Honigcreme für Wunden: Anwendung, Vorteile und Wissenswertes

Honig ist weit mehr als nur ein süßer Brotaufstrich. Seit Jahrtausenden wird er in verschiedenen Kulturen explizit wegen seiner heilenden Eigenschaften eingesetzt. Vor dem Aufkommen von Antibiotika war Honig ein gängiges Mittel zur Behandlung von Wunden. Auch heute noch findet er in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) Anwendung bei Verbrennungen und Erfrierungen sowie bei Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Knochenbrüchen, Kurzatmigkeit, Magenschmerzen und Durchfall. Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen nun die antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkungen von Honig, wodurch er sich als wertvolles Heilmittel etabliert hat.

Was ist Honigsalbe?

Honigsalbe ist ein Gel auf Honigbasis, das zur Unterstützung der Wundheilung und zur Reduzierung von Entzündungen verwendet wird. Sie ist hautfreundlich und kann die schnellere Heilung von Wunden unterstützen. Allerdings ist nicht jeder Honig für die Hautheilung geeignet. Kommerzieller Honig aus dem Supermarkt ist beispielsweise ungeeignet.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Bienenhonig besteht zu etwa 20 Prozent aus Wasser und hauptsächlich aus den Zuckerarten Fructose (Fruchtzucker, 27 bis 44 %) und Glucose (Traubenzucker, 22 bis 41 %). Er enthält zudem Fermente und Mineralstoffe sowie in geringen Mengen Pollen und Spuren von Wachsteilchen. Die heilungsfördernde Wirkung von Honig beruht auf mehreren Eigenschaften:

  • Saurer pH-Wert: Honig hat einen eher sauren pH-Wert von ca. 3 - 4,5, wodurch die Wundheilung stimuliert wird.
  • Hoher Zuckeranteil: Der hohe Zuckeranteil fördert den Lymphabfluss und hemmt das Bakterienwachstum auf der Wunde.
  • Osmotischer Effekt: Der niedrige Wassergehalt des Honigs entzieht aktiv Flüssigkeit aus dem Wundbett, was das autolytische Debridement fördert, bei dem abgestorbenes Gewebe auf natürliche Weise abgebaut wird.
  • Enzyme: Enzyme wie Glucoseoxidase setzen bei Kontakt mit Flüssigkeit Wasserstoffperoxid frei, das eine keimtötende Wirkung hat.
  • Antioxidantien: Honigverbände enthalten wasserlösliche Antioxidantien, die die Granulation und Epithelisierung des Gewebes fördern und so den Heilungsprozess beschleunigen.

Medizinischer Honig vs. Speisehonig

Zur Behandlung von Wunden, einschließlich Druckstellen bei Menschen mit Querschnittlähmung, wird heute kein Honig zum Verzehr verwendet. Stattdessen kommt ausschließlich medizinischer Honig zum Einsatz, der durch Bestrahlung sterilisiert ist und daher keine Bakterien bzw. Sporen von Bakterien enthält. Medizinischer Honig wird sterilisiert und geprüft, bevor er z. B. in der Wundversorgung eingesetzt wird. Für offene Wunden darf deshalb ausschließlich medizinischer Honig verwendet werden, niemals Speisehonig. Produkte aus dem Supermarkt (auch Bioprodukte) sind Lebensmittel und dürfen per Gesetz aus gutem Grund nicht für medizinische Zwecke verwendet werden. Die Qualitätsmerkmale der verwendeten Honige sowie die Qualitätsstandards bei der Herstellung medizinischer Honige sind wesentlich höher als für Lebensmittel, und die medizinischen Produkte müssen im Gegensatz zu Lebensmitteln auch sterilisiert werden. Weiterhin werden nicht alle Mittel als Medizinprodukte zugelassen, da strenge Vorgaben erfüllt werden müssen.

Manuka-Honig: Eine besondere Sorte

Eine besonders wertvolle Sorte ist Manuka-Honig, der entsteht, wenn Bienen zur Herstellung ihres Honigs hauptsächlich den Blütennektar der neuseeländischen/australischen Südseemyrte (Manuka) verwenden. Manukahonig enthält im Gegensatz zu anderen Honigsorten Methylglyoxal (MGO). Dieser Stoff ist eigentlich zytotoxisch, nicht jedoch in Kombination mit den restlichen Inhaltsstoffen des Honigs. Klinische Daten belegen dem Manukahonig eine beschleunigte Wundheilung sowie eine aktive Wirkung gegen sog. Biofilmbildner und damit eine Reduktion der Biofilmmasse. „Viele Antibiotika können Bakterien in so einem Biofilm nur schlecht erreichen“, sagt Jonathan Häußer auf sportsandmedicine.com.

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Manuka-Honig stammt aus Neuseeland und wird von Bienen aus dem Nektar der Südseemyrte gewonnen. Eine Besonderheit, die Manuka-Honig ausmacht, ist das Methylglyoxal (MGO). Der Wirkstoff soll entscheidend für die antibakterielle Wirkung sein und ist in Manuka-Honig in deutlich höheren Mengen als anderen Honigsorten enthalten. Auf den Produkten findet sich daher oft ein UMF-Wert (Unique Manuka Factor), der angibt, wie stark der Honig gegen Keime wirken kann.

In der medizinischen Wundversorgung kommt Manuka-Honig z. B. als konfektioniertes Wundpflaster zum Einsatz. Allerdings nur in steriler Form und auch nur dann, wenn eine Zulassung als Medizinprodukt gegeben ist. Hintergrund dafür sind Studien, die zeigen, dass Manuka Wundinfektionen hemmen und sogar gegen resistente Bakterien wirksam sein kann. Manche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Manuka-Honig die Heilung zusätzlich fördert, indem er Entzündungen bremst, den Aufbau von Bindegewebe anregt und die Bildung neuer Blutgefäße unterstützt.

Anwendungsgebiete von Honigsalbe

Honigsalbe kann bei verschiedenen Hautproblemen eingesetzt werden:

  • Wundheilung: Insbesondere bei infizierten Wunden ist die Verwendung von Honigsalbe sinnvoll, da Honig bakterientötend wirkt. Es wird empfohlen, die Salbe während der Entzündungsphase der Wunde aufzutragen.
  • Druckstellen (Dekubitus): Medizinischer Honig wird zur Dekubitus-Behandlung bei Querschnittlähmung auch in Querschnittzentren eingesetzt, da Menschen mit Querschnittlähmung aufgrund der eingeschränkten Sensibilität unterhalb der Läsionsstelle ein erhöhtes Risiko haben, Druckstellen zu entwickeln.
  • Verbrennungswunden: Die entzündungshemmenden Effekte von Honig lindern Schmerzen und fördern die Regeneration.
  • Hautreizungen und Ekzeme: Honigsalbe kann juckreizstillend wirken und die Haut hydratisieren.
  • Trockene und rissige Haut: Vetramil Honigsalbe kombiniert Honig mit ätherischen Ölen, die die Haut beruhigen und Austrocknung verhindern.
  • Akute Wunden: Honigsalbe kann bei Schnitten, Abschürfungen und chirurgischen Wunden verwendet werden, um diese sauber zu halten, Infektionen vorzubeugen und die Heilung zu begünstigen.
  • Chronische Wunden: Honigsalbe kann bei Beinulzera und Dekubiti (Druckgeschwüre) verwendet werden, um die Heilung zu stimulieren und die Wunde sauber und frei von Infektionen zu halten.
  • Infizierte Wunden: Honigsalbe kann helfen, die Infektion einzudämmen.
  • Kathetereintrittsstellen: Honigsalbe kann verwendet werden, um Infektionen und Entzündungen zu vermeiden.

Anwendung von Honigsalbe

  1. Reinigung der Wunde: Vor dem Auftragen der Salbe sollte die Wunde gründlich mit Wasser gespült werden. In solch einem Fall ist die Wunde vorher zu reinigen.
  2. Auftragen der Salbe: Tragen Sie die Salbe ein- bis zweimal täglich auf die Wunde oder die betroffene Hautstelle auf, sodass die gesamte Wundfläche bedeckt ist. Luftblasen oder trockene Stellen können die Effektivität reduzieren.
  3. Einmassieren: Wenn die Haut gereizt ist, sollte die Salbe gut einmassiert werden.
  4. Verbandswechsel: Je nach Exsudatbildung kann der Verband bis zu sieben Tage auf der Wunde verbleiben. Tritt eine Mazeration des Wundrandes auf, ist ein häufigerer Verbandswechsel notwendig. In der Regel sollte zumindest am Anfang der Verband täglich gewechselt werden. Sollte sich herausstellen, dass noch genügend Produkt auf der Wunde ist, kann man den Verband auch einen zweiten oder gar dritten Tag auf der Wunde belassen. Längere Zeiträume werden in deutschen Kliniken normalerweise nicht angewendet, was auch sinnvoll ist.

Mögliche Nebenwirkungen

In seltenen Fällen wird von einem Brennen berichtet, welches dann i. d. R. nach einer kurzen Zeit vergeht. Manchmal persistiert der Schmerz allerdings, und in solchen Fällen hängt es vom Patienten ab, ob er den Schmerz ertragen kann oder lieber ein anderes Produkt verwenden möchte. Der Schmerz, falls er denn auftritt, kommt wahrscheinlich durch die saure Natur (pH ~ 3,6) des Produkts zustande und/oder durch die hohe Zuckerkonzentration, welche Feuchtigkeit aus dem Wundgewebe „saugt“. Er ist nach allen Erfahrungen allerdings nicht als gefährlich oder nachteilig für den Heilungsprozess zu bewerten.

Obwohl Honig in der Regel gut verträglich ist und auch bei Patienten mit empfindlicher Haut eingesetzt werden kann, gibt es immer ein kleines Risiko für Allergien - besonders wenn man auf Bienenprodukte empfindlich reagiert. Bei empfindlicher Haut sollte daher vorher ein Patch-Test durchgeführt werden.

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Grenzen der Anwendung

Honig kann konventionelle Therapien nicht ersetzen. Manuka-Honig gilt als wertvolle Ergänzung, ersetzt aber keine ärztliche Behandlung. Bei schweren oder tiefen Wunden bleibt hingegen die Behandlung mit Antiseptika und Antibiotika unausweichlich. Auch für Menschen mit geschwächtem Immunsystem ist Vorsicht geboten.

Trotz der intrinsischen antibakteriellen Aktivität eignen sich diese Produkte nicht zur Bekämpfung innerer Infektionen und Krankheiten wie Darmbeschwerden, Bronchitis, grippale Infekte und allgemeine Erkältungen oder zur Entschlackung des Körpers.

Honigsalbe selber machen

Wenn Sie keine Honigsalbe kaufen möchten, können Sie sie auch selbst herstellen:

  1. Wachs schmelzen: Geben Sie Bienenwachs in einen kleinen Topf oder in eine Schüssel über einem Wasserbad.
  2. Honig einrühren: Nehmen Sie den Topf vom Herd und rühren Sie den Honig unter.
  3. Abfüllen: Gießen Sie die Mischung in kleine Tiegel oder Salbendosen, bevor sie vollständig abkühlt.
  4. Lagerung: Bewahren Sie Ihre selbstgemachte Honigsalbe an einem kühlen, trockenen Ort auf.

Das Selbermachen von Honigsalbe ist nicht nur einfach, sondern gibt Ihnen auch die Sicherheit, genau zu wissen, was in Ihrem Produkt enthalten ist.

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