Hans Pest und die Geschichte seiner Lebkuchen: Eine bayerische Erfolgsgeschichte
Einführung
Die Geschichte des Lebkuchens ist reich an Traditionen und regionalen Besonderheiten. Dieser Artikel widmet sich der Geschichte von Hans Pest und seinen berühmten Elisenlebkuchen aus Markt Indersdorf, Bayern. Von den Anfängen in der Klosterbäckerei bis zur Übergabe seines Lebenswerks beleuchten wir die Besonderheiten seiner Lebkuchen und die Tradition, die er fortführte.
Die Vision eines Konditormeisters
Schon als junger Konditor hatte Hans Pest die Vision, einen wunderbar saftigen Elisenlebkuchen zu kreieren. Sein Ziel war es, die einzelnen Zutaten so miteinander zu kombinieren, dass sich daraus eine besonders harmonische Gesamtkomposition ergibt. Mit viel Geduld und Leidenschaft tüftelte er in seiner Klosterbäckerei in Markt Indersdorf am Rezept.
Die Klosterbäckerei in Indersdorf: Eine lange Tradition
Hans Pest backte jahrzehntelang die Elisenlebkuchen nach seiner geheimen Rezeptur in seiner traditionsreichen Klosterbäckerei in Indersdorf. Die Klosterbäckerei Pest hat eine lange Geschichte. Sie besteht seit der Klostergründung im Jahr 1126, zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde sie 1493. Damals gab es immer am Allerseelentag zwei Brezen für alle Armen, die an der Klosterpforte klingelten.
1803 ersteigerte Josef Esterhammer das Gebäude vom Kloster. Dessen Nachfahre Eduard Esterhammer heiratete 1900 Katharina Schneider - die Großmutter von Hans Pest. Eduard Esterhammer starb jedoch bereits ein Jahr nach der Hochzeit. Seine Witwe Katharina heiratete kurz darauf erneut, dieses Mal Josef Pest, den Bäckermeister vom Marktplatz. Gemeinsam übernahmen die beiden die Klosterbäckerei und die dazugehörige Mühle.
Ein großer Trubel herrschte früher in dem Gebäude. Auch Hans Pest, geboren im Jahr 1951, kann sich noch daran erinnern. „Die ganze Großfamilie lebte dort“, erzählt er. Seine Eltern, seine Schwestern, seine Großmutter, sein Onkel, seine Tante, Bedienstete, Bäcker und Müller teilten sich das Haus. „Es war immer etwas los“, sagt Hans Pest. Als er ein kleiner Bub war, sind die Bauern noch mit dem Pferdefuhrwerk zur Mühle gekommen. „Sie haben das Getreide gebracht und als Brot wieder abgeholt“, erzählt er. Die Mühle hat die Familie 1956 aufgegeben.
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Das Geheimnis der Elisenlebkuchen
Wie man solche Elisenlebkuchen herstellt, ist ein Geheimnis, das Hans Pest (67) seit vielen Jahren hütet. „Es ist ein Geheimrezept, das ich immer weiter verfeinert habe“, erzählt er. „Es ist sicher verwahrt in einem Tresor in der Bank.“ Die Lebkuchen waren eines der Markenzeichen der Klosterbäckerei Pest.
Doch Hans Pest weiß, dass seine liebevoll handgemachten Lebkuchen nur in Gemeinschaft gelingen. Frieda ist dabei eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen, sagt der Konditormeister lachend und streicht über die stählerne Maschine. Frieda ist eine mechanische Aufstreichhilfe, die Hans Pest seit Jahrzehnten nutzt - und eine seiner Mitarbeiterinnen hat dem Trumm einen Überzug genäht, für die Zeit außerhalb der Saison, ihr Sommerkleid eben.
Übergabe des Lebenswerks
Hans Pest entschloss sich im Alter von 73 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen und sein Lebenswerk in vertrauensvolle Hände zu geben. Dabei ist es ihm eine Herzensangelegenheit den zahlreichen Lebkuchen-Kund*innen auch in Zukunft eine Freude zu bereiten. Nach erfolgreichem Testen zentraler Herstellungsschritte in unserer Backstube hat er sich davon überzeugt, den idealen Rezeptnachfolger gefunden zu haben. Ab März wird die Bäckerei Kornprobst den Laden weiterführen, die Angestellten können bleiben. „Wir sind erleichtert darüber, dass es mit einem Traditionsbäcker weitergeht“, sagt Pest.
Auszeichnungen und Anerkennung
Umso stolzer waren die Pests, als sie 2017 von der Zeitschrift Feinschmecker als eine der besten Bäckereien Deutschlands ausgezeichnet wurden.
Die Zukunft der Lebkuchen
Die Backschürze will er trotzdem auch nach seinem letzten Tag am Faschingssamstag noch nicht ganz an den Nagel hängen: „Die Elisenlebkuchen mache ich in der Vorweihnachtszeit weiter“, verspricht er. Als handwerkliche Familienbäckerei verwenden wir ausschließlich hochwertige Rohstoffe für unsere Lebkuchen.
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Lebkuchen im Kontext der (Medizin-)Geschichte
Im Zentrum der kleinen Ausstellung zum 15. Ingolstädter Krippenweg steht eine Lebkuchenkrippe. Sie ist das Werk des Ingolstädter Bäckermeisters Alwin Haug, der sie mit freundlicher Unterstützung der Bäckerei Heiglbeck für das Medizinhistorische Museum gestaltet und gebacken hat. Die Ausstellung macht sich auf die Spur der exotischen Gewürze, die sich im Lebkuchen verbergen und ihm seinen unverwechselbaren Geschmack geben. Wie kamen sie nach Europa? Seit wann werden sie für weihnachtliches Backwerk verwendet? Wie haben Lebkuchen früher ausgesehen?
Dabei zeigt sich, dass die Geschichte des Lebkuchens und seiner Zutaten auch Verbindungen zur Medizingeschichte hat: Exotische Gewürze wurden früher in der Apotheke verkauft und nicht nur für Weihnachtsgebäck, sondern auch für Medikamente verwendet.
Der Lebkuchen als Hoffnungsträger in Zeiten der Pest
Die Geschichte des Lebkuchens von Todtmoos im Hochschwarzwald geht zurück auf das Jahr 1255, als der Ort als “grausam pestilenzischer Sumpf” galt. Todtmoos entwickelte sich zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Pestwallfahrten aus Basel und Freiburg brachten in Folge die Pest in den Städten zum Erliegen. Unter den Wallfahrern entstand oft das Bedürfnis, ihren Daheimgebliebenen etwas mitzubringen. Warum also nicht Lebkuchen als Mitbringsel? Ob unterm Mantel oder in der Pilgertasche - diese waren leicht, gut zu verstauen und unterwegs schon mal für den schnellen Hunger gut.
Lebkuchen als Wirtschaftsfaktor
Damals erlaubte die Pfarrei einfachen Frauen, an den Krämerständen beidseits des Aufgangs zur Wallfahrtskirche ihre schmackhaften und haltbaren Lebkuchen zu verkaufen. Später waren es wiederum die einfachen Frauen, oft Kriegerwitwen, die sich mit dem Verkauf von Lebkuchen ein geringes Zubrot verdienten, indem sie diese in der Vorweihnachtszeit zu Fuß in den umliegenden Dörfern und Städten von Tür zu Tür verkauften. Eine dieser Lebkuchenverkäuferinnen ist über Jahre im Advent bis nach Vorarlberg gereist.
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