Gedichte und Geschichten über das Kuchenbacken: Tradition, Sinnlichkeit und Gemeinschaft

Das Backen von Kuchen und Brot ist ein tief in der Kultur verwurzelter Akt, der weit über reine Nahrungszubereitung hinausgeht. Die nachfolgenden Texte und Gedichte, angereichert mit Erinnerungen und literarischen Schilderungen, zeichnen ein facettenreiches Bild dieses Themas. Über Generationen hinweg begleitet das Backen die Menschen in Fest und Alltag, als Ritual des Zusammenseins, Ausdruck von Fürsorge, Erfüllung und Lebensfreude.

Kuchenbacken und Poesie: Literarische Annäherungen und persönliche Erinnerungen

Die Magie der Backstube: Gemeinschaft und alte Rituale

Der schwere Holzkasten in der Küche meiner Grossmutter hatte eine Mehlschublade. Wenn die Grossmutter gut aufgelegt war, und das war sie fast immer und wenn sie Backtag hatte, das war sehr oft, durfte ich mit dem offenen Mehl spielen. Ich musste mir die Hände waschen, dann konnte ich mit einem Löffel Figuren eindrücken oder einen Berg schaufeln. Bald aber zog es mich an den grossen, hohen Küchentisch. Der Teig war bereit, Naschen war mir bei der Grossmutter zuhause erlaubt. Ich schaute den Frauen zu, wie sie mit kräftigen, schweren Schlägen den Züpfenteig auf den Tisch klopften. Kräftige Oberarme in geblümten, hochgerollten Ärmeln. Mit dem Handrücken wischte die Mutter eine verschwitzte Haarsträhne aus dem Gesicht. In manchem Schlag steckte die Wut einer Enttäuschung. «Der ist für den Erwin, weil er immer den anderen Mädchen nachschaut» rief meine ältere Schwester mit rotem Kopf. Die Küche erzitterte, die Gläser im Schrank klirrten, die anderen Frauen lachten. Kein Mann hätte es gewagt, in die Küche zu schauen, einzig als Knirps war ich geduldet.

Bauernküche, Mehlschublade, Zubereitung von Teig

Ich musste gefühlt haben, wie gemeinsames Wissen um Sinnlichkeit die Frauen verband. Das rhythmische Klopfen war überall im Haus zu hören. Es mahnte den ganzen Haushalt: morgen ist Sonntag und wir hier in der Küche backen das Brot für den Feiertag der Woche.

Kindheitserinnerungen an das Brotbacken

Wenn ich mich zurück erinnere an meine Kindheit und nur an das Brotbacken denke, was das für ein Umstand war bis alles mal soweit gerichtet war und die Vorbereitungen getroffen waren, dann muß ich heute noch schmunzeln. Als allererstes wurden wir dann geschickt in ein ganz bestimmtes Haus und mußten um den Backtag spielen, d.h. mit anderen Worten, man mußte losen. Aber, man konnte nicht vor zwei Tagen, ehe man backte und nicht vor morgens acht Uhr, da sein. Wenn man dann früh genug war, dann ließ man sich auf eine Schiefertafel schreiben, die an der Außenseite vom Haustürbalken hing. Dann war man eben Erster für den bestimmten Backtag in zwei Tagen.

Stillleben: Großmutter und Kinder mit Brotteig

Dann konnte es passieren, dann kam im Laufe des Tages oder des nächsten Tages der eine oder andere und sagte: „Guten Tag, guten Tag. Hört mal, wir wollen auch backen. Wir haben gehört, ihr hättet einen Tag geliehen. - Ja, das haben wir. Wann wollt Ihr denn backen?“ War es aber Sommertag, da man zum Heu wollte, oder man wollte Feldarbeit machen, da sagte man, wir backen erster. Gut, je nachdem, wenn, was sich oft zutrug, vier an dem Tag backen wollten, dann mußte man Obacht geben, daß man nicht vierter Bug. Dann war es wieder düstere Nacht. Dann war man wieder mit der Kerze in dem Backens. Dann hat man wieder kein Licht. Das war alles so ein Lotteriespiel.

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Dann wurde die Backmulde hereingeholt. Am selben Abend, je nach Witterung, wenn es Winter war, mußte über Nacht in der Küche, wurde der Tisch hervorgerückt, hinten auf die Bank gestellt mußte die Backmulde warm werden, weil die aus der kalten Scheune kam.

Schritt Beschreibung Besonderheit
Backtag losen Wer zuerst kommt, backt zuerst Schiefertafel am Haustürbalken
Hewwerling holen Sauerteig bei Nachbarn ausleihen Kinderaufgabe; Eile oft geboten
Teig ansetzen Brabbes-Vorteig, viel Handarbeit Jedes Familienmitglied half mit
Hausgemachtes Brotbacken Schritt für Schritt

Brotbacken als Ritual und Fest

Am Boden lag ein weggeworfenes Brötchen, zertreten, schmutzig. Industriebrot, wahrscheinlich für einen Hamburger bestimmt. Blutrot verschmiert von Tomatensauce, halb in den Boden getreten. «Das sind dumme Leute, die Brot wegwerfen» lehrte uns seinerzeit die Mutter. Vorsichtig gingen wir um die Resten herum. «Dieses Leben wird niemand mehr nehmen wollen», dachte ich noch. Dann, Jahre später, wir sitzen vorne im Schiffchen, ein Glas in der Hand. Beim Ablegen sehen wir noch ein letztes Mal weiss das alte Kirchlein im grünen Hang. Grüne Weinflaschen warten auf weissem Leinen. Der Tisch ist lang und einladend, die Tischdecke knattert frech im Wind. Körbe voller Brot, stolze Züpfen, geknetet und geklopft, geformt und gebacken von wissenden Frauen, für dieses eine Fest. Wir stossen an, wünschen gutes Leben. Geplauder, Gelächter lässt man im Wind aufsteigen, freundlich lächelnde Drachen der Zuneigung schweben über unserem Boot. Ich hänge meine Gedanken über das Geländer.

Brotkörbe auf einer festlichen langen Tafel im Freien

Bäcker als Hüter von Weisheit und Menschlichkeit

Die Lektionen aus der Bäckerei an der Jakobstraße

An der Jakobstraße in Paris liegt ein Bäckerladen; da kaufen viele hundert Menschen ihr Brot. Der Besitzer ist ein guter Bäcker. Aber nicht nur deshalb kaufen die Leute des Viertels dort gern ihr Brot. Noch mehr zieht sie der alte Bäcker an: der Vater des jungen Bäckers. Meistens ist nämlich der alte Bäcker im Laden und verkauft. Dieser alte Bäcker ist ein spaßiger Kerl. Manche sagen: Er hat einen Tick. Aber nur manche; die meisten sagen: Er ist weise er ist menschenfreundlich. Einige sagen sogar: Er ist ein Prophet. Aber als ihm das erzählt wurde knurrte er vor sich hin: "Dummerei ..."

Der alte Bäcker weiß daß man Brot nicht zum Sattessen brauchen kann und gerade das gefällt den Leuten. Manche erfahren das erst beim Bäcker an der Jakobstraße z. B. der Autobusfahrer Gerard der einmal zufällig in den Brotladen an der Jakobstraße kam. "Sie sehen bedrückt aus" sagte der alte Bäcker zum Omnibusfahrer. Ich habe Angst um meine kleine Tochter antwortete der Busfahrer Gerard. Sie ist gestern aus dem Fenster gefallen aus dem zweiten Stock. - "Wie alt?" fragte der alte Bäcker. "Vier Jahre" antwortete Gerard. Da nahm der alte Bäcker ein Stück vom Brot das auf dem Ladentisch lag brach zwei Bissen ab und gab das eine Stück dem Busfahrer Gerard.

Essen Sie mit mir sagte der alte Bäcker zu Gerard ich will an Sie und ihre kleine Tochter denken. Der Busfahrer Gerard hatte so etwas noch nie erlebt aber er verstand sofort was der alte Bäcker meinte als er ihm das Brot in die Hand gab. Und sie aßen beide ihr Brotstück und schwiegen und dachten an das Kind im Krankenhaus. Dann kam eine Frau herein. Bevor sie ihren Wunsch sagen konnte gab ihr der alte Bäcker ein kleines Stück Weißbrot in die Hand und sagte: "Kommen Sie essen Sie mit uns: Die Tochter dieses Herrn liegt schwer verletzt im Krankenhaus sie ist aus dem Fenster gestürzt. Vier Jahre ist das Kind. Der Vater soll wissen daß wir ihn nicht allein lassen." Und die Frau nahm das Stückchen Brot und aß mit den beiden.

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Bäcker, Kundin und Busfahrer teilen Brot zur Unterstützung

So war das oft in dem Brotladen in dem der alte Bäcker die Kunden bediente.

Versöhnung in der Bäckerei: Die Geschichte mit Gaston

An einem frühen Morgen wurde die Ladentüre aufgerissen und ein großer Kerl stürzte herein. Und da erschien vor dem Laden auch schon ein Mann wie ein Schwergewichtsboxer in der Hand eine Eisenstange. Als er im Laden den jungen Kerl sah wollte er auch hinein. Aber die Tür war verriegelt. "Er will mich erschlagen" keuchte der junge Mann. "Wer? Der?" fragte der alte Bäcker. "Mein Vater" schrie der Junge und er zitterte am ganzen Leibe. "Er will mich erschlagen. Er ist auf neunzig!" - "Das laß mich nur machen" antwortete der Bäcker ging zur Tür schob den Riegel zurück und rief dem schweren Mann zu: "Guten Morgen Gaston! Am frühen Morgen regst du dich schon so auf? Das ist ungesund. So kannst du nicht lange leben. Komm herein Gaston. Aber benimm dich. Laß den Jungen in Ruh!

Da hörte er den Bäcker sagen: "Komm Gaston iß ein Stück Brot; das beruhigt. Und iß es zusammen mit deinem Sohn; das versöhnt. Ich will auch ein Stück Brot essen um euch bei der Versöhnung zu helfen." Dabei gab er jedem ein Stück Weißbrot. Und Gaston nahm das Brot auch sein Sohn nahm das Brot. Und als sie davon aßen sahen sie einander an und der alte Bäcker lächelte beiden zu. Als sie das Brot gegessen hatten sagte Gaston: "Komm Junge wir müssen an die Arbeit."

Bäcker vermittelt Versöhnung zwischen Vater und Sohn mit Brot

Backen als generationenübergreifende und universelle Erfahrung

Die Bäckerin in Ägypten und der Wert des Brotes

Die uralte Ägypterin, mager, ausgetrocknet, umweht von weiten Röcken, kauert neben ihrem Lehmofen. Nur ihre dunklen Augen blitzen aus den schwarzen Tüchern. Der Backofen ist nach der Tradition ihrer Vorfahren gebaut. Keine Pyramide, kein prächtiger Tempel, aber Form und Zweck haben ebenfalls Jahrtausende überlebt. In einer zerbeulten Blechschüssel knetet die Alte mit braunen, langen Fingern weissen Teig zu Fladen. Ihre Augen leuchteten, sinnlich, verführerisch, weiss sie, dass sie Leben weitergibt? Der Geruch nach frischem Brot vermischt sich mit beissenden Rauch. Mit Tränen in den Augen nehme ich das Brot entgegen - es kostet nichts und ich wusste nicht, wie danken.

Ägyptische Bäckerin knetet Teig in traditioneller Lehmküche

Backen als tägliches Ritual - und als Gedicht

Es ist frühmorgens, die Strassen der Stadt strecken sich ein letztes Mal, bevor sie die Lasten eines neuen Tages hinnehmen müssen. Ich bin auf dem Weg zur Arbeit, es ist noch dunkel, nur aus der Bäckerei lässt warmes, gelbes Licht frisches Brot ahnen. Schon klingelt hinter mir die Tür und die Verkäuferin eilt aus der Backstube in den Laden. Sie muss gut riechen, denke ich, und sie hat schöne Hände. Wir wissen beide was kommt, und doch wiederholen wir jeden Morgen das kleine, freundliche Ritual um ein paar Brötchen. Warum, schiesst es mir durch den Kopf, sind Frauen, die Brot verkaufen so sinnlich? Was verleiht ihnen diesen besonderen Glanz? Wir geben das Leben weiter, scheinen die sanften braunen Augen zu antworten, während ich ein paar Münzen hervorsuche und die Tüte mit dem knusprigen Gebäck entgegennehme. Kaum aus dem Laden, beisse ich im Gehen in ein frisches, duftendes Brötchen.

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Städtische Bäckerei im Morgengrauen

Streuselkuchen, Worte und das Glück des Backens

Streuselkuchen ist lecker. Besonders dann, wenn er noch warm ist. Neben unserm Alter haben wir viele Gemeinsamkeiten.

Ein jeder hat maL ... Ansonsten, lieber Gerhard, in gewohnter Güte geschrieben. Du machst Appetit auf mehr.

Frischgebackener Streuselkuchen noch warm auf dem Blech

Der Wert des Backens und der Duft der Erinnerung

Nun muß ich natürlich noch vorausschicken, wir aßen alle 14 Tage so 18 Brote. Die schweren Bauernbrote. Die schweren Kerle. Und jedesmal, wenn wir dann backen mußten, dann sagte meine Mama: „Wir haben das letzte Brot angeschnitten.“ Das sagte mein Papa: „Immer, wenn ich mal was schaffen will, dann muß ich backen! Es ist kein Mann im Dorf, der soviel bäckt wie ich!“ Der hat nicht ganz unrecht. Wir haben viel Brot gegessen. Nun ja, er mußte wohl oder übel anmengen.

Je nachdem wie die Zeiten waren, nach dem Krieg, wurde auch geschrotetes Brot gebacken. Dann war eben ein Teil von der Außenrinde vom Korn dadrunter. Das aßen wir eigentlich am liebsten. Na, dann mengte der morgens an, den „Brabbes“ und dann blieb das mit dem Hewerling, der brachte das zur Gärung, dann sagten wir, jetzt geht der Vorteig, jetzt geht der Teig. Und wenn dann oben so Risse waren, dann tat er den Rest Mehl dadrüber und wickelte sich vorher die Hemdsärmel hoch und fing dann mit den Fäusten an, immer wie so eine Knetmaschine ‘gib ihm’. Jetzt hatte er so lange Haare an den Armen. Da hing dann das Mehl und der ganze Kram dran. Naja, das war für uns gar nicht unappetitlich, das waren wir gewöhnt. Wir gaben acht, wie der das walkt. Wie eine Knetmaschine. Hin und her. Bis endlich der Teig schön ...

Familie beim Brotteigkneten am Holztisch

mich mit Dir, dass er Dir gelungen ist. Liebe Grüße schickt dir GundelGundel08.10.2018

tags: #Gedichte #über #Kuchen #backen

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