Goldhelm Schokolade Erfurt: Geschichte und handgemachtes Sortiment
Die Geschichte von Goldhelm Schokolade ist untrennbar mit dem Gründer Alexander (Alex) Kühn verbunden, der als Quereinsteiger und gelernter Grafiker begann, Schokolade völlig neu zu denken. Was einst in einer winzigen Küche direkt auf der Krämerbrücke begann, hat sich mittlerweile zu einer der renommiertesten Schokoladenmanufakturen Deutschlands entwickelt.
Vom One-Way-Ticket zur Schokoladenmanufaktur
Kühn ist gebürtiger Erfurter. Er war 16, als die Mauer fiel. „Man konnte sich neu orientieren, was neues machen. Für mich war klar: Ich wollte nur weg, reisen.“ Die Brüder, Alex und Stefan, verkauften ihr Hab und Gut und machten das Abgefahrenste, was sie sich vorstellen konnten: One-Way-Ticket nach Sydney. „Einfach am Flughafen zu stehen und zu wissen: Alles, was man besitzt, ist in einem Rucksack“ - das sei das Coolste an der ganzen Reise gewesen, erzählt Kühn. Die Freiheit, die Ungebundenheit.
Nach der Wende hat er alles verkauft, ist ab nach Australien, lernte Grafiker, wurde Kellner, dann Koch. Heute produziert Alex Kühn handgemachte Schokolade von höchster Qualität. Leidenschaft, die man schmecken kann - wie macht man das? Das macht man in Thüringen.
Der Weg zum Chocolatier: Zufälle, Einfälle und ein mediterraner Abend
Ein mediterraner Abend sollte es werden, große Show mit Feuer, was richtig Cooles. Doch dann sprang der Koch ab, eine halbe Stunde vor Beginn. Alex Kühn (44) arbeitete damals, mehr als 20 Jahre ist das her, als Kellner in einem französischen Restaurant. „Ich stand dann plötzlich vor den ganzen gebuchten Gästen und konnte gar nicht kochen. So ging das los.“
Er grinst. „Ich habe dann irgendwie gequatscht und Feuer gemacht und danach kamen die Leute zu mir: ‚Ey, was war das denn für ein geiler Abend?’“ Und mehr als das: Es war ein wegweisender Abend - für Kühn selbst. Etwas verloren war er zu der Zeit, hatte manchmal keine eigene Wohnung, lebte bei Freunden und Familie.
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Kühn, gelernte Grafiker, hatte die Menükarten dafür gemalt, unterhielt die Gäste mit Anekdoten, Kochshow und „der Klampfe in der Hand“. Er realisierte: „Alle meine Interessen, für die es schwierig war, einen Beruf zu finden, habe ich auf einmal beim Essen wiedergefunden.“ Ein Weg tat sich auf; kein einfacher, aber sein Weg.
Die Gründung auf der Krämerbrücke: Improvisation wird Konzept
2005 schließlich half er bei seinem Bruder hier an der Krämerbrücke aus, wollte eigentlich wegziehen. Der machte ihn aufmerksam auf einen leerstehenden Laden. Kühn hatte kein Geld, aber eine Idee: Er wollte Schokolade herstellen. Die Idee stellte er der Stiftung Krämerbrücke vor - und die sagte zu. Dass nicht derjenige mit dem meisten Geld, sondern mit der schönsten Idee den Zuschlag bekäme, „das ist eigentlich ein Konzept, das die Welt braucht“, findet der Chocolatier.
Mit einer Bürgschaft seines Vaters nahm Kühn einen Kredit auf, baute den Laden aus. Viel Geld für Ausstattung blieb nicht mehr, eine Gussform konnte er sich nicht leisten. „Ich habe meine erste Schokolade einfach auf so einer Marmorplatte ausgezogen, wie so’n Klecks.“ Rosa Pfeffer war das, die hat Goldhelm heute noch im Sortiment. Die unregelmäßige Form hat sich auch nicht geändert, sie ist ein Markenzeichen der Manufaktur geworden.
Philosophie: Handwerk, Regionalität und Leidenschaft
Sein Ansatz ist so simpel wie konsequent: Weg von industriellen Emulgatoren und künstlichen Aromen, hin zu absoluter Frische und regionalen Zutaten. Goldhelm steht für Qualität, liebevolle Handarbeit und Produkte mit Seele.
„Man sieht und schmeckt das, ob da hinten jemand in der Küche steht und mit Liebe und Leidenschaft etwas produziert, oder nicht.“ Zwar würden auch die industriellen Convenienceprodukte immer besser, so Kühn, doch seine Kunden wüssten den Unterschied zu schätzen. „Wir klettern auf Bäume, wir pflücken Mirabellen und ich beziehe Kakao direkt aus Peru, anstatt einfach Kouvertüre einzukaufen.“
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Rohstoffe und Bezugsquellen
- Die wichtigste aller Zutaten aber sind beste Kakaobohnen. In Peru startete Goldhelm 2014 ein Entwicklungsprojekt im Bio-Kakaoanbau.
- Seit 2012 bezieht Goldhelm seine Kakaobohnen direkt von Kooperativen aus Peru und Venezuela; neuerdings auch aus Vietnam.
- Viele Zutaten, wie frische Kräuter, Blüten, Äpfel und Aprikosen werden selbst angebaut oder aus der Region bezogen.
Produktion: Alles handgemacht
Zur Goldhelm Schokoladen Manufaktur gehören der Verkaufsladen, eine kleine Produktionsstätte und das Café an der Krämerbrücke, außerdem eine Produktionshalle in einem Gewerbegebiet. Jede Praline, jede Tafel Schokolade stellen Chocolatier Kühn und sein Team in Handarbeit her.
Was Goldhelm außerdem auszeichnet: Vom Schmelzen der Kakaomasse bis zum letzten Handgriff beim Verpacken - alles geschieht in Handarbeit. Keine Maschinen, keine Fließbänder. Das Werkstattcafé bietet zudem einen Schokoladen-Restaurant-Bereich, in dem Schokolade nicht nur als Dessert, sondern als kulinarisches Thema inszeniert wird.
Sortiment: Vielfältig, saisonal, überraschend
Das Sortiment bei Goldhelm ist eine echte Liebeserklärung an die kulinarische Vielfalt. Das Kernstück bilden die handgeschöpften Tafelschokoladen, die oft mit frischen Zutaten wie Minze aus dem eigenen Garten, Sanddorn aus der Region oder sogar gewagten Kombinationen wie Ziegenkäse experimentieren. Diese Tafeln sind keine Massenware; sie sind wuchtig, rustikal und jede für sich ein Unikat.
Ein absoluter Renner sind die Canaches - cremige Schokoladenaufstriche im Glas, die bei Kennern echtes Suchtpotenzial haben. Ob klassisches Nougat oder salziges Karamell, die Konsistenz ist unvergleichlich. Auch die Pralinen-Theke ist ein Kunstwerk für sich. Jede Praline wirkt wie ein kleiner Edelstein, handverziert und mit flüssigen Kernen oder fruchtigen Ganaches gefüllt.
Goldhelm zählt in Deutschland zu den größten Manufakturen seiner Zunft. Die Erfurter Manufaktur bietet weit über 100 Schokoladensorten an, die nach Rezeptur des Firmengründers und Chocolatiers Alex Kühn in Handarbeit produziert werden - auch für Kunden aus dem Ausland mit Zutaten der jeweiligen Region. Viele Zutaten stammen von Bauern aus dem Erfurter Umland. Dementsprechend wechselt das Sortiment je nach Jahreszeit.
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Saisonalität und besondere Kreationen
- Die „Inselsberge“: Nougat-Schokoladen-Trüffel mit ganzer Haselnuss, inspiriert vom Großen Inselsberg.
- Le Tour Schokolade: Eine Zusammenarbeit mit Profiradfahrer Marcel Kittel.
- Winterfavorit: Bratapfel-gefüllte Canache-Schokolade.
- Frische Mirabellen ersetzen inzwischen japanische Limette in einigen Produkten: „Wenn du diese Mirabelle zum richtigen Zeitpunkt pflückst, hat die noch die Säure und eine Frucht, du beamst dich weg!“
Design, Verpackung und Marke
Der Chef macht das Verpackungs-Design selbst. Seit Gründung illustriert Kühn die Verpackung jeder Schokolade selbst, was jedem Produkt eine künstlerische, fast schon sammelwürdige Note verleiht. Die ersten Verpackungen improvisierte er aus Klarsichtfolie und einem Blatt Papier, das er bemalte und faltete. Heute sind die aufwändig gestalteten Verpackungen ein Markenzeichen der Manufaktur.
Standorte, Erlebnis und Workshops
Im Herzen der thüringischen Hauptstadt Erfurt liegt die berühmte Krämerbrücke. Aus dem Haus Nummer 12 "Zum güldenen Helm" duftet es fein nach Schokolade. Das Ladencafé ist nicht nur ein Laden, sondern ein Erlebnis - ein kleines, feines Schokoladen-Universum mit historischem Rahmen und dem ganz besonderen Flair einer alten Handwerksbrücke.
Neben dem Verkauf im Ladencafé und Werkstattcafé gibt es Goldhelm auch im Online-Shop sowie bei ausgewählten Händlern. Die Manufaktur betreibt mehrere Standorte in und um Erfurt: das Ladencafé auf der Krämerbrücke 12-14 und das Werkstattcafé in der Kreuzgasse 5 - beide fußläufig vom Erfurter Fischmarkt erreichbar.
In der Schokoladen-Manufaktur werden regelmäßig Workshops angeboten, bei denen Teilnehmer unter Anleitung eigene Pralinen, Tafeln oder Trüffel herstellen. Diese Kurse sind ideal für Paare, Gruppen oder Schokoladenbegeisterte jeden Alters. Wer einen Workshop als Geschenk buchen möchte: Goldhelm bietet auch Gutscheine für die Kurse an.
Wachstum, Mitarbeiter und soziale Verantwortung
Alles andere als ein Zufall sind die hohe Qualität und der gute Geschmack der süßen Kreationen. Dafür achtet Alex Kühn streng auf eine traditionell-handwerkliche Produktionsweise und auf beste Zutaten. Die stammen, sofern möglich, aus der Region und garantiert aus fairem Handel.
Kühn ist stolz darauf, dass er seine Mitarbeiter rund ums Jahr beschäftigt, trotz saisonaler Schwankungen bei den Absätzen. Die Lebensqualität, seine eigene und die des Teams, ist ihm enorm wichtig. Ein Faktor, der sich auch wieder auf die Produktqualität auswirkt, da ist er sich sicher. Diese „Liebe“ sei in den Schokoladen zu schmecken.
Er führte das Unternehmen von einem Ein-Mann-Betrieb zu einem Team mit inzwischen mehreren Dutzend Mitarbeitern; Angaben reichen in Texten von 35 bis 80 Mitarbeitern. Neben seinem angestammten Geschäft auf der Krämerbrücke eröffnete er in und um Erfurt einen Werkstattladen, einen Kiosk, zwei Eisdielen und einen Hof- und Werksverkauf.
Zukunftspläne: Hof, Natur und Nachhaltigkeit
Deswegen hat er einen Bauernhof gekauft, zehn Autominuten von der Manufaktur entfernt. Aktuell wird der ausgebaut, im Sommer soll die Produktion von dem Gewerbegebiet dorthin verlagert werden. „Das ist so ein altes Fachwerkhaus. Das war schon mal ein Rittergut und eine alte Postkutschenstation“, berichtet Kühn. Und dass Goethe da schon mal Halt gemacht habe.
Große Pläne hat er für den Hof. Früchte anbauen, einmachen und verarbeiten, Kühe, die Milch liefern für das Eis der Eiskrämer. Für diese Menschen soll es auf dem Hof dann auch Seminare und Veranstaltungen geben. Goldhelm probiert auf dem komplett renovierten Anwesen neue Geschmacksvariationen aus. Hier baut Kühn aber auch verschiedenste Zutaten selbst nachhaltig an, getreu seinem Motto „Immer mehr Natur“.
Besuchertipps und häufige Fragen
- Wer die Brücke entlangschlendert und durch die Ladentür tritt, wird sofort vom Duft frischer Schokolade empfangen.
- Wer die Schokolade probieren möchte, sollte im Sommer unbedingt auch den Eiskrämer gegenüber besuchen.
- Goldhelm ist eines der am besten bewerteten Läden der Stadt; an Wochenenden oder zur Weihnachtszeit bilden sich oft lange Schlangen.
- Wer regelmäßig bei Goldhelm vorbeischaut, wird feststellen: Das Sortiment ist nie ganz dasselbe. Die Manufaktur produziert bewusst saisonale und limitierte Editionen.
Kurzantworten
- Wo befindet sich Goldhelm? Krämerbrücke 12-14 (Ladencafé) und Kreuzgasse 5 (Werkstattcafé).
- Was kann man kaufen? Über 80 Schokoladensorten, Frischpralinen, Trüffel, Canaches, saisonale Editionen.
- Bietet Goldhelm Workshops an? Ja, mit Gutscheinen und begrenzten Plätzen.
- Wie komme ich zur Krämerbrücke? Straßenbahn bis Fischmarkt oder Anger, dann ca. 5 Gehminuten.
Warum Goldhelm besonders ist
Die wichtigste Zutat ist die Leidenschaft, mit der Alex Kühn und sein Team aus Kakao & Co. unvergleichliche Genüsse zaubern. Die Kombination aus traditioneller Handwerkskunst, regionalen Zutaten, direktem Bohnenbezug und künstlerischem Verpackungsdesign macht Goldhelm zu einem Gesamtkunstwerk für alle Sinne. Wer einmal in die kleine Welt der Erfurter Manufaktur eintaucht, versteht schnell, warum Goldhelm weit über Thüringen hinaus bekannt ist.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Gründer | Alexander (Alex) Kühn, gelernter Grafiker, Quereinsteiger |
| Standorte | Krämerbrücke 12-14 (Ladencafé), Kreuzgasse 5 (Werkstattcafé), Produktionshalle und Hof |
| Sortiment | Über 80-100+ Sorten, Tafeln, Pralinen, Canaches, saisonale Editionen |
| Rohstoffe | Direktbezug aus Peru/Venezuela, regionale Früchte und Kräuter |
| Produktion | Handarbeit, keine Fließbänder |
| Besonderheiten | Künstlerische Verpackungen von Kühn, Workshops, Hoffokus auf Natur |
„Wenn du Glück hattest, hatte die Tafel 110 Gramm und wenn du Pech hattest, hatte sie 90.“ Diese Anekdote aus der Anfangszeit zeigt: Aus Improvisation wurde ein Markenzeichen - Unikate statt Massenware. Und genau das ist es, was viele Besucher und Kundinnen an Goldhelm schätzen: ehrliches Handwerk, erlebbar vor Ort und schmeckbar in jedem Bissen.
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