Österreich meist vegan ist

In echter Marmelade (aus Zitrusfrüchten) kommt - laut deutscher Konfitürenverordnung - keine Gelatine zum Einsatz. Auch andere Tierprodukte sind nicht als Zutat zugelassen. Marmelade, die unter dieser Bezeichnung im deutschen Handel verkauft wird, ist daher (laut Zutatenliste) immer vegan. Die Konfitürenverordnung schließt Gelatine als Geliermittel aus - stattdessen kommt immer pflanzliches Pektin zum Einsatz. Das entscheidende Dokument für Marmelade-Veganer ist die Konfitürenverordnung: Sie erlaubt als Geliermittel ausschließlich Pektin - Gelatine aus Tierknochen und -häuten ist verboten.

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Laut ÖKO-TEST gilt die Konfitürenverordnung für alle Marmeladen, Konfitüren und Fruchtaufstriche, die nach EU-Recht hergestellt werden. Wer im österreichischen oder deutschen Supermarkt eine Konfitüre kauft, findet darin rechtlich keine Gelatine. Jede normale Marmelade ohne Sonderzutaten ist damit vegan. Die Veganivore-Analyse bestätigt, dass normale Marmelade ohne Sonderzutaten in Deutschland und Österreich verlässlich vegan ist.

Übliche Geliermittel: Pektin und Agar-Agar

Als Geliermittel in Konfitüren und Fruchtaufstrichen wird praktisch immer Pektin verwendet, ein Stoff, der aus pflanzlichen Rohstoffen (z. B. aus Apfeltrester) gewonnen wird. Pektin wird laut Utopia aus Apfeltrester oder Zitrusschalen gewonnen und ist immer vegan. Was in vielen Zutatenlisten von Marmelade, Konfitüre und Co. zu finden ist, ist Pektin. Hinter dem Begriff verbergen sich pflanzliche Polysaccharide, also Vielfachzucker aus Pflanzen. Pektine werden in Lebensmitteln wie süßem Aufstrich als Geliermittel verwendet.

Agar-Agar stammt aus Rotalgen, geliert auch ohne Zucker und macht die Marmelade etwas fester. Wichtig bei Agar-Agar: Es muss mindestens 2 Minuten sprudelnd kochen, damit die Gelierwirkung aktiviert wird. Bei sehr sauren Früchten kann Agar-Agar an Gelierkraft verlieren.

Produktion und versteckte tierische Hilfsstoffe

Was man nicht wissen kann, ist, ob im Lauf der Herstellung nicht vielleicht doch irgendwo ein tierisches Produkt als Hilfsstoff eingesetzt wurde. Ist in der Marmelade Saft enthalten, kann es sein dass diese Säfte mit Gelatine geklärt sein können. Fruchtsäfte, die zur Verwendung von Marmeladen, Gelees und Co verwendet werden, können mit Gelatine geklärt worden sein. Da Gelatine als Produktionshilfsmittel nicht deklariert werden muss, hilft hier im Zweifel nur eine Produktanfrage beim Hersteller. Der Knackpunkt für Veganer, jedenfalls für die strengen, ist, dass im Produktionsprozess tierische Substanzen zum Einsatz gekommen sein könnten. Diese stehen nun mal nicht auf der Zutatenliste.

Praktische Hinweise: Zutatenliste und Siegel

Wie immer gilt: Zutatenliste beachten. Denn auch wenn Konfitüren, Marmeladen und Fruchtaufstriche nach unserer Recherche praktisch immer vegan sind (bis auf die genannten Ausnahmen, wo Honig zum Einsatz kommt), geben doch nur die Zutatenlisten konkret Auskunft. Ich vermute, dass fast alle Konfitüren im Handel tatsächlich vegan sind. Aber wissen kann man es nicht, solange es nicht drauf steht. Man kann übrigens ohne weiteres bei Herstellern nachfragen. Wer sich streng vegan ernähren möchte, ist daher nur bei Produkten mit einem vegan-Siegel auf der sicheren Seite.

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Das sicherste Erkennungszeichen für garantiert vegane Marmelade ist das V-Label oder die Veganblume. Ohne Siegel gilt: Enthält die Zutatenliste nur Früchte, Zucker, Pektin und eventuell Zitronensäure, ist die Marmelade vegan.

Markenbeispiele: Viele bekannte Sorten sind vegan

Darbo, Maribel, Mövenpick, Schwartau und Zentis setzen auf rein pflanzliche Rezepturen. Darbo Gartenerdbeeren Konfitüre, Himbeer Konfitüre passiert und die Naturrein-Linie mit 55% Fruchtanteil sind alle vegan. Die Zutatenliste zeigt ausschließlich Früchte, Zucker, Pektin und Zitronensäure. Darbo ist bei Billa, Spar, Hofer und Lidl Österreich dauerhaft im Regal - auch die Darbo Rosenmarillen Konfitüre passiert ist vegan.

Maribel Erdbeer-Konfitüre Extra, Waldfrucht und Bio Organic Konfitüre Extra Erdbeere (Bioland-zertifiziert) enthalten nur Früchte, Zucker, Pektin und Zitronensäure. Mövenpick Gourmet-Frühstück ist eine Premiummarke bei Interspar und Billa Plus. Die Sorten Erdbeere, Himbeere, Himbeer-Passionsfrucht und Kirsch-Heidelbeere enthalten nur Früchte, Zucker, Pektin und Zitronensäure.

Schwartau Samt Erdbeere ist die erste Adresse für Veganer im deutschen Supermarkt. Die seidige Textur kommt von einer besonders feinen Verarbeitung ohne tierische Zutaten - Schwartau Samt Himbeere und Brombeere sind ebenfalls vegan. REWE Ja! Konfitüre und REWE Bio Konfitüren sind vegan, da alle Hausmarken-Konfitüren auf Pektinbasis hergestellt werden. Eigenmarken bei Edeka, Kaufland und Lidl folgen demselben Muster. BILLA Bio Konfitüre Extra Erdbeere und Clever Marillen Konfitüre Extra sind vegan. Bei Spar sind SPAR Natur*pur Bio-Konfitüren verlässlich vegan. Hofer führt unter "Zurück zum Ursprung" Bio-Konfitüren ohne tierische Zutaten. Bei Lidl Österreich sind die Fruchtaufstrich-Eigenmarken ebenfalls vegan.

Ausnahmefälle dokumentiert

Update: Wir haben in einer Rosen-Konfitüre sogar Karmin (E 120) entdeckt. Dieses wird aus Schildläusen gewonnen und ist nicht vegan oder vegetarisch. Mehr über Karmin erfahren. Die zweite Ausnahme betrifft Vanillearoma: Manche Vanille-Varianten wie Schwartau Samt Erdbeer-Vanille enthalten Milchbestandteile im Aroma. Das ist leicht erkennbar: "Vanillearoma (Milch)" steht dann in Klammern hinter dem Aroma-Eintrag in der Zutatenliste.

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Selbstgemachte Marmelade: Kontrolle über Zutaten und Methoden

Wenn du Marmelade selber machst, weißt du genau, was drin ist. Normale und selbstgemachte Marmelade sind automatisch vegan, sobald du Gelierzucker verwendest. Gelierzucker besteht aus Zucker, Pektin und Zitronensäure - alle pflanzlich. Gelierzucker enthält Pektin aus Apfel- oder Zitrusschalen und Zucker - die einfachste Option. Veganivore hat 15 verschiedene Gelierzucker auf dem deutschen Markt überprüft - alle waren vegan.

Gelierprobe: Einen Teelöffel Marmelade auf einen eiskalten Teller geben. Hält sie nach 1 Minute stand, ist sie fertig. Heisse Marmelade sofort in sterile Gläser füllen (ca. Haltbarkeit: Kühl und dunkel bis zu 12 Monate). Glas und Deckel müssen vorher sterilisiert werden. Methode 1 - Kochen: Gläser und Deckel 10 Minuten in einem großen Topf mit sprudelnd kochendem Wasser sterilisieren. Methode 2 - Backofen: Saubere Gläser (ohne Deckel) bei 120 Grad Ober-/Unterhitze 15 Minuten im Backofen erhitzen. Richtig eingekochte vegane Marmelade mit ausreichend Zucker hält bis zu 12 Monate kühl und dunkel gelagert. Nach dem Öffnen kühl stellen und innerhalb von 4-6 Wochen aufbrauchen.

Ja! Mit Agar-Agar gelingt Marmelade auch ohne Zucker. Als Süßung eignen sich Xylit, Erythrit, Dattelsaft oder die natürliche Fruchtsüße. Koche 500 g Frucht mit 4-5 g Agar-Agar (ca. 1 TL) mindestens 2 Minuten sprudelnd. Zutaten für ca. 8-10 g Agar-Agar (ca. Hinweis): Zuckerarme Varianten kühl lagern. Als Geliermittel empfiehlt sich Agar-Agar oder Pektin pur, da beide ohne Zucker funktionieren. Wer Marmelade ganz ohne Kochen probieren möchte, findet bei unserem Rezept für vegane Chia-Beeren-Marmelade eine schnelle Alternative - fertig in 20 Minuten ohne Herd.

Praxis-Tipps: Damit die Marmelade gelingt

  • Früchte mit natürlich hohem Pektingehalt gelieren hervorragend: Quitten, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Äpfel und Zitrusfrüchte.
  • Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen haben wenig Pektin und brauchen Gelierzucker oder extra Pektin.
  • Zu kurze Kochzeit: Pektin braucht mindestens 4 Minuten sprudelnd kochen, Agar-Agar mindestens 2 Minuten.
  • Zu viel Flüssigkeit: Tiefgefrorene Früchte geben beim Tauen viel Wasser ab.
  • Zu saure Früchte mit Agar-Agar: Bei sehr sauren Früchten kann Agar-Agar an Gelierkraft verlieren; Tipp: einen Spritzer Zitronensaft bei Früchten mit wenig Pektin geben.

Wo Veganer sicher einkaufen können

Das passiert selbst erfahrenen Marmeladekochen: Nicht jede Konfitüre aus dem Supermarkt ist vegan. In einigen Produkten wurde Honig oder selten sogar Karmin gefunden. Als Faustregel gilt: Eigene Recherche, Zutatenliste lesen oder auf ein veganes Siegel achten. Wenn du im österreichischen oder deutschen Supermarkt eine Konfitüre kaufst, findest du darin rechtlich keine Gelatine. Einige Produkte im Handel beschränken sich auf die beiden Zutaten Frucht und Zucker. Dort kannst du unter den Zutaten keinerlei tierische Inhaltsstoffe finden.

Verschiedene Gläser mit veganer Marmelade

Empfehlungen und Alternativen

Wenn noch weitere vegane Aufstriche gefragt sind, empfehle ich "Streich´s drauf" von Zwergenwiese. Ich kann dir die Aufstriche von DM und Alnatura sehr empfehlen! Dort kannst du unter den Menüpunkt Brotaufstriche süße und herzhafte Aufstriche finden, die garantiert vegan sind und auch gleich mit Angaben wo die zu kaufen sind. Mehr vegane Fruchtaufstriche und wo man sie kauft, findest du im veganen Marmelade kaufen Guide. Brotaufstrich-Ideen gibt es im veganen Brotaufstriche Guide.

Wie man vegane Marmelade selbst macht (Schritt-für-Schritt)

Kurz: Wann ist Marmelade garantiert vegan?

  1. Enthält die Zutatenliste nur Früchte, Zucker, Pektin und eventuell Zitronensäure, ist die Marmelade vegan.
  2. Enthält die Zutatenliste Honig oder "Vanillearoma (Milch)", ist sie nicht vegan.
  3. Bei Unsicherheit: auf Vegan-Siegel achten oder beim Hersteller nachfragen.
  4. Selbstgemacht mit Gelierzucker, Pektin oder Agar-Agar ist vegan und gibt Sicherheit.

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