Ferrero, Kakao und Kinderarbeit: Hintergründe, Probleme und Maßnahmen
Elf Kilogramm Schokolade isst jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Der Kakao dazu stammt zumeist aus der Elfenbeinküste. Doch der Markt ist schwierig.
Wie Kinderarbeit im Kakaoanbau entsteht
Viele Bauern sind so arm, dass sie sich keine bezahlten Erntehelfer leisten können. Die Hauptursache für diese Kinderarbeit ist dieselbe wie vor 20 Jahren: Viele Kakaobäuerinnen und -bauern sind so arm, dass sie sich keine bezahlten Erntehelfer leisten können. Kakao wächst in Ghana und der Elfenbeinküste nicht auf großen Plantagen, sondern bei Kleinbauern, die nur zwei, drei Hektar Land besitzen. Sie bauen für sich selbst Getreide und Gemüse an und auf einem Hektar Kakaobäume, um etwas Geld zu verdienen. Doch das Geld, das sie für die rund 500 Kilogramm Kakaobohnen des einen Hektars bekommen, reicht hinten und vorne nicht.
„Eine typische Kakaobauernfamilie in Ghana verdient 155 Euro im Monat“, sagt Schorling. „Das ist die Hälfte dessen, was sie für ein existenzsicherndes Einkommen bräuchten. Dabei wird nur das unbedingt Notwendige angesetzt, um es zu berechnen: Essen, Gesundheitsfürsorge, Kleidung, Schulbildung für die Kinder, eine adäquate Unterkunft sowie Rücklagen für besondere Ereignisse, wie Hochzeiten oder Krankheiten.“
Die Armut der Kakaobauern könnte sofort wirkungsvoll bekämpft werden, wenn die Abnehmer faire Preise zahlen würden, heißt es im Kakaobarometer 2020. Statt derzeit 1450 Euro je Tonne Bohnen müssten die Bauern 2500 Euro bekommen. Übrigens enthalten die 1450 Euro bereits einen Aufschlag von 325 Euro, den die Regierungen von Ghana und Elfenbeinküste im letzten Jahr beschlossen hatten. Sonst würden die Kakaokonzerne noch weniger bezahlen.
Ausmaß und Formen der Kinderarbeit
Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO schuften 800.000 Kinder auf Kakao-Plantagen in der Elfenbeinküste; fast ein Drittel der Kinder zwischen 5 und 17 Jahren. Nach ihren Angaben arbeiten derzeit 1,5 Millionen Kinder in den beiden Ländern zumeist auf den Feldern ihrer Eltern oder Verwandten, etwa 10.000 von ihnen als Opfer von Kinderhandel und Sklaverei fern ihrer Familien. Rund 1,5 Millionen Kinder arbeiten zudem unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Ghana und der Côte d’Ivoire.
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Die schlimmsten Formen der Kinderarbeit definierte die ILO 1999: Zu den schlimmsten Formen zählen Sklaverei, Zwangsarbeit, Kinderhandel, Prostitution, illegale Aktivitäten sowie alle Arbeiten, die die mentale und physische Gesundheit der Kinder gefährden können. Gemeint ist damit, schwere Lasten tragen, mit Pestiziden und Chemikalien hantieren oder in Steinbrüchen und Minen malochen.
Die Kinder müssen schwere Kanister mit hochgiftigen Pestiziden schleppen und damit die Felder gießen. Weil den Kindern oft kein Atemschutz gegeben wird, leiden sie unter Ekzemen im Gesicht, Ausschlägen am ganzen Körper, tränenden Augen. Auch der Umgang mit der Machete ist gefährlich und kann zu schweren Verletzungen führen. Mit der Machete werden die reifen Kakaofrüchte von den Bäumen geschlagen - eine harte Arbeit. Die Früchte werden anschließend in Säcke verladen und zu Sammelstellen geschleppt. Die Säcke wiegen um die 30 Kilo. Selbst für einen Erwachsenen eine schwere Last - für Kinder erst recht.
"Viele Kinder, die sehr viele Stunden in der Woche arbeiten, haben schon von klein auf Rückenschäden", sagt Friedel Hütz-Adams vom Siegburger Forschungsinstitut Südwind und Autor der Studie "Die dunklen Seiten der Schokolade". Oft werden die Kinder für die Knochenarbeit nicht einmal bezahlt, sondern bekommen nur gerade so viel zu essen, dass sie nicht verhungern.
Ein Junge aus Mali berichtete der Kampagne der NGO Earth Link, "Aktiv gegen Kinderarbeit": "Wir schliefen auf dem Boden einer Hütte aus Schlamm und Stroh. Wir durften sie nur zur Arbeit in den Feldern verlassen. Die Arbeitszeiten waren sehr hart, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und manchmal, wenn Vollmond war, sogar bis zehn Uhr abends. Uns wurde Lohn versprochen, aber sie sagten, dass wir erst die Kosten der Reise zurückzahlen müssten. Ich habe mich dort zwei Jahre lang abgerackert, ohne jemals Geld zu bekommen. Kinder, die sich weigerten zu arbeiten, wurden mit dem Motorgurt des Traktors geschlagen oder mit Zigaretten verbrannt."
Kinderhandel und sklavenähnliche Zustände
"Ein Kind kostet 230 Euro." Das sagt ein Kakaobauer aus der Elfenbeinküste in der Dokumentation "Schmutzige Schokolade" des dänischen Filmemachers Miki Mistrati - als ob Kinderhandel das Normalste auf der Welt sei. "Wenn ihr meinem Bruder sagt, wie viele ihr braucht, dann besorgt er sie euch." Der Mann spricht über Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, die aus Mali und anderen Nachbarstaaten entführt werden, um auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste zu arbeiten. Nach Angaben der Organisation Transfair arbeiten 600.000 Minderjährige unter sklavenähnlichen Bedingungen auf den Plantagen des Landes, etwa 12.000 davon kommen aus den Nachbarstaaten Mali, Togo und Burkina Faso.
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Mistratis Reportage "Schmutzige Schokolade" macht deutlich, wie das Geschäft der Menschenhändler funktioniert und wie die Süßwarenkonzerne davon profitieren. Mistrati entlarvt die Behauptung, es handele sich nur um eigene Kinder der Plantagenbesitzer, mit Bildern aus Mali als falsch: Täglich werden entführte Kinder mit Bussen oder Motorrädern aus dem nördlichen Nachbarland der Elfenbeinküste über die Grenze gebracht. Auch ein Menschenhändler kommt in Mistratis Film zu Wort: "Die Plantagenbesitzer geben uns Geld, damit wir die Kinder über die Grenze fahren", gibt er offenherzig zu.
Marktmacht, Preise und Verteilung der Wertschöpfung
Wenige Konzerne kaufen weltweit 5,5 Millionen Kleinbauern Kakaobohnen ab. Drei dieser Konzerne, Barry Callebaut, Cargill und Olam, vermahlen zwei Drittel der weltweiten Kakaoernte zu Kakaomasse. Daraus stellen zahlreiche Firmen Schokolade her. Doch das Institut Südwind hat ermittelt, dass die sechs Konzerne Mars, Mondelez, Nestlé, Ferrero, Meiji und Hershey’s zusammen drei Viertel des weltweiten Schokoladenmarkts kontrollieren. Diese Marktmacht entlang der Lieferkette hat dazu geführt, dass vom durchschnittlichen Preis einer Tafel Schokolade nur sechs Prozent an die Kakaobauern gehen.
„Würde man ihnen doppelt so viel bezahlen, würde die Tafel selbst nur wenige Cent teurer“, rechnet Schorling vor. Das Kakaobarometer 2020 macht am Beispiel des Familienkonzerns Ferrero (Nutella) folgende Rechnung auf: Die Familie schüttete sich 2020 eine Dividende von 642 Millionen Euro aus. Um den geschätzt 90.000 Bauern, die den Kakao für sie anbauen, ein existenzsicherndes Einkommen zu bezahlen, müsste der Konzern 450 Millionen Euro mehr für den Rohstoff ausgeben. Es blieben immer noch 192 Millionen Euro Gewinn für Familie Ferrero übrig - und Nutella müsste nicht teurer werden.
Versprechen, Protokolle und ihr Scheitern
Schon 2001 hatten die großen Kakao-Konzerne mit einem internationalen Protokoll versprochen, die Kinderarbeit zu stoppen. Sie wollten Geld investieren, um Schulen und Krankenstationen zu bauen - sie wollten den Bauern helfen, damit sie Lohnarbeiter einstellen können. Am 19. September gibt es nichts zu feiern. An diesem Tag jährt sich zum 20. Mal das Versprechen der wichtigsten Vertreter der Schokoladenindustrie, Kinderarbeit beim Kakaoanbau bis 2005 zu beenden. Sie haben ihr im sogenannten „Harkin-Engel-Protokoll“ niedergeschriebenes Versprechen nicht gehalten, haben die Frist zuerst verschoben, auf 2008, dann auf 2010 und schließlich in Aussicht gestellt, bis 2020 die Kinderarbeit um 70 Prozent zu verringern. Auch das gelang den Schokoladenkonzernen nicht. Stattdessen hat die Kinderarbeit in Ghana und in der Elfenbeinküste, den beiden wichtigsten Kakaoproduzenten, in den letzten Jahren wieder zugenommen.
Im September 2001 unterzeichnete die Elfenbeinküste das Kakaoprotokoll. Es sollte gewährleisten, dass in der Kakaoproduktion auf Kinderarbeit verzichtet wird. Seitdem sind zwölf Jahre vergangen und trotz vollmundiger Versprechen der Süßwarenindustrie hat sich nichts geändert. Die im Protokoll festgelegten Fristen sind folgenlos verstrichen. Nach wie vor arbeiten Tausende von Kindern auf Kakaoplantagen, anstatt in die Schule zu gehen.
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Welche Rolle spielt Ferrero?
Die Kakaobohnen stammen vorwiegend aus Ghana und der Elfenbeinküste. Ferrero gibt an, dass der in ihren Produkten verwendete Kakao über unabhängig verwaltete Nachhaltigkeitsstandards wie Rainforest Alliance, Cocoa Horizons oder Fairtrade Foundation bezogen wird, wodurch sowohl die Rückverfolgbarkeit als auch die Lebensgrundlage lokaler Gemeinschaften unterstützt werden. Ferrero nimmt in seinen „Verhaltensregeln für Lieferanten“ eindeutig Stellung gegen Kinderarbeit und stützt sich dabei auf ILO-Konventionen.
Bei Ferrero helfen wir Bauern, ihre Lebenssituation zu verbessern. Wir unterstützen sie bei der Einführung nachhaltiger Landwirtschaftspraktiken, um die Kakao-Anbaubedingungen zu verbessern. Wir treten entlang unserer gesamten globalen Lieferkette für Menschenrechte ein und tragen zur Bekämpfung der Kinderarbeit bei. Wir unterstützen die in den Kakaoanbaugemeinden lebenden Kinder durch Zugang zu Bildung, gesunder Ernährung und sauberem Trinkwasser. Unser integrierter Ansatz umfasst Aktivitäten auf der Ebene von Haushalten, Gemeinden, Regionen und ganzen Ländern und wir arbeiten mit wichtigen Partnern zusammen. Wir unterhalten eine langfristige strategische Partnerschaft mit der NGO Save the Children, die uns beim Erreichen unserer Ziele unterstützt. 2021 haben wir diese Partnerschaft erneuert. Von dieser Partnerschaft profitieren über einen Zeitraum von fünf Jahren 90.000 Kinder und Erwachsene in 65 Kakaoanbauregionen in Côte d'Ivoire.
Ferrero ist Gründungsmitglied der CFI (Cocoa & Forests Initiative) und verpflichtet sich, mit anderen führenden globalen Kakao- und Schokoladenunternehmen und mit den Regierungen von Côte d'Ivoire und Ghana zusammenzuarbeiten, um der Abholzung und Zerstörung von Wäldern entlang der globalen Lieferkette von Kakao Einhalt zu gewähren. In ihrem Bericht stellt Ferrero dar, Maßnahmen wie Kartierung von Farmen, Einsatz von Technologie zur Rückverfolgbarkeit und Förderung nachhaltiger Praktiken durch Farmer Field Schools umzusetzen.
Konkrete Maßnahmen und Zahlen von Ferrero
- Seit 2021 verwendet die Ferrero-Gruppe zu 100 Prozent nach Nachhaltigkeitsstandards zertifizierten Kakao.
- Ferrero fördert Projekte in Côte d’Ivoire und Ghana zur Unterstützung von Kakaofarmern durch Ausbildungsmöglichkeiten und die Verbesserung von Infrastruktur- und Arbeitsbedingungen. In Côte d’Ivoire ist Ferrero langjähriger Partner der Kooperativen-Union ECOOKIM, die dort insgesamt mehr als 22.500 Bauern repräsentiert.
- Im Jahr 2019 bezog Ferrero von zirka 12.500 Farmern, die zu ECOOKIM gehörten, Kakaobohnen.
- Ferrero informierte 194.000 Menschen über Kinderrechte und 95.000 Menschen über Zwangsarbeit; Es wurden 101.000 Haushalte und 151.000 Kinder durch Kinderschutzsysteme von Ferrero überwacht und Kindern geholfen, 4.700 offizielle Geburtsurkunden zu erhalten.
- Im Jahr 2021 wurden 19 Schulen gebaut oder renoviert (insgesamt 83 bis 2020/21) und neun Schulkantinen (insgesamt 30 bis 2020/21) ermöglicht; 31.000 Kindern wurden Schulmaterialien zur Verfügung gestellt.
- Village Savings and Loans Associations (VSLA): bis 2020/21 gab es 937 VSLA-Gruppen mit 28.500 Mitgliedern, die 2020/21 zusammen über 1,1 Millionen Euro gespart haben.
Kritik und Grenzen der Unternehmensmaßnahmen
Die Industrie hat lange darauf gesetzt, mit Schulungsprogrammen die Produktivität und damit das Einkommen der Bauern zu steigern. Dadurch sei die Zahl der Kinder, die auf den Feldern mit Pestiziden hantieren, drastisch gestiegen. Gleichzeitig brauchten die Kosten für Pestizide und Dünger eventuelle Mehrerlöse häufig auf. Als wenig hilfreich erwiesen sich auch Zertifizierungen, auf die Konzerne lange setzten. Die Nachhaltigkeitssiegel UTZ und Rainforest Alliance schreiben keine Mindestpreise für Kakao vor. Das Fairtrade-Siegel verbietet Kinderarbeit und schreibt einen Mindestpreis vor, doch der ist nach Ansicht der entwicklungspolitischen Organisationen zu niedrig.
Mehrere Studien zeigen, dass die meisten Fairtrade-zertifizierten Kleinbauern ebenfalls weit unter der Armutsgrenze ihr Dasein fristen. Der Fairtrade-Mindestpreis für Kakao wurde 2019 auf knapp 2000 Euro je Tonne erhöht. Berechnet bei der Verladung im Hafen. Zieht man die Kosten für das Einsammeln, Lagern und Vermarkten ab, würden davon laut Fairtrade International 1700 bis 1800 Euro bei den Bauern ankommen. Dennoch bleibt die Lücke zum existenzsichernden Einkommen groß.
Johannes Schorling lobt an dem Ansatz der International Cocoa Initiative, dass er die örtlichen Gemeinschaften einbeziehe und die Kakaobauern nicht bestrafe, sondern versuche, Lösungen zu finden. Allerdings habe sich damit die Kinderarbeit in den in Studien ausgewerteten Gebieten nur um bis zu 50 Prozent reduzieren lassen. Außerdem erfasse das Monitoring nur ein Viertel der Bauern der Kakao-Lieferketten in Westafrika, meist die besser organisierten.
Alternativen, Vorbilder und Hoffnungsschimmer
Ein positives Gegenbeispiel ist die Dominikanische Republik. Hier ist es gelungen, die Kinderarbeit zurückzudrängen. Rund 400 Euro im Monat verdienen die erwachsenen Männer, die hier auf den Feldern arbeiten. Das Wuppertaler Unternehmen GEPA, das der evangelischen und katholischen Kirche gehört, bezieht seinen Kakao aus der Dominikanischen Republik. Dafür zahle man "faire Preise", sagt Silvia Kurte von GEPA.
Pioniere gibt es: Das Fairhandelshaus Gepa bezieht seit Jahren Bio-Kakao aus Kamerun und Sao Tomé und gibt an, mindestens 2900 Euro für die Tonne zu zahlen. In der Elfenbeinküste produziert die Kooperative SCEB seit Jahren Bio-Kakao, mit dem belgischen Fairtrade-Hersteller Ethiquable als Abnehmer. Fairafric verarbeitet in Ghana die Kakaobohnen von 1400 Bio-Bauern und exportiert die fertigen Schokoladentafeln nach Europa. So bleibt weitaus mehr Wertschöpfung in Ghana.
„Wir wünschen uns viele Bio-Hersteller, die sich in Westafrika für eine Transformation des Kakaosektors engagieren“, sagt Johannes Schorling. Das zeigt: Ansätze wie höhere Rohstoffpreise, regionale Weiterverarbeitung und garantierte Mindestpreise können Wirkung entfalten.
Was muss sich ändern? Politik, Gesetzgebung und Konsumentenverhalten
Um wirklich etwas an den Bedingungen im Kakaohandel zu ändern, müsste neben den Verbrauchern die Politik aktiv werden. Wer Schokolade isst, muss wissen, dass darin Kinderarbeit steckt. Mit einem Lieferkettengesetz sollen Unternehmen verpflichtet werden, Verantwortung zu übernehmen. Freiwilligkeit reicht nicht aus: Das ist auf den Punkt gebracht die Erfahrung aus 20 Jahren Selbstverpflichtung der Schokoladenindustrie zur Abschaffung von Kinderarbeit im Kakaoanbau.
Die Schokoladenindustrie ist ein Beispiel dafür, warum Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen in Deutschland nicht länger auf Freiwilligkeit setzen wollen. Sie fordern von der Bundesregierung jetzt ein Lieferkettengesetz, das Unternehmen zur Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards zwingt und ihnen eine Sorgfaltspflicht auch für Zulieferer abverlangt. Damit sind sie nicht allein: Auch mehrere Firmen wie Mars, Ritter Sport oder Nestlé, die für sich bereits Maßnahmen zur Sorgfaltspflicht getroffen haben, unterstützen die Forderung nach einem Lieferkettengesetz.
Wie Verbraucher verantwortungsvoll wählen können
Auf vielen Verpackungen ist leider nur das Herstellungs- aber nicht das Herkunftsland verzeichnet. Das Herstellungsland ist das Land, in dem die billigen Kakaobohnen zu einem teuren Schokoladenprodukt verarbeitet werden, also etwa die Schweiz oder Belgien. Das Herkunftsland ist hingegen das Land, in dem die Kakaobohnen angebaut und geerntet wurden. Wenn kein Herkunftsland auf der Verpackung steht, kommt der Kakao mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Westafrika.
Gütesiegel können bei der Kaufentscheidung helfen. Rainforest Alliance, UTZ und Fairtrade gehören zu den großen international anerkannten Gütesiegeln. Daneben gibt es weitere vertrauenswürdige Organisationen wie die GEPA, die faire Produkte vertreiben. Sie garantieren einen nachhaltigen Landbau und bessere wirtschaftliche Bedingungen für die Bauern. Das bedeutet unter anderem, dass den Bauern ein Mindestpreis bezahlt wird und dass bessere Gesundheitsbedingungen und mehr Sicherheit bei der Arbeit herrschen.
Doch muss auch klar gesagt werden: Obwohl bei diesen Siegeln stichprobenartig auf Kinderarbeit kontrolliert wird, kann niemand wirklich garantieren, dass keine Kinderarbeit geleistet wurde. Irreführende Siegel gibt es auch: "The Cocoa Plan" ist Nestlés eigenes Siegel. Das entsprechende Logo setzt der Konzern immer öfter auf seine Verpackungen und macht damit Werbung für eine firmeneigene Initiative zur Unterstützung von Kleinbauern. Nestlé zertifiziert sich also selbst.
Zusammenstellung relevanter Fakten (Tabelle)
| Thema | Kernaussage |
|---|---|
| Hauptexportländer Kakao | Elfenbeinküste, Ghana (rund 65% der Produktion) |
| Anzahl Kinder in Kakaoanbau | Schätzungen: 800.000 bis 1,5 Millionen in Ghana und Elfenbeinküste |
| Anteilswert Tafelpreis für Bauern | Etwa 6% des Verbraucherpreises |
| Fairtrade-Mindestpreis (2019) | knapp 2000 Euro/Tonne (Hafen), rund 1700-1800 Euro bei Bauern |
| Benötigter Preis für existenzsicherndes Einkommen | ca. 2500 Euro/Tonne laut Kakaobarometer |
| Ferrero - Anspruch | 100% zertifizierter Kakao seit 2021; Partnerschaften, Projekte und Rückverfolgbarkeit |
Fazit für Verbraucher und Handlungsempfehlungen
Wer bewusst wählen möchte, sollte auf Herkunftsangaben und vertrauenswürdige Siegel achten und sich bewusst machen, dass Fairtrade und Bio-Modelle oft bessere Bedingungen schaffen, aber kein Allheilmittel sind. Höhere Rohstoffpreise, regionale Weiterverarbeitung und gesetzliche Sorgfaltspflichten (Lieferkettengesetz) sind nötig, um die systemische Armut der Kakaobäuerinnen und -bauern zu bekämpfen und dadurch Kinderarbeit nachhaltig zu verringern. Viele Bauern sind mit komplexen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Problemen konfrontiert. Von den zwei Millionen Kakaokleinbauern, die großteils in Westafrika angesiedelt sind, leben viele in Armut, was wiederum die Ursache für andere systembedingte Probleme wie Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Entwaldung ist.
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