Dunkle Schokolade und Herzrasen: Ursachen und Zusammenhänge

Viele Menschen erleben nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel Herzklopfen, Herzrasen oder Blutdruckschwankungen. Eine mögliche Ursache dafür könnte eine Histaminintoleranz sein. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen dunkler Schokolade, Histaminintoleranz und Herzrasen, um Betroffenen ein besseres Verständnis der Symptome und mögliche Lösungsansätze zu bieten.

Was ist Histaminintoleranz?

Histamin ist ein wichtiger Botenstoff, der sowohl im Gehirn als auch im Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt. Es vermittelt seine Wirkung auf verschiedene Gewebe über Rezeptoren auf der Oberfläche der Zellmembran. Über H1-Rezeptoren führt Histamin zu einer Erweiterung der kleinen Blutgefäße, wodurch zunächst der Blutdruck absinkt. Als Gegenreaktion schlägt das Herz schneller, um den Blutdruck wieder anzuheben - es kommt zu Herzrasen (Tachykardie). Über H2-Rezeptoren wirkt Histamin direkt auf die Herzmuskelzellen und beeinflusst so die elektrische Erregungsbildung bzw. Erregungsleitung und die Schlagkraft des Herzens.

Allerdings kann Histamin auch zu unerwünschten Wirkungen führen, wenn das Gleichgewicht zwischen der Aufnahme bzw. Bildung und dem Abbau von Histamin gestört ist. Bei einer Histaminintoleranz besteht ein Missverhältnis zwischen dem Histaminangebot und der Fähigkeit des Körpers, Histamin abzubauen. Entweder ist die Aktivität der abbauenden Enzyme Diaminoxidase (DAO) und Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) vermindert, oder es gelangt so viel Histamin in den Körper, dass die Enzyme überfordert sind.

Ursachen der Histaminintoleranz

Es gibt verschiedene Ursachen für eine Histaminintoleranz:

  • Primäre Form: Eine angeborene Störung der DAO oder HNMT. Durch einen Gendefekt ist die Aktivität der Enzyme dauerhaft vermindert. Schätzungen zufolge sind etwa 1-3% der Gesamtbevölkerung von einer angeborenen DAO-Schwäche betroffen, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Etwa 10% der Bevölkerung tragen eine genetische Variante der HNMT, die mit einer verminderten Enzymaktivität einhergeht.
  • Sekundäre Form: Diese entsteht im Laufe des Lebens durch äußere Einflüsse. Dazu zählen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die Einnahme bestimmter Medikamente oder ein Mangel an Enzymen und Co-Faktoren. Die Barrierefunktion der Darmschleimhaut spielt eine wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle bei der Entstehung einer sekundären Histaminintoleranz. Egal wieviel Histamin im Darm vorhanden ist, ist die Darmwand durchlässiger als normal, gelangen vermehrt Histamin und andere potenziell schädliche Stoffe in den Blutkreislauf und haben Histamin-vermittelte Symptome zur Folge.

Es ist wichtig, eine Histaminintoleranz von einer Allergie abzugrenzen. Eine Allergie wird immunologisch durch Immunglobulin E vermittelt, während die Histaminintoleranz andere Auslösemechanismen hat.

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Symptome der Histaminintoleranz

Die Symptome einer Histaminintoleranz können vielfältig sein und verschiedene Organsysteme betreffen. Typische Symptome sind:

  • Herz-Kreislauf-System: Herzstolpern, Herzrasen, Blutdruckschwankungen, Brustdruck, innere Unruhe
  • Magen-Darm-Trakt: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung
  • Haut: Juckreiz, Hautausschlag, Nesselsucht
  • Atemwege: Verstopfte Nase, laufende Nase, Asthma
  • Neurologische Symptome: Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel

Die Beschwerden treten meist kurz nach dem Essen von histaminreichen Lebensmitteln auf und halten einige Stunden an. Aber auch Nahrungsmittel, die selbst wenig Histamin enthalten, können die Freisetzung von körpereigenem Histamin triggern - sogenannte Histaminliberatoren.

Dunkle Schokolade und Histamin

Dunkle Schokolade kann sowohl Histamin enthalten als auch als Histaminliberator wirken. Kakao, der Hauptbestandteil von Schokolade, ist reich an biogenen Aminen, zu denen auch Histamin gehört. Je höher der Kakaoanteil, desto höher ist in der Regel auch der Histamingehalt. Zudem enthält dunkle Schokolade Theobromin, eine Substanz, die die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen fördern kann.

Dunkle Schokolade und Herzrasen

Der Konsum von dunkler Schokolade kann bei Menschen mit Histaminintoleranz Herzrasen auslösen oder verstärken. Dies liegt an der Kombination aus dem Histamingehalt der Schokolade und ihrer Fähigkeit, Histamin freizusetzen. Das freigesetzte Histamin kann dann über die oben genannten Mechanismen zu einer Erhöhung der Herzfrequenz führen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Mensch mit Histaminintoleranz auf dunkle Schokolade mit Herzrasen reagiert. Die individuelle Toleranzgrenze ist unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Aktivität der abbauenden Enzyme, der Menge des konsumierten Histamins und der Sensibilität des Herz-Kreislauf-Systems.

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Diagnose der Histaminintoleranz

Die Diagnose einer Histaminintoleranz kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind und auch andere Ursachen haben können. Eine sorgfältige Anamnese unter Berücksichtigung der Ernährungsgewohnheiten und möglicher Auslöser ist der erste Schritt.

Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:

  • Bestimmung der DAO-Aktivität im Blut: Eine verminderte DAO-Aktivität kann auf eine Histaminintoleranz hinweisen.
  • Histamin-Provokationstest: Hierbei wird dem Patienten eine definierte Menge Histamin verabreicht, um zu beobachten, ob typische Symptome auftreten.
  • Mikrobiomanalyse: einschl. sIgA
  • Ausschluss anderer Erkrankungen: Um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, können weitere Untersuchungen wie Allergietests oder eine Darmspiegelung erforderlich sein.

Behandlung der Histaminintoleranz

Die Behandlung der Histaminintoleranz zielt darauf ab, die Histaminbelastung des Körpers zu reduzieren und die Aktivität der abbauenden Enzyme zu unterstützen.

Wichtige Maßnahmen sind:

  • Histaminarme Ernährung: Vermeidung von Lebensmitteln mit hohem Histamingehalt bzw. Eine histaminarme Ernährung ist gerade in der Akutphase der Grundpfeiler der Therapie. Dazu gehört der Verzicht auf histaminreiche Lebensmittel wie Rotwein, Hartkäse, Salami, Thunfisch und Sauerkraut. Wenn Darm und Co-Faktoren wieder in einem gesunden Gleichgewicht sind, dann wird Ihr in der stabilen Phase Körper widerstandsfähiger gegenüber Lebensmitteln mit Histamin und Histaminliberatoren.
  • Vermeidung von Histaminliberatoren: Reduzierung des Konsums von Lebensmitteln, die die Freisetzung von Histamin fördern.
  • Einnahme von DAO-Enzymen: Gerade, wenn Sie auswärts essen und nicht sicher sein könne, ob Mahlzeiten Histamin oder Histaminliberatoren enthält ist es ratsam 1-2 Kapseln Diaminooxidase ca. 20 Minuten vor der Mahlzeit zu schlucken.
  • Unterstützung der Enzymaktivität: Um die Aktivität der DAO zu unterstützen, kann eine gezielte Zufuhr der Co-Faktoren Vitamin B6, Vitamin C und Kupfer sinnvoll sein. Diese Nährstoffe sind in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten, können aber auch als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B2 und Methionin kann helfen, die Aktivität der HNMT zu optimieren. Gute Vitamin-B2-Lieferanten sind Milchprodukte.
  • Darmsanierung: Gerade bei einer genetischen DAO-Schwäche sind eine gesunde Darmflora und eine intakte Darmbarriere sind wichtig, um die Aufnahme von Histamin zu begrenzen. Präbiotische Ballaststoffe und probiotische Lebensmittel wie Joghurt, Kefir und fermentiertes Gemüse können das Gleichgewicht der Darmbakterien fördern. Auch kann die Einnahme von Probiotika kann gerade in Phasen der Krise sinnvoll sein. Gezielte Zusammenstellung von Probiotika (B. infantis, B.
  • Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Medikamente wie Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren zur Linderung der Symptome eingesetzt werden.

Dunkle Schokolade genießen trotz Histaminintoleranz?

Ob Menschen mit Histaminintoleranz dunkle Schokolade konsumieren können, hängt von ihrer individuellen Toleranzgrenze ab. Einige Betroffene können kleine Mengen dunkler Schokolade mit hohem Kakaoanteil ohne Beschwerden vertragen, während andere vollständig darauf verzichten müssen.

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Es empfiehlt sich, die individuelle Reaktion auf dunkle Schokolade in kleinen Schritten zu testen und die Menge entsprechend anzupassen. Zudem kann die Einnahme von DAO-Enzymen vor dem Verzehr von Schokolade helfen, die Histaminbelastung zu reduzieren.

Weitere Faktoren, die Herzrasen beeinflussen können

Neben Histaminintoleranz und dem Konsum von dunkler Schokolade gibt es noch weitere Faktoren, die Herzrasen verursachen oder verstärken können:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und kann sich als Herzstolpern oder Herzrasen äußern.
  • Stress und psychische Belastung: Stress kann zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen führen, die das Herzrasen verstärken können.
  • Koffein: Koffein, das in Kaffee, Tee und Energy-Drinks enthalten ist, kann ebenfalls Herzrasen auslösen.
  • Alkohol: Alkohol kann die Herzfrequenz erhöhen und Herzrhythmusstörungen begünstigen.
  • Nikotin: Rauchen kann langfristig zu Bluthochdruck und Arterienverkalkung führen und damit Vorhofflimmern begünstigen.
  • Schilddrüsenüberfunktion: Eine Überfunktion der Schilddrüse kann zu einer erhöhten Herzfrequenz führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Herzrasen verursachen.

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