Gesundheitliche Auswirkungen von zuckerhaltigen Getränken: Risiken, Daten und Präventionsmaßnahmen
Zuckerhaltige Getränke wie Limonade, Cola, Fruchtpunsch, Energy-Drinks oder gesüßte Tees sind in Deutschland und weltweit weit verbreitet. Ihr regelmäßiger Konsum steht, laut aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit einer Vielzahl gesundheitlicher Probleme in Verbindung. Diese Artikel beleuchtet umfassend die gesundheitlichen Risiken, typische Konsummuster und aktuelle Studienergebnisse sowie Strategien zur Reduktion von Softdrinks im Alltag.
Verbrauch von zuckerhaltigen Getränken: Zahlen und Trends
Die Auswahl an Softdrinks reicht von Limonade, Fruchtpunsch, Cola, Tonic, Sportgetränken bis zu Energy-Drinks. Außerdem gibt es im Handel gesüßte Getränkepulver. In Deutschland ist der Verbrauch von Erfrischungsgetränken hoch - im Durchschnitt nehmen die Menschen hierzulande 23 Gramm, also beinahe acht Zuckerwürfel, täglich über Softdrinks auf und damit sogar ein Gramm mehr als über Süßigkeiten. Im Vergleich zu den zehn größten westeuropäischen Ländern, darunter Österreich, Großbritannien und Italien, ist Deutschland damit Spitzenreiter.
Im Jahr 2019 tranken in Deutschland 12,2 % der Erwachsenen täglich zuckerhaltige Erfrischungsgetränke. Mit 16,5 % konsumierten etwa doppelt so viele Männer täglich solche Getränke wie Frauen (7,8 %). In den Altersgruppen der 18- bis 29-Jährigen (15,4 %) und der 30- bis 44-Jährigen (15,7 %) waren die Anteile mit einem täglichen Konsum gleich groß. Mit dem Alter nahm der Anteil derer, die täglich zuckerhaltige Erfrischungsgetränke verzehrten, ab und betrug bei den 45- bis 64-Jährigen 12,3 %, bei den 65- bis 79-Jährigen 6,7 % und bei den 80-Jährigen und Älteren 7,3 %.
Wie viel Zucker steckt in Softdrinks?
Der durchschnittliche Zuckergehalt gesüßter Getränke beträgt in Deutschland nach aktuellen Erhebungen von Foodwatch 7,3 Prozent. Das sind etwa sechs Zuckerwürfel je 250 ml Glas. Bei der beliebten Coca-Cola sind das etwa vier und bei Fanta drei Würfelzucker auf 100 Milliliter. Ein Glas Cola (250 ml) enthält knapp 27 Gramm Zucker: Das entspricht fast neun Stück Würfelzucker. Produkte gelten als „zuckerfrei“, wenn sie unter 0,5 g Zucker pro 100 g/ml enthalten. Besonders zuckerhaltige Getränke enthalten deutlich mehr als 12 Gramm Zucker pro 12-Unzen-Portion, das entspricht etwa dem Inhalt einer Getränkedose.
| Getränk | Zucker (pro 100 ml) | Zuckerwürfel (pro 250 ml) |
|---|---|---|
| Coca-Cola | 10,6 g | 6-7 |
| Fanta | 9,6 g | 6 |
| Durchschnitt Softdrink | 7,3 g | 4-5 |
Entsprechend der Weltgesundheitsorganisation sollte freier Zucker weniger als 5 % der täglichen Gesamtenergiezufuhr ausmachen - das entspricht etwa 25 Gramm. Die Menschen in Deutschland überschreiten diesen Wert mit Softdrinks häufig.
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Kaloriengehalt, Sättigungswirkung und Stoffwechsel
Süße Getränke liefern viele Kalorien, aber kaum nennenswerte Nährstoffe. Kalorienreiche Getränke sättigen weniger als Speisen mit der gleichen Kalorienmenge. Der Zucker im Getränk gelangt schnell in die Blutbahn, wodurch der Blutzuckerspiegel zügig steigt. Untersuchungen zufolge essen Menschen unter dem Konsum süßer Getränke übrigens nicht automatisch weniger, sondern sie nehmen durch die Erfrischungsgetränke einfach nur zusätzliche Kalorien auf. Das führte in Studien zu einem höheren Körpergewicht bei Kindern und Erwachsenen.
Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke haben eine geringe Sättigungswirkung, obwohl sie gleichzeitig zu einer hohen Zuckeraufnahme führen. Das Forschungsteam betont auch, dass zuckerhaltige Getränke schnell verdaut würden und den Blutzuckerspiegel in die Höhe trieben, ohne einen Nährwert zu haben. Kalorienreicher Getränkekonsum steht auf der Liste der empfehlenswerten Trinkflüssigkeiten ganz unten.
Gesundheitliche Risiken im Überblick
Übergewicht (Adipositas) und Diabetes Typ 2
- Der häufige Verzehr zuckerhaltiger Getränke begünstigt Übergewicht.
- Übergewicht wiederum fördert die Entwicklung weiterer Gesundheitsprobleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Wer täglich mindestens eine Dose davon konsumiert, hat ein um 26 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes im Vergleich zu Menschen, die nur selten Softdrinks trinken.
- Forschende führen den weltweiten Anstieg von Diabetes und Fettleibigkeit wesentlich auf den Zuckerkonsum, auch in Form von Erfrischungsgetränken, zurück.
Weitere Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Ein hoher Zuckerkonsum (>20 Prozent der Energieaufnahme) ist mit einem erhöhten Risiko für ischämischen Schlaganfall und für Bauchaortenaneurysma assoziiert. Besonders zuckergesüßte Getränke haben ungünstige Wirkungen: Schlaganfälle, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Bauchaortenaneurysma kommen dann deutlich häufiger vor. Der Genuss gesüßter Getränke führte im Beobachtungszeitraum zu 12,5 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren weltweit.
Zucker in festen Nahrungsmitteln scheint überraschenderweise mit einem erniedrigten Risiko verbunden zu sein. Die Assoziation von Zuckerzusätzen und den kardiovaskulären Erkrankungen scheint davon abzuhängen, aus welcher Quelle der Zucker stammt: Getränke oder Speisen.
Karies und Zahngesundheit
Der Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke wirkt sich zudem negativ auf die Mundgesundheit aus: Der enthaltene Zucker wird in der Mundhöhle durch Bakterien gespalten, wodurch Säuren entstehen, die den Zahnschmelz angreifen und Karies verursachen. Dieser Effekt wird zusätzlich durch die in zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken häufig enthaltenen Säuren begünstigt. Selbst Getränke ohne zugesetzten Zucker können durch ihre Säure den Zahnschmelz angreifen.
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Psychische Gesundheit und Darmmikrobiom
Inzwischen zeigen immer mehr Studien, dass Softdrinks auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Die Analysen zeigten einen Zusammenhang zwischen dem Softdrink-Konsum und sowohl der Diagnose einer Depression als auch der Schwere der Symptome. Bei Frauen, die regelmäßig zuckerhaltige Limonaden getrunken haben, fanden die Forschenden eine deutlich erhöhte Anzahl von Bakterien der Gattung Eggerthella im Darm. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Eggerthella bei Menschen mit Depressionen vermehrt vorkommt. Diese Kombination kann das empfindliche Gleichgewicht im Darmmikrobiom stören: Entzündungsfördernde Bakterien werden begünstigt, während die Produktion schützender kurzkettiger Fettsäuren abnimmt.
Auffällig ist, dass dieser Zusammenhang geschlechtsspezifisch zu sein scheint. Bei Männern, die regelmäßig Softdrinks konsumierten, fanden die Forschenden weder einen Anstieg von Eggerthella noch einen Zusammenhang mit depressiven Symptomen. Veränderungen im Mikrobiom sind durch Ernährung beeinflussbar - und damit ein potenzielles therapeutisches Ziel.
Risiken für Kinder und Jugendliche
Zuckerhaltige Getränke fördern Übergewicht, Diabetes und Karies - besonders bei Kindern. Schon ein Glas Limo täglich kann zur Zuckerfalle werden. Als eine der Hauptursachen für das wachsende gesundheitliche Risiko von Übergewicht gilt der hohe Zuckerkonsum in fester und flüssiger Form bei Kindern und Jugendlichen. Laut einer Marktstudie der Organisation Foodwatch trinkt in Deutschland fast jedes sechste Kind mindestens einmal pro Woche Softdrinks.
Eine internationale Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass ein regelmäßiger Konsum zuckerhaltiger Getränke für etwa ein Fünftel des Risikos der Fettleibigkeit im Kindes- und Jugendalter verantwortlich ist. Allein die Gesundheitskosten für die heute in Deutschland übergewichtigen Kinder und Jugendlichen werden mit 1,8 Milliarden Euro berechnet.
Internationale Krankheitslast und politische Maßnahmen
Weltweit 2,2 Millionen neue Fälle von Typ-2-Diabetes und 1,2 Millionen neue Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnten 2020 einer Studie zufolge auf den Konsum von Limo, Energydrinks und anderen mit Zucker gesüßten Getränken zurückgeführt werden. Besonders junge Erwachsene (20-29 Jahre) sowie Männer sind gefährdet. Lateinamerika und die Karibik sind weltweit am meisten belastet mit Süßgetränke-assoziierten Erkrankungen. In Deutschland wurden 2020 wöchentlich knapp 650 Milliliter - oder zwei große Gläser - solcher Getränke pro Kopf konsumiert.
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Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern unter anderem Gesundheitskampagnen, strengere Regeln für die Bewerbung derartiger Getränke und steuerliche Maßnahmen. Eine "Limo-Steuer" gibt es bereits in vielen Ländern, darunter seit 2018 Großbritannien: Diese setzt bei der Schwelle von fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter an. Seither ist nicht nur der Konsum zurückgegangen - auch Hersteller haben den Zuckergehalt reduziert. Mit einer Softdrinksteuer ist es den Briten gelungen, den durchschnittlichen Zuckergehalt in Softdrinks binnen zwei Jahren um durchschnittlich 34 Prozent zu senken.
Forschende errechneten für Deutschland ebenfalls einen deutlichen Erfolg: Eine Limo-Steuer würde hierzulande Hunderttausende Krankheitsfälle und 16 Milliarden Euro Gesundheitskosten verhindern.
Tipps, wie Sie den Konsum zuckerhaltiger Getränke reduzieren können
- Informieren Sie sich über den Zuckergehalt der Getränke, etwa mit dem Produktetikett oder dem Ampelsystem der Harvard T.H. Chan School of Public Health.
- Trinken Sie verteilt über den Tag mindestens 1,5 Liter, am besten in Form von Wasser oder ungesüßtem Tee.
- Viele Menschen schmecken Infused Water gut - beispielsweise mit Gurken, Zitronen oder Basilikum angereichert.
- Stellen Sie Wasser immer in Griffweite und ermuntern Sie Ihre Kinder zum Trinken.
- Ersetzen Sie Softdrinks durch gesunde Alternativen, wie Sprudelwasser mit natürlichen Aromen.
- Wem Wasser zu langweilig ist: Das Infused Water ist ein leckerer und kalorienarmer Alleskönner, der im Alltag nicht fehlen sollte.
- Wenn Sie sich erst an nicht so süße Getränke gewöhnen müssen, greifen Sie ersatzweise zu solchen mit kalorienarmen Süßstoffen wie Aspartam oder Sucralose - allerdings sollte auch dies nicht zur Regel werden.
- Erklären Sie Kindern so früh wie möglich, dass süße Sachen schädlich für die Zähne sind.
Forschung und politische Verantwortlichkeit
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. bündelt Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung.
Mit einer nationalen Reduktionsstrategie will die Bundesregierung über freiwillige Vereinbarungen der Lebensmittelindustrie eine allmähliche Senkung des Gehaltes an Zucker, Fetten und Salz in vielen Fertiggerichten bis 2025 erreichen. Die Strategie sieht für Softdrinks aber eine weniger als halb so starke Zuckerreduktion vor, wie sie Großbritannien bereits erreicht hat.
Zusammenhang zwischen Bildungsstand, Alter, Region und Konsum
Mit zunehmender Bildung nahm der Anteil der Personen mit einem täglichen Verzehr zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke ab, ausgehend von 16,2 % in der niedrigen Bildungsgruppe, 11,9 % in der mittleren und 6,3 % in der hohen Bildungsgruppe. Regional und nach Alter zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede im Konsum. Besonders Männer und jüngere Erwachsene greifen regelmäßig zu Softdrinks.
Fazit: Weniger ist mehr
Dass zuckergesüßte Getränke gesundheitsschädlich sind, ist vielfach nachgewiesen und gilt als gesichert. Übermäßiger Zuckerkonsum ist klar zu vermeiden. Besonders Empfehlungen für Kinder und Jugendliche sowie für Bevölkerungsgruppen mit hohem Softdrink-Konsum sollten daher im Fokus zukünftiger Präventionsarbeit und gesundheitspolitischer Maßnahmen stehen.
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