Honig aus dem Brutraum ernten: Vor- und Nachteile

Ab Mai beginnt für Imker die spannende Zeit der Honigernte. Die Entnahme von Honig aus dem Brutraum ist dabei eine kontroverse und viel diskutierte Praxis, die sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Diese Artikel liefert eine umfassende Darstellung der relevanten Aspekte anhand praktischer Erfahrungen, Empfehlungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dabei werden zentrale Fragen adressiert: Wann und warum wird Honig aus dem Brutraum geerntet, welche Risiken und Vorteile bestehen, und wie beeinflusst dieses Vorgehen das Bienenvolk sowie die Honigqualität?

Bienenvolk mit Honigwaben im Brutraum

Honigernte: Die Grundlagen

Imker fragen sich oft: Wie viel Honig bringt ein Bienenvolk pro Jahr? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn die Ernte hängt von vielen Faktoren ab. Voraussetzung für eine erfolgreiche Honigernte ist ein reiches Angebot an Nektar oder Honigtau, Wetterbedingungen, und die Stärke sowie Gesundheit des Volkes. Damit ein Bienenvolk viel Honig produziert, wird logischerweise ein reiches Angebot an Trachtpflanzen benötigt. Die Bienenvölker werden daher gezielt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort platziert.

Ein Anzeichen für den Erntezeitpunkt ist, dass der Honig in den Waben verdeckelt ist. Sind die Waben zu mindestens zwei Dritteln verdeckelt, ist es relativ sicher, dass der Honig reif ist. Den Wassergehalt des Honigs kann man mit einem Refraktometer messen. Nach der deutschen Honigverordnung sollte der Wassergehalt bei maximal 20% liegen. Unreifer Honig hat einen höheren Wassergehalt und kann schnell gären. Wird der Honig zu früh geerntet, hat das einen entscheidenden negativen Einfluss auf dessen Qualität.

Messung des Wassergehalts in Honigwaben

Brutraum: Definition und Besonderheiten bei der Honigernte

Der Brutraum ist der Bereich im Bienenvolk, in dem die Königin ihre Eier legt und die Brut aufgezogen wird. Flugbienen bringen den gesammelten Nektar in die Zellen, sowohl im Honigraum als auch im Brutraum, je nachdem, wo sie Platz finden. Sind zu wenige Arbeiterinnen oder ist die Tracht zu stark, kann es vorkommen, dass der Brutraum verhonigt, also mit Honig gefüllt wird und der Königin so zu wenig Platz zum Eierlegen bleibt.

Das Problem mit dem verhonigten Brutraum ist häufig bei Anfängern zu finden. Die Bienen brauchen schon früh im Jahr Platz. Wer im März den Honigraum aufsetzt, hat häufig im April diesen gut angenommen und dort auch den Honig.

Lesen Sie auch: Gesundheitliche Lage von Heinz Hoenig im Detail

Warum Honig aus dem Brutraum entnehmen?

  • In trachtarmen Gegenden wächst der Wunsch, auch den Honig aus dem Brutraum zu nutzen.
  • Teilweise lagert viel Honig im Brutraum (z.B. Rapshonig), der auch geerntet werden kann, bevor er kristallisiert.
  • Die Frage, ob diese Praxis sinnvoll und vorteilhaft ist, wird in der Imkerei kontrovers diskutiert.

Praxis und Empfehlungen

Viele Imker begrenzen den Brutraum auf den untersten Raum, sodass keine neue Brut mehr angelegt werden kann. Manche Imker führen eine Halbernte durch: Sie ernten nur ca. die Hälfte des Honigraums und lassen die restlichen Waben zur Winterversorgung für die Bienen im Volk. Die Idee mit der verkleinerten Honigraumzarge bringt Vorteile besonders in Trachtarmen Regionen.

Bienenstock mit Absperrgitter und Honigraum
Vorteile Nachteile
  • Zusätzlicher Honigertrag in Trachtarmen Jahren
  • Effiziente Nutzung von eingelagertem Honig
  • Möglichkeit, um den Brutraum für neue Brut zu räumen
  • Honig aus verschiedenen Blüten und Trachten
  • Risiko von Honigresten, Larvenhäutchen und Milben in den Zellen
  • Höheres Risiko von Verunreinigungen durch abgestorbene Brut
  • Reduzierte Futterreserven für Bienen im Winter
  • Potenzielle Qualitätsminderung (Geschmack, Hygiene)

Honigqualität und Hygiene

Honig aus bebrüteten oder unbebrüteten Waben ist nachträglich nicht unterscheidbar. Kritische Untersuchungen und Analysen zeigen, dass der Honig dadurch nicht minderwertiger wird - Hauptsache, keine lebende Brut befindet sich in den Waben!

Grundsätzlich muss bedacht werden, dass die Larve vor der letzten Häutung in ihrer Zelle abkotet und die Larvenhäutchen dort verbleiben. Zudem können abgestorbene Milben enthalten sein. Deshalb raten viele erfahrene Imker: ehemalige Brutwaben sollten nicht geschleudert werden. Eine bebrütete Wabe würde ich niemals schleudern; das fände ich respektlos den Bienen gegenüber. Die meisten Imker belassen die bebrüteten Waben fürs Winterfutter im Volk und füttern keinen Zucker. Ich sammle sogar gezielt Honig für die Bienen und habe eigene Völker, die nur Jumbos für die Überwinterung füllen.

Technische und hygienische Aspekte

Die Honigwaben sollten immer unbebrütet sein. Der Schleuderraum muss in einem hygienisch einwandfreien Zustand sein. Der Honig muss gesiebt und gefiltert werden, damit grobe Bestandteile, wie kleine Wachssplitter, vom Honig getrennt werden. Bei jungen Waben kann es zu Wabenbruch kommen - hier empfiehlt es sich, vorsichtig zu arbeiten.

Reife, verdeckelte Honigwaben werden entdeckelt und in die Honigschleuder gestellt. Der Honig fließt dann durch das Doppelsieb in den Honigeimer. Luftblasen und Teilchen wie Wachs oder Pollen steigen im Honig langsam nach oben und müssen später abgeschöpft werden.

Lesen Sie auch: Herstellungsprozess von Blaue Biene Honig detailliert erklärt

Schleuderung von Honigwaben

Winterversorgung und Ethik

Honig ist Nahrung für die Bienen, daher sollte nur geerntet werden, wenn den Völkern nach der Honigernte noch ausreichend Reserven zur Verfügung stehen. Es gibt Imker, die den gesamten Honig im Brutraum belassen und darauf verzichten, diesen zu ernten. Lasst doch den Bienen IHR Futter! Bei mir bleibt der ganze Honig in den Bruträumen und wird nicht angetastet. Gerade in Trachtarmen Regionen ist es umso wichtiger, nicht alle Reserven zu entnehmen und rechtzeitig aufzufüttern.

Setzt man ein Volk nur auf kalte, zum Bersten gefüllte Honigwaben, kann es im Winter verhungern. Die Wintertraube wandert als Traube und muss den Honig erreichen können. Nicht umsonst tragen die Völker im Herbst Honig um und zwar dorthin, wo sie ihn ihrer Lebensweise entsprechend erreichen.

Praktische Ratschläge und Alternativen

Wer im Frühjahr den Honigraum zu spät aufsetzt, kann das Problem bekommen, dass der Brutraum verhonigt und die Königin keinen Platz mehr findet. Die Lösung liegt oft darin, leerere Waben einzusetzen, damit die Bienen den Futterkranz aufbrechen und Honig umtragen. Die vollen Waben kann man, falls sie im Honigraum sind, aufreißen, sodass die Bienen den Honig von dort in andere Bereiche umtragen.

Aufgebrochene Honigwabe zur Erleichterung des Umtragens

Die Bienen bauen und sammeln je nach Umgebung, Beuteform und Trachtbedingungen. Trachtarme Gegenden sind anders zu handhaben als überschäumende Volltrachtgegenden. Die Bienenkiste, Warré oder Top-Bar Hive bieten jeweils verschiedene Möglichkeiten, die Honigraumgröße an Standort und Ertrag anzupassen. Man kann Honigraumträger kürzen oder die Honigraumgröße durch Schlußbrett und Leisten variieren.

Wabenalter und Qualität

Eine Brutwabe, die in diesem Jahr erst ausgebaut wurde und in den Honigraum umgehängt wurde, hat nicht so viele Brutzyklen durchlaufen, dass sie nicht zur Ernte verwendet werden könnte. Anderst sieht es mit Brutwaben aus, die im letzten Jahr bereits diese Funktion hatten - diese sind nicht mehr zur Schleuderung zugelassen. Dunkle oder sogenannte „alte Schinken“ dürfen nicht einmal mehr als Brutwaben verwendet werden.

Lesen Sie auch: Natürliches Heilmittel bei Erkältung

Honigbearbeitung und Lagerung

Nach der Schleuderung wird der Honig in saubere Honiggläser abgefüllt, die auf einer geeichten Waage stehen. Mit Ausnahme von Robinien- und reinem Waldhonig sollten alle Honige gerührt und manche auch geimpft werden, damit sie feincremig werden. Lagere vor allem schnell kristallisierenden Honig (z.B. Rapshonig) möglichst kühl, damit er langsam kristallisiert und nicht steinhart im Glas wird.

Bei kühler, trockener Lagerung verdirbt Honig normalerweise nicht. Wie andere Lebensmittel braucht Honig aber ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Honig besteht zu rund 80 Prozent aus Zucker - im Gegensatz zum Haushaltszucker Saccharose befinden sich im Honig vor allem Einfachzucker wie Glukose und Fruktose. Diese werden vom Körper anders verdaut und gelten als gesünder.

Abgefüllter Honig und Lagerung

Zusammenfassung der wichtigsten Vor- und Nachteile

Vorteile der Honigentnahme aus dem Brutraum

  • Erhöhung des Honigertrages, besonders in trachtarmen Jahren.
  • Effiziente Nutzung vorhandener Honigreserven vor Kristallisation.
  • Flexibilität bei der Völkerführung und Anpassung der Honigraumgröße.

Nachteile und Risiken

  • Mögliche Verunreinigung durch alte Waben, Larvenhäutchen oder Milben.
  • Reduzierte Winterfutterreserven, Risiko des Verhungerns der Bienen im Winter.
  • Beachtung von Hygiene- und Qualitätsstandards ist unerlässlich.

Die Praxis ist und bleibt eine individuelle Entscheidung, abhängig von Trachtverhältnissen, Betriebsweise und ethischen Vorstellungen bezüglich Bienenwohl und Honigqualität.

Honigernte im Brutraum - Erfahrungsberichte und Tipps

tags: #Honig #aus #Brutraum #ernten #Vor- #und

Populäre Artikel: