Ist brauner Zucker vegan? Herkunft, Verarbeitung und worauf Veganer achten sollten

Ob Nuancen in Textur, Geschmack oder Präsentation - Zucker ist mehr als nur süß! Zucker ist prinzipiell ein pflanzliches Produkt und somit vegan. Die wohl bekannteste Art unseres Wohlfühlkristalls ist der weiße Zucker. Genau wie sein großer Bruder, der braune Zucker (dazu gleich mehr), wird dieser aus dem Zuckerrohr oder der Zuckerrübe gewonnen. Bei der Verarbeitung dieser Pflanzen entsteht ein Sirup, welcher je nach Pflanze dann zu Rohr- oder Rübenzucker weiterverarbeitet wird.

Wie entsteht brauner Zucker und welche Varianten gibt es?

Beim Gelierzucker wird das pflanzliche Geliermittel Pektin beigemischt. Dieser Zucker wird häufig zum Herstellen von Fruchtaufstrichen verwendet. Der Einmachzucker kommt ohne Pektin aus und eignet sich zur Herstellung cremiger Fruchtaufstriche. Wenn du es weniger süß magst, ist Gelierzucker auch in den Varianten 2:1 und 3:1 erhältlich.

Die uns bekannten weißen Zuckerkristalle erhält man durch Trocknung und mehrfache Filterung des Sirups. Zwar ist der braune Vollrohrzucker weniger verarbeitet als sein hellerer Nachfolger, doch von einer gesunden Alternative kann man hier nicht reden. Geringe Spuren von Mineralstoffen sind in dieser Variante zwar vorhanden, jedoch so minimal, dass kein positiver gesundheitlicher Effekt messbar ist.

Rohrzucker ist die Warenbezeichnung für Haushaltszucker (Saccharose), der aus Zuckerrohr gewonnen wird. Rohr-Zucker ist Zucker aus Zuckerrohr; es gibt ihn in zwei Varianten: den Voll-Rohrzucker und den Roh-Rohrzucker. Der dunklere Voll-Rohrzucker wird aus Zuckerrohr gepresst, gefiltert, eingekocht und danach vermahlen. Es ist praktisch getrockneter Zuckerrohrsaft und somit der natürlichste braune Zucker. Der hellere Roh-Rohrzucker wird ebenfalls aus Zuckerrohr gepresst, danach jedoch teil-raffiniert. Er enthält noch geringe Anteile an Mineralstoffen, Vitaminen und etwas Melasse, das sind Ablagerungen im Zuckerrohr.

Beim sogenannten Farinzucker handelt es sich nicht um ein Merch-Produkt des Sängers der Kultband Die Ärzte. Diese Zuckersorte wird im Gegensatz zum natürlich braunen Rohrzucker aus der Zuckerrübe oder dem Zuckerrohr gewonnen. Zusätzlich werden z. B. noch Sirup, Invertzucker und/oder Karamell beigemischt, welche nicht nur für eine dunklere Farbe und eine feuchtere Konsistenz, sondern auch für eine noch karamelligere und würzigere Note sorgen. Der noch etwas dunklere Farinzucker bringt noch mehr Malz-, Kaffee- und Karamellnoten mit sich. Dadurch eignet er sich besonders für Leckereien aus der Weihnachtsbäckerei.

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Verschiedene Zuckerarten: weißer Zucker, brauner Zucker, Rohrohrzucker

Was macht braunen Zucker braun? Melasse und Verarbeitung

Bei handelsüblichem Rohrzucker handelt es sich um teil-raffinierten Zucker, in dem Spuren von Melasse enthalten sind, die ihm die bräunliche Farbe verleihen. Die Melasse ist ein honigartiger dunkelbrauner Zuckersirup, der als Nebenerzeugnis in der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr, Zuckerrüben und auch aus Zuckerhirse anfällt. Melasse enthält neben etwa 60 % Zucker (Saccharose oder Raffinose) noch organische Säuren, Betain, Vitamine und etwa 3 % anorganische Salze. Bei beiden Varianten ist die Melasse für die bräunliche Farbe verantwortlich.

Brauner Zucker wird hergestellt, indem Melasse zu raffiniertem weissen Zucker hinzugefügt wird. Dadurch verleiht er deinem Gebäck eine dunklere Farbe und Gewürz- sowie Karamellnoten. Der höhere Feuchtigkeitsanteil bringt eine saftigere Konsistenz mit. Aufgrund des höheren Feuchtigkeitsgehalts ist beim braunen Zucker eine luftdichte Lagerung besonders wichtig.

Ist Zucker immer vegan? Die Rolle von Tierkohle (Knochenkohle)

Zucker wird aus zwei verschiedenen Quellen gewonnen: Zuckerrohr und Zuckerrübe. Obwohl die bei der Zuckerproduktion verwendeten Quellen vegan erscheinen, sind die Prozesse doch ausschlaggebend dafür, ob das Endprodukt vegan ist oder nicht. Denn bei der Raffination von Zucker kann Tierkohle eingesetzt werden, die aus Tierprodukten wie Knochen oder Blut besteht. Tierkohle ist eine Aktivkohle, die oft auch als „carbo animalis“ oder Tierknochen-Kohle bezeichnet wird. Das Raffinations-Verfahren mit Tierkohle wird auch heute noch von manchen Zuckerherstellern angewendet.

Tierkohle kann zum Bleichen und Entfärben von Zucker verwendet werden - sie wird von den großen, deutschen Zuckerherstellern aber nicht mehr verwendet, so dass handelsüblicher Zucker in Deutschland eigentlich immer vegan ist. In den USA wird Knochenkohle bei der Rohrzuckerraffinierung jedoch noch häufig eingesetzt. Als Produktionshilfsstoff muss Tierkohle nicht deklariert werden - an der Zuckerverpackung ist die Herstellungsmethode also nicht sofort erkenntlich. Die FDA verlangt keine Offenlegung, ob Knochenkohle verwendet wurde.

Rübenzucker wird nie mit Knochenkohle gefiltert. Der entscheidende Unterschied: Rübenzucker wird weltweit nie mit Knochenkohle gefiltert. In der EU ist die Verwendung von Knochenkohle für Zuckerproduktion generell nicht üblich. Bio-Zucker aus zertifizierter Produktion ist daher weltweit tierkohle-frei, denn bei USDA-zertifiziertem Bio-Zucker ist Knochenkohle als Verarbeitungshilfsstoff explizit verboten.

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Fazit zur Vegan-Frage

In Deutschland ist weisser Zucker vegan - alle großen Hersteller haben das bestätigt. Sämtliche großen deutschen und österreichischen Hersteller produzieren ohne Tierkohle, weil europäischer Zucker fast ausschließlich aus Zuckerrüben gewonnen wird - und Rübenzucker wird niemals mit Knochenkohle gefiltert. Brauner Zucker ist meist weisser Raffinadezucker mit Melasse-Zusatz. Da alle deutschen Hersteller keine Tierkohle verwenden, ist auch brauner Zucker aus Deutschland vegan.

Wer ganz sicher gehen möchte, sollte eine Produktanfrage an den Hersteller schicken oder auf unraffinierten Vollzucker zurückgreifen. Bio-Zucker und Rübenzucker sind weltweit die sicherste Wahl. Wenn das Produkt für Dich wichtig ist, dann stimme mit ab. Die Produkte mit den meisten Stimmen werden als nächstes berechnet. So kannst Du uns helfen, den Klima Score immer weiter zu verbessern.

Herkunft: Zuckerrübe vs. Zuckerrohr, Hinweis auf Verarbeitung

Hersteller-Aussagen: Antworten großer Zuckerproduzenten

Wir haben die größten Zucker-Hersteller in Deutschland (und ein paar internationale) angefragt, ob sie Tierkohle bei der Herstellung von Zucker verwenden. Die Antworten der Hersteller zeigen: Zumindest in Deutschland ist Zucker praktisch immer vegan.

  • Nordzucker AG: Keine Verwendung von Tierkohle oder anderen Tierprodukten bei der Herstellung von Zucker.
  • Pfeifer & Langen (Diamant): Für den gesamten Prozess der Zuckerherstellung werden weder tierische Zutaten noch tierische Produkte wie Tierkohle eingesetzt.
  • Südzucker AG: Der gewonnene Zucker ist immer rein pflanzlichen Ursprungs; Südzucker setzt bei der Gewinnung von Zucker keine Knochenkohle ein.
  • ABsugar (England): In Beet-Sugar-Processing wird keine Aktivkohle zur Entfärbung verwendet; die Nachfrage zu weiteren Tierprodukten läuft noch.

Praktische Empfehlungen für Veganerinnen und Veganer

  1. Vertrauen in europäische Produkte: In Deutschland und der EU ist Zucker in der Regel vegan, da Rübenzucker dominiert und nicht mit Knochenkohle behandelt wird.
  2. Bei Unsicherheit: Auf Bio-Zucker (USDA/IFOAM-zertifiziert) oder ausdrücklich gekennzeichnete „vegan“-Labels zurückgreifen.
  3. Direkte Anfrage: Wenn du sicher sein willst, frage beim Hersteller nach, ob Tierkohle oder andere tierische Hilfsstoffe verwendet wurden.
  4. Alternative Zuckerarten: Vollrohrzucker, Roh-Rohrzucker, unraffinierter Vollrohrzucker, Melasse-haltiger brauner Zucker oder Produkte aus dem Bereich der natürlichen Sirupe (Ahornsirup, Reissirup, Kokosblütenzucker) sind meist unproblematisch.
Infografik: Welcher Zucker ist sicher für Veganer? (Rübenzucker, Bio, Vollrohrzucker)

Kurzer Überblick: Zuckerarten und Vegan-Status

Zuckerart Herkunft/Charakter Vegan-Status (generell)
Rübenzucker Aus Zuckerrüben, EU-weit üblich Immer vegan (keine Knochenkohle)
Weiße Raffinade Hoch gereinigter Zucker aus Rübe oder Rohr In Deutschland meist vegan; in manchen Ländern (z. B. USA) ggf. Knochenkohle
Brauner Zucker Weißer Zucker + Melasse oder teil-raffiniert Aus Deutschland in der Regel vegan
Vollrohr-/Roh-Rohrzucker Weniger raffiniert, melassehaltig Meist vegan (unraffiniert)
Bio-Zucker Bio-zertifiziert, Knochenkohle verboten Vegan
Kurzes Erklärvideo: Ist Zucker vegan? Knochenkohle, Raffination und sichere Alternativen

Ernährung und Gesundheit: Zucker ist nicht gleich gesund

Auch wenn es nervt, möchten wir an dieser Stelle betonen, dass übermäßiger Zuckerkonsum gesundheitliche Folgen mit sich bringen kann. Denn auch wenn es nervt, möchten wir an dieser Stelle betonen, dass übermäßiger Zuckerkonsum gesundheitliche Folgen mit sich bringen kann. Zucker ist also in naturbelassenen Lebensmitteln und normalen Mengen nicht schädlich, sondern lebensnotwendig. Doch gilt das wirklich für jede Zuckerart? Egal, ob ihr klassisch, alternativ oder flüssig süßt - die Menge macht das Gift. Ein Lebensmittel wird nicht automatisch gesund, nur weil ein „gesünderer“, „besserer“ oder „anderer“ Zucker verwendet wird.

Übrigens: Durch die Raffination gehen Mineralien wie Eisen, Magnesium und Calcium sowie bestimmte Vitamine weitgehend verloren. Das bedeutet allerdings nicht, dass unraffinierter Zucker gesund sei.

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Symbolbild Gesundheit: Maß halten beim Zuckerkonsum

Wichtige Hinweise zur Kennzeichnung

Als Produktionshilfsstoff muss Tierkohle nicht deklariert werden. Das bedeutet: Selbst wenn auf der Packung keine Hinweise zu Tierkohle zu finden sind, kann theoretisch Knochenkohle verwendet worden sein - außer bei Produkten aus Ländern oder mit Zertifikaten, die dies verbieten (z. B. Bio-Zertifikate). Relevant sind nur die Angaben auf der Etikette des Produkts; bei Unklarheiten hilft nur die direkte Produktanfrage beim Hersteller.

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