Honig ernten ohne Bienenflucht – praktische Anleitung und Praxiserfahrungen

Honigernte ohne Bienenflucht ist möglich und wird von vielen Imkern praktiziert; sie erfordert aber Planung, geeignete Zeiten und einige Arbeitsschritte, damit die Waben bienenfrei oder weitgehend bienenleer in den Schleuderraum oder zur Abtropfung gelangen. In dieser Anleitung werden Arbeitsabläufe, praktische Tipps, Vor- und Nachteile verschiedener Methoden sowie Erfahrungen aus der Praxis zusammengeführt.

Grundsätze und Zeitpunkt der Ernte

Der Erntezeitpunkt für den Honig liegt in der Regel in der zweiten Julihälfte. Ernten Sie nur vollständig verdeckelte Waben (80%+), verwenden Sie einen Smoker, um die Bienen zu beruhigen, arbeiten Sie langsam und vorsichtig, ernten Sie mittags, wenn die Sammlerbienen draußen sind, ernten Sie niemals während einer Nektarflaute und lassen Sie immer ausreichende Wintervorräte. Die Ernte sollte aber bis Anfang August erfolgt sein, damit noch genügend Zeit für die Varroabehandlung mit Ameisensäure und eine ggf. weitere Behandlung bleibt.

Am Vorabend der Honigernte werden die Honigwaben mit einem Messer oder dem Stockmeißel durchgetrennt. Bestätigen Sie, dass mindestens 80 % der Zellen mit weißem Bienenwachs verdeckelt sind. Befestigen Sie bei Flow-Hive-Systemen den lebensmittelechten Sammelschlauch am unteren Ernteanschluss und führen Sie den Flow Key in die Ernteposition ein; lassen Sie 20-40 Minuten Zeit, damit die Wabe vollständig abläuft.

Vorbereitung: Material, Raum und Vorsichtsmaßnahmen

Für die traditionelle Extraktion benötigen Sie Stockmeißel, Bienenbesen oder Bienenflucht, Entdeckelungsgabel, Honigschleuder, Sieb und Sammelbehälter. Die Honigernte kommt ohne Schleuder aus, wenn Sie Abtropf- bzw. Tropfmethoden verwenden; dafür brauchen wir nur zwei Honigeimer und ein feines Netz. Wenn das Ganze in einer Kälteperiode stattfindet, heize ich den Raum, damit der Honig nicht zu sehr auskühlt; kalter Honig fließt langsam.

Das Absperrgitter lege ich vor dem Aufsetzen des ersten Honigraums auf; es ist ein Instrument, das die Königin davon abhält, im Honigraum Eier zu legen. Pro Zarge, die geerntet werden soll, rechne ich mit 24 Stunden eingelegter Bienenflucht. Die Bienenfluchten lege ich vormittags auf, damit nicht noch frischer Nektar in die Ernte hinein kommt.

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Honig raumernten ohne Bienenflucht - Schritt-für-Schritt

  1. Erntezeitpunkt prüfen: Ernten Sie nur aus dem Honigraum - niemals aus dem Brutraum. Ernten Sie, wenn mindestens 80 % der Zellen mit weißem Bienenwachs verdeckelt sind und die Temperatur über etwa 20 °C liegt.
  2. Stock kontrollieren: Heben Sie den Bienenstock an, um Vorräte zu prüfen; ein voller Brutraum Honig wiegt etwa 18-23 kg. Lassen Sie ausreichend Winternahrung im Volk.
  3. Bienen beruhigen: Pusten Sie 2-3 Züge kühlen Rauch am Eingang, warten Sie 30-60 Sekunden. Verwenden Sie Rauch sparsam.
  4. Waben entnehmen: Zur Ernte können die Waben an den Trägerleisten entnommen werden. Bei Flow-Hive die Zellen öffnen und ablaufen lassen; bei klassischen Rähmchen Waben entdeckeln und schleudern oder zur Abtropfung anschneiden und in Siebe legen.
  5. Bienen entfernen ohne Flucht: Wenn Sie ohne Bienenflucht arbeiten, werden die zu erntenden Waben beiseite gestellt und dann alle abgefegt, natürlich in die Beute. Jede Biene wird so nur einmal abgefegt und plumpst ins Volk oder in einen Teller gebracht.
  6. Transport und Lagerung: Die Waben zum Extraktionsbereich transportieren; ausgeschleuderte honigfeuchte Waben werden anschließend den Bienen zurückgegeben, sofern keine Tracht herrscht.
  7. Entdeckeln, Schleudern, Filtern: Waben entdeckeln, in einer Schleuder schleudern, Honig durch ein feines Sieb laufen lassen und abfüllen.

Praktische Varianten ohne Bienenflucht

Abfegen der Bienen

Ohne Bienenflucht lassen sich Waben mit einem Bienenbesen oder Laubbläser von den Bienen befreien; bei schönem Wetter kann man wenige Bienen mit einem Laubbläser in den Garten blasen. Arbeite ich ohne Bienenflucht, so werden die zu erntenden Waben erst beiseite gestellt und dann alle abgefegt, natürlich in die Beute. Das soll den Vorteil haben, daß man nicht dieselben Bienen mehrmals fegt, die dadurch schlechte Laune bekämen.

Abschütteln und Gebläse

Ich werde dieses Jahr mal ohne Bienenflucht, sondern mit Gebläse und Abschütteln versuchen den Honig zu ernten. Ging bei mir super: mit kleinem Laubbläser schon mal ein paar Bienen abgeblasen, Honigraum über Flucht aufgestellt um 9 Uhr und 17 Uhr fast bienenfrei abgeholt. Beim Schleudern selber hat es keine Probleme gegeben, d. h. der Honig ist gut aus den Waben raus gegangen.

Abtropfmethode (für Top-Bar, Bienenkiste, Flow-Alternativen)

Bei der Bienenkiste schneidet man die vollen Honigwaben in kleine Stücke und gibt sie in ein Sieb, durch welches der Honig abtropft. Diese Art der Honiggewinnung spart die Anschaffung und Lagerung einer Schleuder; Nachteil: man kann keine leeren, fertig ausgebauten Waben zurück ins Bienenvolk geben.

Honigwaben im Sieb abtropfen lassen

Honigernte mit Ablegerbildung kombinieren

Mit jeder Ernte können Honigraumbienen zur Ablegerbildung verwendet werden, wenn anschließend nur eine Läppertracht nachfolgt oder keine Tracht mehr zu erwarten ist. Wenn ich die Honigraumbienen nutzen möchte, um damit Ableger zu bilden, hat das mehrere Vorteile: Ich kann die vollen Honigräume abnehmen und sofort auf eine vorbereitete Beute auf den Anhänger stellen. Den Anhänger mit den Ablegerbeuten und darauf befindlichen Honigräumen kann ich am gleichen Tag vom Bienenstand mit nach Hause nehmen. Ich habe nur eine Fahrt zum Bienenstand.

Sind die angefangenen Honigräume des Wirtschaftsvolkes alle voll mit Bienen, die Honig pflegen, braucht es mindestens ein bis zwei Honigräume, in die die Bienen ablaufen können. Sehr gut geeignet sind frisch geschleuderte „honigfeuchte“ Waben. Um Honig ernten zu können, müssen die Honigwaben bienenfrei werden. Auf der Beute mit der Jungkönigin liegt ein Bienenfluchtdeckel. Die Honigraumbienen lasse ich über die Bienenflucht in diese neue Beute ablaufen.

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Die Königin befindet sich direkt unter der Bienenfluchtöffnung in einem Zusetzkäfig, der mit Futterteig verschlossen ist. Mit dabei ist eine Futterwabe, eine Leerwabe und zwei Mittelwände. Die Waben werden vor dem Transport mit Naturwabenbau oder einem Stück Mittelwand-Wachs festgeklebt. Alternativ kann ich die Beute mit Leer-Rähmchen auffüllen. Die Ablegerbildung mit der Honigernte ist einfach und schnell, wenn sie gut vorbereitet ist und entsprechendes Material zur Verfügung steht.

Logistik beim Transport der Ableger

Ist alles fest verzurrt, fahre ich am Ende der Arbeitsaktion nach Hause und stelle den Anhänger in den Vorraum meines Schleuderraumes. Dort ist es kühl und dunkel, so dass die restlichen Bienen in Ruhe nach unten zur neuen Königin ablaufen können. Ein weiterer Vorteil ist, die Beute mit der Königin ist anfangs bienenleer. Die Bienen haben dort Platz und laufen relativ schnell nach unten. Meistens kann ich die Honigzargen schon am nächsten Tag abnehmen und in meinen Verarbeitungsraum bringen.

Brutwaben, Varroa und Ablegerqualität

War der Varroafall im Frühling vor dem Aufsetzen der Honigräume größer als 0,5 Milben pro Tag, entnehme ich zur Ablegerbildung mit der Honigernte die verdeckelten Brutwaben zwei Wochen vor der ersten Honigernte und fülle mit zwei bis drei Mittelwände die Zarge der Wirtschaftsvölker für das Brutnest. Eine Wabe mit viel offener Brut lasse ich dabei immer im Nest. Zeigt das Bienenvolk Anzeichen einer Krankheit oder sind die Zellen bereits stark mit Milben befallen, schmelze ich die Brutwaben ein.

Ist die Brut noch gesund und verwendbar, werden bei der Ablegerbildung mit der Honigernte bis zu 7 Brutwaben mit je einer handtellergroßen Fläche ansitzender Pflegebienen in einer Beute mit geschossenem Flugloch gesammelt. Wenn es sehr heiß ist, wird eine Leerwabe mit Wasser hinter das Schied in die Beute gehängt. Auf den Waben muss Futter vorhanden sein, oder es wird eine zusätzliche Futterwabe in die Beute gepackt. Sind keine Futterwaben vorrätig, kommt ein Adamfütterer mit verschlossener Glocke auf die Zarge.

Tipps gegen Probleme und Wetter

  • Wenn das Wetter nicht mitspielt, ist das Abfegen eine quälende Sache: die Bürsten werden feucht und fegen dann nicht mehr richtig.
  • Bei Regen ernte ich zwar, aber zügig; mindestens eine Biene schafft es immer in den Schleuderraum, und die abgefegten Tiere fliegen größtenteils sofort nach Hause.
  • Achten Sie darauf, dass der Honigraum absolut dicht ist, wenn Fluchten über Tag eingesetzt werden; undichte Deckel verursachen Räuberei.
  • Wartet man zu lange mit der Ernte, wird der Honig fester = schwieriger zu schleudern; Rapshonig beispielsweise kann schnell fest werden.

Wenn ihr hinten im Boden auch ein Flugloch habt, baut euch Schütten. Die habt ihr hinter den Kasten und kehrt die Bienen da rein. Vor dem Flugloch müssen sie erstmal an der Torwache vorbei. Wenn ihr die Bienen ins Volk oder davor abkehrt ist relativ egal; ich habe das bei Petra S. so gesehen und praktiziert.

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Imker am Bienenkasten beim Abfegen der Waben

Erfahrungen aus der Praxis und persönliche Hinweise

Zu Beginn meiner Imkerei, also ohne Bienenflucht, hatte ich absolut keine Probleme beim Schleudern, aber halt am Stand ein kleines Tohuwabohu. Ich hatte noch nie Probleme mit meinen Bienenfluchten. Ganz im Gegenteil, ich kann mir Honigernte ohne nicht mehr vorstellen. Andere Imker berichten jedoch, dass einzelne Völker die Bienenflucht über längere Zeit ignorieren können; ein Volk verließ den Honigraum selbst nach 48 Stunden nicht.

Manche Imker arbeiten mit einem leeren Honigraum als Auffang- oder Lockzarge; leere Waben stelle ich abends oder früh morgens auf, dann sind sofort die Bienen wieder oben und unten wird entlastet. Bei starken Beständen rechne ich mit mindestens zwei Honigräumen, die unter der Flucht gegeben werden sollen. Ein voll besetzter Honigraum mit Bienen reicht für einen neuen Ableger Anfang Juni, Ende Juni sollten es zwei sein.

Die Lernkurve in der Imkerei ist steil: Fehler wie Schwärmen, Verlust von Ablegern oder Timing-Probleme sind Lehrgeld. Manche Imker empfehlen, die Honigwaben einige Stunden im kühlen Keller stehen zu lassen, bevor man sie schleudert; das kann beim Rapshonig die Handhabung verbessern.

Sicherheit und Qualität des Honigs

Ungedeckelter Honig hat einen Wassergehalt von über 20 % und gärt im Glas. Das Ernten innerhalb von 6-8 Wochen vor dem ersten Frost lässt dem Volk keine Zeit, seine Vorräte aufzufüllen. Verschütteter oder ungeschützter Honig lockt räuberische Bienen aus Nachbarvölkern und Wespen an. Beim Flow Hive: der Fluss verlangsamt sich zu gelegentlichen Tropfen, wenn die Wabe leer ist; drehen Sie den Flow Key in die geschlossene Position zurück und warten 2-3 Minuten, bevor Sie den Schlauch entfernen.

Kurze Checkliste für eine sichere Ernte ohne Bienenflucht

  • Mindestens 80 % verdeckelte Zellen.
  • Ernte während der Sammelaktivität (mittags) / bei >20 °C.
  • Smoker sparsam einsetzen.
  • Ausreichende Wintervorräte im Brutraum belassen.
  • Waben abfegen oder mit Gebläse/Abschütteln bienenfrei machen.
  • Honig ggf. kühlen oder Raum heizen, um Fließfähigkeit sicherzustellen.
  • Gefährdete oder befallene Brutwaben vor der Ablegerbildung aussortieren oder einfrieren.
Honigernte ohne Bienenflucht: praktische Demonstration

Wann lieber doch die Bienenflucht verwenden?

Wenn Sie große Mengen an Honigwaben an einem Tag ernten müssen oder den Schleuderraum bienenfrei halten wollen, erleichtert die Bienenflucht die Arbeit deutlich. Die Honigernte mit Bienenflucht war für viele Imker ein Kinderspiel. Dennoch ist es möglich, auch ohne Fluchten erfolgreich zu ernten, vor allem wenn Sie wenige Völker haben und die Abläufe gut einplanen.

Praktische Tabelle: Methodenvergleich

MethodeVorteileNachteile
Bienenflucht + Schleudernwenig Bienen im Honigraum, effizient bei vielen ZargenMaterial erforderlich, nicht immer 100% zuverlässig
Abfegen / Laubbläser + Schleudernkein spezielles Zusatzgerät nötig, flexibelarbeitsintensiv, bei Regen problematisch
Abtropfmethode (Bienenkiste / Top-Bar)keine Schleuder, einfache Ausrüstungkeine rückgabefähigen leeren Waben, zeitaufwendig
Flow-Hive / SkogHiveminimalstörende Honigernte, Honig fließt direkt ins GlasAnschaffungskosten, nicht für alle Völkerformen geeignet

Die Honigernte ohne Bienenflucht ist also praktikabel und in vielen Situationen sinnvoll, wenn man Wartezeiten, Wetter und Materialbedarf gegen den Arbeitsaufwand abwägt. Mit guter Vorbereitung, dem richtigen Zeitpunkt und angepassten Methoden lässt sich hochwertiger Honig gewinnen, ohne die Bienenvölker unnötig zu belasten.

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