Gibt es noch Waldbaur Schokolade? Einblicke in eine süße Stuttgarter Geschichte
Stuttgart war einst als Schokoladen-Metropole bekannt, mit berühmten Marken wie Ritter, Eszet, Moser-Roth und Waldbaur. Heute erinnern nur noch wenige Spuren an diese glanzvolle Ära - besonders das ehemalige Waldbaur-Gebäude gegenüber der Johanniskirche am Feuersee ist ein bedeutendes Zeugnis der Vergangenheit.
Die Anfänge der Firma Waldbaur
Gegründet wurde Waldbaur im Jahr 1848 von den Brüdern Franz und Gustav Waldbaur. Franz Waldbaur begann seine Karriere nach einer Apothekerlehre und setzte früh auf die Herstellung von Schokolade im Labor seiner Apotheke in Möhringen. Der Erfolg dieser Manufaktur gab ihm den Anstoß, zusammen mit Gustav eine Fabrik im Stuttgarter Westen zu errichten, gegenüber dem Feuersee.
Die Schokoladenproduktion in Stuttgart entwickelte sich anfangs langsam. 1861 gab es lediglich vier Firmen - Roth (1841), Moser (1846), Waldbaur (1848) und Eszet (1857) -, die insgesamt 37 Mitarbeiter beschäftigten. Waldbaur erweiterte im Laufe der Zeit das Sortiment um Kakaopulver, Liköre und Tee. Das Unternehmen firmierte entsprechend als „Gebr. Waldbaur, Dampfchocolade und Liqueurfabrik“ und später als „Gebr. Waldbaur, Chocolade. Liqueursfabrik und Theehandlung“.
Generationenwechsel und Aufstieg
Nach dem frühen Tod von Gustav 1861 übernahmen seine Söhne Gustav (Adolf) und Hermann Waldbaur die Firma. Sie strichen das „e“ aus „Waldbauer“ und nannten sich fortan Waldbaur. Nach deren Tod wurde 1887 Max Loës aus Kraichtal-Oberöwisheim neuer Besitzer. Mit einem repräsentativen Neubau der Rotebühlstraße 83 im Jahr 1889 und später dem Gebäude Rotebühlstraße 85 wurde das Stammhaus erweitert und modernisiert.
Unter Max Loës und später seinem Sohn Karl Loës entwickelte sich die Firma prächtig. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ Karl Loës die zerstörten Gebäudeteile wieder aufbauen. In den 1950er Jahren bestand die Belegschaft aus etwa 500 Mitarbeitern, und Waldbaur gehörte zu den wichtigsten Schokoladenherstellern Deutschlands.
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Die berühmten Produkte
Bis heute sind die Waldbaur-Katzenzungen bekannt - ein klassisches Produkt, das viele Generationen mit Stuttgart verbinden. Die Waldbaur-Schokoladen wurden europaweit vertrieben, selbst in Amerika gab es Kunden. Auch andere Stuttgarter Firmen steuerten besondere Produkte bei: Die Eszet-Schnitte wurde beispielsweise 1933 eingeführt und ist heute noch als Brotbelag populär.
| Marke | Gründungsjahr | Bekannte Produkte | Heutige Produktion |
|---|---|---|---|
| Waldbaur | 1848 | Katzenzungen, Schokoladentafeln, Liköre, Tee | Nicht mehr produziert |
| Eszet | 1857 | Eszet-Schnitte | Supermarkt, aber nicht mehr in Stuttgart |
| Moser-Roth | 1840er | Edel-Schokolade | Discounter, Marke gehört Storck |
| Ritter Sport | 1912 | Quadratische Tafeln | Waldenbuch, weiterhin aktiv |
Das Ende einer Ära
Die Schokoladenfabrikation strahlte bis in die fünfziger, sechziger und siebziger Jahre hinein. Doch die Erfolgsgeschichte begann sich rasch ihrem Ende zu nähern. Das Aufkommen der Supermärkte, steigende Kakaopreise und weltweite Überkapazitäten sorgten in den 70er Jahren für die Bereinigung des Marktes.
Berühmte Stuttgarter Schokoladenhersteller wie Moser-Roth und Eszet beendeten ihre örtliche Produktion bereits 1967 und 1975. Waldbaur hielt als letzter großer Betrieb am längsten stand, bevor Gerd Ruisinger 1976 die Markenrechte an die Stollwerk AG aus Köln verkaufte. Ein Jahr später - 1977 - wurde die Produktion in Stuttgart eingestellt, 700 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Damit war die Geschichte der Schokoladenstadt Stuttgart zu Ende.
Was ist heute von Waldbaur geblieben?
Heute gibt es keine Waldbaur Schokolade mehr auf dem Markt. Die Marke wurde von Stollwerck übernommen, die Produktion eingestellt und das Unternehmen in eine Verwaltungs- und Beteiligungs-GmbH umgewandelt, die die Immobilien des Waldbaur-Areals verwaltet.
Nur wenige Erinnerungen und Sammlerobjekte zeugen von der glanzvollen Vergangenheit: Reklameschilder, Verpackungen, Comicstrips, Zahlteller und der Schriftzug am einstigen Firmengebäude in der Rotebühlstraße lassen die Geschichte fortleben. Die Katzenzungen, einst europaweit bekannt, werden heute nicht mehr produziert.
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Waldbaur steht exemplarisch für die Entwicklung der Schokoladenindustrie in Stuttgart und den Verlust eines traditionsreichen Industriezweigs. Heute erinnert lediglich der Schriftzug am ehemaligen Firmengebäude und die nostalgischen Erinnerungen der Stadtbewohner an das Schokoladenkapitel Stuttgarts.
Andere Stuttgarter Schokoladen-Marken im Überblick
- Ritter Sport wurde ursprünglich in Stuttgart gegründet und zog 1930 nach Waldenbuch. Dort entstand die berühmte quadratische Schokolade, die heute weltweit bekannt ist.
- Eszet, gegründet von Ernst Staengel und Karl Ziller, produzierte den beliebten Brotbelag bis 1975 in Stuttgart, danach Weiterführung durch Stollwerck.
- Moser und Roth fusionierten Ende des 19. Jahrhunderts und sind heute als Edel-Schokolade bei Aldi erhältlich, produziert von Storck.
- Schoko Buck wurde 1923/24 gegründet und später von Tobler übernommen. Die Produktion in Stuttgart endete 1985.
Die Schokoladen-Hochburg Stuttgart hat ihre Bedeutung verloren - doch die Erinnerungen an Waldbaur und andere traditionsreiche Marken leben bis heute in der Stadt fort.
Die süße Vergangenheit von Stuttgart klingt heute nur noch durch einzelne Gebäude, Werbeobjekte und die Namen im Stadtbild nach. Die Waldbaur-Katzenzungen, einst ein Symbol für Qualität und Genuss, sind heute ein Stück Erinnerung an ein verlorenes Kapitel.
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