Felsenbirne Marmelade – giftig oder essbar
Viele Gartenfreunde fragen sich: Sind die Früchte der Felsenbirne (Amelanchier) giftig oder essbar? Früher dachte man, die Früchte der Felsenbirne seien giftig, heute weiß man es besser. Die Früchte der Felsenbirnen sind nicht giftig, sondern essbar, obwohl das viele Gärtner heute nicht mehr wissen.
Was ist die Felsenbirne und wo wächst sie?
Die Felsenbirne (Amelanchier) gehört, wie auch Äpfel und Birnen, zu den Kernobstgewächsen. Ursprünglich stammt die Gattung der Felsenbirnen aus Nordamerika, ist in Europa aber seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Während die meisten Arten in Nordamerika vorkommen, ist in Mittel- und Südeuropa die Gewöhnliche Felsenbirne beheimatet (Amelanchier ovalis). Viele der bekannten Arten stammen aus Nordamerika. Bei uns wird der Strauch meist als Ziergewächs verwendet. So ist er in vielen Parks, Hecken und Gärten zu finden.
Die Felsenbirne bevorzugt karge, kalkreiche Böden mit steinigen, felsigen Untergrund und ist deshalb in Gebirgen zu finden. Sie ist frosthart und steht am liebsten sonnig auf nährstoffreichem und frischem Boden, gedeiht aber auch unter anderen Bedingungen. Die Felsenbirne ist ein sehr robuster Strauch, der fast überall gedeiht, und nur Schatten und nasse, stark saure Böden nicht mag.
Aussehen, Ernte und Geschmack
Die Blüten und damit die später entstehenden Früchte sitzen als kleine runde Früchte traubig an den Ästen. Die reifen Früchte erkennst du daran, dass sie ab etwa Mitte Juni anfänglich rosa werden und sich allmählich bei voller Reife dunkelblau bis violett färben. Die Früchte erinnern optisch ein wenig an Heidelbeeren und sind etwa ein Zentimeter im Durchmesser.
Der Geschmack der Felsenbirnen erinnert an Heidelbeeren mit einem Hauch von Marzipan bzw. Bittermandel. Sie schmecken süß und saftig und ein bisschen nussig nach Mandeln. Je nach Reifegrad variieren die Aromen: Bei Amelanchier empfehlen einige, die nicht ganz reifen, tiefdunkelvioletten Früchte zu nehmen, statt vollreifer, da diese geschmacklich eher blass sein können.
Lesen Sie auch: Garten Rezept: Felsenbirne Johannisbeere
Inhaltsstoffe und Gesundheitsaspekte
Wie bereits oben beschrieben, enthält die Felsenbirne Flavonoide und Gerbstoffe, die äußerst gesund sind. Weitere Inhaltsstoffe der Früchte sind Vitamin C und Mineralstoffe wie Magnesium, Kalzium und Eisen. Die Früchte liefern viele Vitamine und Mineralstoffe und enthalten einen hohen Anteil an Gerbsäure.
Allerdings enthalten die Blätter und die Samen in den Beeren cyanogene Glykoside, wie sie auch in Apfelkernen in größerer Menge enthalten sind. Cyanogene Glycoside sind in der Tat sehr giftig für Menschen und Tiere. Dieser Stoff schützt die Pflanze vor Fressfeinden. An sich ist dieser Stoff nicht giftig, erst durch das Zerkauen und die Enzyme in der Verdauung wird Blausäure gebildet.
Allerdings sind diese giftigen Stoffe lediglich in den Samen und in den Blättern der Felsenbirne enthalten. Solange die Samen nicht zerkaut werden, besteht aber keine Vergiftungsgefahr. Der Körper kann die Samen nämlich nicht aufspalten, und sie werden unverdaut ausgeschieden - das Gift kann also nicht in den Körper gelangen. Und selbst wenn gelegentlich einige Samen zerkaut werden, reicht die Menge des giftigen Stoffes nicht aus, um einen Menschen zu vergiften.
Die Informationszentrale für Vergiftungen in Bonn stuft die Giftigkeit der Felsenbirne als gering giftig ein. Werden unreife Früchte oder zerkaute Samen roh in großer Menge gegessen, können sie zu Magen-Darm-Beschwerden führen. In Maßen gegessen sind keine Beschwerden zu erwarten. Auch Kinder können die Beeren der Felsenbirne und deren Erzeugnisse essen, die Menge sollte bei frischen Beeren jedoch sehr gering gehalten werden.
Verarbeitung zu Marmelade und Gelee - Rezept & Tipps
Die Felsenbirne eignet sich hervorragend zur Weiterverarbeitung: Marmelade, Gelees, Liköre, Säfte oder Sirup sind klassische Anwendungen. Die Früchte sind vielseitig einsetzbar und liefern durch ihren hohen Pektingehalt häufig genügend Gelierfähigkeit, sodass beim Einkochen oft kaum zusätzlicher Gelierzucker nötig ist.
Lesen Sie auch: Wie viele Kalorien hat mein Marmeladenbrot?
Ein einfaches Rezept: Felsenbirnen und Gelierzucker im Verhältnis 1:1 vermischen, die Früchte abwaschen, mit Gelierzucker in einen großen Kochtopf geben und unter häufigem Rühren zum Kochen bringen. Etwa 8 Minuten bei niedriger bis mittlerer Hitze köcheln lassen, Gelierprobe machen. Die Mischung durch ein großes, feines Sieb drücken, den Saft aufkochen und heiß in vorbereitete Gläser füllen. Nach Angaben auf der Zuckerpackung einkochen und noch heiß in vorbereitete Gläser füllen.
Beim Einkochen verflüchtigt sich die Blausäure; gekocht ist sie nicht mehr nachweisbar. Wenn du die Felsenbirnen also in größerer Menge verarbeiten möchtest, kannst du sie kochen, denn Blausäure verflüchtigt sich beim Kochen und wird ungiftig.
Praktische Verarbeitungshinweise
- Die Birnen einfach abspülen und zerkleinern, dabei weder entkernen noch den kleinen Fruchtansatz entfernen.
- Marmeladegläser und Deckel sehr gründlich reinigen, eventuell auskochen; Gläser auf ein sauberes Küchentuch stellen.
- Die Mischung durch ein Sieb drücken und mit der Rückseite eines Schöpflöffels fest pressen, um möglichst viel Saft zu erhalten.
- Gelierprobe: Ein Tropfen heißer Marmelade auf einem Teller sollte innerhalb von drei Sekunden gelieren.
Sortenwahl und Gartenpraxis
Mit dem Begriff Felsenbirne ist zunächst ein Gattungsname gemeint, unter dem sich bis zu 25 Arten summieren lassen. Folgende wilde Arten sind bei uns des Öfteren anzutreffen: Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii), Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis), Baumfelsenbirne (Amelanchier arborea) und Hängende Felsenbirne (Amelanchier laevis). Diese erreichen Wuchshöhen von 3 bis 6 Metern.
Viele werden als Ziergehölze gepflanzt, da die weiße Blüte und die tolle Herbstfärbung die Pflanze so attraktiv machen. Beliebte Sorten sind unter anderem ‚Ballerina‘, ‚Edelweiß‘, ‚Snowflakes‘ und großfrüchtige Züchtungen wie ‚Prince William‘. Die Sorte ‚Smoky‘ (Amelanchier alnifolia Smoky) ist sehr frosthart und wird für den Erwerbsobstbau genutzt.
Die Felsenbirne stellt keine besonderen Ansprüche an den Standort. Am schönsten gedeihen die Pflanzen in der Vollsonne oder im lichten Schatten. Jeder normale Gartenboden ist für eine Pflanzung geeignet; sie mögen Kalk und kommen mit alkalischem Boden klar. Kompostgabe im Frühjahr erhöht den Ertrag. Die Kupfer-Felsenbirne eignet sich zudem gut als Kübelpflanze, sie ist schnittverträglich und kann hinsichtlich der Größe begrenzt werden.
Lesen Sie auch: Weihnachtsbäckerei: Walnussplätzchen
Geschichten, Erfahrungsberichte und Verwendung
Viele Hobbygärtner berichten, dass sie sehr viel von den schmackhaften Früchtchen genascht haben und keinerlei Probleme bekommen. Mittlerweile ist die Marmelade für manche zum Lieblingsaufstrich geworden. Mich stören in der Marmelade weder die kleinen Kerne noch der Fruchtansatz - beides wird weich.
In Nordamerika gehörten Felsenbirnen bei indigenen Völkern zur allgemeinen Nahrung. Die Früchte können roh oder gekocht genossen werden; aus ihnen lässt sich auch Tee herstellen. Wegen des Marzipanaromas wird die Felsenbirne auch Pralinenbaum genannt. Trocken sind die Früchte als getrocknete Beeren lagerbar und können wie Korinthen verwendet werden.
Serviervorschläge und Rezepte
- Felsenbirnen-Gelee als würzige Alternative zu Preiselbeermarmelade.
- Marmelade pur oder gemischt mit Himbeeren oder Johannisbeeren (Gelierzucker 1:1).
- Getrocknete Felsenbirnen als Zutat in Früchtetee oder Müslis.
- Cocktail: Smash von der Felsenbirne mit Gin, Basilikum und Crémant.
Sicherheitshinweis
Auch wenn die Samen cyanogene Glykoside enthalten, besteht in der üblichen Verwendung (roh in kleinen Mengen oder gekocht als Marmelade/Gelee) kein Risiko. Bei frischen Beeren sollte aus Vorsicht die Menge bei Kindern gering gehalten werden. Bei Unsicherheiten lohnt sich ein Blick auf die Seite der Informationszentrale für Vergiftungen in Bonn.
Zusammenfassend: Felsenbirnen sind essbar, lecker und vielseitig verwendbar. Beim Kochen verflüchtigt sich ggf. vorhandene Blausäure, und roh verzehrt sind die Samen unproblematisch, solange sie nicht zerkaut in großen Mengen aufgenommen werden.
tags: #Felsenbirne #Marmelade #giftig #oder #essbar


