Honig veredeln und verfeinern: Anleitung und kreative Möglichkeiten
Eintauchen in die Vielfalt des Honigs bedeutet, sich auf eine faszinierende Reise der Geschmacksnuancen zu begeben. Die Honigveredelung ist ein kreativer Prozess, bei dem natürlicher Honig mit unterschiedlichen Aromen und Zutaten kombiniert wird, um neue und aufregende Geschmackserlebnisse zu schaffen. Mit viel Leidenschaft entstehen einzigartige Aromen, die Ihre Gaumenfreuden bereichern und ein wahres Geschmackserlebnis schaffen.
Honig ernten - Vom Bienenstock bis zum Glas
Zuallererst werden natürlich Bienen und ein geeigneter Bienenstock benötigt. Ein Bienenschwarm ist eine kostengünstige Variante, um an ein Bienenvolk zu kommen. Es kann bei bekannten Imkern, örtlichen Imkervereinen oder über Online-Plattformen nachgefragt werden. Haben die Bienen ihr Zuhause besiedelt und die Waben gut ausgebaut und bebrütet, wird ab April bzw. Mai - je nach Wetterlage und Region - die erste Honigzarge aufgesetzt, um den Bienen mehr Raum für das Einlagern von Honig zu geben.
Um die Waben mit Honig vollzutragen, benötigen die Bienen Zeit. Wie lange es dauert bis eine Zarge mit Honig voll ist, hängt auch vom aktuellen Blütenangebot (Trachtquelle) in der Region ab. Durchschnittlich liefert ein Bienenvolk ca. 15-30 kg Honig. Mit dem „Wandern“ der Bienen zu den aktuellsten Blüten können höhere Honigernten erzielt werden. Es wird je nach Trachtquelle von Mai bis August geerntet, späte Ernten können jedoch auch noch im September anfallen. Wichtig ist, dass nur verdeckelte Honigwaben geerntet werden, damit der Honig den richtigen Wassergehalt hat, welcher nicht über 20% liegen soll.
Entdeckeln und Schleudern
Zur Erleichterung kann 1-2 Tage vor der Ernte eine Bienenflucht eingelegt werden. Ein Absperrgitter sorgt dafür, dass die Bienenkönigin nicht im Honigraum brüten kann. Die entnommenen Honigwaben werden entdeckelt (die obere Wachsschicht entfernt) und anschließend geschleudert. Beim Schleudern wird der Honig durch Zentrifugalkraft aus den Waben gelöst und über den Ablasshahn in ein Gefäß gegeben, am besten mit Doppelsieb zum Filtern.
Die Rähmchen, aus denen der Honig geschleudert wurde, sind meistens noch etwas honigfeucht. Die ausgeschleuderten Waben können nochmals ins Bienenvolk gegeben werden, damit die Bienen sie „ausfressen“. Nach 2-3 Tagen werden sie entnommen und können eingelagert werden.
Lesen Sie auch: Gesundheitliche Lage von Heinz Hoenig im Detail
Sieben, Schaumabschöpfen und Lagerung
Um restliche Wachskrümel aus dem Honig herauszuseihen, können Sie ihn durch ein noch feineres Seihtuch gießen, beispielsweise das “Seihtuch nach Meister Schundau”. Lassen Sie den Honig einige Tage im Eimer stehen, damit Schaum und Wachskrümel an der Oberfläche absinken. Frischhaltefolie auf die Oberfläche legen und langsam abziehen - der Schaum bleibt nahezu vollständig an der Folie haften. Wer auch noch den letzten Tropfen Honig für sich behalten will, kann die Folie anschließend in ein Haushaltssieb legen, um die Honigreste wiederzugewinnen.
Honig veredeln: Mit Zutaten und Aromen experimentieren
Die Kunst der Honigveredelung öffnet ein reichhaltiges Universum von Geschmackserlebnissen. Durch die harmonische Verbindung von Honig mit einer Fülle von Aromen und Zutaten entstehen einzigartige Geschmacksprofile. Diese Kunst beginnt mit der Kombination von Honig und einer Vielfalt von Komponenten, von frischen Kräutern bis hin zu exotischen Gewürzen und fruchtigen Akzenten.
Beliebte Zutaten zur Veredelung
- Lavendel
- Zimt
- Rosmarin
- Vanille
- Aronia
- Frische Kräuter
Die Infusion von Honig mit Lavendel, Zimt, Rosmarin oder Vanille eröffnet eine Palette von erstaunlichen Geschmacksrichtungen. So können Sie beispielsweise Aroniahonig selbst herstellen.
Die Herstellung cremigen, feinkristallinen Honigs - Schritt für Schritt
Blütenhonig einfach abfüllen und verkaufen? Oft keine gute Idee. Denn der Honig kristallisiert gern grob aus - cremiger Honig ist bei Kunden aber meist beliebter. Um ihn dauerhaft feinkristallin zu bekommen, muss man den Honig rühren. Dass Honig kristallisiert, ist natürlich. Die Kristallisation hängt vom Verhältnis zwischen Glukose und Fruktose ab. Honige mit hohem Glukoseanteil, wie Rapshonig, kristallisieren schnell und werden hart, wenn wir nicht rühren. Sommerhonig kristallisiert oft sehr langsam und grobkörnig aus.
Die Technik des Impfens und Rührens
Besser wird es, wenn man den Honig impft: Man gibt ihm einen feincremigen Honig, den sogenannten Impfhonig, zu. Seine feinen Zuckerkörnchen sind der Ausgangspunkt der weiteren Kristallisation, und der Honig wird feiner, wenn er zusätzlich gerührt wird. Geschleuderten Honig sofort impfen, das heißt 5 bis 10 Prozent Impfhonig hinzugeben, um die Kristallisation zu starten. Pro Rührdurchgang so lange rühren, bis der Honig sich gut durchmischt. Bei Eimern bis 50 Kilogramm sollte man zwei Mal pro Tag rühren.
Lesen Sie auch: Herstellungsprozess von Blaue Biene Honig detailliert erklärt
Hierbei ist die Raumtemperatur wichtig, da sich die feinen Kristalle bei Kälte schneller bilden. Optimal sind zehn bis 17°C. Bei diesen Temperaturen ist der Honig spätestens nach drei Tagen auskristallisiert. Den Honig nicht gleich abfüllen, da er weiter kristallisiert und im Glas steinhart werden könnte. Deshalb in einem Hobbock lagern, dann nochmal rühren und in den Abfülleimer umfüllen. Tipp: Immer von unten nach oben und von außen nach innen rühren.
Im geheizten Raum bei etwa 22 bis 25°C in warme Gläser abfüllen.
Alternative Methoden für wenig Zeit
Pia Aumeier beschreibt eine Methode mit weniger Schritten: Den Honig im Wasserbad bei maximal 40°C oder im Wärmeschrank erwärmen (nur beweglich, nicht ganz flüssig). Mit dem Honigrührer Rapido zuerst langsam, dann mit höchster Drehzahl von oben nach unten rühren - dabei keine Luft einrühren. Den Honig mindestens zehn, höchstens 24 Stunden stehen lassen, damit Luftblasen aufsteigen.
Um cremigen Honig herzustellen, helfen Geräte wie Abfüllmaschine oder Melitherm. Diese Hilfsmittel sind meist nur für größere Imkereien ab 20 Bienenvölkern sinnvoll.
Bewerten, Verflüssigen und Impfen
Den festen Honig probieren und auf die Konsistenz testen. Honig, der auf der Zunge grobkörnig ist, muss verflüssigt werden. Anderer Honig ist schon feinkristallin und man spürt keine Zuckerkristalle. Honig wird oft von allein cremig, wenn man ihn über den Winter kalt lagert. Vor allem Rapshonig kristallisiert dank seines hohen Glukoseanteils cremig aus. Grobkörnigen Honig kann man mit einem Melitherm verflüssigen und mehrere Stunden abkühlen lassen, danach mit cremigem Impfhonig mischen. Gut ist ein Drittel Impfhonig. Das Gemisch kann mit einem Mörtelrührer ein paar Minuten oder einem mehrflügeligen Standrührer über eine Stunde gerührt werden.
Lesen Sie auch: Natürliches Heilmittel bei Erkältung
Eine Abfüllmaschine hat den Vorteil, dass sie auch zähflüssigen Honig abfüllen kann. Der Honig muss also nicht warm sein. 150 Kilogramm lassen sich damit schnell in einer halben Stunde abfüllen. Wichtig ist, dass die Gläser Zimmertemperatur haben.
Rezept und Technik: Honig rühren und abfüllen
Anleitung für feinkristallinen Honig
- Honig mit etwa 10% Impfhonig vermengen
- Mehrmals täglich rühren, optimal 2x am Tag
- Temperatur zwischen 10 - 17 °C halten
- Im Hobbock lagern und weiter kristallisieren lassen
- Nochmal rühren und in Abfülleimer umfüllen
- Abfüllung bei 22-25 °C in warme Gläser
Tabelle: Einfluss der Zuckerzusammensetzung auf die Kristallisation
| Honigart | Glukoseanteil | Kristallisation | Verarbeitung |
|---|---|---|---|
| Rapshonig | hoch | schnell, hart | Rühren & Impfen |
| Sommerhonig | mittel | langsam, grobkörnig | Impfen & mehr Rühren |
| Blütenhonig | variiert | unterschiedlich | Individuelle Methode |
Abfüllen, Etikettieren und Lagern
Welche Art von Gläsern Sie verwenden wollen, hängt von Ihren Vorlieben ab. Der Deckel muss luftdicht schließen und gebrauchte Gläser sollten geruchsfrei sein. Das klassische 500g-Honigglas hat ein Volumen von 400 ml. Zum Etikettieren eignen sich Stick&Lift wiederablösbare Etiketten von Zweckform, die im A4-Format erhältlich sind. Diese lassen sich nach dem Ausdruck zuschneiden und einfach entfernen.
Etiketten, die mit Tintenstrahldrucker gedruckt wurden, sind wasserempfindlich. Blütenhonig einfach abfüllen und verkaufen? Oft keine gute Idee. Denn der Honig kristallisiert gern grob aus - cremiger Honig ist bei Kunden aber meist beliebter. Um ihn dauerhaft feinkristallin zu bekommen, muss man den Honig rühren.
Pflege des Bienenvolkes nach der Honigernte
Auch nach der Honigernte müssen Sie sich weiterhin um die Bienen kümmern. Dazu gehört das Überwintern und der Kampf gegen die Varroa-Milbe, damit die Bienen im kommenden Jahr wieder fleißig Honig eintragen können. Nur so kann nachhaltige und vielfältige Honigproduktion gewährleistet werden.
Tipps und Tricks für perfekte Honigqualität
Da jeder Honig eine andere Zuckerzusammensetzung hat, gibt es kein Rezept, das garantiert zu cremigem Honig führt. Auch die Geräte und Temperaturen bei der Verarbeitung sind unterschiedlich. Deshalb sollte jeder Imker ausprobieren, aufschreiben und nachbessern.
Generell sollte man den Honig nicht überflüssig lange im Honigeimer stehenlassen, da er fest werden kann. Am besten ist es, den Honig so lange stehen zu lassen, bis er perlmuttartig schimmert, und dann alle 1-2 Tage ein paar Minuten lang zu rühren.
Kleine Fehler vermeiden
- Honig nicht zu lange lagern - sonst wird er fest
- Rühren von außen nach innen und unten nach oben
- Keinen sandigen oder grobkörnigen Honig als Impfhonig verwenden
- Raumtemperatur beim Abfüllen beachten
- Gläser luftdicht verschließen, vorher reinigen
Ist der Honig erstmal geerntet, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, um ihn weiter zu verarbeiten und zu veredeln.
tags: #honig #veredeln #und #verfeinern #anleitung


