Heu mit wenig Zucker für Pferde: Analyse, Herstellung, Auswahl und Fütterung im Überblick

Die Gesundheit von Pferden steht für alle Pferdebesitzer an erster Stelle. Besonders in den letzten Jahren ist das Bewusstsein für ernährungsbedingte Krankheiten wie Hufrehe und Übergewicht bei Pferden stark gestiegen.

Das Klima verändert sich und das zeigt sich auch in den Heuanalysen der letzten Jahre. Diese Entwicklung stellt jeden Pferdehalter vor Herausforderungen und macht nochmal deutlicher wie wichtig die genaue Analyse des Grundfutters ist, um dann entsprechend optimal mit Zusätzen zu ergänzen.

Infografik: Zusammenhang zwischen Klimawandel, Zuckergehalt im Heu und Pferdegesundheit

Warum zuckerarmes Heu?

Ein zentraler Faktor dabei ist der Zuckergehalt im Futter, insbesondere im Hauptfuttermittel, dem Heu. Viele denken noch, dass Pferde von Heu keine Hufrehe bekommen können, aber dem ist leider nicht so.

Hufrehe ist eine schmerzhafte und oft chronische Entzündung der Huflederhaut, die durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Einer der Hauptauslöser ist eine zu hohe Zucker- bzw. Fruktanaufnahme aus dem Futter.

Übergewicht ist ein weiteres weit verbreitetes Problem bei Pferden, das nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung der Tiere erheblich beeinträchtigen kann.

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So wurde in manchen Raufutterproben ein Zuckergehalt von über 20% festgestellt - das ist deutlich mehr Zucker als viele Kraftfuttersorten enthalten. Frisst dein Pferd nun ca. 9 kg Heu pro Tag von diesem Raufutter, würde es gleichzeitig auch 1,8 kg Zucker aufnehmen.

Wir haben Heuchargen in 2022 gesehen, die 18% Zucker enthalten haben. Wenn jetzt das Heu schon über 18% Zucker hat, ohne den Stärkegehalt zu wissen (der aber oft im Heu recht niedrig ist), kannst du dir vielleicht vorstellen, dass das zu Problemen führt.

Bei stoffwechselempfindlichen Pferden zählt jede Mahlzeit, bzw. sogar jede Einzelkomponente.

Die Reduktion des Zucker- und Fruktangehalts im Heu kann das Risiko für Hufrehe erheblich verringern und zur Stabilisierung des Körpergewichts beitragen.

Zucker, Fruktan und pflanzenphysiologische Grundlagen

Pflanzen nutzen Wasser, CO2 und Sonnenlicht, um durch Photosynthese Sauerstoff und Glukose zu produzieren. Glukose ist ein Einfachzucker und wird umgangssprachlich auch als Traubenzucker bezeichnet.

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In Kombination mit Fruktose (Fruchtzucker), bildet Glukose ein Disaccharid (Zweifachzucker) und ergibt Saccharose.

Fruktane sind Oligo- und Polysaccharide (langkettige, wasserlösliche Zuckermoleküle), die aus Fruktosemolekülen in unterschiedlicher Kettenlänge mit einem geringen Glukoseanteil bestehen.

Dieser Zucker, in erster Linie Fruktan, wird unter normalen Umständen tagsüber bei Sonnenlicht produziert und in warmen Nächten für das Pflanzenwachstum eingesetzt. Kann die Pflanze in der Nacht jedoch nicht wachsen, z.B. weil die Nächte zu kalt sind, speichert sie das Fruktan ein.

Erklärvideo: Photosynthese, Fruktanbildung und Auswirkungen auf Heuzucker

Analyse von Heu: Werte verstehen und richtig handeln

Du möchtest wissen, wie viel Zucker dein Raufutter enthält? Schnelle Raufutteranalyse.

Durch das LUFA-Testverfahren des Futters können wichtige Nährstoffe und mögliche Belastungen, wie Schimmelpilze, identifiziert werden.

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Für die LUFA-Analyse stellen wir etwa 5kg Probenmaterial zusammen. Diese Proben werden sorgfältig ausgewählt und an das LUFA-Labor gesendet.

Es ist wichtig zu beachten, dass Analysen geringfügige Abweichungen aufweisen können. Die LUFA-Ergebnisse zeigen eine Momentaufnahme. Diese Angaben sind ohne Gewähr.

Unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten der Wiesen führen zu variierenden Grasstrukturen und damit zu unterschiedlichen Analyseergebnissen.

In den Jahren 2021 und 2022 führte Pavo gemeinsam mit Eurofins Agro über 5.500 Raufutteranalysen zum Gehalt an Zucker, Eiweiß und Energie durch. Der Zuckergehalt der Proben zeigt einen beunruhigenden Trend: Im Jahr 2021 wurde bei 33% der Raufutterproben ein hoher bis sehr hoher Zuckergehalt analysiert - in 2022 stieg dieser Anteil bereits auf 44%.

Laut der Lufa (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) betrug der durchschnittliche Fruktangehalt der Ernte 2020 in Deutschland im Heu 6,1% und in der Heulage 4,7% in der Trockensubstanz. Der durchschnittliche Fruktangehalt im Heu und in der Heulage ist im Vergleich zu den letzten Jahren angestiegen.

Generell sollte der Gesamtzuckergehalt im Raufutter nicht mehr als 10% betragen, um deinem Pferd keine erhöhten Mengen an Zucker zuzuführen.

Waschen von Heu: Grenzen der Praxis

Ja, man kann einen Teil des Zucker auswaschen. Man sagt grob 30% des Zuckers, wenn man das Heu eine Stunde in kaltem Wasser auswäscht.

Jetzt kommt ein Dreisatz, aber keine Sorge, das ist gar nicht so schwer: Wenn wir das grob schätzen, können wir höchstens ein Drittel auswaschen (okay, das wären eigentlich 33,3%, aber so grob eben).

Bei 18% wären das 6% (18 geteilt durch 3). Fazit: Ab einer gewissen Menge an Zucker im Heu reicht das Waschen nicht!

Und es ist auch aus hygienischer, ökologischer und arbeitstechnischer Sicht dauerhaft nicht förderlich.

Produktion von zuckerarmem Heu: Gräserwahl, Schnitt, Bedingungen

Wir müssen versuchen, das Heu möglichst zuckerarm zu produzieren, was aber leider nur bedingt zu beeinflussen ist.

Es gibt Grassorten, die weniger Zucker enthalten als andere. Besonders geeignet sind Sorten wie Lieschgras, Wiesenfuchsschwanz oder Knaulgras.

So gut wir eben können, sollten wir den Gräsern die Möglichkeiten zum gesunden Wachsen geben, dann lagern sie weniger Zucker ein: Gute Nährstoffversorgung, genug Feuchtigkeit, nicht zu nass, nicht zu trocken, nicht zu warm, nicht zu kalt.

Die Ernte sollte, wenn das Wetter es zulässt, zur Mitte bis Ende der Blütezeit stattfinden. Sobald Gras älter wird und blüht, beginnt es langsam zu „verholzen“.

Der Zuckergehalt in Gräsern variiert im Tagesverlauf und über die Wachstumsphase hinweg. Die ideale Tageszeit, um Heu mit einem niedrigen Zuckergehalt zu mähen, wäre somit zwischen 5 und 6 Uhr morgens.

Schneide dein Gras in jedem Fall vor 10 Uhr, um den Zuckergehalt nicht zu stark ansteigen zu lassen.

Am Abend zwischen 18 und 21 Uhr ist der Zuckergehalt unter den oben genannten Temperaturbedingungen am höchsten.

Auch die Jahreszeit beeinflusst den Zuckergehalt des Grases. Den höchsten Zuckergehalt misst man oft im April bis Anfang Mai.

Jedoch können die Zuckerwerte im Gras auch während der Sommermonate stark ansteigen. Dies kann z.B. durch eine Trockenperiode verursacht werden.

Gras benötigt in erster Linie Wasser, um dem Boden Nährstoffe entnehmen zu können und zu wachsen. Die Graspflanze speichert jedoch nach wie vor Fruktan ein.

Eine gute Pferdeweide enthält eine optimale Kombination aus strukturreichem Gras, wie z.B. Raygräsern, Rotschwengel, Wiesenrispengras und Timothee Gras.

Schnittzeitpunkt: Diagramm Tagesverlauf Zuckergehalt im Gras

Praktische Organisation der Ernte und Beprobung

Wenn du zuckerarmes Heu für den Pferd benötigst, sprich bereits vor der Ernte mit deinem Landwirt, biete deine Hilfe an und sei bei der Ernte mit dabei.

Denn für eine aussagekräftige Analyse muss jede Fläche einzeln beprobt werden, wenn sie abgelagert ist, d.h. bei der Ernte bzw. Einlagerung muss bereits darauf geachtet werden, wo die Ballen welcher Fläche liegen.

Wir setzen die Flächen in einzelnen Stapeln und notieren, was wo sitzt.

Trotzdem bleibt die Heuernte jedes Jahr spannend!

Fütterungsmanagement bei stoffwechselempfindlichen Pferden

Bei stoffwechselempfindlichen Pferden zählt jede Mahlzeit, bzw. sogar jede Einzelkomponente.

Sprich, das Heu wird prozentual nicht zuckerärmer nur weil wir weniger füttern oder es mischen - der Blutzuckeranstieg und somit auch die Insulinausschüttung wird nicht großartig anders.

Außerdem kann eine starke Reduktion tatsächlich eine Insulinresistenz fördern, ebenso wie zu lange Fresspausen.

Ein Pferd benötigt minimal 1,5% seines Körpergewichts an Raufutter - das macht 70% bis 100% der gesamten Fütterung aus.

Wähle für empfindliche Pferde daher bevorzugt eine Raufuttersorte mit einem niedrigen Zuckergehalt (< 10%).

Bewährte Optionen mit niedrigem Zucker

Timothee Heu ist eine hochwertige Raufutterergänzung und/oder kann auch als Raufutterersatz eingesetzt werden.

Bei Timothee Gras handelt es sich um eine Lieschgraspflanze.

Timothee Gras zeichnet sich durch eine geringen Protein- und Zuckergehalt aus und ist daher auch als Kraftfutterersatz für stoffwechselempfindliche Pferde geeignet.

Timothee Gras ist von der Stuktur deutlich weicher als die Luzerne Faser, durch den hohen Halmgehalt muss es aber trotzdem länger gekaut werden.

Das stärkefreie und zuckerarme Timothee Heu ist ein Naturprodukt - ohne Zugabe von Zusatzstoffen, Melasse und Getreide schonend verarbeitet und getrocknet.

Semhof® Bio HeuQUICK zuckerarm wird aus spät gemähten, artenreichen Bio-Wiesenpflanzen mit hohem Blumen- und Kräuteranteil vom 1. Schnitt gewonnen.

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