Honig: Lateinische Bezeichnung, Herkunft und Bedeutung

Honig (lateinisch und apothekersprachlich Mel) ist ein von Honigbienen zur eigenen Nahrungsvorsorge erzeugtes und vom Menschen genutztes Lebensmittel aus dem Nektar von Blüten oder den zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukten verschiedener Insekten, dem sogenannten Honigtau.

Wortherkunft und sprachliche Verwandtschaft

Das deutsche Wort Honig stammt von einem alten indogermanischen Begriff ab, der ihn der Farbe nach als den „Goldfarbenen“ bezeichnet. Das deutsche Wort Honig stammt aus dem indogermanischen *kn̥h₂ónks 'goldfarben', wie viele germanische als auch indogermanische Parallelen zeigen. Mittelhochdeutsch wurde er als honec und honig bezeichnet, im Althochdeutschen hieß er honag nebst Varianten.

Die germanischen Sprachen kennen das Wort alle, zum Beispiel englisch honey, niederländisch honing, niederdeutsch Honnig, schwedisch honung, dänisch honning, schweizerdeutsch Hung und luxemburgisch Hunneg. Ahd. honag n., mhd. honec, honic n., frnhd. honig, hönig n./m., änhd. Honig n./m., nhd. Honig m. geht mit as. honeg, huneg, haneg stm., afries. hunig m., ae. hunig n. u.a. auf germ. *χunaǥa- zurück.

In anderen indogermanischen Sprachen finden sich Entsprechungen zweier anderer Wurzeln. Die eine findet sich in Sanskrit मधु madhu für „Honig, Met“, litauisch medus = „Honig“ und tocharisch mit = „Honig“; auch viele slawische Sprachen haben das Wort „med“ für Honig. Hierauf geht wahrscheinlich auch die deutsche Bezeichnung Met für Honigwein zurück. Aus der tocharischen Form „mit“ leitet sich wahrscheinlich chinesisch 蜜 mì (mittelchinesisch mjit) ab. In der lateinischen Sprache steht mel für Honig, wovon auch die Wörter in den modernen romanischen Sprachen stammen.

Diskussion der etymologischen Verknüpfungen

Für die weitere etymologische Verknüpfung hat man ai. kanaka- "Gold", kāñcana- "golden", griech. dor. κνακός [knakós], ion. κνηκός [knêkós] "gelblich, fahlgrau", griech. κνῆκος [knếkos] f. "Saflor, Färberdistel, Carthamus tinctorius", lat. canicae f.Pl. "eine minderwertige Kleieart", apreuss. cucan "braun" beigezogen. Der Honig ist also dann nach der Farbe benannt. Gegen diese Verknüpfung sind auch Einwände erhoben worden, die sich allerdings beseitigen lassen.

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So hat Kluge/Seebold Bedenken, ob sich die unterschiedlichen Bedeutungen der Fortsetzer tatsächlich zusammenbringen lassen. Aber die Farbe des Honigs ist durchaus ein salientes Merkmal, wie vergleichende Bildungen wie honiggelb und honigbraun (beide schon frnhd. bezeugt) zeigen, und so kann der Bezeichnung durchaus ein Farbadjektiv zugrunde liegen. Ferner hat Schlerath auf die schwierigen Ablautverhältnisse hingewiesen, die jedoch von Schaffner geklärt werden konnten.

Es ist allerdings möglich, dass im Germanischen nordische Formen auf sekundärer Nasalierung beruhen; das aus dem Nordgermanischen entlehnte finn. hunaja < *hunaγa- liefert keine Entscheidungshilfe, weil der Zeitraum der Entlehnung nicht feststeht. Fragen könnte man sich allerdings, warum im Germanischen das Erbwort idg. *médhu- verdrängt wurde. Es ist aber möglich, dass dieses Wort schon früh die Bedeutung "Met, Honigwein" hatte, so dass für den Honig eine neue Bezeichnung benötigt wurde.

Lateinische Bezeichnung und wissenschaftliche Namen

In der lateinischen Sprache steht mel für Honig; deswegen ist Honig in der Apothekensprache als Mel bekannt. Der zoologische Name der (westlichen) Honigbiene ist Apis mellifera.

Entstehung und Biologie des Honigs

Die Entstehung von Honig besteht aus der Honigbereitung und der anschließenden Honigreifung. Wichtigster Ausgangsstoff für die Honigbereitung ist Nektar - ein zuckerhaltiger Saft, den Blütenpflanzen aus ihren Nektarien abscheiden. Als weitere wesentliche Quelle kommt in einigen, hauptsächlich gemäßigten Klimaregionen der Erde Honigtau hinzu, der insbesondere dann in großen Mengen zur Verfügung steht, wenn es zu einer der wiederkehrenden Massenvermehrungen verschiedener Blattläuse und Schildläuse kommt. Waldhonig wird beispielsweise überwiegend aus den Ausscheidungen von Baumläusen produziert.

Diese Ausgangsstoffe für die Honigbereitung werden von bestimmten Arbeiterbienen gesammelt, welche die Zuckersäfte mit ihrem Rüssel aufnehmen und in der Honigblase (Trophallaxis) zwischenlagern. Schon bei der Aufnahme werden dem Saft spaltende Enzyme aus den Futtersaftdrüsen hinzugesetzt. Die zugesetzten Enzyme sind Glucosidasen und Amylasen. Amylasen spalten langkettige Kohlenhydrate wie das Polysaccharid Stärke in kurzkettige Kohlenhydrate. Kurzkettige Kohlenhydrate werden ihrerseits von Glucosidasen in Monosaccharide wie Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose) aufgespalten.

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Wenn die Sammelbienen wieder im Bienenstock ankommen, geben sie dort den unfertigen Honig aus ihrer Honigblase an Stockbienen weiter, die ihn im Laufe der Zeit mehrfach transportieren (umtragen), indem sie ihn in ihren Körper aufnehmen und wieder abgeben. Beim Transport in den Bienenstock und beim Umtragen gelangen Säuren, Enzyme und sonstige Eiweiße aus der Biene in den Nektar und bewirken eine Invertierung der Saccharose, Isomerisierung von Glucose zu Fructose und die Bildung höherer Saccharide. Außerdem wird der Nektar eingedickt, und es entstehen sogenannte Inhibine, Stoffe, die das Wachstum von Hefen und Bakterien hemmen.

Der Wassergehalt wird in zwei Schritten reduziert: Zuerst wird ein Tropfen Nektar über den Rüssel mehrmals herausgelassen und wieder eingesaugt. Danach, ab einem Wassergehalt von 30 bis 40 %, wird der so schon bearbeitete und etwas eingedickte Nektar über und auch im Brutnest in leere Wabenzellen ausgebreitet. Die Zellen werden dabei nur teilweise gefüllt, um eine möglichst große Verdunstungsfläche zu erzeugen. Die weitere Verdunstung des Wassers wird jetzt durch Fächeln mit den Flügeln beschleunigt. Schließlich wird ein Wassergehalt von unter 20 % erreicht, meist 18 % oder sogar noch etwas geringer. Der jetzt fertige Honig wird noch einmal umgetragen und in Lagerzellen über dem Brutnest eingelagert, wobei er mit einer luftundurchlässigen Wachsschicht überzogen wird. Imker bezeichnen diesen Vorgang als Verdeckeln.

Schema der Honigentstehung im Bienenstock

Inhaltsstoffe, Eigenschaften und Haltbarkeit

Honig ist eine dickflüssige bis feste, teilweise auch kristallisierte Substanz, die hauptsächlich aus den Zuckerarten Fructose (27-44 %) und Glucose (22-41 %) sowie Wasser (15-21 %, Heidehonig bis 23 %) besteht. Die Fructose überwiegt meist gegenüber der Glucose: Im Durchschnitt sind etwa 38 % Fructose und 30 % Glucose enthalten. Daneben enthält Honig in geringen Mengen Saccharose, Maltose, Melezitose und weitere Di‑ und Oligosaccharide, Pollen, Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Farb‑ und Aromastoffe.

Die relativ lange Haltbarkeit der meisten Honige beruht auf ihrem hohen Zucker‑ und dem geringen Wassergehalt, die verhindern, dass sich Bakterien und andere Mikroorganismen vermehren können, indem diese osmotisch gehemmt werden. Honig verdirbt bei richtiger Lagerung nicht. Auskristallisierter Honig kann durch Erwärmen wieder verflüssigt werden; eine längere Lagerung bei hohen Temperaturen führt allerdings zu einer schnelleren Alterung, und eine Erwärmung über 40 °C zerstört wichtige Inhaltsstoffe und fördert die Bildung von HMF, einem Abbauprodukt vieler zuckerhaltiger Lebensmittel mit möglicherweise gesundheitsschädigender Wirkung.

Farbe, Konsistenz und Sorten

Die Farbe eines Honigs kann zwischen weiß bis hellgelb, gelb, beigefarben, braun und grünschwarz variieren. Sie ist ebenso wie der Geschmack abhängig von den besuchten Blüten oder dem gesammelten Honigtau. Die Konsistenz von Honig reicht von dünnflüssig über cremig bis fest. Sie hängt vom Fructose‑Glucose‑Verhältnis ab und davon, wie der Honig weiterverarbeitet und gelagert wird.

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Heller Honig stammt meist aus Blütennektar und schmeckt mild, während dunkler Honig oft aus Honigtau gewonnen wird und kräftig‑würzig ist. Dunkle Honige enthalten mehr Mineralstoffe und Antioxidantien als helle Sorten; Forschung zeigt, dass dunkler Honig oft einen höheren Gehalt an Antioxidantien aufweist.

Farbskala verschiedener Honigsorten

Sortenhonig, Herkunftsangaben und Kennzeichnung

Ein Honig darf als Sortenhonig angeboten werden, wenn er alle für die Sorte typischen Merkmale aufweist und zu mindestens 60 Prozent von den in der Produktbezeichnung benannten Pflanzen stammt. Weniger spezifisch als eine Sortenangabe sind Bezeichnungen wie "Obstblütenhonig", "Waldhonig", "Frühtracht" oder "Sommerblütenhonig". Ist der Honig mit einer botanischen Herkunftsangabe versehen, so muss der Honig überwiegend, das heißt zu mehr als 50 %, aus der beschriebenen Quelle entstammen; die Honig‑Verordnung sieht für Sortenhonig mindestens 60 % vor.

Der am häufigsten vorkommende Pollen wird „Leitpollen“ genannt und dient meistens der Deklarierung der Honigsorte; die Herkunft wird unter anderem über Geschmack, Pollengehalt (Melissopalynologie) und elektrische Leitfähigkeit bestimmt. Bei den übrigen maximal 40 Prozent darf es sich um Honigtauhonig handeln. Achtung: Eine regionale Adresse suggeriert, dass der Honig regional erzeugt wurde - genau das ist jedoch oft gar nicht der Fall. Wo die Bienen den Honig tatsächlich produziert haben, ist ausschließlich der Herkunftsbezeichnung zu entnehmen! Diese ist wie die Herstelleradresse eine Pflichtangabe.

HonigsorteTypische FarbeGeschmack / Besonderheit
Akazien / Robinienhonigstrohgelb, sehr hellmild, sehr lange flüssig
Rapshonigfast weiß (bei Kristallisation)mild, kristallisiert schnell
Lindenhonigweiß bis goldbraunfruchtig, leicht minzig
Heidehoniggoldbraun bis rötlichherb, geleeartig
Waldhonig / Tannenhonigdunkelbraun bis grünlichbraunwürzig‑malzig, bleibt lange flüssig
Kastanienhonigbernsteinfarben bis rotbraunwürzig, leicht bitter

Gewinnung, Verarbeitung und Honigarten

Für den menschlichen Gebrauch wird Honig durch Imker gewonnen. Aus der Wabe wird der Honig in einer speziellen Zentrifuge, einer sogenannten „Honigschleuder“, bei Umgebungstemperatur gewonnen. Eine Besonderheit stellt die Gewinnung von Heidehonig wegen seiner geleeartigen Konsistenz dar; traditionell wird dieser gepresst, in der modernen Magazinimkerei aber auch geschleudert, wobei der Honig „gestippt“ und die Raumtemperatur erhöht wird.

Entsprechend der Gewinnung unterscheidet man verschiedene Sorten: Schleuderhonig (durch Ausschleudern), Scheibenhonig (aus unbebrüteten Wabenstücken), Wabenhonig (mit Mittelwänden), Seim‑, Tropf‑, Press‑ oder Stampfhonig. „Kalt geschleuderter Honig“ ist ein irreführender Begriff; Honig wird generell ohne Erwärmung über die im Bienenstock herrschende Temperatur geschleudert. Diese Zusatzbezeichnung ist in Deutschland nicht mehr zulässig.

Honigschleuder und Honiggewinnung beim Imker

Geschichte und kulturelle Bedeutung

Schon in der Steinzeit nutzte der Mensch Honig als Nahrungsmittel, wie 9000 Jahre alte Höhlenmalereien mit „Honigjägern“ zeigen. Bei Ausgrabungen von Pharaonengräbern in Ägypten wurde Honig als Grabbeigabe gefunden. Um 3000 v. Chr. galt im Alten Ägypten Honig als „Speise der Götter“ und als Quelle der Unsterblichkeit: Ein Topf Honig hatte einen Wert vergleichbar dem eines Esels.

Im antiken Griechenland und Rom finden sich zahlreiche Erwähnungen: Hippokrates und Aristoteles berichteten von Honig, Vergil beschrieb Bienenhaltung. In vielen Kulturen, etwa bei den Germanen, gehörte Honig zur religiösen Praxis (Met). Im Koran wird in Sure 16 (an‑Nahl) die Heilwirkung des Honigs beschrieben. Mit der Entwicklung industriell hergestellten Zuckers verlor Honig als Hauptsüßstoff an Bedeutung, blieb aber als Naturprodukt, in Küche, Volksmedizin und Kultur präsent.

Wirtschaftliche Aspekte und Verbrauch

Rund 80 % des Honigs in Deutschland werden importiert. Die Imkereien decken nur einen Teil der Inlandsnachfrage; die hiesigen Imkereien decken rund 37 Prozent der Inlandsnachfrage. Die 15 größten Importländer lieferten 2020 zusammen 91,4 % des nach Deutschland importierten Honigs. Die Honigernte in Deutschland hat im Jahr 2020 29.249 Tonnen betragen.

Verwendung in Küche, Kosmetik und Gesundheit

Honig ist in der Küche ein natürliches Süßungsmittel und vielseitig einsetzbar: als Brotaufstrich, im Tee, beim Backen und Kochen, als Marinade‑Zutat oder in Kombination mit Nüssen und Gewürzen. Helle Honige mit sanftem Aroma setzen zarte Akzente, dunklere Sorten bringen Tiefe und Würze.

Honig wird zudem in Naturkosmetik geschätzt: heller Honig für Feuchtigkeitsmasken, dunkler Honig als Grundlage für Peelings. Traditionell wird Honig in Hausmitteln gegen Husten und Halsschmerzen verwendet, wobei rechtliche Vorgaben Heilversprechen einschränken.

Praktische Tipps zur Lagerung und Auswahl

  • Honig sollte kühl und dunkel gelagert werden; Erwärmen über 40 °C vermeiden.
  • Kristallisation ist ein natürlicher Prozess und kein Qualitätsmangel; erwärmen im Wasserbad (max. 40 °C) macht ihn wieder flüssig.
  • Auf Herkunftsangaben und Füllgewicht achten; die Herkunftsbezeichnung ist Pflichtangabe.
  • Sortenhonig erfordert in der Regel mindestens 60 % Leittrachtanteil.

Honig ist eines der ältesten und natürlichsten Lebensmittel der Welt. Sortenvielfalt, Herkunft und Qualität machen jeden Honig einzigartig.

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