Englischer Pudding: Geschichte, Traditionen und Zubereitung
Englischer Pudding, insbesondere der Christmas Pudding, ist eines der festlichsten und charakteristischsten Gerichte der britischen Küche. Für viele Familien in Großbritannien und Irland ist der Christmas Pudding der Höhepunkt des Weihnachtsessens. Obwohl die Zubereitung sehr zeitintensiv und aufwendig ist, besitzt der Christmas Pudding eine lange Geschichte und wird mit zahlreichen Traditionen verbunden.
Die Geschichte des englischen Puddings
Die Wurzeln des Christmas Puddings liegen bei einem Gericht namens „Plum pottage“. Das bestand aus zerkleinertem Rindfleisch oder Hammel, Zwiebeln und getrockneten Früchten. Angedickt wurde es mit Brotkrumen und verfeinert mit Gewürzen und Wein. Die Konsistenz war dickflüssig und Plum pottage stellte als erster Gang einer Mahlzeit kein Dessert, sondern eine herzhafte Speise dar. Im 16. Jahrhundert wurden Rosinen hinzugefügt und das Fleisch durch Fett ersetzt - das Gericht erhielt damit seinen heutigen Namen „Plumpudding“.
Im Mittelalter wurden „black puddings“ wie Haggis und „white puddings“ auf Getreidebasis unterschieden. Die Herstellung basierte auf der Verwendung von Tierdärmen als Form und Hülle. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Puddingtuch in England eingeführt, sodass Pudding ganzjährig und unabhängig von Schlachtung zubereitet werden konnte. Bis zum 18. Jahrhundert war die Basis jedoch immer Rindertalg, auch bei süßen Varianten.
Süße Puddings wurden in England erst im Viktorianischen Zeitalter richtig populär - mit deutschen Namen wie Kassel Pudding, Kaiser Pudding oder Albert Pudding nach dem Prinzgemahl. Die Namensgebung „Pudding“ stammt ursprünglich vom altfranzösischen bodin („Blutwurst“) und dem lateinischen botulus („Wurst“), wobei das englische Wort pudding zunächst herzhafte Speisen bezeichnete, die in einem Magen eingenäht oder im Tuch gegart wurden.
1858 verwendete Anthony Trollope erstmals den Begriff „Christmas Pudding“, der sich schnell durchsetzte. Während der britischen Kolonialzeit stand der Christmas Pudding als Symbol der Einheit des gesamten britischen Empires. Die Zutaten sollten jede der vielen Kolonien des britischen Reiches repräsentieren.
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In deutschen Haushalten ist der Serviettenkloß als klassische Variante bekannt - ein englischer Pudding, der im Tuch gekocht wird. In Frankreich bezeichnet „pouding“ eine Art Kuchen als Sonderform des süßen „bread pudding“ (Brotpudding).
Traditionen und symbolische Bedeutung
Traditionell wird der Christmas Pudding am sogenannten Stir-up Sunday, also kurz vor dem ersten Advent, zubereitet. Ursprünglich sollte der Pudding aus 13 Zutaten bestehen, um Jesus und die zwölf Apostel darzustellen. Jedes Familienmitglied sollte die Puddingmasse von Osten nach Westen rühren - in Gedenken an die Reise der drei Weisen aus dem Morgenland. Während dieses Rituals dürfen sich die Kinder etwas wünschen.
Eine weitere Tradition besteht darin, eine Silbermünze oder einen Goldring im Teig zu verstecken: Wer diese beim Essen findet, dem ist für das nächste Jahr Wohlstand, Gesundheit, Glück oder eine baldige Hochzeit beschieden. Nach dem langen Reifen kommt der Pudding am 25. Dezember aus der Form, wird mit Brandy begossen und flambiert - oft wird der brennende Pudding in der Dunkelheit feierlich an den Tisch gebracht und mit Applaus begrüßt.
Viele Haushalte besitzen ihr eigenes Rezept für Plumpudding, das teils seit Generationen weitergegeben wird. Es gibt kein einheitliches Rezept, sondern viele Familienrezepte und regionale Besonderheiten. Typische Zutaten sind Trockenfrüchte, Nüsse, Gewürze, Eier, Brotkrumen, Rindernierenfett oder pflanzliches Fett. Seine dunkle Farbe erhält er durch dunklen Zucker, Sirup und die lange Kochzeit.
Unterschiede zwischen Puddingarten
Das englische Wort „pudding“ bezeichnete ursprünglich die runde und knödelartige Form, abgeleitet vom Lateinischen botellus für Wurst. In Großbritannien bezeichnet Pudding ursprünglich ein Gericht aus Brot, Gemüse oder Fleisch, das gekocht oder gedämpft wird. Bekannte Varianten sind Black Pudding (Blutwurst), Yorkshire Pudding (Pfannkuchen), Haggis (Schafsinnereien), Cheese Pudding (herzhafter Brot-Käse-Pudding) und der süße Christmas Pudding.
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- Im deutschen Sprachraum versteht man unter Pudding meist eine Süßspeise, die mit Speisestärke angedickt wird, die traditionell kalt serviert wird.
- Im englischen Sprachraum ist Pudding ein Sammelbegriff für herzhafte wie süße Gerichte im Wasserbad, teils mit Eiermilch als Bindemittel.
- Im 20. Jahrhundert wurden die traditionellen Tücher durch Puddingformen ersetzt.
Zubereitung eines klassischen Christmas Pudding
Typische Zutaten und Vorbereitungen
Für den Christmas Pudding benötigt man Trockenobst (zum Beispiel Sultaninen, Korinthen, Backpflaumen), gewürfelte Äpfel, Orangeat, Zitronat, Mandeln, Zucker, Gewürze (wie Muskatnuss, Ingwer, Mixed Spice), Eier, Sirup, Brotkrumen, Mehl, Brandy oder Rum und oft Rindernierenfett oder als Alternative Butter, Crisco oder Margarine. Die Herstellung des Christmas Pudding ist eigentlich ziemlich einfach, benötigt aber Geduld und Zeit.
| Zutaten | Menge |
|---|---|
| Trockenfrüchte | ca. 250-350 g |
| Äpfel | 1-2 Stück |
| Orangeat & Zitronat | 50-100 g |
| Butter/Crisco/Nierenfett | 100-150 g |
| Brotkrumen | 100 g |
| Mehl | 100 g |
| Eier | 2-3 Stück |
| Gewürze | nach Geschmack |
| Brandy/Rum | 50 ml |
Schritt-für-Schritt-Zubereitung
- Schneide den Apfel in kleine Stücke. Gib ihn und alle getrockneten Früchte in eine Schüssel.
- Schlage Butter (oder anderes Fett) und Zucker schaumig. Gib die Eier dazu, füge Milch, Brandy und Zitronenschale hinzu.
- Siebe das Mehl in einer separaten Schüssel. Gib Salz, Muskatnuss, Ingwer, Mixed Spice und gehackte Mandeln dazu.
- Das Mehlgemisch nun löffelweise unter den Teig heben. Zum Schluss die Früchte unterheben.
- Fülle den Teig in die Puddingformen (z.B. Pudding Basin). Die Schalen mit Backpapier abdecken, mit Alufolie umwickeln.
- Schalen in eine mit Wasser gefüllte Auflaufform stellen. Vier Stunden backen oder dämpfen - zwischendurch Wasser kontrollieren und ggf. auffüllen.
- Für besondere Saftigkeit nach dem Herausnehmen mit einem Schaschlik-Spieß mehrfach einstechen.
- Den fertigen Pudding mit Brandy übergießen, zum Flambieren anzünden.
- Garnieren mit weißer Kuvertüre oder Puderzucker als Dekoration - er wirkt dann wie Schnee auf dunklen Bergen.
Traditionell wird der Christmas Pudding Ende November hergestellt und mehrere Wochen zum Reifen an einen kühlen Ort gestellt. Das sorgt für den unverkennbaren Geschmack. Vor dem Servieren wird er nochmals durch Dämpfen erhitzt und mit Brandybutter, Rumbutter, Limonensahne oder Englischer Creme serviert. Wer es weniger aufwendig mag, kann den Christmas Pudding auch in British Shops fertig zubereitet kaufen.
Familientradition und Bedeutung in der britischen Kultur
Ohne Plumpudding wäre Weihnachten für die Briten überall auf der Insel nicht Weihnachten - auf den äußersten Hebriden ebenso wie an der Küste von Südengland. Die Zubereitung übernimmt in manchen Familien jedes Jahr eine Zeremonie, die Generationen verbindet. Da Familien ihre eigenen Rezepte haben, ist Christmas Pudding auch ein Symbol für Familientradition und Zusammenhalt.
Heute wird der Christmas Pudding ausschließlich in süßer Form genossen und aus Zutaten wie Äpfeln, Rosinen, Eiern, Sirup, Zucker und Mandeln hergestellt. In Großbritannien wird das Dessert nach dem Essen generell als „pudding“ bezeichnet, und der Plum Pudding - der im Übrigen auch Christmas Pudding genannt wird - ist traditioneller Nachtisch zu Weihnachten, Neujahr oder Allerheiligen.
Die flammende Zeremonie und das Verstecken von Gegenständen im Pudding machen ihn nicht nur zu einer kulinarischen, sondern auch zu einer kulturell bedeutenden Festtagsspeise. Da der Pudding sehr lange haltbar ist, werden Reste oftmals für andere besondere Anlässe aufgehoben und serviert.
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Andere Varianten und Rezepte
Neben dem Christmas Pudding gibt es in England eine Vielzahl weiterer Varianten: Sticky Toffee Pudding, Jam Pudding, Chocolate Pudding und herzhafte Puddings wie Steak and Kidney Pudding, Cheese Pudding oder Berkshire Bacon Pudding. Die traditionellen Kochpuddinge enthalten häufig „suet“, Rindernierenfett, das jedoch durch Butter oder Pflanzenfett ersetzt werden kann.
- Yorkshire Pudding ist eher ein Pfannkuchen, der mit Roastbeef serviert wird.
- Pease Pudding ist ein Erbsenpüree aus Nordengland.
- Black Pudding ist eine Blutwurst, White Pudding enthält Hafermehl.
- Haggis ist Lammfleisch und Innereien, im Schafmagen gegart - ebenfalls ein Pudding.
In Deutschland und anderen Ländern hat sich die Bezeichnung „Pudding“ primär für eine süße, meist kalt servierte Milchspeise etabliert, oft mit Stärke als Basis und aromatisiert mit Vanille oder Schokolade. In Großbritannien hingegen bündelt der Begriff eine breite Palette warm servierter Speisen - von süß bis herzhaft, von Festtags- bis Resteverwertungsgericht.
Der englische Pudding ist ein faszinierendes und traditionsreiches Gericht, das kulinarische Besonderheiten, kulturelle Bedeutung und stimmungsvolle Rituale vereint. Die Zubereitung mag zeitaufwendig sein, aber das Ergebnis und die familiäre Tradition machen ihn zu einem besonderen Highlight des Festessens.
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