Honig schleudern im Juli: Schritt-für-Schritt-Anleitung und wertvolle Tipps für Imker
Der Juli ist für viele Hobby- und Erwerbsimker die wichtigste Zeit im Bienenjahr, denn jetzt steht die zweite große Honigernte an. Während im Mai und Juni oft die Frühtracht gesammelt wird, bringen die Bienen in der zweiten Julihälfte die Sommertracht ein - häufig eine besonders aromatische und ergiebige Ernte. Damit das Schleudern und Verarbeiten des Honigs gelingt und das Naturprodukt lange haltbar bleibt, gibt es einiges zu beachten.
Erntezeitpunkt und Vorbereitung: Wann und wie wird der Honig geschleudert?
Die meisten Imker führen in der Regel zweimal im Jahr eine Honigernte durch. Die erste findet Ende Mai/Anfang Juni statt und die zweite folgt Mitte Juli, wobei es je nach Region Unterschiede geben kann. Der Erntezeitpunkt für den Honig liegt in der Regel in der zweiten Julihälfte. Es sollte mit der Ernte so lange gewartet werden, bis die Bienen die Waben verdeckelt haben, denn unverdeckelte Waben enthalten zu viel Wasser.
Wann ist mein Honig reif? Wer Honig schleudert, sollte sich sicher sein, dass er reif ist, also einen geringen Wassergehalt hat. Sonst kann der Honig später gären. Nach der Honigverordnung darf der Wassergehalt im Honig maximal 20% betragen. Wer den Honig im DIB-Glas verkauft, maximal 18%. Die geeignetste und sicherste Methode um den Wassergehalt im Honig festzustellen ist die Messung mit einem Refraktometer. Eine einfache Methode zur Kontrolle ist die sogenannte Tropfprobe: Wenn aus einer waagerecht gehaltenen Honigwabe Tropfen fallen, ist der Wassergehalt zu hoch und die Waben sollten noch nicht entnommen werden.
Vorbereitungen am Bienenstand
- Ca. 24 Stunden vor der Ernte werden die Bienenfluchten eingesetzt. Diese ermöglichen den Bienen, den Honigraum zu verlassen, ohne zurückkehren zu können. Am Erntetag befinden sich dadurch nur noch wenige Tiere in den Honigräumen. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt die Flucht am Abend zuvor ein und beginnt mit der Ernte am nächsten Morgen.
- Die Bienen werden mit einem speziellen Besen sanft von den Waben gefegt. Die vollen Waben kommen dann in eine Transportkiste oder eine leere Zarge und in die Honigküche.
- Unmittelbar nach der Entnahme empfiehlt es sich, die leeren Honigräume zum Ausschlecken wieder auf die Völker zu setzen. Dabei sollte allerdings auf Räuberei geachtet werden: Am besten abends oder bei Regen die ausgeschleuderten Waben aufsetzen.
Die richtige Technik: Honig schleudern in der Praxis
Der Schleuderraum und Hygiene
Bevor es losgehen kann, müssen Schleuderraum und alle Gerätschaften geputzt bzw. gespült werden. Der Raum soll bienendicht (z.B. Fenstergaze) und möglichst frei von Fremdgerüchen sein, denn Honig nimmt Gerüche leicht auf. Für die komplette Reinigung von Schleuder, Schleuderzubehör und Raum brauchen wir eine gute Stunde. Alles wird zunächst mit einem kräftigen Strahl kalten Wassers abgespült. Warmes Wasser ist keine so gute Idee, da dadurch Wachsreste schwer entfernbar werden. Nach der Reinigung mit kaltem Wasser folgt dann, falls nötig, die Reinigung mit dreiprozentiger Natronlauge. Das Reinigungskonzept sollte idealerweise nach HACCP geregelt sein.
Wichtige Geräte und Hilfsmittel zum Honigschleudern
- Entdeckelungsgeschirr (Entdeckelungswanne, Sieb, Aufsatz für die Waben)
- Entdeckelungsgabel oder -messer
- Hand- oder elektrische Honigschleuder
- Honigeimer (am besten lebensmittelecht)
- Doppel- oder Spitzsieb aus Edelstahl
- Scharfer Refraktometer zur Kontrolle des Wassergehaltes
- Transportkiste, gegebenenfalls Plattformwagen für schwere Honigräume
Entdeckeln der Honigrähmchen
Vor dem Schleudern müssen alle Honigwaben entdeckelt werden. Das ist zwar eine klebrige, aber nicht sonderlich schwierige Angelegenheit. Nach ein paar Fehlversuchen hat man heraus, wie man die Endeckelungsgabel am besten hält und über die Waben führt. Das Ziel ist, nur die Deckel von den Honigwaben abzuheben, damit der Honig herausgeschleudert werden kann.
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Der Schleudervorgang
- Die entdeckelten Waben werden vorsichtig in die Schleuder eingesetzt - in die elektrische Radialschleuder passen zum Beispiel 20 Honigrähmchen pro Durchgang.
- Zu Beginn mit geringer Drehzahl schleudern, langsam steigern. So werden Schäden an den empfindlichen Waben vermieden.
- Durch die Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Waben geschleudert und läuft über ein Doppel- oder Spitzsieb in die Honigeimer. Das Sieb muss regelmäßig vom angesammelten Wachs befreit werden.
- Der geschleuderte Honig wird zunächst in lebensmittelechten Eimern gesammelt und dann ein bis zwei Tage stehen gelassen, damit sich Luftbläschen und letzte Partikel absetzen können. In dieser Zeit kann eine weitere Feinsiebung erfolgen.
Tipps für Honigqualität und Lagerung
Wassergehalt und Lagerbedingungen
Honig ist ein natürliches, fast unverderbliches Lebensmittel - vorausgesetzt, der Wassergehalt ist niedrig genug! Die optimalen Lagertemperaturen von Honig liegen bei 10 bis 18 Grad. Vor dem Abfüllen kann der Honig ein weiteres Mal durchsieben und schonend abgerührt werden, um eine feine, cremige Konsistenz zu erhalten. Der Honig wird bequem durch den Edelstahlhahn in Gläser abgefüllt.
Kunden vermuten oft, dass Honig mit Zucker gestreckt wurde und eine schlechte Qualität hat, wenn er am Glasrand weiße Blüten bildet. Das Gegenteil ist der Fall: Der Honig ist besonders trocken, deshalb bilden sich am Rand Lufteinschlüsse.
Warum wird Honig fest?
Fast alle Honige kristallisieren mit der Zeit. Viele Kunden mögen cremigen Blütenhonig, der gerührt wurde; andere schätzen ungerührten Honig mit Kristallen zum Kauen. Wie schnell der Honig fest wird, hängt von seiner Zuckerzusammensetzung ab. Rapshonig kristallisiert beispielsweise schnell, Sommertrachthonig etwas später, mit Linde gar erst nach Monaten. Regelmäßiges Rühren nach dem Abschäumen sorgt für die von vielen gewünschte Konsistenz.
Häufige Probleme beim Honig schleudern
- Ist der Honig zu nass, „rennt“ er wie Wasser aus der Schleuder und kann später im Glas gären.
- Bei manchen Waldtrachten, wie Melizitose, kann es passieren, dass der Honig bereits in der Wabe hart wird („Zementhonig“). Schleudern der Waben ist dann schwer möglich - solche Waben wandern oft direkt in den Schmelzer.
- Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann der Honig während des Schleuderns Wasser ziehen. Daher ist es sinnvoll, den Schleuderraum vorher zu heizen und mit einem Luftentfeuchter die Luftfeuchtigkeit unter 55% zu halten, ideal sind etwa 50%.
Nach der Ernte: Wabenpflege und Varroabehandlung
Die aufgeschleuderten Honigräume kommen direkt zurück auf die Bienen. Die Bienen schlecken letzte Reste aus den Waben, reparieren Schäden und beginnen sofort wieder mit dem Auffüllen - diesmal für den eigenen Wintervorrat. Wer möchte, kann einen Teil des gesammelten Honigs an die Bienen zurückfüttern, indem man im August einen halb gefüllten Honigraum unter den Brutraum setzt.
Nach der Ernte stehen wichtige Pflegemaßnahmen für die Völker an. Zum einen sollte eine Varroabehandlung erfolgen - in der Regel mit Ameisensäure, beispielsweise aus einem Liebig-Dispenser oder mit anderen Methoden. Auch die Auffütterung der Bienenvölker beginnt nach der letzten Honigernte, meist mit Zuckerwasser oder Glukosesirup.
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| Honigerntezeit | Wichtige Maßnahmen |
|---|---|
| Juni-Frühtracht | Erste Ernte nach Obst- oder Rapsblüte, eventuell Varroakontrolle |
| Juli-Sommertracht | Zweite und meist größere Ernte, sofortige Varroabehandlung und erste Fütterung |
Honigtag und Community: Wissen teilen und erleben
Viele Imker nutzen den „Honigtag“ im Juli, um Besucher, Nachbarn und Honiginteressierte einzuladen. Es gibt frisch geernteten Honig zu verkosten und zu kaufen. Kinder dürfen einen Blick in die Beute werfen und erfahren mehr über Bienen und Imkerei. Der Austausch zwischen Imkern, ob im Verein, am Stand oder im Netz, hilft besonders Einsteigern, den eigenen roten Faden zu finden und Fehler zu vermeiden.
Abschließend gilt: Die Honigernte ist ein spannender, handwerklich geprägter Prozess. Verschiedene Meinungen und Arbeitsweisen sind normal; jeder Imker findet mit der Zeit sein eigenes System. Wichtig ist, auf die Bienen Rücksicht zu nehmen und dabei entspannt zu bleiben - dann ist der Lohn ein ganz besonderer, selbst geschleuderter Honig.
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