Graffiti Torte im KaDeWe: Geschichte, Hintergründe und Bedeutung
Das Kaufhaus des Westens, kurz KaDeWe, ist eines der berühmtesten Warenhäuser Europas und ein Symbol der Berliner Konsumkultur. Im Herzen des KaDeWe liegt nicht nur eine Einkaufswelt der Superlative, sondern auch ein Paradies für Feinschmecker und Liebhaber exklusiver Backkunst. Ein Glanzstück der hauseigenen Konditorei ist die legendäre „Graffiti“-Torte - ein Meisterwerk, dessen Entstehung und Herstellung eng mit der Geschichte des Hauses und dem Streben nach Exzellenz verbunden ist.
Die Entstehung des KaDeWe: Historische Meilensteine
Was 1905 als vermeintlich abenteuerliche Idee des Berliner Kaufmanns Adolf Jandorf begann, übertraf schon bei der Eröffnung am 27. März 1907 alle Erwartungen: Das Kaufhaus des Westens bot am zentralen Verkehrsknotenpunkt des Wittenbergplatzes Begehrtes aus aller Welt - angefangen bei einer Vielzahl von Produkten, die selten und für die deutsche Kundschaft oft auch unbekannt waren. Das Modesortiment präsentierte Kreationen, die von den Laufstegen in Paris stammten, und die Lebensmittelabteilung wartete mit exotischen Früchten aus der Südsee auf.
Mit einer eigens dafür gegründeten gleichnamigen GmbH begann Jandorf 1905 unter dem Namen Kaufhaus des Westens mit den Planungen für das neue Haus. Die Bezeichnung „Kaufhaus“ sollte sich vom gewöhnlichen Warenhaus abheben; der Begriff „Westen“ wies auf die großen städtebaulichen Entwicklungen des „Neuen Westens“ hin. Ein wichtiges Motiv für die Standortwahl war neben der Straßenbahnanbindung die Erschließung durch den neuen Bahnhof Wittenbergplatz.
Architekturbegeisterte zeigten sich beeindruckt von seinen prächtigen Fensterfassaden, lichtdurchfluteten Verkaufshallen und holzgetäfelten Erfrischungsräumen. Die Eisenträger wurden mit Naturstein ausgebaut und mit hartem australischen Moaholz getäfelt; das Interieur wurde als „gediegen“ und „modern“ empfunden, aber nicht überladen gestaltet. Das Warenhaus verfügte über zahlreiche Serviceleistungen: dreizehn Personenaufzüge, Frisiersalons, Bankfiliale, Leihbibliothek, Fotoatelier und Teesalon.
Schicksalsjahre und Erneuerung
Im Laufe seiner Geschichte wurde das KaDeWe mehrfach aus- und umgebaut. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte ein Großbrand nach einem Flugzeugabsturz das Dach, der Wiederaufbau dauerte fast anderthalb Jahrzehnte. In den Sechzigerjahren verlor das KaDeWe durch den Bau der Berliner Mauer einen erheblichen Teil seiner Mitarbeiter und Stammbesucher. Dennoch fand es allmählich zu seiner alten Größe zurück und entwickelte sich zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Berlins.
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Heute ist das KaDeWe ein internationaler Departmentstore auf mehr als 60.000 Quadratmetern mit Luxusmarken aus aller Welt. Von dem Moment an, da sich morgens um 10 Uhr das originale Eisengitter von 1907 vor dem Eingang senkt, empfängt das Haus täglich über 50.000 Kunden - in der Weihnachtszeit sind es bis zu 100.000.
Die Feinschmeckeretage: Ein Mekka für Genießer
Als besondere Attraktion gilt seit Ende der 1920er Jahre die Feinkostabteilung. Besonders beliebt bei Touristen und Einheimischen ist die Feinschmeckeretage im sechsten Stockwerk, die als größte ihrer Art in Europa gilt. Hier präsentieren sich auf rund 7.000 Quadratmetern etwa 34.000 verschiedene essbare Artikel, darunter über 1.300 Käsesorten, 3400 verschiedene Weine und mehr als 400 Brot- und Brötchensorten.
Die Konditoren im KaDeWe backen seit über 30 Jahren nach den Rezepten des französischen Meisterkonditors Gaston Lenôtre. Seit 1975 besteht die einzige deutsche Dependance des legendären Konditorenhauses Lenôtre in der sechsten Etage - ein Geheimtipp selbst für viele Berliner.
Die Graffiti-Torte: Ein Symbol französisch-deutscher Konditorkunst
Bei einem ihrer Spitzenprodukte, der Torte namens „Graffiti“, wird ein aus Krokant gerollter Tortenboden mit einem zweiten Boden aus Himbeer-Baiser verbunden. Darauf trägt der Konditor noch in ineinander verschlungenen Spiralen Bayerische Creme und Mousse au Chocolat mit dem Dressierbeutel auf. Ein Schokoladenüberzug verhüllt später das schaumige Innenleben.
Sabine Femfert, Chefpatissière im KaDeWe, erklärt: „Die französischen Rezepte zeichnen sich durch feinere Zutaten aus. Im Gegensatz zu deutschen Torten werden französische in mehreren Arbeitsschritten gefertigt. Die Franzosen legen sehr viel Wert darauf, verschiedene Geschmacksrichtungen in einer Torte zu vereinen - beispielsweise Cremefüllungen zusammen mit Marmelade und dazu noch einer Mousse.“
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So etwas werde man sonst nirgends finden, sagt Sabine Femfert mit berechtigtem Stolz. Das betrifft nicht nur die Graffiti-Torte - auch alle anderen Torten und Törtchen werden nach den unveränderten Rezepten Lenôtres hergestellt, und zwar wie Baguettes, Croissants und Brioches aus hochwertigen Zutaten, von denen fast alle aus Frankreich stammen. Selbst das Mehl wird aus dem Elsass in das sechste Stockwerk geliefert, wo in zwei Silos bis zu zwölf Tonnen gelagert werden. Diese Rohstoffe und die Präzision des Handwerks machen die Produkte so einzigartig und schwer nachzuahmen.
| Zutat | Menge für 8 Wochen |
|---|---|
| Butter | 190 kg |
| Vanille | 35 kg |
| Eier | 189 Liter |
Traditionell werden im KaDeWe keine vorgefertigten oder tiefgefrorenen Teiglinge verarbeitet. Die Konditorei verwendet ausschließlich frische hochwertige Rohstoffe, es gibt geheime Zutaten, über die man nicht spricht - „Lenôtre lässt viele Zutaten eigens herstellen, und nur damit lassen sich deren Torten dann überhaupt herstellen. Mit den in Deutschland erhältlichen Zutaten kriegte man das nicht hin.“
Handwerk, Leidenschaft und Kreativität
Auch wenn die Wände der KaDeWe-Backstube weiß gekachelt sind: Ein Chemielabor ist es keineswegs. Für die Spezialität des Hauses, sogenannte Dekorationstorten, braucht es kunsthandwerkliches Geschick - von Hochzeitstorten in Weiß bis zu individuellen Formen wie dem Taj Mahal oder Piratenschiffen für Kindergeburtstage.
Die Tortenproduktion erfolgt täglich, darunter zwischen 100 und 150 Torten aus einem Repertoire von 50 verschiedenen Rezepten. Die Produktion wird selbstverständlich nicht nur an den Tresen der Schlemmeretage verkauft; beliefert werden zahlreiche Hotels der Hauptstadt.
Jubiläen und Ikonografie: Feiern mit der Graffiti-Torte
Zum 100. Geburtstag des KaDeWe war die Graffiti-Torte zentraler Bestandteil der Jubiläumsfeierlichkeiten: Rund 5.800 Stück Torte wurden den zahlreichen Gästen serviert. Zehn Konditormeister arbeiteten acht Wochen lang an der Torte, unter Einsatz von 190 Kilogramm Butter, 35 Kilogramm Vanille und 189 Litern Eiern. Dazu wurde mit 15.000 Gläsern Prosecco auf das Geburtstagskind angestoßen. Die Berliner und deren Gäste waren zahlreich erschienen, um den Geburtstag „ihres KaDeWe“ zu feiern, das in der Hauptstadt als Institution gilt.
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Der damalige Bürgermeister Klaus Wowereit schnitt gemeinsam mit dem KaDeWe-Chef Patrice Wagner die Torte an. Nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als „treuer Kunde“ freute er sich über den Erfolg des KaDeWe: „Das KaDeWe ist ein Star und soll ein Star bleiben“, betonte er. Die Philosophie des Hauses sei stets „Exklusivität und Aktualität“ gewesen - ein Anspruch, der auch durch die außergewöhnliche Konditorkunst der Graffiti-Torte repräsentiert wird.
Die Graffiti-Torte als Botschafterin des Hauses
So wie das KaDeWe selbst, ist die Graffiti-Torte ein Unikat, ein Produkt handwerklicher Perfektion, Innovationslust und Qualität. Sie ist zu einem Symbol der modernen Berliner Genießerkultur geworden und ein süßer Botschafter für die Philosophie des Hauses. Täglich erleben Besucher und Kunden das kulinarische Erbe europäischer und insbesondere französischer Konditorenkunst - die Feinschmeckeretage und ihre Kunstwerke wie die Graffiti-Torte sind aus der Vielfalt Berlins nicht wegzudenken.
KaDeWe heute: Tradition trifft moderne Visionen
Seit 2016 wird das Interieur des KaDeWe unter der Aufsicht des Architekten Rem Koolhaas und seines Büros OMA modernisiert. Es erhält dabei eine Unterteilung in Quadranten, für deren Ausstattung renommierte Designer verantwortlich zeichnen. Zu den Neueröffnungen gehören Boutiquen von Chanel, Dior, Louis Vuitton und Rolex auf dem neuen Luxus-Boulevard, neue Gourmetbereiche, Restaurants und Bars bis Mitternacht, der erweiterte Spielwarenbereich oder das Home Atelier. Doch die Feinschmeckeretage und ihre Konditorei bleiben das Sinnbild für die traditionsreiche, handwerkliche und zugleich weltoffene Seele des Hauses.
Das KaDeWe ist damit weit mehr als ein Kaufhaus: Es ist ein Ort, an dem Geschichte, Luxus, Genuss und Handwerkskunst - meisterhaft vollendet in der Graffiti-Torte - miteinander verschmelzen.
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