Halloren Kugeln: Herstellung, Geschichte und Fakten zur berühmten Schokoladenkugel aus Halle
Die Original Halloren Kugeln sind ein bekanntes Produkt aus der DDR-Zeit. Die Geschichte der Halloren reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als es in Halle eine Zunft von Salzsiedern gab, die Halloren genannt wurden. Die Halloren waren ein wichtiger Teil des Wirtschaftslebens von Halle und genossen hohes Ansehen.
Ursprung des Unternehmens und frühe Entwicklung
Vor über 200 Jahren eröffnete Friedrich August Miethe hier eine Konditorei und Honigkuchenbäckerei. Der Konditor und Pfefferküchler Friedrich August Miethe eröffnet in der heutigen Geiststraße Nr. 1 sein Geschäft. Aus diesem kleinen Unternehmen entwickelte sich eine Schokoladenfabrik, die 1851 der jüdische Unternehmer und Konditor Friedrich David übernahm. Konditor Friedrich David kauft das Unternehmen und baut es kontinuierlich aus. „David und Söhne“, wie das Unternehmen fortan hieß, wuchs und wurde zum Aushängeschild der Stadt Halle mit einer der ersten Markenpralinen: der Mignon-Praline, von Davids Sohn Johannes kreiert und nach dessen Lieblingsoper von Ambroise Thomas benannt.
Am Produktionsstandort Große Wallstraße in Halle wird die erste Dampfmaschine zur maschinellen Schokoladenherstellung in Betrieb genommen. Die Firma wächst. Friedrich David eröffnet an der Alten Promenade (heute Universitätsring) das „Café David“ mit ca. 1.400 Sitzplätzen. Nach dreijähriger Bauzeit wird die Davidsche Schokoladenfabrik in der "Aeußeren Delitzscher Straße" eröffnet. Dieser Standort ist bis heute der Firmensitz des Unternehmens.
Vom Familienunternehmen zur Industriefabrik
Die Umwandlung in die Aktiengesellschaft „David Söhne AG" wird vollzogen. Es arbeiten mittlerweile 500 Mitarbeiter in der Fabrik. Die tägliche Produktionsmenge liegt bei 1,5 Tonnen. Im Jahre 1912 werden die Pferdefuhrwerke im Unternehmen durch das erste Lieferauto ersetzt. Das Unternehmen zählt bald zu einem der wichtigsten deutschen Schokoladenproduzenten.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten führt zu deutlichen Umsatzeinbußen und Boykottaufrufen. Man hält das Familienunternehmen fälschlicherweise für ein jüdisches Unternehmen. Als Reaktion darauf, wird die Firma in "Mignon Schokoladenwerke AG" umbenannt. Im Jahre 1943 wird die Fabrik per Stilllegungsbefehl geschlossen und die letzten Rohstoffe werden konfisziert. Wenige Monate später werden Teile des Betriebs als Außenstelle dem Flugzeughersteller Siebel zugeordnet.
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Neubeginn in der DDR: VEB Schokoladenfabrik Halloren
Nach Ende des 2. Weltkrieges werden für die Versorgung der Bevölkerung Kindernährmittel, Haferflocken, Trockenkartoffeln und Trockenmöhren hergestellt. Im Jahr 1950, ein Jahr nach Gründung der sozialistischen DDR, wird die Familie David enteignet. Es erfolgt die Übernahme in die VVB (Vereinigung der Volkseigenen Betriebe) der Süß- und Dauerbackwarenindustrie. Der hallesche Betrieb wird in „VEB Schokoladenfabrik Halloren“ umbenannt. Der Name stammt von der traditionsreichen Salzwirkerbruderschaft „Halloren".
Zudem werden 1952 die Original Halloren Kugeln erfunden. Die Original Halloren Kugeln übernehmen die Form der Silberknöpfe am Festgewand der Halloren Salzwirkerbruderschaft. Damals, zu DDR Zeiten, wurden die kleinen Kugeln eher verteilt als verkauft. Zu Beginn wurden die Halloren Kugeln noch per Hand mit einem Rundholz geformt. Seit 1956 läuft die Produktion der Hallorenkugeln maschinell. Vorher stellten sie die Arbeiter in Handarbeit her.
Herstellungsprozess und Produktionstechnik
Die Original Halloren Kugeln sind kleine Schokoladenkugeln, die mit verschiedenen Füllungen wie Nougat, Marzipan, Krokant oder Alkohol gefüllt sind. Die Schokolade ist von höchster Qualität und wird aus feinstem Kakao hergestellt. Die Halloren Kugel gilt als einzige vertikal geteilte Schokokugel der Welt. Pro Schicht werden ca. 5.500 Kilo Halloren Kugeln produziert. Das sind 530.000 Stück.
1440 Halloren-Kugeln pro Minute: Pro Minute können an nur einer Maschine 1440 Halloren-Kugeln hergestellt werden. Diese fahren dann über 75 Meter, bis sie verpackt in ihren Schachteln landen, erst als hüllenlose Creme in Schwarz-Weiß, dann verziert von glänzender, dunkler Schokolade, die von oben, dann von unten kommt. 146 Meter ist die Produktionsstrecke lang. Beim Tag der offenen Tür kann sie besichtigt werden.
Die Herstellung von einer Tonne Hallorenkugeln hat 1955 noch 150 Stunden gedauert. Heute sind es gerade einmal 1,5 Stunden. Die Umstellung der Produktion auf eine Sorte dauert eine Stunde, bei einem Schokoladen-Wechsel sogar zwei Stunden. Im Schnitt werden ein bis zwei Sorten pro Tag hergestellt. Pro Schicht werden etwa 44.000 Packungen befüllt, verschlossen und für den Transport zusammengepackt.
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Rohstoffe und Zutaten
Der Kakao für die Hallorenkugeln kommt vor allem aus den afrikanischen Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Die Anteile der Zutaten haben sich seit 66 Jahren nicht verändert, wohl aber die Qualität der Rohstoffe. Die Halloren Kugel darf offiziell nicht als Praline bezeichnet werden. Dafür müsste der Schokoladen-Anteil bei 25 Prozent liegen. Er liegt aber nur bei 17 Prozent. Der niedrige Schokoladen-Anteil geht auf die DDR-Zeit zurück, in der Kakao äußerst knapp war.
Sorten, Verpackung und Produktvarianten
Die Original Halloren Kugeln gibt es in zahlreichen Sorten: bisher hat es mindestens 20 verschiedene Sorten der Halloren Kugeln gegeben. Die Klassiker „Sahne-Cacao“ ist die mit Abstand beliebteste Sorte. Jeden Monat werden etwa 4.000.000 Kugeln davon hergestellt. Die erste Verpackung für Halloren Kugeln kam 1955 auf den Markt, deren Format sich bis heute nicht geändert hat. 8 verschiedene Verpackungsdesigns wurden für den Klassiker Sahne-Cacao bis heute entwickelt.
Es gab auch besondere und experimentelle Sorten: Die Halloren Kugeln „Sanddorn“ war eine wahre Flop-Sorte im Jahr 2004. Nach nur sieben Monaten wurde sie aus dem Handel genommen. Die Hallorenkugel „American Style: Banana Chocolat Chips“ war die wohl verrückteste Sorte, die es jemals gab. Sie wurde als limitierte Edition 2015 verkauft. Die erste pinke Füllung hatte die Sommersorte 2018: „Grapefruit“.
Seit 2017 gibt es vegane Halloren Kugeln. Statt der Milchbestandteile nutzten die Entwickler Reismehl und pflanzliche Fette als Zutat. Noch heute werden die frei verkäuflichen 1-Kilogramm-Kugeln per Hand hergestellt. Die Halloren Kugel gibt es seit 1999 auch als Eis. Produziert und vertrieben wird es von Eisbär in Ribnitz-Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern).
Markt, Vertrieb und Export
Die Original Halloren Kugeln haben auch heute noch eine große Fangemeinde und werden immer noch von der Halloren Schokoladenfabrik GmbH produziert. Die Firma hat ihren Sitz noch immer in Halle und ist ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der Vereinigung der beiden deutschen Staaten wird das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt und von der Treuhand verwaltet. Die Fabrik ist, aufgrund fehlender Investitionen in der DDR, in einem miserablen Zustand.
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Wichtiger Meilenstein ist die Inbetriebnahme der neuen Produktionsstraße für Original Halloren Kugeln. Die Anlage gilt 1995 als eine der modernsten Produktionsanlagen in Europa. Paul Morzynski aus Hannover erwarb den Betrieb als eines der letzten Industrieprojekte der Stadt Halle von der Treuhand. Paul Morzynski übernimmt die Firma von der Treuhand und legt damit den Grundstein für den späteren wirtschaftlichen Erfolg.
Hallorenkugeln gibt es in aller Welt: Sogar bis nach Russland, Australien, Südafrika und Brasilien werden Halloren Kugeln exportiert. Die ersten Exportetappen erfolgten nach Schweden im Jahre 1997. Heute exportiert Halloren seine Kugeln in über 50 Länder. Außerhalb von Deutschland werden die meisten Halloren Kugeln in Russland, Rumänien und der Ukraine verkauft. In Thailand scheiterte der Versuch, die Kugeln zu exportieren. Die Einwohner hatten kein Interesse, weil die Kugel ihnen zu süß war.
Fabrikmuseum, Jubiläum und kulturelle Bedeutung
Am Stammsitz in Halle wird dank der Übernahme der Confiserie Dreher erstmals auch eine Mozartkugel produziert. Die aufwendigen Renovierungsarbeiten am alten Fabrikgebäude finden ihren Abschluss. Halloren feiert mit einem großen Festakt das 200-jährige Firmenjubiläum. Im selben Jahr wird im Schokoladenmuseum das einzigartige Schokoladenzimmer eröffnet. 1400 kg Schokolade und 300 kg Marzipan werden im Schokoladenzimmer verarbeitet. Die Gestaltung im Stil der Biedermeierzeit schlägt eine Brücke zur Gründungsphase des Unternehmens im 19. Jahrhundert.
Die größte Hallorenkugel der Welt wiegt 200 Kilogramm. Sie ist 90 Zentimeter hoch und steht im Halloren-Museum in der Delitzscher Straße in Halle. Das Schokoladenzimmer ist eine Attraktion: Die Wände sind mit weißer Schokolade gestrichen, der Stuck besteht aus Marzipan. Auf dem Tisch steht eine Vase, komplett aus Schokolade mit Marzipan-Rosen. Bilderrahmen, Feder und Tintenfass, Cembalo, Notenblatt, ein Schachspiel, die Lesebrille und das Buch dazu - alles handgefertigt aus Schokolade.
Interessante Zahlen, Anekdoten und Alltagsfakten
- 1952 hat eine Packung Halloren Kugeln 2,50 Ostmark gekostet. Das waren etwa 50 Brötchen.
- Heute kostet eine Packung etwa 1,05-1,29 Euro, je nach Zeitpunkt der Angabe.
- Pro Tag laufen 1,6 Millionen Hallorenkugeln übers Band.
- Eine Hallorenkugel wiegt mit elf bis zwölf Gramm in etwa so viel wie eine Blaumeise.
- Eine Kugel hat rund 45 Kalorien; drei Kugeln entsprechen im Schnitt dem, was die Mitarbeiter durchschnittlich am Tag naschen.
- Im Wende-Jahr 1989 wurden glatt 1.000 Tonnen Hallorenkugeln produziert. 1979 waren es 1.236 Tonnen.
- 1969 produziertes Volumen lag bei 400 Tonnen.
- Die Halloren Kugeln machen rund 20 Prozent des Umsatzes der Halloren Schokoladenfabrik aus.
- Bekanntheitsgrad zwischen Stralsund und Plauen, Frankfurt an der Oder und Halberstadt liegt bei 98 Prozent.
Anekdoten
Hans-Dietrich Genscher kam auf seinem Schulweg täglich an der Hallorenfabrik vorbei. Genscher hatte auf Reisen oft eine Packung Halloren Kugeln aus seiner Heimatstadt als Präsent dabei. Eine Rose mit einer Packung Halloren Kugeln war in der DDR das traditionelle Geschenk vieler Betriebe zum Frauentag. Zwischen Stralsund und Plauen, Frankfurt an der Oder und Halberstadt liegt der Bekanntheitsgrad der Süßigkeit bei 98 Prozent.
Medien, Social Media und moderne Wahrnehmung
#hallorenkugeln auf Instagram: Unter dem Hashtag #hallorenkugeln gibt es auf Instagram schon über 1.000 Bilder. Und auch bei Youtube ist die Kugel bekannt. So mancher Youtuber probiert neue Sorten vor laufender Kamera und stellt sie seinen Fans vor. Eine bekannte Youtuberin aus Japan befand die hallesche Spezialität sogar für „besonders cremig“. Knapp 150.000 Menschen sahen ihr zu.
Warum die Halloren Kugel weiterhin einzigartig bleibt
Die Halloren Kugel ist weltweites Unikat: Sie gilt als einzige vertikal geteilte Schokokugel der Welt. Alle Sorten der Halloren Kugeln werden nur in Halle hergestellt. Andere Süßigkeiten produziert das Unternehmen auch an Standorten in Delitzsch, Cremlingen und Gent (Belgien). Die Halloren Schokoladenfabrik war einer der größten Süßwarenhersteller in der DDR und beschäftigte Tausende von Menschen. Insgesamt hat die Geschichte der Halloren in der DDR gezeigt, dass es möglich ist, Traditionen und Geschichte mit modernen Produktionsmethoden zu verbinden.
| Jahr / Zeitraum | Ereignis / Kennzahl |
|---|---|
| 1851 | Übernahme durch Friedrich David |
| 1912 | Erstes Lieferauto ersetzt Pferdefuhrwerke |
| 1952 | Erfindung der Original Halloren Kugeln |
| 1956 | Produktion maschinell |
| 1995 | Moderne Produktionsanlage in Betrieb |
| Täglich / Aktuell | 1,6 Millionen Kugeln pro Tag; pro Schicht ca. 5.500 kg |
Die Halloren Schokoladenfabrik ist ein besonderes Beispiel dafür, wie Produktgeschichte, regionale Tradition und industrielle Fertigung miteinander verwoben sind. Die kleine, vertikal geteilte Kugel mit ihrer Füllung und der Form, die an die Silberknöpfe der Halloren erinnert, bleibt ein identitätsstiftendes Produkt für Halle und ein Stück deutscher Schokoladengeschichte.
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