Dunkle Schokolade im Test: Schwermetalle, Pestizide und bittere Wahrheiten

Dunkle Schokolade erfreut sich großer Beliebtheit, besonders in der Weihnachtszeit. Sie gilt als gesündere Alternative zur Vollmilchschokolade, da sie einen höheren Kakaoanteil und weniger Zucker enthält. Doch ein aktueller Test von "Öko-Test" wirft einen Schatten auf das süße Vergnügen. 21 Bitterschokoladen mit einem Kakaoanteil zwischen 66 und 75 Prozent wurden auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis ist ernüchternd: Keine der getesteten Schokoladen erhielt die Bestnote "sehr gut". Fünf Produkte wurden immerhin mit "gut" bewertet, während einige sogar komplett durchfielen.

Was macht dunkle Schokolade aus?

Die Kakaoverordnung schreibt vor, dass Schokolade mindestens 35 Prozent Kakao enthalten muss. Der Süßwarenverband BDSI legt die Latte für Bitterschokolade höher: Hier müssen es mindestens 60 Prozent sein, bei Halb- oder Zartbitter mindestens 50 Prozent. Dunkle Schokolade punktet mit einem höheren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, die sich positiv auf die Gefäßgesundheit auswirken können. Zudem enthält sie weniger Zucker als Milchschokolade, wie eine Professorin für Humanernährung an der Universität Bonn erklärt. Die getesteten Produkte wiesen einen Zuckergehalt zwischen 21 und 30 Prozent auf, was etwa der Hälfte des Zuckergehalts von Milchschokolade entspricht.

Die Schattenseiten des Kakaoanbaus

Ein Blick auf die Felder der Kakao-Bauern in Lateinamerika und Westafrika, wo der Großteil des Kakaos für unsere Schokoladen herkommt, offenbart seit Langem bekannte Probleme. "Öko-Test" wollte es daher genau wissen: Kennen die Anbieter die Lieferkette bis zum Ursprung der verwendeten Kakaobohnen? Kümmern sie sich um das Thema Kinderarbeit? Haben sie einen Plan, wie sie zu existenzsichernden Einkommen der Bauern beitragen können? Transparenz ist hier das A und O.

Die Situation im Kakaomarkt ist derzeit angespannt. Die Preise für Kakaobohnen sind seit Frühjahr 2023 fast um das Dreifache gestiegen. Dies sollte die Einkommenssituation der Kleinbauern eigentlich verbessern. Neun der getesteten Schokoladen tragen ein Fairtrade-Label, doch selbst der dort garantierte Mindestpreis ist oft zu niedrig, um ein existenzsicherndes Einkommen zu gewährleisten. Laut einer Studie der Uni Chicago von 2020 arbeitet an der Elfenbeinküste und in Ghana beinahe jedes zweite Bauernkind auf den Kakao-Feldern der Familie. Bitter: Kein Anbieter im Test kann Kinderarbeit komplett ausschließen.

Die Testergebnisse im Detail

Von den 21 getesteten Zartbitterschokoladen fielen zwei mit "ungenügend" durch: Die "Lindt Excellence Mild 70% Cacao Edelbitter Mild" und die "Best Moments Edelbitter-Schokolade, 74% Kakao" von Penny.

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Die Lindt-Schokolade enthielt Mineralölbestandteile (MOSH/MOSH-Analoge), die sich im menschlichen Fettgewebe anreichern können. Zudem zeigte sich Lindt & Sprüngli wenig transparent bezüglich der Lieferkette. Das Unternehmen nannte nicht einmal die Ursprungsländer der verwendeten Kakaobohnen. Die Lieferkette für die getestete Charge ist somit nicht belegt, ebenso wenig wie faire Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Einkommen.

Die "Best Moments Edelbitter-Schokolade, 74 % Kakao" von Penny enttäuschte vor allem mit ihren Inhaltsstoffen. Neben "stark erhöhten" Gehalten an MOSH/MOSH-Analogen wurden auch die bedenklicheren aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen. Penny zeigte sich jedoch transparenter als Lindt & Sprüngli und legte ein Gutachten zum chargengleichen Produkt vor.

Weitere Kritikpunkte: Mineralöl, Pestizide und mehr

In knapp der Hälfte der getesteten Tafeln wurden Rückstände von gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoge) bemängelt. Diese können sich im menschlichen Fettgewebe und in Organen anreichern. Noch schwerwiegender ist der Fund von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH), die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. In einigen Zartbitterschokoladen wurden zudem Rückstände von bis zu drei Pestiziden gemessen. Der Einsatz von Pestiziden im Kakaoanbau nimmt derzeit zu, was jedoch kritisch gesehen wird, da die Wechselwirkungen von Mehrfachbelastungen mit Spritzmitteln noch unzureichend erforscht sind.

Auch das Schwermetall Cadmium kann in Kakaobohnen vorkommen, da Böden Cadmium enthalten können. Cadmium reichert sich im Körper an und kann bei langfristiger Aufnahme zu Nieren- und Knochenschäden führen.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Der Test zeigt, dass dunkle Schokolade nicht per se eine gesunde Wahl ist. Schadstoffe wie Mineralöl, Pestizide und Schwermetalle können das süße Vergnügen trüben. Es ist daher ratsam, beim Kauf auf Bio- und Fairtrade-Siegel zu achten, die zumindest gewisse ökologische und soziale Mindeststandards gewährleisten. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass auch dunkle Schokolade eine Süßigkeit ist, die in Maßen genossen werden sollte.

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Die Rolle der Unternehmen

Die Schokoladenhersteller stehen in der Verantwortung, ihre Lieferketten transparent zu gestalten und für faire Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Einkommen der Kakaobauern zu sorgen. Sie müssen Maßnahmen ergreifen, um Kinderarbeit auszuschließen und den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Zudem sollten sie alles daran setzen, die Belastung ihrer Produkte mit Schadstoffen wie Mineralöl und Cadmium zu minimieren.

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