Eine Leiche zum Dessert: Handlung und Verfügbarkeit der legendären Krimi-Komödie
„Eine Leiche zum Dessert“ („Murder by Death“, 1976) ist eine der berühmtesten Parodien auf das klassische Detektivgenre und zählt bis heute zu den Kultfilmen für Krimifans und Liebhaber schwarzer Komödien. Der Film vereint eine hochkarätige Besetzung, pointierten Humor, schrullige Figuren und spielt zugleich liebevoll und respektlos mit allen Klischees, die das Genre auszeichnen.
Die große Einladung: Die Handlung im Überblick
Die Ausgangslage ist ebenso einfach wie originell: Lionel Twain, ein exzentrischer Milliardär (gespielt vom legendären Truman Capote), lädt die fünf renommiertesten Privatdetektive der Welt in sein abgelegenes Landhaus ein. Der geheimnisvolle Millionär hat die Verbrecherjäger Sidney Wang (Peter Sellers) aus China, Dick Charleston (David Niven) aus New York, Milo Perrier (James Coco) aus Belgien, Jessica Marbles (Elsa Lanchester) aus England und Sam Diamond (Peter Falk) aus San Francisco zu einem Wochenende inklusive Dinner eingeladen.
Begleitet von ihren Assistenten finden sich die Legenden der Kriminalistik - von feinsinnig bis schroff - in einem bizarren Anwesen voller Geheimgänge, blinder Butler und sprechender Statuen wieder. Nach und nach fahren seine Gäste mit ihren Autos vor: das Paar Tess Skeffington und Sam Diamond, Dick Charleston in Begleitung seiner Frau Dora, Sidney Wang mit seinem Adoptivsohn Willie und Milo Perrier mit seinem Chauffeur Marcel sowie Jessica Marbles mit ihrer Krankenschwester.
Als die neugierigen Detektive mitsamt ihren Begleitungen dort eintreffen, werden sie jedoch lediglich von einem blinden Butler (Alec Guinness: britisch trocken, unprätentiös, einmalig) und einer taubstummen Köchin (Nancy Walker) erwartet. Von Twain selbst fehlt zunächst jede Spur - bis er plötzlich am Esstisch auftaucht und seinen verdutzten Gästen den Grund der Einladung verrät: Um Punkt Mitternacht wird ein Mord geschehen, und derjenige, der dieses Verbrechen löst, soll eine Million Dollar kassieren.
Parodie und Hommage: Figuren und Genre-Anspielungen
Allzu große Krimikenntnisse braucht es nicht, um zu sehen, wer hier im Einzelnen so Pate gestanden hat: Charlie Chan, Nick und Nora Charles aus Der dünne Mann, die Agatha-Christie-Helden Hercule Poirot und Miss Marple sowie Sam Spade. Die Gäste sind leicht dechiffrierbar: Der Chinese Wang, den Peter Sellers mit seiner Lust an der Verkleidung zur Karikatur eines englisch (deutsch) radebrechenden Mandarin macht, hat einen Adoptivsohn Nummer 3 aus Japan - wo die Originalfigur einen "Number One Son" hat.
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Das Martini-mit-Olive-schlürfende Millionärspaar Charleston lebt seit zwei Jahren pleite, trifft aber stets auf die britische Art jeden Fauxpas mit Fassung. Sam Diamond aus San Francisco, an Sam Spade erinnernd und von Peter Falk herrlich überzeichnet, bringt seinen ganz eigenen zynischen Charme ein. Jessica Marbles ist klar als Miss-Marple-Kopie zu erkennen, Milo Perrier als Verballhornung von Hercule Poirot.
Bizarre Gags, Dialoge und absurde Situationskomik
Der Butler, den Alec Guinness mit beklatschenswerter Gelassenheit als blinden Tölpel spielt, heißt Jamesir Bensonmum - seine Namensvorstellungen führen zu herrlich-langen Wortspielreihen. Der Film lebt von der Lust, mit der das Ensemble die berühmten Vorbilder parodiert. Besonders im Original entfaltet sich dabei der volle Sprachwitz: Im Haushalt führen ein blinder Butler und eine taubstumme Köchin das Regiment, die konsequent aneinander vorbeiarbeiten. Räume sind mit Menschen gefüllt, die im nächsten Moment einfach verschwinden, überall sind Geheimgänge und absurde Fallen.
Der Verlauf des Abends wird zu einer absurden Zerreißprobe für die Egos der Ermittler. Als die Lichter flackern und die erste Leiche auftaucht, wird schnell klar, dass niemand sicher, jeder verdächtig ist - und das eigentliche Verbrechen noch gar nicht geschehen ist.
Twains wahre Absichten und der Sinn der Detektiv-Parodie
Eine Million Dollar plus Vermarktungsrechte, so lautet der Lohn für denjenigen, der das zu begehende Verbrechen löst. Aber um das Geld geht es Lionel Twain ja gar nicht. Vielmehr will er Anerkennung, will in die Geschichte eingehen als größter Kriminologe der Welt. Seine Motivation: „Ihr Kriminalhelden seid so lange so clever gewesen, dass Ihr Euch inzwischen wie Götter vorkommt. Mit der billigsten Effekthascherei führt Ihr Eure Leser an der Nase herum. Ihr quält sie mit aus den Fingern gesogenen Schlüssen, die keinen Sinn haben. Noch auf den fünf letzten Seiten führt Ihr Charaktere ein, die im ganzen Buch mit keinem Federstrich erwähnt wurden. Bei Ihnen, Mrs. Marbles, gibt es nicht den verstecktesten Hinweis, Informationen werden zurückgehalten, damit nur keiner errät, wer der Täter ist.“
So legt Neil Simon die konstruierte Unlogik klassischer Whodunits offen und macht das absurde Rätsel um Mitternacht zum Spaß für alle, die ausdauernd mitraten wollen - selbst wenn es keine plausible Lösung gibt.
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Stars, Ausstattung und Hintergründe
Wie brillant und pointiert, vor allem aber wie spaßig in „Eine Leiche zum Dessert“ dennoch ein ganzes Genre auseinandergenommen wird, zeigt schon, welche absurd hochkarätige Schauspielprominenz an dem Drehbuch Gefallen fand: Peter Sellers, David Niven und Peter Falk spielen Detektive, Alec Guinness den undurchsichtigen Butler, Maggie Smith und Eileen Brennan sind mit von der Partie, und auch der gefeierte Autor Truman Capote darf als eigenwilliger Gastgeber sein komödiantisches Talent zeigen.
Zwar findet das Geschehen in Anlehnung an „Zehn kleine Negerlein“ fast ausschließlich innerhalb des abgelegenen Anwesens statt, dieses ist dafür bis an die Decke mit oft kuriosen Details gefüllt. Der Film ist nicht darauf aus, eine logische Story zu erzählen, sondern karikiert über 90 Minuten all die Schwächen und Absurditäten des Genres.
| Schauspieler | Rolle | Vorbild im Genre |
|---|---|---|
| Peter Sellers | Sidney Wang | Charlie Chan |
| David Niven | Dick Charleston | Nick Charles |
| James Coco | Milo Perrier | Hercule Poirot |
| Elsa Lanchester | Jessica Marbles | Miss Marple |
| Peter Falk | Sam Diamond | Sam Spade |
| Alec Guinness | Jamesir Bensonmum (Butler) | - |
| Truman Capote | Lionel Twain | - |
Stil und Wirkung: Warum ist „Eine Leiche zum Dessert“ Kult?
Wer gerne Krimis liest, wird sich vielleicht auch schon das eine oder andere Mal über reichlich konstruierte Plots geärgert haben: ein Dutzend Menschen, die alle „zufällig“ am Tatort waren, idiotische Motive, an den Haaren herbeigezogene Tathergänge, fehlende echte Hinweise, nicht nachvollziehbare Schlussfolgerungen - die Liste an literarischen Verbrechen ist lang. Genau deswegen trifft die Parodie bei Kennern und Laien gleichermaßen einen Nerv - am meisten Spaß macht „Eine Leiche zum Dessert“ natürlich, wenn man mit den Vorbildern vertraut ist, aber auch ohne dieses Wissen hat der Film einen enormen Unterhaltungswert.
Starbesetzte Parodie, in der Autor Neil Simon mit viel Gespür Klassiker und Klischees der Kriminalliteratur auf die Schaufel nimmt. Sinnlos, witzig, fantastisch! Jeder Versuch, dem „Fall“ auf die Schliche zu kommen, ist zum fröhlichen Scheitern verurteilt. Die Schauspielerriege nimmt sich nicht ernst, genau so wenig wie der Film sich selbst.
Die grotesk überdrehte Handlung, umgeben von bizarren Gags und begleitet von einigen spitz geschliffenen Dialogen, hat das Zeug zum langen Abend. Auch bald 40 Jahre später gehört die Kultkomödie deshalb zum Pflichtprogramm eines jeden nicht ganz bierernsten Krimifans und zeigt den oft so mäßigen und einfallslosen Filmparodien, wie man es richtig macht. Neil Simon parodiert die Klischees, die zu den jeweiligen Stardetektiven gehören, angesiedelt in einem Setting, das von Film noir über Slapstick bis hin zu augenzwinkernden Anspielungen die gesamte Krimigeschichte in 94 Minuten bündelt.
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Verfügbarkeit: Wo kann man „Eine Leiche zum Dessert“ sehen?
„Eine Leiche zum Dessert“ ist in mehreren deutschsprachigen Synchronfassungen verfügbar. Die Parodie gehört regelmäßig zu Filmreihen und Themenabenden, etwa bei Retrospektiven über Parodien, Krimiliteratur oder Film noir. Immer noch taucht der Film im TV-Programm auf, kann jedoch auch über Streaming-Plattformen, Video-on-Demand-Angebote oder als DVD erworben werden. Besonders aufschlussreich - und für Sprachwitz-Freunde ein Muss - ist das Sehen im englischen Original.
Mit höchstem Wiederschauwert ist dieser Film immer wieder sehenswert - spätestens bei der nächsten Gelegenheit, alle Schuldigen und Motive neu zu sortieren.
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