Hilft Schokolade wirklich gegen Übelkeit? Ein umfassender Überblick
Übelkeit ist ein unangenehmes Gefühl, das viele Menschen betrifft. Die Ursachen können vielfältig sein, von Reisekrankheit über Schwangerschaft bis hin zu Migräne. Ein weit verbreiteter Glaube ist, dass Schokolade gegen Übelkeit helfen kann. Aber stimmt das wirklich? Dieser Artikel untersucht die wissenschaftlichen Erkenntnisse und gibt einen umfassenden Überblick über die Wirksamkeit von Schokolade bei Übelkeit, einschließlich anderer möglicher Ursachen und Behandlungen.
Übelkeit und ihre Ursachen
Übelkeit ist ein Symptom, das durch ein unangenehmes Gefühl im Magen gekennzeichnet ist, oft begleitet von dem Drang, sich zu übergeben. Es gibt viele mögliche Ursachen für Übelkeit, darunter:
- Reisekrankheit: Diese entsteht durch widersprüchliche Informationen, die das Gehirn von den Augen und dem Innenohr erhält.
- Schwangerschaft: Viele Frauen leiden, besonders in den ersten 12 Wochen, unter Schwangerschaftsübelkeit.
- Migräne: Übelkeit ist ein häufiges Begleitsymptom von Migräne.
- Magen-Darm-Infektionen: Virale oder bakterielle Infektionen können Übelkeit und Erbrechen verursachen.
- Medikamente: Einige Medikamente haben Übelkeit als Nebenwirkung.
- Stress: Emotionaler Stress kann ebenfalls Übelkeit auslösen.
- Überzuckerung: Ein zu hoher Zuckerkonsum kann ebenfalls zu Übelkeit führen.
Migräne und Übelkeit: Ein enger Zusammenhang
Migräne ist eine primäre neurologische Störung, die durch wiederkehrende, meist einseitige, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Laut Robert Koch Institut (RKI) sind in Deutschland etwa 70 bis 90 von 100 Erwachsenen mindestens einmal im Leben von Kopfschmerzen betroffen. Migräne betrifft rund 16 % der Bevölkerung, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer (15 % der Frauen gegenüber 6 % der Männer).
Übelkeit ist ein Kardinalsymptom der Migräne und tritt bei etwa 80 % der Betroffenen auf. Weitere Begleitsymptome sind Appetitlosigkeit, Erbrechen (bei 40-50 %), Lichtscheu (60 %) und Lärmempfindlichkeit (50 %). Die genauen neurobiologischen Abläufe, die zu Übelkeit und Erbrechen führen, sind komplex, aber vereinfacht gesagt, werden während einer Migräne-Attacke bestimmte Zentren im Hirnstamm aktiviert, die Übelkeit und Erbrechen steuern.
Schokolade bei Übelkeit: Mythos oder Wahrheit?
Die Frage, ob Schokolade gegen Übelkeit hilft, ist umstritten. Es gibt keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise, die diese Behauptung stützen. Einige Menschen empfinden Schokolade als beruhigend für den Magen, während andere keine Linderung verspüren oder sogar eine Verschlimmerung der Symptome feststellen.
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Mögliche Gründe für eine positive Wirkung
- Zucker und Kohlenhydrate: In manchen Fällen kann ein niedriger Blutzuckerspiegel Übelkeit auslösen. Schokolade enthält Zucker und Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel schnell anheben können und so kurzfristig Linderung verschaffen.
- Psychologischer Effekt: Der Genuss von Schokolade kann positive Emotionen auslösen und dadurch von der Übelkeit ablenken. Dieser Placebo-Effekt sollte nicht unterschätzt werden.
Mögliche Gründe für eine negative Wirkung
- Hoher Zuckergehalt: Ein hoher Zuckerkonsum kann den Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht bringen und zu einem raschen Abfall führen, was die Übelkeit verstärken kann.
- Fettgehalt: Schokolade enthält viel Fett, das die Magenentleerung verzögern und Übelkeit verstärken kann. Bei Migräne kommt es oft zu einer verzögerten Magenentleerung, was die Aufnahme von Medikamenten beeinträchtigt und die Übelkeit verstärkt.
- Inhaltsstoffe: Einige Inhaltsstoffe in Schokolade, wie Koffein oder Theobromin, können bei manchen Menschen Übelkeit auslösen oder verstärken.
Alternative Behandlungen und Hausmittel gegen Übelkeit
Da die Wirksamkeit von Schokolade bei Übelkeit nicht eindeutig belegt ist, gibt es viele andere Behandlungen und Hausmittel, die helfen können:
- Ingwer: Ingwer ist ein bewährtes Mittel gegen Übelkeit. Er kann als Tee, Kapsel oder in Form von Ingwerbonbons eingenommen werden.
- Pfefferminz: Pfefferminztee oder das Riechen an Pfefferminzöl kann Übelkeit lindern.
- Zitrusfrüchte: Der Duft von Zitrusfrüchten, wie Orange oder Zitrone, kann helfen, Übelkeit zu reduzieren.
- Akupressur: Akupressurbänder für die Handgelenke (Sea-Band) können bei manchen Menschen Übelkeit lindern.
- Medikamente: Bei starker Übelkeit können Antiemetika wie Dimenhydrinat (z.B. in Vomex A®), Metoclopramid (MCP) oder Domperidon helfen. Diese Medikamente sollten jedoch nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.
- Ernährung: Leichte, fettarme Kost ist bei Übelkeit besser verträglich. Vermeiden Sie stark gewürzte oder fettige Speisen.
- Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee, um eine Dehydration zu vermeiden.
- Ruhe: Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe und Schlaf, um den Körper zu entlasten.
Tipps zur Vorbeugung von Übelkeit
Einige Maßnahmen können helfen, Übelkeit vorzubeugen:
- Regelmäßige Mahlzeiten: Essen Sie regelmäßig kleine Mahlzeiten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, besonders bei Aktivitäten, die zu Übelkeit führen können (z.B. Reisen).
- Stressmanagement: Reduzieren Sie Stress durch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung.
- Vermeidung von Triggern: Identifizieren Sie mögliche Auslöser für Übelkeit (z.B. bestimmte Lebensmittel, Gerüche) und vermeiden Sie diese.
- Bei Migräne: Führen Sie ein Migräne-Tagebuch, um Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden. Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus und Ausdauersport können ebenfalls helfen, Migräne-Attacken vorzubeugen.
Was tun bei Übelkeit während einer Migräne-Attacke?
Migräne-Patienten, die unter Übelkeit leiden, können folgende Maßnahmen ergreifen:
- Frühzeitige Einnahme von Medikamenten: Nehmen Sie Schmerzmittel (NSAR oder Triptane) und Antiemetika (z.B. Dimenhydrinat) frühzeitig ein, bevor die Übelkeit zu stark wird.
- Alternative Darreichungsformen: Bei Erbrechen können Zäpfchen oder Nasensprays sinnvoll sein, um den Magen-Darm-Trakt zu umgehen.
- Hausmittel: Ingwer-Tee oder Pfefferminztee können die Übelkeit lindern.
- Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück und versuchen Sie zu schlafen.
- Aktivierung des Parasympathikus: Da bei Migräne oft der Parasympathikus aktiviert wird, der für Ruhe und Erholung sorgt, kann es helfen, sich bewusst zu entspannen.
Ernährung nach einer Zuckerbombe: Was hilft?
Nach dem Konsum von zu viel Zucker können bestimmte Lebensmittel helfen, den Körper zu entgiften und Symptome wie Übelkeit zu lindern:
- Gesunde Fette, Ballaststoffe und Proteine: Diese stabilisieren den Blutzuckerspiegel und wirken Heißhunger entgegen. Geeignete Lebensmittel sind Kürbiskerne, Linsen, Avocados, Kichererbsen, pflanzliche Proteinpulver oder Hanfsamen.
- Viel Wasser: Trinken Sie viel Wasser, um den Darm durchzuspülen und das Völlegefühl zu reduzieren.
- Grüne Lebensmittel: Grünkohl, Sellerie oder Gurken können in Smoothies oder Salaten den Körper von innen reinigen und bei der Verwertung von Zucker helfen.
- Entzündungshemmende Lebensmittel: Kreuzblütler (Grünkohl, Rosenkohl, Blumenkohl), Gewürze (Kurkuma, Ingwer) und Omega-3-reiche Samen (Leinsamen, Hanf) können Entzündungen im Körper reduzieren.
- Beeren: Süße, entzündungshemmende Beeren sind eine gute Alternative zu zuckerhaltigen Süßigkeiten.
Übelkeit in der Schwangerschaft: Was hilft wirklich?
Viele schwangere Frauen leiden unter Übelkeit. Hier sind einige Tipps, die helfen können:
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- Kleine Mahlzeiten: Essen Sie regelmäßig kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
- Snack vor dem Aufstehen: Essen Sie morgens vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit, z.B. ein Knäckebrot oder Nüsse.
- Vermeiden Sie süße Getränke: Süße Getränke können den Blutzuckerspiegel durcheinander bringen.
- Koffeinfreie Alternativen: Meiden Sie Koffein, da dies die Übelkeit verstärken kann.
- B-Vitamine: Ein Mangel an B-Vitaminen kann eine Rolle spielen. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin B6, B1 und B12 kann sinnvoll sein.
- Zitrusduft: Riechen Sie an Duftölen wie Orange oder Zitrone.
- Ingwer: Ingwer als Tee oder in Kapselform kann helfen, Übelkeit zu vertreiben.
- Aufrechte Haltung: Legen Sie sich nach dem Essen nicht direkt hin, sondern bleiben Sie eine Weile aufrecht.
- Leichte Kost: Seien Sie vorsichtig mit sehr fettigem oder stark gewürztem Essen.
- Akupunktur oder Akupressur: Diese Methoden können gegen Übelkeit helfen.
- Bewegung: Gehen Sie regelmäßig spazieren oder machen Sie Schwangerschaftsgymnastik oder -yoga.
- Homöopathie: Nux Vomica D6 kann gegen Erbrechen und Übelkeit eingesetzt werden.
- Medikamente: Scheuen Sie sich nicht, Ihre Ärztin/Ihren Arzt nach Medikamenten gegen Übelkeit zu fragen.
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