Honig im Kopf — Berta Stofftier Hintergrund Informationen

Die elfjährige Tilda hat ihren Großvater Amandus schon immer ganz besonders liebgehabt. Doch das humorvolle, geschätzte Familienoberhaupt wird zunehmend vergesslich und kommt mit dem alltäglichen Leben im Hause der Familie nicht mehr alleine klar. Die junge Tilda liebt ihren Großvater Amandus über alles. Der erkrankt jedoch an Alzheimer, wodurch er zunehmend vergesslicher wird und sich zuhause nicht mehr zurecht zu finden scheint. Für das in die Jahre gekommene Familienoberhaupt stehen daher alle Zeichen auf Seniorenheim. Obwohl es Niko das Herz bricht, muss er bald einsehen, dass für Amandus der Weg in ein Heim unausweichlich ist. Niko, der Vater von Tilda und Sohn von Amandus, hält es für das Beste, den alten Mann in Betreuung zu geben.

Doch die elfjährige Tilda akzeptiert diese Entscheidung keineswegs. Stattdessen macht sie deutlich, dass sie auch noch ein gewichtiges Wort bei der Amandus betreffenden Zukunftsgestaltung mitzureden hat. Kurzerhand entführt sie ihren Großvater auf eine erlebnisreiche und unvergessliche Reise, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: Noch einmal Venedig sehen! Kurzerhand entführt Tilda den verdutzten Opa, der so gerne noch einmal Venedig sehen würde. So begibt sie sich mit ihrem Großvater auf eine Reise nach Venedig, wo Amandus seinerzeit mit seiner Frau die Flitterwochen verbracht hat.

Poster des Films Honig im Kopf mit Tilda und Amandus

Handlung, zentrale Stationen und dramaturgischer Aufbau

Weil der Opa nicht mehr alleine klar kommt, zieht er bei seinen Kindern ein - und mischt ihren Haushalt ordentlich auf. Beim Einzug in das mondäne Schloss der Familie richtet Amandus erst einmal die Nobelkarosse davor zugrunde. Beim Einzug in das mondäne Schloss der Familie richtet Amandus erst einmal die Nobelkarosse davor zugrunde - das gehört wahrscheinlich zu den Standards deutscher Komödien. Schnell kommt es wegen Amandus’ geistigem Zustand zu mehreren kritischen Situationen; u. a. nach einer zersägten Gartenhecke und einem gerade noch verhinderten Brand wird Niko und Sarah klar, dass Amandus professioneller Pflege bedarf.

Der Reisebeginn per Auto endet nach wenigen Kilometern mit einem glimpflich verlaufenden Unfall, als Amandus eine rote Ampel ignoriert. Per Zug geht es bis Bozen, dort verlässt Amandus auf der Suche nach einer Toilette versehentlich den Zug. Seine Enkelin zieht die Notbremse und versteckt sich mit Amandus auf der Bahnhofstoilette, bis die sie verfolgenden Polizisten die Suche aufgegeben haben. Abends werden sie von der Reinigungskraft Erdal gefunden, er vermittelt den beiden eine Weiterfahrt nach Venedig per Schaftransporter. Als dieser von der Polizei angehalten wird, können Amandus und Tilda noch rechtzeitig vor ihrer Entdeckung von der Ladefläche fliehen. Sie finden Unterschlupf in einem Kloster. Die Oberin ist von der Geschichte der beiden so gerührt, dass sie Amandus und Tilda bis nach Venedig fährt. Tilda findet ihn am nächsten Morgen auf der Bank wieder, auf der Amandus vor vielen Jahren mit seiner Frau Margarethe gesessen hat.

Szene: Tilda und Amandus auf einer Bank in Venedig

Figuren, Besetzung und schauspielerische Leistungen

Emma Schweiger als Tilda bestimmt den Film mit ihrem offenen und herzlichen Wesen. Es ist unmöglich, beim Anblick Emma Schweigers als Tilda nicht berührt zu sein. Ihre bedingungslose Liebe zu ihm ist den Erwachsenen in der Familie nicht gegeben, und so hat Til Schweiger sich selber als Tildas Vater, vor allem aber Jeanette Hain als der sehr auf gute Formen bedachten Mutter ziemlich undankbare Rollen geschrieben. Schweiger selbst spielt Tildas Vater, setzt aber die Rolle der Eltern ganz uneitel in den Hintergrund und überlässt seiner Tochter und Dieter Hallervorden die Bühne.

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Dieter Hallervorden als Opa liefert mit seiner rührend ehrlichen und authentischen Darstellung eines an Alzheimer erkrankten Menschen eine große Leistung und bildet mit Emma alias Tilda ein Spitzenteam. Dieter Hallervorden beweist, was für ein großer Komiker und Schauspieler er ist, gerade weil er nicht versucht, in der Rolle komisch zu sein. Hallervorden wirkt absolut authentisch als ein alter Mann, der sukzessive sein Gedächtnis verliert und (das ist das Schlimmste) sich dessen in einigen Momenten auch sehr bewusst ist. So ist die bewegendste Stelle des Films jene, in der er seine Enkelin darauf vorbereitet, dass er sie bald nicht mehr erkennen wird.

Wie immer kann Til Schweiger auf ein starbesetztes und spielfreudiges Ensemble setzen, wo jeder seine Rolle mit Überzeugung und großer Lust verkörpert. In den weiteren Hauptrollen sind Jan Josef Liefers, Fahri Yardım und Tilo Prückner zu sehen. Til Schweiger machte Familienfilme - für die ganze Familie und mit familiären Themen.

Inszenierung, Tonalität und Bildsprache

Wie in jedem gelungenen Road Movie sind auch hier die einzelnen Stationen gekonnt in Szene gesetzt, die Landschaften werden in wunderschönen Bildern eingefangen, gerade Venedig erscheint wie ein Bildertraum, der für Opa und Enkelin endlich wahr geworden ist. Honig im Kopf ist ungewöhnlich schnell geschnitten. Doch dabei verzettelt er sich nie und beweist, dass er ein guter Geschichtenerzähler ist. So kann zwar vor allem im ersten Teil des Films über die zahlreichen Fehltritte des zunehmend verwirrten Großvater Amandus gelacht werden, aber nie auf dessen Kosten. In aller Unschuld pinkelt er in den Eisschrank und der Film sieht ihn mit den liebevollen Augen seiner Enkelin Tilda, die kompromisslos für ihn kämpft und schließlich mit ihm auf eine letzte märchenhafte Reise geht.

Stimmungsbild: Alpenlandschaft auf dem Roadtrip

Der Umgang mit Alzheimer im Film und pädagogische Perspektive

Kann man über das Thema Alzheimer einen Unterhaltungsfilm machen? Til Schweiger hat es sich mit HONIG IM KOPF nicht einfach gemacht. Umso erstaunlicher ist es, wie sicher er hier die drohenden Untiefen vermeidet. HONIG IM KOPF greift das heikle Thema auf und stellt es auf kindgerechte und humorvolle Art und Weise dar. Gleichzeitig bleibt der Film authentisch und ungeschönt. Dies gelingt, indem die Geschichte aus den Augen des Mädchens Tilda erzählt wird, dessen Großvater Amandus an Alzheimer erkrankt ist.

Was ist Alzheimer überhaupt? Der Kinderarzt erklärt es Enkelin Tilda im Film so: Das Gehirn ist wie ein Bücherregal. Mal fällt dieses Buch um. Und mal jenes Buch. Je nach Tagesverfassung kann sich auch ein Buch mal wieder aufstellen. Aber: Schreitet Alzheimer fort, fallen immer mehr Bücher ganz aus dem Regal. Der Überbegriff von Alzheimer ist Demenz. Vergleicht man es mit einer Landkarte, wäre Demenz der Kontinent. Häufig hört man über Menschen mit Demenz: «Sie wissen nichts mehr. Sie verstehen nichts mehr. Es macht keinen Sinn, ihnen etwas weitergeben zu wollen.» Und wenn es um Glaubensfragen geht, sind sie sowieso nicht mehr erreichbar. Das würde ich so nicht stehen lassen. In meiner seelsorgerlichen Tätigkeit in einem Altenheim merke ich immer wieder, wie gut Betroffene noch erreichbar sind.

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Emma Schweiger erklärt es im Film «Honig im Kopf» so: «Menschen mit Alzheimer putzen dreimal hintereinander die Zähne. Weil sie sich nicht mehr erinnern können, dass sie es eben schon gemacht haben. Aber sie wissen noch, dass sie vor 25 Jahren Zahnseide benutzt haben.» Daten aus der Vergangenheit und Erinnerungen an die Kindheit sind dementen Menschen noch lange präsent. Aber sie wissen nicht mehr, was gerade vorhin war. Dies kann man nutzen, wenn man mit ihnen umgeht. Man kann ihnen von früher erzählen: Erlebnisse aus ihrem eigenen Alltag. Auf diese Art kann man demente Menschen erreichen: Gibt es Erinnerungen, die mit Emotionen verbunden sind? Amandus Rosenbusch zum Beispiel gab im Film eine Vermisstenanzeige nach seiner verstorbenen Mutter auf. Die Mutter weckte sicher gewaltige Gefühle bei ihm.

Der Kinderarzt im Film «Honig im Kopf» hat Tilda ebenfalls erklärt, wie sie mit ihrem dementen Opa umgehen kann: «Er braucht Liebe und Verständnis. Das Gefühl, dass du ihn verstehst.» Sogar bei einer fortgeschrittenen Demenz können Erinnerungen an ihren Lebenslauf noch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Anknüpfend an die kindliche Perspektive stellt sich die Frage: Was hat die Krankheit „der alten Leute“ mit einem selbst, das heißt mit Kindheit und Jugend zu tun? Gemeinsam mit Warner Bros. Entertainment veröffentlicht VISION KINO ein Filmheft für die Bildungsarbeit mit jungen Menschen ab 8 Jahren. Anhand vielfältiger Aufgaben können sie sich mit der Geschichte des Films beschäftigen und werden über die Krankheit aufgeklärt.

Rezeption, Kritik und Wirkung

Honig im Kopf ist charmantes Familienkino mit viel Gefühl, einer bezaubernden Hauptdarstellerin und vielen berührenden Momenten. «Honig im Kopf» - ein Film, über den man gleichzeitig lachen und weinen muss. Eine lustige Geschichte mit ernstem Hintergrund. Volker Bleeck, Kritiker der TV Spielfilm, befand den Film als „berührend“. Obwohl die Story „etwas überkonstruiert“ sei, „berührt, unterhält und transportiert“ der Film „das schwierige Thema Demenz auf beeindruckend leichtfüßige Art“. Die Frankfurter Neue Presse bezeichnet den Film als „sehenswert“; unterm Strich sei Til Schweiger „die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema bestens gelungen“.

Rudolf Worschech von epd Film vergab 4 von 5 Sternen und bezeichnete Honig im Kopf als „warmherzigen Film über das Thema Alzheimer.“ Er lobte Schweigers feinfühlige Beschreibung der Krankheit, „auch wenn er wirklich extreme Begleitumstände des Leidens - wie Aggressivität -“ ausspaare. Die Darstellung eines an Alzheimer Erkrankten wurde teils auch heftig kritisiert. Joachim Kurz von der Kino-Zeit bewertet Honig im Kopf als ein „echtes Ärgernis“ und kritisiert insbesondere die Deutsche Alzheimer Gesellschaft dafür, dass sie Schweigers Film Authentizität und einen realistischen Blick bescheinigte. Vielmehr betreibe „Schweigers Alzheimer-Schmonzette“ eine systematische Ausblendung der sozialen Wirklichkeit in Deutschland, bis hin zur Negierung derselben. Kritisch sah den Film auch Die Zeit: „Über die Geschichte des Kranken erfährt man am Ende so gut wie nichts, aber das in maximaler Sentimentalität, die nur von sich selbst ergriffen sein will.

Bei der Film-Community Moviepilot kam es zu systematischer Manipulation der Zuschauerwertungen. Kurz nach dem Kinostart des Films wurden zahlreiche neue Accounts von drei russischen IPs aus angelegt, um dem Film die Höchstnote zu geben. Nach Überprüfung und Löschung dieser Bewertungen durch Moviepilot sank der Wertungsschnitt von 7,8 auf 5,4. In Deutschland erreichte Honig im Kopf 7,19 Millionen Kinobesucher. Damit ist die Komödie der erfolgreichste im Jahr 2014 gestartete Kinofilm und belegt den 6. Platz der erfolgreichsten deutschen Filme in der Bundesrepublik seit 1968. Das internationale Einspielergebnis liegt bei über 60 Mio.

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Entstehung, Remake und Bühnenfassungen

Honig im Kopf ist eine deutsche Tragikomödie von Til Schweiger aus dem Jahr 2014. Schweiger spielte eine der Hauptrollen, führte Regie und schrieb zusammen mit Hilly Martinek das Drehbuch. Die weiteren Hauptrollen sind mit Emma Schweiger und Dieter Hallervorden besetzt; in Nebenrollen sind unter anderem Jan Josef Liefers, Fahri Yardım und Tilo Prückner zu sehen. Der Film, der am 15. Dezember 2014 Weltpremiere hatte, lief ab dem 25. Der ehemalige Tierarzt Amandus Rosenbach leidet zunehmend unter Alzheimer. Die Dreharbeiten fanden vom 27. April 2014 bis zum 4.

Bereits 2016 wurde eine englischsprachige Neuverfilmung angekündigt, bei der Schweiger die Produktion und Regie übernehmen werde. In den Hauptrollen sind Nick Nolte, Matt Dillon und Emily Mortimer zu sehen. Die Dreharbeiten begannen im Mai 2018, gedreht wurde in Deutschland, Italien und Großbritannien. Zunächst war Michael Douglas für die Rolle des Amandus angekündigt worden, die schließlich von Nolte übernommen wurde. Head Full of Honey lief in den USA Ende November 2018 stark eingeschränkt in wenigen Kinos an.

Trailer zum US-Remake Head Full of Honey

Die Bühnenfassung des Filmdrehbuchs stammt von Florian Battermann. Die niederdeutsche Erstaufführung feierte in einer Inszenierung von Frank Grupe am 2. Oktober 2016 Premiere im Ohnsorg-Theater zu Hamburg. Die Hauptrollen spielten Joachim Bliese und Faria Violetta Giesmann. Die Erstaufführung von Honig im Kopf in Österreich fand im April 2017 statt. In der Schweiz wurde das Stück erstmals 2025 aufgeführt: ab 23. Mai in einer Produktion des Theater Altishofen in der Kulturhalle und ab 10.

Wichtige Daten auf einen Blick

AspektInformation
FilmtitelHonig im Kopf
Regie / DrehbuchTil Schweiger (Drehbuch zusammen mit Hilly Martinek)
HauptdarstellerEmma Schweiger, Dieter Hallervorden, Til Schweiger
GenreTragikomödie / Familienfilm / Roadmovie
Laufzeit139 Minuten
Altersfreigabeab 6 Jahre
Kinostart / PremiereWeltpremiere 15. Dezember 2014
Besucher in Deutschland7,19 Millionen
Internationales Einspielergebnisüber 60 Mio.

Warum der Stofftier-Hintergrund (Berta) wichtig ist

Die Bindung zwischen Tilda und ihrem Großvater wird nicht nur durch gemeinsame Erlebnisse, sondern auch durch greifbare Erinnerungsstücke wie ein Stofftier (Berta) symbolisiert. Solche Gegenstände sind in der Arbeit mit Demenzkranken bedeutsam, weil sie emotionale Erinnerungen wachrufen können: Daten aus der Vergangenheit und Erinnerungen an die Kindheit sind dementen Menschen noch lange präsent. Sogar bei einer fortgeschrittenen Demenz können Erinnerungen an ihren Lebenslauf noch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Im Film wird deutlich, dass Erinnerungsanker - Fotos, Gegenstände, Gerüche - Brücken in die Innenwelt der Erkrankten schlagen können. Amandus Rosenbusch zum Beispiel gab im Film eine Vermisstenanzeige nach seiner verstorbenen Mutter auf. Die Mutter weckte sicher gewaltige Gefühle bei ihm. Amandus könnte man abholen, indem man auf seine Mutter zu sprechen kommt: Wie war sie? Was hat sie gemacht? Vielleicht findet man dann sogar eine Brücke zu einem geistlichen Thema: Dankbarkeit, Gnade, Gottes Liebe.

Berta Stofftier als symbolischer Erinnerungsanker

Fazit für Betroffene und Angehörige (Impuls)

Menschen mit Alzheimer brauchen Liebe und Verständnis. Das Gefühl, dass du ihn verstehst. Der Film zeigt, wie wichtig Nähe, Geduld und das Erzählen von Erinnerungen sind: Man kann ihnen von früher erzählen: Erlebnisse aus ihrem eigenen Alltag. Die Geschichten, die sie früher immer selber erzählt haben. Auf diese Art kann man demente Menschen erreichen. Die unverkrampfte Konfrontation wird unterstützt und eine Brücke zum eigenen Leben geschlagen.

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