Cadmium in dunkler Schokolade: Gesundheitliche Auswirkungen und gesetzliche Grenzwerte

Cadmium ist ein natürlich vorkommendes Schwermetall, das in vielen Lebensmitteln gefunden wird, einschließlich Schokolade. Es kann von Kakaopflanzen aus dem Boden aufgenommen und in den Bohnen angereichert werden, was zu einer Cadmium-Belastung in Schokolade führen kann. Cadmium gelangt in Schokolade, weil es ein natürliches Element im Boden ist, das von Kakaopflanzen aufgenommen wird.

Woher stammt Cadmium und wie gelangt es in Schokolade?

Cadmium ist ein Schwermetall, das sowohl aus natürlichen Quellen - durch vulkanische Emissionen und durch die Verwitterung von Gestein - als auch aus der Industrie in die Umwelt gelangt. Die Kontamination des Bodens kann natürlichen Ursprungs sein oder durch menschliche Aktivitäten wie Bergbau, Industrie und Landwirtschaft verstärkt werden. Pflanzen auf vulkanischem Gestein sind ein Risiko.

Je höher der Cadmiumgehalt des Bodens, um so höher auch der Cadmiumgehalt in der Kakaobohne. Besonders Edelkakaosorten aus Südamerika weisen häufig erhöhte Cadmiumgehalte auf. Die Ursache für die erhöhte Cadmiumbelastung der südamerikanischen Kakaobohnen sind die naturgemäß hohen Cadmiumgehalte der dortigen vulkanischen Böden, so dass die Kakaopflanze über das Wurzelwerk die Schadstoffe natürlicherweise aufnimmt.

Karte der Cadmium-reichen Kakaoanbaugebiete (Südamerika, Mittelamerika, vulkanische Böden)

Aufnahmepfade und betroffene Lebensmittel

Das Schwermetall wird zu 90 Prozent durch Lebensmittel aufgenommen. Der Rest kommt über die Umgebungsluft und das Trinkwasser. Neben Kakaobohnen zählen auch Wildpilze, Nüsse, Getreide, Algen und einige Gemüsearten zu den pflanzlichen Lebensmitteln mit den stärksten Cadmiumbelastungen. Lebensmittel mit hohen Cadmiumgehalten sind vor allem Innereien, Meeresfrüchte, Wildpilze, Gemüse und Ölsaaten.

Gesundheitliche Auswirkungen bei langfristiger Aufnahme

Die Exposition gegenüber Cadmium kann zu verschiedenen Gesundheitsproblemen führen. Als giftiges Schwermetall kann es die Nierenfunktion beeinträchtigen, zu Knochenbrüchigkeit führen und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Toxikologen betonen das Risiko einer Langzeitexposition, selbst in kleinen Mengen. Akut toxische Wirkungen sind sehr selten. Chronische Vergiftungen äußern sich insbesondere durch Nierenfunktionsstörungen, Wirkungen auf das Gefäßsystem (Blutdruckerhöhung), Blutarmut sowie Wirkungen auf das Knochensystem (Knochenmarkschädigungen, Osteoporose).

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Cadmium kann sich im Körper ansammeln und bei langfristiger und umfangreicher Exposition zu gesundheitlichen Problemen führen. Das toxische Cadmium kann bis zu 30 Jahren im Körper bleiben. Besonders für Kinder kann Cadmium gefährlich sein, da es potenziell den IQ beeinträchtigen und die Entwicklung stören kann.

Risikogruppen und Faktoren, die die Aufnahme erhöhen

  • Vegetarier, Kinder und Raucher können eine höhere Cadmiumaufnahme haben.
  • Personen mit Mineralstoffmangel, besonders Eisen und Calcium, nehmen vermehrt Cadmium auf, weil das Schwermetall die gleichen Transportsysteme verwendet. Aus diesem Grund könnten Frauen im Gegensatz zu Männern mehr mit Cadmium belastet sein, da sie von Eisenmangel eher betroffen seien.
  • Beim Rauchen wird Cadmium zusätzlich aufgenommen.

Grenzwerte und regulatorischer Rahmen

In der Europäischen Union gibt es strenge Vorschriften für den Cadmiumgehalt in Schokolade, um sicherzustellen, dass sie für den Verbrauch sicher ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat auf der Basis einer neuen Risikobewertung die für Verbraucher noch duldbare Aufnahmemenge für das Schwermetall Cadmium abgesenkt. Der neue Wert liegt jetzt bei 2,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht (TWI).

Die VO (EG) Nr. 1881/2006 und die Verordnung (EU) Nr. 488/2014 legen Höchstgehalte für Cadmium in Kakao- und Schokoladenerzeugnissen fest, abhängig von ihrer Gesamtkakaotrockenmasse (GKTM). Obwohl die Verordnung bereits in Kraft ist, gelten die im Anhang für Kakao- und Schokoladenerzeugnisse festgelegten Grenzwerte erst ab dem 01. Januar 2019. Ihre Höhe richtet sich nach der Art des Kakaoerzeugnisses bzw. nach dessen GKTM.

Beispielhafte Höchstgehalte und praktische Bedeutung

Die Grenzwerte für Cadmium in Schokolade werden auf europäischer Ebene vorgegeben und sind abhängig vom Kakaoanteil der Schokolade. Je höher der Kakaoanteil in der Schokolade ist desto höher ist auch der mögliche Anteil an Cadmium. Es gibt gesetzliche Grenzwerte für Cadmium in Schokolade, abhängig vom Kakaoanteil.

Produktkategorie Typische Höchstgehalte (Beispiele)
Bitterschokolade / Edelkakao (≥50% GKTM) Höhere zulässige Werte (z. B. bis 0,8 mg/kg in bestimmten Kategorien)
Milchschokolade (<50% GKTM) Niedrigere zulässige Werte (z. B. 0,3 mg/kg)

Das LGL Bayern untersuchte Proben und fand, dass die Cadmiumgehalte der untersuchten dunklen Schokoladen mit 50 % und mehr GKTM bei 0,041 bis 0,238 mg/kg lagen und damit deutlich unter dem zulässigen Höchstgehalt von 0,8 mg/kg. Von 50 Proben, die direkt in eine der vier Kategorien der VO (EG) Nr. 1881/2006 eingeordnet werden können, würde lediglich eine den ab dem 01.01.2019 geltenden zulässigen Höchstgehalt um ca. 17 % überschreiten. Die Untersuchung zeigt, dass die seit Anfang 2019 geltenden Cadmium-Höchstgehalte größtenteils eingehalten werden, eine Ausschöpfung ist zu ca. 25 bis 50% gegeben.

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Wie viel Schokolade ist unbedenklich?

Eine regelmäßige, höhere Aufnahme als die von der Europäischen Lebensmittelagentur EFSA empfohlenen 2,5 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht kann zu Nierenfunktionsstörungen und -schädigungen, Schädigungen am Knochengewebe sowie Knochenschwund führen. Basierend auf den Richtlinien der EFSA wurde festgestellt, dass für eine Person mit einem Gewicht von 75 kg die empfohlene wöchentliche Cadmiumaufnahme 187,5 Mikrogramm beträgt.

Aus Laborergebnissen ergebe sich, dass wöchentlich eine Tafel zu 100 Gramm jener Schokolade mit dem höchsten Cadmiumgehalt im Test (0,341 mg/kg) verzehrt werden kann, ohne dass spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit durch das Schwermetall zu erwarten seien. Bei einem Test eines spezifischen Dunkelschokoladenprodukts wurde ermittelt, dass diese Menge Cadmium in etwa 3,78 kg der getesteten Schokolade enthalten ist. Dies bedeutet, dass man wöchentlich 3,78 kg dieser Schokolade verzehren müsste, um die maximale empfohlene Cadmiumaufnahme zu erreichen. Für eine Aufnahme von 10% des empfohlenen Cadmiumwerts wäre der Verzehr von 378 g dieser Schokolade erforderlich.

Bei einem regelmäßigen täglichen Verzehr von einer halben Tafel (50 g) Bitterschokolade mit einem Cadmiumgehalt von 0,30 mg/kg würde man allein durch die Schokolade bereits 105 µg Cadmium pro Woche aufnehmen. Der TWI würde dadurch nur durch die Schokolade zu 70 % ausgeschöpft werden. Legt man für die Berechnung einen nach der neuen Regelung immerhin noch zulässigen Cadmium-Gehalt von 0,80 mg/kg zugrunde, so wäre die lebenslang duldbare wöchentliche Aufnahmemenge bereits bei einem täglichen Verzehr von 27 g Bitterschokolade ausgeschöpft - unabhängig von der ohnehin vorhandenen Hintergrundbelastung.

Untersuchungen, Tests und Marktreaktionen

Konsumentenschützer der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich haben nach einem Schokoladetest eine gute Nachricht: Die seit Jahresbeginn geltenden Grenzwerte für Cadmium werden eingehalten. Weil dunkle Schokoladen wegen ihres höheren Kakaogehaltes im Gegensatz zu Milchschokolade auch einen höheren Cadmiumgehalt aufweisen, haben die Konsumentenschützer der AK 18 derartige Produkte im Labor der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersuchen lassen. Das Testergebnis ist erfreulich: Alle Schokoladen haben die erlaubten Cadmiumhöchstgehalte deutlich unterschritten.

Consumer Reports forderte Schokolade-Hersteller wie etwa Hershey und Trader Joe´s, aber auch Lindt und viele andere auf, den Gehalt an Cadmium und Blei in ihren dunklen Schokoladesorten zu senken. Consumer Reports hat in 23 von 28 getesteten Tafeln dunkler Schokolade potenziell schädliche Spiegel von einem dieser beiden Schwermetalle gefunden, in fünf Sorten von beiden. Dieser Bericht führte zu Rechtsstreitigkeiten und Sammelklagen gegen einige Hersteller, etwa gegen Trader Joe´s und Hershey.

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Eine aktuelle Studie (Food Res Int. 2024) untersuchte 155 Schokoladenproben des US-Marktes und fand, dass besonders dunkle Schokoladen mit einem Kakaoanteil von ≥50 % höhere Gehalte an Schwermetallen wie Uran, Thallium, Arsen und Blei sowie essentielle Elemente wie Kupfer und Eisen aufwiesen. Die Studie identifiziert potenzielle Gesundheitsgefahren vor allem für Kinder, da der Gefährdungsquotient (HQ) für Cadmium in vier Proben über dem sicheren Wert lag. Dunkle Schokolade trug jedoch auch erheblich zur täglichen empfohlenen Aufnahme von Kupfer, Eisen, Mangan und Zink bei, was die Resorption toxischer Metalle reduzieren kann.

Experimentelle Analyse: Cadmium-Belastung in Kakaobohnen und Schokolade

Maßnahmen zur Reduktion von Cadmium in Schokolade

Eine Reduktion des Cadmiumgehalts in Schokolade beginnt beim Anbau des Kakaos. Durch Bodenmanagement und den Anbau von Pflanzen, die weniger Cadmium aufnehmen, kann der Gehalt bereits an der Quelle minimiert werden. Die Analyse und das Management von Bodenfaktoren sind unerlässlich, um die Cadmiumaufnahme in Kakaopflanzen zu vermindern. Wichtige Aspekte wie der pH-Wert des Bodens haben direkten Einfluss auf die Verfügbarkeit von Cadmium für die Pflanzenwurzeln.

Die Optimierung der Kakaoproduktion durch Forschung und innovatives Bodenmanagement ist entscheidend, um den Herausforderungen wie Cadmiumkontamination zu begegnen. Forschung im Bereich der Pflanzenzucht zielt darauf ab, Kakaosorten zu entwickeln, die nicht nur ertragreicher sind, sondern auch gegenüber Schwermetallen resistenter. Speziell Wissenschaftler arbeiten an genetischen Studien, um Sorten zu identifizieren, die eine verminderte Cadmiumaufnahme aufweisen.

Im Herstellungsprozess selbst müssen die Hersteller sicherstellen, dass die Verfahren nicht zur Kontamination oder Qualitätseinbußen führen. Maschinen und Anlagen werden regelmäßig gereinigt und gewartet. Schokoladen-Hersteller arbeiten eng mit Organisationen wie der National Confectioners Association zusammen, um sicherzustellen, dass die Bohnen die EU-Regulationen erfüllen.

Tipps für Verbraucher

  • Informiert Euch über die Herkunft Eurer Schokolade und die Qualität der Kakaobohnen. Kakao aus bestimmten Regionen (z. B. Mittel- und Südamerika mit vulkanischen Böden) kann höhere Cadmiumgehalte aufweisen.
  • Genuss in Maßen: Täglich darf Bitterschokolade bis etwa 27 Gramm verzehrt werden, so Lebensmittelchemikerin Ursula Blum; Genuss ja, aber in Maßen und nicht in Massen.
  • Fragt beim Hersteller nach Analysen oder Herkunftsangaben, wenn Ihr regelmäßige Mengen dunkler Schokolade konsumiert.
  • Besondere Vorsicht bei Kindern, Schwangeren, Vegetariern und Personen mit Eisen- oder Calcium-Mangel.

Unsere Auffassung: Cadmium kann in Schokolade vorhanden sein, aber die Menge ist in der Regel gering und liegt innerhalb der von Gesundheitsbehörden festgelegten Grenzwerte. Ein signifikanter Konsum wäre erforderlich, um die empfohlenen Grenzen zu überschreiten. Dennoch ist bei moderatem Konsum unwahrscheinlich, dass Schokolade ein Gesundheitsrisiko darstellt.

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