Geschmack für Wasser ohne Zucker: Test, Erfahrungen und Empfehlungen

Ohne Wasser läuft im Körper nichts. Doch genug zu trinken, fällt oft gar nicht so leicht.

Wasser kann richtig was. Es hält im menschlichen Körper, der selbst zu etwa 60 Prozent aus H2O besteht, nicht nur lebenswichtige Stoffwechselprozesse in Gang. Wie praktisch, dass dieser kalorienfreie Alleskönner auch noch in bester Trinkqualität aus unseren Wasserhähnen fließt und pro Liter im Schnitt läppische 0,2 Cent kostet! Tatsächlich ist Leitungswasser eins der am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland, da strenge Schadstoff-Grenzwerte eingehalten werden müssen. Solange zu Hause keine Bleirohre von der Wasseruhr bis zur Zapfstelle führen, kann man es also bedenkenlos literweise trinken.

Der einzige Vorwurf, den sich unser Leitungswasser eventuell gefallen lassen muss: Es schmeckt nach, nun ja, nichts. Was die einen gerade zu schätzen wissen, versuchen die anderen zu kompensieren, indem sie Wasser nur in Form von Saftschorle, Kaffee oder Tee trinken - und insgesamt oft viel zu wenig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt rund eineinhalb Liter Wasser am Tag, an heißen Tagen sollten es zwei bis zweieinhalb Liter sein.

Wer sich mehr Wasser vornehmen möchte, findet inzwischen eine große Produktvielfalt: Sirups, Brausetabletten, Pulver, Aroma-Pods und Trinkflaschen mit Duftaufsatz - alles mit dem Versprechen: mehr trinken, aber ohne Zucker. „Flavored Water“ hat sich zu einem beliebten Lifestyle-Produkt entwickelt und wird häufig als gesunde und stylische Alternative zu Softdrinks oder Leitungswasser vermarktet.

verschiedene Flavored Water-Produkte

Welche Produktgruppen gibt es?

  • Brausetabletten und Würfel (z. B. Waterdrop Microlytes)
  • Pulver und Instant-Sticks (z. B. Holy, easyWater)
  • Aroma-Sirupe und Tropfen
  • Cold Brew Teas und Teebeutel für kalten Aufguss
  • Aroma-Pods mit spezieller Flasche (Air Up)

Wie funktionieren die unterschiedlichen Konzepte?

Die anderen Produkte funktionieren alle, indem man Pulver oder flüssiges Konzentrat in Wasser auflöst. Ein Testkandidat fällt dabei deutlich aus dem Rahmen: Das System von Air up macht sich zunutze, dass ein Großteil des Geschmacks nicht über die Zunge, sondern über die Nase wahrgenommen wird. Statt das Wasser selbst zu aromatisieren, leitet ein Duftring (»Pod«) während des Saugens nach Frucht riechende Luft durch einen Strohhalm in Mund und Nase. So gaukelt man dem Gehirn vor, beispielsweise nach Melone schmeckendes Wasser zu trinken.

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Das originelle Verfahren hat uns positiv überrascht: Zwar fehlt das »süße Gefühl« auf der Zunge, dennoch hat man beim Trinken einen wahrnehmbaren Fruchtgeschmack im Mund. Dem Wasser selbst wird nichts zugesetzt. Kaltes Wasser in die Flasche füllen, Duftring (»Pod«) auf das Mundstück setzen, saugen. Dem Wasser selbst wird nichts zugesetzt. Für die Zahngesundheit ist das positiv: kein Zucker, keine Säuren, kein Süßstoff im Getränk selbst - es bleibt pures Wasser.

Air Up-Flasche mit Pod

Unsere Praxiserfahrungen: Waterdrop Microlytes

Mehr trinken, ohne sich literweise pures Wasser "reinzuquälen": Genau hier setzt zum Beispiel Waterdrop an. Die Marke verspricht mit seinen kleinen Trink-Würfeln, die Rettung für alle Trinkmuffel zu sein, und das ganz ohne Zucker. Wir haben die sogenannte Microlyte "Recharge"-Serie unter die Lupe genommen - mit Fokus auf Geschmack, Handling und Preis.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die sogenannte Recharge-Serie von Waterdrop kommt mit ordentlich Power daher. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt: Jeder Würfel ist vollgepackt mit vier Elektrolyten (Natrium, Calcium, Magnesium und Chlorid) sowie sechs Vitaminen und Zink. Laut Anbieter erfüllt jede Zutat einen Zweck - von der Unterstützung der Muskelfunktion über die Verdauung bis hin zur Knochengesundheit. Das Beste für Figurbewusste: Die Würfel sind komplett kalorienfrei, zuckerfrei und ohne Kohlenhydrate. Damit sind sie sogar für Personen mit Diabetes geeignet. Zudem werden sie als vegan und glutenfrei ausgelobt und kommen ohne künstliche Konservierungsstoffe oder Koffein aus.

Geschmackstest und Handhabung

Diese Sorten haben wir probiert: Grapefruit Recharge: süß-sauer mit leicht bitterer Note, erinnert an klassische Grapefruit-Schorle; Strawberry Recharge: fruchtig, rund, eher süß als sauer - unkompliziert und gefällig; Lemon-Mint-Recharge: zitronig-frisch, mit klarer Minznote, besonders angenehm bei Hitze. Schon vor dem Einwerfen fällt auf: Der Geruch der Würfel ist recht intensiv, besonders bei Grapefruit und Strawberry. Im Wasser braucht es dann etwas Geduld: rund vier Minuten, bis sich ein Würfel vollständig aufgelöst hat. Das ist länger als bei klassischen Brausetabletten.

Geschmacklich können die Microlytes aber punkten: klar, nicht künstlich; nicht übersüßt bei ausreichend Wasser; besonders gut eiskalt oder mit Eiswürfeln. Gerade im Sommer wirken die Sorten deutlich erfrischender als bei Zimmertemperatur. Das Packaging ist durchdacht: Die Packungen lassen sich kinderleicht öffnen, und die zwölf enthaltenen Würfel sind alle einzeln verpackt - ideal zum Mitnehmen in der Sporttasche.

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Preis-Leistung

Ein Päckchen mit zwölf Würfeln kostet rund zehn Euro. Während der Hersteller eine Portion auf 400 bis 600 Milliliter Wasser empfiehlt, empfanden wir die Konzentration auf 400 Milliliter als deutlich zu süß. Nach dem Ausprobieren mit einem vollen Liter Wasser schmeckte das Getränk sehr viel sanfter und ausgewogener. Bei einem Liter Wasser pro Würfel belaufen sich die Kosten auf gerade einmal 83 Cent pro Liter. Das ist preislich absolut vergleichbar mit einer günstigen, zuckerfreien Limonade aus dem Supermarkt, liefert aber zusätzlich wertvolle Elektrolyte, Vitamine und Zink.

Waterdrop Microlytes Würfel im Glas

Weitere Erfahrungsberichte: easyWater und andere Pulver

Das Getränkepulver von easyWater setzt zwar auf Sucralose, aber ganz ohne funktioniert es geschmacklich erfahrungsgemäß nicht. Nur Aromen sind einfach gruselig. Das Pulver lässt sich leicht dosieren, löst sich sehr gut auf und ich persönlich brauche die Hälfte von dem, was empfohlen wird. Ich würde sogar sagen, dass ich mit einem halben Messlöffel auf einem Liter Wasser zufrieden wäre. Mit Sprudel schmeckt es übrigens intensiver, als ohne.

Geschmacklich war ich ziemlich überrascht. Ich habe drei Sorten bisher probiert. Apfel, Black Cherry und Erdbeere. Alle Sorten sind vom Aroma sehr natürlich. Man erkennt die Frucht, aber gleichzeitig ist es nicht so süß. Für mich ideal zum Sport. Meine Kinder finden es ebenfalls sehr lecker. Ungewohnt, weil die letzte Süße fehlt, aber gut, weil man die Früchte deutlich herausschmeckt.

Was sagt die Verbraucherzentrale und die Wissenschaft?

Die Verbraucherzentrale NRW hat verschiedene Varianten getestet. Sie können zwar dazu animieren, mehr zu trinken, sollten aber nur in Maßen konsumiert werden. „Mehr Wasser zu trinken ist zwar gut“, erklärt Hannah Zeyßig, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale NRW, „aber bei ‚Flavored Water‘ besteht die Möglichkeit, dass man sich an viel Süße und künstliche Aromen gewöhnt. Gerade Kinder sollten Getränke mit Aromen und Süßungsmitteln nicht zu häufig konsumieren, da sie sonst vielleicht nur noch schwer für Ungesüßtes zu gewinnen sind. Das gesündeste Getränk ist immer noch Leitungs- oder Mineralwasser.“

Zugesetzte Vitamine sind für die „Flavored Water“-Hersteller ein Marketing-Trick und ein weiteres Verkaufsargument. Doch nur wenige Zusätze sind wirklich nötig oder durchdacht. „Einzelne Vitamine werden hier unserer Meinung nach oft willkürlich ausgewählt und zugesetzt“, kritisiert Zeyßig. In einem getesteten Produkt wurde die empfohlene Tageshöchstmenge an Vitamin B6 über Nahrungsergänzungsmittel sogar deutlich überschritten. „Vitamine über Getränke aufzunehmen, ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf in der Regel ab.“

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Sicherheit, Süßstoffe und Zahngesundheit

Fast alle Produkte enthalten Süßungsmittel. Süßstoffe werden vor der Zulassung durch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüft. So wird gewährleistet, dass die Stoffe, die auf den Markt kommen, sicher sind. Ernährungsforscher Dr. med. Stefan Kabisch ordnet ein: „Die ADI-Werte sind auf einem so hohen Sicherheitsniveau angesetzt, dass man gleichzeitig sehr große Getränkemengen zu sich nehmen müsste, um diesen Wert zu erreichen. Die EFSA hat 2026 alle Süßstoffe neu bewertet und sie in den bisher angegebenen Höchstwerten für ungefährlich befunden.“

Allerdings können Süßstoffe und auch Zuckeraustauschstoffe immer wieder im Verdacht stehen, sich negativ auf das Darm-Mikrobiom auszuwirken oder andere Langzeiteffekte zu haben. Ein gemäßigter Konsum ist deshalb ratsam. Zudem ist die Säurebelastung für die Zähne ein wichtiges Thema: Viele Produkte enthalten Zitronen- oder Apfelsäure als Säuerungsmittel, Konservierungsstoff und Geschmacksverstärker. Besonders kritisch ist es, wenn diese Drinks nicht nur gelegentlich, sondern über den ganzen Tag verteilt schluckweise konsumiert werden. Dann bekommt der Speichel kaum Gelegenheit, die Säure zu neutralisieren. Das Erosionsrisiko hängt stark vom Konsumverhalten ab.

Hygiene, Lagerung und Verbrauchertipps

Die wiederverwendbaren Flaschen sollten gut gereinigt und die fertigen Getränke zeitnah getrunken werden. Denn Untersuchungen zeigen, dass Trinkflaschen oft stark verunreinigt sind. Da die Getränke nicht erhitzt werden, sind sie anfällig für Keimbelastung. Lediglich die Hersteller der Cold Brew Teas geben die Empfehlung, dass zubereitete Getränke innerhalb von vier Stunden bzw. zeitnah zu konsumieren sind. Für Säuglinge und Kleinkinder sind Cold Brew Teas generell nicht geeignet, da schwarzer Tee Koffein enthalten kann.

Praktische Tipps:

  • Inhaltsstoffe kritisch prüfen: Aromen, Süßstoffe, Vitamine und Koffein beachten.
  • Getränke stärker verdünnen, um Gewöhnung an Süße zu vermeiden.
  • Bei Kindern besonders auf Süßstoffe und Vitamine achten.
  • Flaschen regelmäßig und gründlich reinigen.
  • Wer Zahnschäden vermeiden will, konsumiert aromatisierte Getränke nicht den ganzen Tag über schluckweise.
Reinigung von Trinkflaschen

Preis-Leistungs- und Umweltaspekte

„Geschmackswasser“ kann teuer werden. Die Preise reichen pro Liter von 18 Cent bis hin zu 2,65 Euro. „Einen Zusammenhang zwischen geschmacklicher Qualität und Preisniveau konnten wir dabei nicht feststellen.“ Zum Vergleich: Ein Liter Leitungswasser kostet nur 0,3 Cent. Aromasirup/-tropfen: Mindestens 0,18 Euro pro Liter, maximal 0,73 Euro pro Liter. Cold Brew Tea: Mindestens 0,46 Euro pro Liter, maximal 0,83 Euro pro Liter. Brausedrops und Flavor-Sticks können deutlich teurer ausfallen.

Positiv: Flavored Water-Produkte können den Verbrauch von Einweg-PET-Flaschen reduzieren, wenn sie mit Leitungswasser zubereitet werden. Allerdings gibt es in puncto Nachhaltigkeit der Verpackungen deutliche Unterschiede. Die meisten Hersteller werben mit der Reduzierung des Einsatzes von PET-Flaschen, ein klarer Vorteil dieser Produkte.

Für wen lohnen sich die Produkte?

Die Würfel, Pulver und Pods können helfen, mehr zu trinken - und das ist ein großer Pluspunkt. Besonders sinnvoll sind sie beim Sport, an heißen Tagen, auf Reisen oder für Menschen, die pures Wasser langweilig finden. Die vielen Zusatzstoffe machen einige Produkte vor allem für aktive Menschen interessant. Wer jedoch die lange Auflösezeit nervig findet oder auf Elektrolyte und Vitamine verzichten kann, fährt mit günstigeren Alternativen wirtschaftlicher. Air Up schneidet ernährungsphysiologisch besser ab, weil tatsächlich nur Wasser getrunken wird - bleibt aber im Marketing in einer von Verbraucherschützern kritisierten Grauzone, wenn mit nicht veröffentlichten Studien geworben wird.

Tester erklärt Waterdrop, Air Up und andere Flavored Water-Konzepte

Kurz gefasst: Entscheidungs-Hilfen

  1. Leitungswasser ist die Basis: am gesundheitlich unbedenklichsten und sehr günstig.
  2. Air Up: Beste Option, wenn Sie absolut kein Süßungsmittel oder Säure im Getränk wollen und bereit sind, in Flasche+Pods zu investieren.
  3. Waterdrop Microlytes: Gute Wahl für Sport und Elektrolyt-Ersatz; beim Verdünnen Preis und Geschmack optimieren.
  4. Pulver/Sirupe (z. B. easyWater, Holy): praktisch, oft intensiver, aber oft mit Süßstoffen; auf Inhaltsstoffe achten.
  5. Für Kinder: besonders vorsichtig sein mit Süßstoffen, Vitaminen und Koffein.

Pures Leitungswasser ist und bleibt der unangefochtene Champion.

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