Helicobacter pylori – Einfluss von Zucker auf Infektion und Behandlung
Wenn Symptome wie Übelkeit, Völlegefühl oder Bauchschmerzen andauern, kann sich dahinter der Magenkeim Helicobacter pylori verbergen. Eine Infektion mit dem Keim Helicobacter pylori gilt als häufigste Ursache für eine chronisch entzündete Magenschleimhaut. Wenn sich Helicobacter-pylori-Bakterien in der Magenschleimhaut einnisten, kann das zu einer chronischen Entzündung führen. Diese kann, muss aber nicht, folgende Symptome verursachen: Völlegefühl, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Aufstoßen, Appetitlosigkeit oder Mundgeruch.
Wie H. pylori im Magen überlebt und Schäden verursacht
Dass im Magen überhaupt Bakterien überleben können, war wissenschaftlich bis in die 1980er-Jahre unbekannt. 1983 fanden Forscher heraus: Helicobacter pylori kann im Magen überleben. H. pylori befällt die Magenschleimhaut und kann auch im Stuhl, Speichel und Zahnbelag nachgewiesen werden. H. pylori kann durch Tests mit Atem- oder Stuhlproben nachgewiesen werden.
H. pylori wächst in der schützenden Schleimschicht der Magenschleimhaut, wo sie weniger stark den sehr sauren Magensäften ausgesetzt sind. Darüber hinaus produziert H. pylori Ammoniak, was dem Bakterium dabei hilft, es vor der Magensäure zu schützen, und ihm ermöglicht, die Schleimschicht zu schädigen und zu durchdringen. Die Erreger können die Magenschleimhaut schädigen. Daraus können sich Magengeschwüre und Geschwüre im Zwölffingerdarm entwickeln (medizinischer Fachbegriff: gastroduodenale Ulkuskrankheit). Auch Magenkrebs zählt zu den möglichen Folgeerkrankungen einer Infektion mit Helicobacter pylori.
Übertragungswege, Risikogruppen und Epidemiologie
Helicobacter pylori kann von Mensch zu Mensch übertragen werden, insbesondere, wenn infizierte Personen sich nach dem Toilettengang nicht gründlich die Hände waschen. Zudem wird eine Infektion über verschmutztes Wasser oder verunreinigte Lebensmittel diskutiert. Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Deutschland wahrscheinlich die Mensch-zu-Mensch- Übertragung dominiert und häufig im Vorschulalter stattfindet. Wichtigster Risikofaktor ist die infizierte Mutter. Die Infektion kommt sehr häufig vor und nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Die Infektion kommt häufig bei Afroamerikanern, Lateinamerikanern und Asiaten vor.
Diagnostik: Atem- und Stuhltests, Endoskopie
Es gibt verschiedene Untersuchungen, um Helicobacter pylori im Magen nachzuweisen: Dazu zählen nicht invasive Methoden wie Atem- oder Stuhltests. Diese Untersuchungen sind für die Patienten unkompliziert und risikolos. Als invasive Methode ist eine Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Entnahme von Gewebeproben aus der Magenschleimhaut möglich. Manchmal verwenden Ärzte einen biegsamen Beobachtungsschlauch (Endoskop), um eine Endoskopie des oberen Verdauungstrakts durchzuführen und eine Probe der Magenschleimhaut zu entnehmen (Biopsie). Die Probe kann mit mehreren Methoden auf H. pylori getestet werden.
Lesen Sie auch: Wirkung von Manuka-Honig auf H. pylori
Standardtherapie und Ernährungsaspekte
Beim Nachweis von Helicobacter-pylori-Bakterien sollte immer eine Therapie erfolgen. Ziel der Behandlung ist es, die Keime abzutöten und eine Entzündung der Magenschleimhaut abklingen zu lassen. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten empfehlen eine Vierfach-Behandlung - bestehend aus zwei Antibiotika, dem chemischen Element Bismut und zusätzlich einem Säureblocker (medizinischer Fachbegriff: Protonenpumpenhemmer). Antibiotika und Bismut bekämpfen die Helicobacter-Bakterien direkt. Der Säureblocker unterstützt die Therapie, indem er die Säurebildung im Magen unterdrückt, wodurch die Antibiotika besser wirken können.
Aus diesem Grund sollte man während der Therapie auch nicht rauchen und auf Lebensmittel verzichten, die zu einer vermehrten Magensäurebildung führen. Dazu zählen Kaffee, säurehaltige Fruchtsäfte, scharfe Gewürze, Gebratenes, Geräuchertes und Frittiertes. Bestimmte Lebensmittel steigern die Produktion von Magensäure oder reizen die ohnehin angegriffene Magenschleimhaut zusätzlich. Peperoni, Chili und scharf gewürzte Speisen können eine durch Helicobacter pylori gereizte Magenschleimhaut zusätzlich belasten. Fruchtsäfte: Verboten bei Helicobacter pylori? Viele Fruchtsäfte enthalten nicht nur viel Säure, sondern auch große Mengen Zucker. Beides zusammen kann eine durch Helicobacter pylori angegriffene Magenschleimhaut weiter reizen. Lebensmittel wie geräucherter Speck, Wurst, Schinken oder Räucherfisch enthalten viel Salz und häufig Aromastoffe aus dem Rauchprozess. Beides kann eine durch Helicobacter pylori gereizte Magenschleimhaut weiter strapazieren. Stark angebratene Lebensmittel aus der Pfanne wie Bratwurst enthalten häufig ebenfalls viel Fett und Röststoffe. Derartige Speisen liegen oft schwer im Magen und fördern Schmerzen im Oberbauch sowie Völlegefühl.
Zucker, Kohlenhydrate und das Mikrobiom: Bedeutung für H. pylori
Bei Entzündungen der Magenschleimhaut (chronische Gastritis) wird ein Test gemacht, der fast immer positiv ist weil HP in Wirklichkeit bei den meisten Europäern ein normaler Bestandteil des Mikrobioms ist. Überhandnehmen von HP ist also nicht notwendigerweise Ursache einer Magenerkrankung sondern häufig Folge einer Fehlernährung. Bei einer Dysbiose, z.B. aufgrund von zu viel Kohlenhydraten, insbesondere Zucker entgleitet HP dieser Kontrolle und befindet sich dann auch auf der Oberfläche der Magenschleimhaut wo er die Schicht aus Schutzschleim abbaut den die Nebenzellen gebildet haben. Die Kohlenhydrate aus der Nahrung liefern dafür das Ausgangsmaterial.
Chemisch gesehen, haben Zucker tausendfach mehr Verknüpfungsmöglichkeiten als Aminosäuren. Theoretisch können sich die acht einfachsten Zuckermoleküle im Körper zu mehreren Millionen verschiedener komplexer Zucker zusammenschließen. Und die Sache ist noch verzwickter: Auf einem Protein sitzt nicht nur ein Zuckermolekül, sondern es sind bisweilen 100 verschiedene. Für ungebetene Gäste wie Viren oder Bakterien: Das Grippevirus nutzt Glykoproteine, um an Zellen in den Atemwegen anzudocken, das Bakterium Helicobacter pylori, das für Magengeschwüre verantwortlich gemacht wird, heftet sich an Zucker in der Magenschleimwand an. Die Zellen kommunizieren auch untereinander mit Hilfe der Zuckermoleküle. Und das Immunsystem erkennt an der Zuckerstruktur von Zellen, ob diese zum Körper gehören oder vernichtet werden müssen. Die verschiedenen Blutgruppen unterscheiden sich nur durch ein Zuckermolekül auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Dieses Detail sorgt dafür, dass Blutgruppen untereinander unverträglich sind.
Metabolische Folgen einer Infektion: Blutzucker und Hormone
Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori lässt bei Erwachsenen den Blutzuckerspiegel steigen und erhöht damit das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das berichten die beiden New Yorker Forscher Yu Chen und Martin Blaser im «Journal of Infectious Diseases». Sie stützen ihre Aussage auf die Auswertung zweier populationsbasierter Studien mit insgesamt mehr als 13.000 Teilnehmern. Die HbA1C-Werte, ein empfindlicher Parameter für erhöhte Blutzuckerspiegel innerhalb der vorangegangenen drei bis vier Monate, waren bei Helicobacter-pylori-positiven Probanden deutlich höher als bei Studienteilnehmern, die nicht mit dem Erreger infiziert waren.
Lesen Sie auch: Fanta Lemon Zucker: Was Sie wissen sollten
Den hier beobachteten Zusammenhang zwischen Helicobacter pylori und Blutzucker begründen die beiden Autoren damit, dass der Magenkeim die Regulation der Hormone Leptin und Ghrelin beeinflussen könnte. Ghrelin, und in geringem Umfang auch Leptin, werden in der Magenschleimhaut produziert. Als Gegenspieler regulieren die beiden Hormone den Energiehaushalt des Körpers, wobei Ghrelin für eine Drosselung des Energieumsatzes und eine Gewichtszunahme sorgt, während Leptin den Energieumsatz ankurbelt und das Hungergefühl unterdrückt.
Zucker und Adhäsion: Mechanismen der Anheftung
Das Bakterium Helicobacter pylori heftet sich an Zucker in der Magenschleimwand an. Der Trick mit den Zuckern, sagt Brossmer, ist eine schlaue Strategie des Körpers. Mit relativ wenig Aufwand kann der Organismus die Moleküle selbst herstellen. Die Information, die der Körper darin speichern kann, ist enorm. Und zwar ganz typische: Während Mensch und Affe etwa 98,8 Prozent ihrer Gene gemeinsam haben, sind sie auf der Zuckerebene völlig verschieden. Doch die Forschung ging den Zuckern lange aus dem Weg, gerade weil sie so kompliziert sind.
Therapieprobleme: Resistenzen, Nebenwirkungen und Grenzen der Eradikation
Die Behandlung dauert circa zwei Wochen. Einige Wochen nach Behandlungsende sollte eine Kontrolluntersuchung erfolgen, wobei hier in den meisten Fällen ein Atem- oder Stuhltest ausreicht. Bei mehr als 80 Prozent der Behandelten lässt sich nach der Therapie kein Helicobacter pylori mehr nachweisen. Wenn die Therapie nicht angeschlagen hat, liegt das meist an einer Antibiotikaresistenz der Helicobacter-pylori-Bakterien. Sinnvoll ist in diesem Fall eine Laboruntersuchung der Bakterien auf mögliche Resistenzen und im Anschluss eine erneute Behandlung mit möglichen alternativen Antibiotika.
Moderne Breitband-Antibiotika hemmen die Proteinbildung in Bakterien aber leider auch in Mitochondrien (die ja in vieler Hinsicht Bakterien ähnlich sind). So zerstören Antibiotika Mitochondrien in den Zellen der Darmschleimhaut die dadurch geschädigt werden. Die Hemmung der Bildung von Magensäure durch Protonenpumpenhemmer (PPI), die zusätzlich zum Antibiotikum verschrieben werden, blockieren Belegzellen. Dadurch bessern sich zwar Beschwerden wie Sodbrennen und Reflux. Aber die primäre Aufgabe der Säure ist die Hydrolyse von Proteinen. Das ist einerseits für die Eiweißverdauung notwendig, andererseits werden die Enzyme des Magens, insbesondere Pepsinogen, das von den Hauptzellen gebildet wird nicht aktiviert. Die Eiweißverdauung wird dadurch eingeschränkt. Außerdem erzeugen Belegzellen intrinsic Faktor, der für die Aufnahme von Vitamin B wichtig ist. Es kommt daher bei langfristiger Einnahme von PPI zu einem Vitamin B Mangel mit allen Konsequenzen wie z.B. schweren Veränderung.
Bei einer akuten Infektion gibt es sicherlich keine Alternative zu Antibiotikum und PPI. Allerdings sollte diese Behandlung sehr vorsichtig und zeitlich begrenzt stattfinden. Eine „Eradikationstherapie“ mit Antibiotika und Säureblockern schafft nur kurzfristig Besserung, beseitigt aber bei unveränderter Ernährung nicht das eigentliche Problem.
Lesen Sie auch: Inhaltsstoffe und Nachhaltigkeit von zuckerfreiem Chocomel
Ernährungsansatz: Süßstoffe, Bitterstoffe und neue Forschung
Süßstoffe haben keinen guten Ruf: Oft stehen sie im Verdacht, das Darmmikrobiom zu schädigen, Herzkrankheiten zu begünstigen oder sogar krebserregend zu sein. Doch eine neue Studie zeigt, dass zumindest der Süßstoff Thaumatin mehr kann, als nur Kalorien zu sparen. Thaumatin ist ein natürlicher Süßstoff, der aus der westafrikanischen Katemfe-Frucht gewonnen wird. Mit seiner intensiven Süßkraft - etwa 1600-mal stärker als Haushaltszucker - braucht es nur geringe Mengen, um Speisen und Getränke zu süßen. Der Stoff wird bereits in einigen aromatisierten Getränken sowie Kaugummis und zuckerfreiem Speiseeis unter der Nummer E 957 verwendet. Er ist der einzige natürliche Süßstoff, der in der EU bereits zugelassen ist.
Bei einer Studie von Forschenden des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München wurde untersucht, welchen Einfluss bitter schmeckende Lebensmittel auf den Stoffwechsel von Magenzellen haben und welche Auswirkungen das wiederum auf die Gesundheit hat. Dabei analysierten sie auch den natürlich vorkommenden Süßstoff Thaumatin und fanden heraus, dass er im Magen zu bitteren Peptiden (kleinen Proteinen) abgebaut wird. Diese „Mini-Eiweiße“ entfalten, wie die Forschenden in Laborversuchen herausfanden, mehrere positive Effekte, die vor entzündlichen Erkrankungen schützen können.
Durch das Zugeben dieser bitteren Peptide konnte die Freisetzung des entzündungsfördernden Zytokins Interleukin 17A in den Magenzellen um bis zu 89,7 Prozent reduziert werden. Der Grund: Bitterstoffe stimulieren die Säureproduktion im Magen und können entzündungsfördernde Prozesse hemmen. Diese werden zum Beispiel durch das Bakterium Helicobacter pylori ausgelöst. Möglicherweise kann der Verzehr von Thaumatin dabei helfen, vor entzündlichen Magenerkrankungen durch Helicobacter pylori zu schützen. Das wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus München in weiteren Untersuchungen prüfen. Quellen: Richter, P. et al.: Gastric digestion of the sweet-tasting plant protein thaumatin releases bitter peptides that reduce H. pylori induced pro-inflammatory IL-17A release via the TAS2R16 bitter taste receptor, in: Food Chemistry (2024); doi: 10.1016/j.foodchem.2024.139157
Praktische Empfehlungen für Betroffene
- Bei anhaltenden Oberbauchbeschwerden Hausarzt aufsuchen und Helicobacter-pylori-Infektion in Betracht ziehen.
- Bei bestätigter Infektion sollte eine leitliniengerechte Therapie erfolgen und einige Wochen nach Therapieende eine Kontrolle (Atem- oder Stuhltest) erfolgen.
- Während der Therapie auf Rauchen, Kaffee, säurehaltige Fruchtsäfte, scharfe Gewürze, Gebratenes, Geräuchertes und Frittiertes verzichten.
- Auf eine ausgewogene Ernährung achten, Zucker- und stark kohlenhydratreiche Kost vermeiden, um Dysbiose zu verhindern.
- Bei Therapieversagen Resistenztestung der Bakterien veranlassen und gezielte Folgebehandlung planen.
Tabelle: Übersicht zu Diagnostik und Therapie
| Aspekt | Wichtiges |
|---|---|
| Diagnostik | Atemtest, Stuhltest, ggf. Endoskopie mit Biopsie |
| Standardtherapie | Vierfach-Therapie: 2 Antibiotika + Bismut + PPI, ca. 2 Wochen |
| Kontrolle | Atem- oder Stuhltest einige Wochen nach Ende der Therapie |
| Ernährung | Verzicht auf säure- und zuckerreiche Lebensmittel, scharfes, Gebratenes, Räucherware |
| Forschung | Thaumatin-Bitterpeptide: mögliche entzündungshemmende Effekte gegen H. pylori |
Helicobacter pylori ist ein weit verbreitetes Bakterium, dass den Magen besiedeln kann. Üblicherweise wird Helicobacter pylori mit einer Kombination aus Antibiotika und Säureblockern therapiert. Zudem spielt die Ernährung bei der Behandlung eine wichtige Rolle. Bei unangemessener Ernährung kann HP die Schutzschicht des Magens angreifen und die Erkrankung begünstigen. Deshalb sollte eine erfolgreiche Therapie immer auch Ernährungsaspekte und mögliche Präventionsmaßnahmen berücksichtigen.
tags: #Helicobacter #pylori #Einfluss #von #Zucker #auf


