Dubai-Schokolade Hype: Hintergründe und Ursachen

Stundenlanges Anstehen für 150 Gramm Schokolade - so geschehen in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und zuletzt Hamburg. Dabei geht es nicht um irgendeine Schokolade, es geht um die sogenannte Dubai‑Schokolade.

Was ist die Dubai‑Schokolade?

Dubai‑Schokolade ist Schokolade, die mit Pistaziencreme und Kadaifi (Teigfäden, die man vom türkischen Gebäck Baklava kennt) gefüllt ist. Die Zutatenliste ist also relativ überschaubar: Neben der Pistaziencreme und den dünnen Teigfäden ist häufig noch Sesam‑Mus (Tahini) sowie Vollmilchschokolade enthalten. Die Kombination des Fadenteigs und der Pistazien‑Creme verleiht der Schokolade beim Aufbrechen ihr besonderes Aussehen. Das wird auch in den entsprechenden Medien regelrecht zelebriert.

Dubai‑Schokolade mit Pistazien und Kadayif

Ursprung und Erfinderin

Die Erfindung der Dubai‑Schokolade wird Sarah Hamouda zugeschrieben, sie ist die Inhaberin des Unternehmens "Fix Dessert Chocolatier" in Dubai. Die Idee kam ihr während ihrer zweiten Schwangerschaft, als sie nichts fand, das ihren Heißhunger stillte. Sie entschied sich, sich selbst etwas auszudenken. Die Dubai‑Schokolade war geboren. 2022 war Markteinführung.

Die Schokolade des Originals wird vom Schweizer Hersteller Max Felchlin AG produziert. Die Schokolade des Originals wird vom Schweizer Hersteller Max Felchlin AG produziert. Die originale Dubai‑Schokolade gibt es nur in Dubai an wenigen Orten zu kaufen: über Deliveroo in Dubai und Abu Dhabi, am offiziellen FIX‑Stand im Duty Free des Dubai International Airport Terminal 3, in den Minibars des Jumeirah Marsa Al Arab Resorts und bei besonderen Veranstaltungen.

Wie wurde aus einer lokalen Delikatesse ein globaler Hype?

Weltweit bekannt wurde die Schokolade durch mehrere virale Videos auf den Sozialen Medien. Über Social Media hat sich die Schokolade - gefüllt mit Pistaziencreme und Kadayif - wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Plattform machte die Schokolade berühmt. Die Food‑ und ASMR‑Influencerin Maria Vehera entdeckte die Dubai‑Schokolade für sich, aß sie in einem Video und trat damit einen riesigen Hype los. Auf dem deutschen Markt machte aber nicht Maria Vehera die Dubai‑Schokolade bekannt, sondern die Food‑Influencerin Kiki Aweimer. Sie brachte die Dubai‑Schokolade im April 2024 nach Deutschland und eröffnete zur Verteilung sogar einen Online‑Shop.

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Soziale Medien wirken dabei als Katalysator. Innerhalb weniger Tage erreiche ein Trend weltweit Konsumenten, "die immer auf der Suche nach dem nächsten großen Genusserlebnis sind". "Ohne Social Media wäre dieser rasante Erfolg undenkbar", so der Marktforscher Tim Gensheimer. Menschen filmen sich dabei, wie sie die Packungen in Kleinstarbeit auseinanderfriemeln oder ungeduldig zerreisen, um an die Schokolade zu gelangen. Wenn die dann noch ordentlich knackt und cruncht, kann man sich vieler Likes sicher sein.

ASMR‑Unboxing Dubai‑Schokolade

Psychologie des Hypes: FOMO, Exklusivität und Status

Der Hype um die Dubai‑Schokolade bedient sich einem einfachen Marketing‑Prinzip: FOMO - Fear of Missing Out (Angst, etwas zu verpassen). Das FOMO‑Prinzip ist - wie die Dubai‑Schokolade - eigentlich nichts Neues, wurde aber durch Social Media verstärkt. Wenn ein Produkt schwer zu bekommen ist, wollen es plötzlich alle haben. Der limitierte Zugang erzeugt Begehrlichkeit und Dringlichkeit. Ein hoher Preis steigert sogar das exklusive Erlebnis und verleiht dem Produkt zusätzlichen Status. Für bestimmte Konsumentengruppen spielt der Preis eine untergeordnete Rolle; im Gegenteil: Ein hoher Preis steigert das exklusive Erlebnis und verleiht dem Produkt zusätzlichen Status.

Gerade Influencer*innen inszenieren die Schokolade wie ein edles Accessoire. Hinzu kommt der kulturelle Appeal: Für viele Menschen steht Dubai für Luxus, Glanz und Social Status. Diese Schokolade bringt all das in handlichem Snackformat auf den Tisch.

Marketing, Verfügbarkeit und Nachahmerprodukte

Der Markt mit der exotischen Schokolade boomt und ist im Grunde ein ausgeklügelter Marketingtrick. Inzwischen sind weitere Unternehmen auf den Trend aufgesprungen und vermarkten hierzulande Alternativen z.B. in Supermärkten. Im Herbst 2024 sind dann Supermärkte und Discounter auf den Trend aufgesprungen. Mittlerweile haben auch große Marken wie Lindt eine eigene Variante der Dubai‑Schokolade herausgebracht und verkaufen den "Porsche unter den Schokoladen" nun für stolze 14,99 Euro in wechselnden deutschen Großstädten. Die Beliebtheit der Süßigkeit hat zudem zu einer verstärkten Nachfrage nach Pistazienprodukten geführt.

Die Produkte in den Supermärkten haben oft nichts mit der richtigen Dubai‑Schokolade zu tun. Der Markt wurde binnen kürzester Zeit mit Produkten geflutet, die anfangs den Namen Dubai‑Schokolade trugen. Denn es gibt für die Schokolade aus Dubai keine geschützte Ursprungsbezeichnung (DOP). So löste der Trend eine Flut an Trittbrettfahrenden aus. In Deutschland gab es zahlreiche Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ bei Süßwaren nutzten. Ein Gerichtsurteil und Abmahnungen führten zu Diskussionen darüber, ob nur in Dubai hergestellte Produkte den Namen verwenden dürfen. Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie sieht die Bezeichnung als Gattungsbegriff, andere Gerichte entschieden restriktiver.

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Kritik: Preis, Qualität und Verbraucherschutz

Die geschickt vermarktete Schokolade hat ihren Preis - um die 15 Euro kostet das begehrte Stück. Und an diesen Kosten setzt die Kritik der Verbraucherschützer an. Die Pistaziencreme ist die Zutat, die bei der Herstellung am meisten kostet. Darum ist es wichtig genau hinzusehen, wie viel davon tatsächlich in der Tafel steckt. Günstigere Cremes haben oft einen niedrigeren Pistazienanteil und enthalten einen hohen Anteil pflanzlicher Öle. Daher empfiehlt es sich auch, zu schauen, wie viel Pistazie in einer Creme wirklich drinsteckt.

Negativschlagzeilen tun ihr Übriges: Lebensmittelüberwachungen fanden in einigen Proben den Einsatz von Palmöl an Stelle von Kakaobutter, herstellungsbedingte Verunreinigungen und nicht deklarierte Zutaten wie Sesam. In Baden‑Württemberg waren von acht Proben mehrere beanstandet: Einsatz von Palmöl stellte Verbrauchertäuschung dar, Proben enthielten herstellungsbedingte Verunreinigungen und nicht deklarierter Sesam wurde nachgewiesen. Fast alle untersuchten Proben enthielten zudem künstliche Farbstoffe, die einen höheren Anteil an hochwertigen Zutaten vortäuschten.

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg wies auf das Problem von Schimmel in Pistazienprodukten hin: Mykotoxine, die von Schimmelpilzen produziert werden, können sehr gefährlich für Menschen sein. Im Import müssen Proben vorher untersucht werden, damit Pistazien überhaupt nach Europa eingeführt werden können.

Nachhaltigkeit und Rohstoffprobleme

Bei den ganzen Trends stellt sich die Frage, was der steigende Pistazien‑Konsum für die Umwelt bedeutet. Pistazien sind ein klassisches Importgut z.B. aus dem Iran, Kalifornien, Spanien oder der Türkei. Die Nachfrage weltweit ist groß und steigend; dies verlangt nach mehr Anbauflächen. Pistazienbäume benötigen viel Wasser; die Bewässerungsmenge an den Anbauorten übertrifft sogar die der wasserintensiven Kulturen von Avocados und Mandeln. Im Iran wird hierfür auch das Grundwasser abgepumpt, was zu Wasserkrisen führt. Hinzu kommt der Anbau als Monokultur, der Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden sowie die langen Transportwege.

Dadurch bekommt die leckere Pistaziencreme der überteuerten Dubai‑Schokolade einen weiteren, wahrlich bitteren Beigeschmack.

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DIY: Dubai‑Schokolade selber machen

Doch warum teuer kaufen, wenn man die Schokolade auch selbst herstellen kann? Inzwischen kursieren unzählige Rezepte im Internet und YouTuber erklären Schritt für Schritt, wie man die Schokolade selbst kreiert. Wer also nicht warten möchte und günstiger in den Genuss kommen möchte, findet passende Anleitungen. Für die Füllung benötigt man zerkleinertes Engelshaar (Kadayif‑Fäden z.B. aus türkischen Lebensmittelläden), das mit Butter oder Öl in einer Pfanne geröstet wird, Pistazien‑Creme und Tahini. Um dem Original‑Geschmack möglichst nahe zu kommen, empfiehlt sich Edelvollmischschokolade zu verwenden.

Geschmack, Kalorien und gesundheitliche Einordnung

Die Zufuhr an Kalorien, Zucker und Fetten unterscheidet sich bei dieser Schokoladenvariante nicht groß von anderen Süßwaren. Die Delikatesse mag schmecken, ist aber leider auch eine Kalorienbombe: Der 200‑Gramm‑Riegel „Can't Get Knafeh Of It“ von FIX kommt mit 992 Kalorien und 60 Gramm Fett einher. Pistaziencreme kann generell gesunde Fette und Proteine enthalten, wobei die Dubai‑Schokolade häufig nicht mehr als 10 Prozent davon enthält. Die in Fett gebratenen Teigfäden sind eher ungesund. Dunkle Schokolade mit einem Kakaoanteil von über 85 % gilt hingegen als gesünder - in Studien zeigt der regelmäßige Verzehr u.a. positive Effekte auf den Cholesterinspiegel.

Ökonomische und kulturelle Effekte

Die Beliebtheit des Produkts hat sogar Auswirkungen auf den Tourismus: Einige Besucher:innen sehen den Erwerb einer Dubai‑Schokolade als Bestandteil ihres Dubai‑Erlebnisses. Die Dubai‑Schokolade stärkt den Ruf Dubais als Reiseziel für einzigartige, hochwertige Erlebnisse. Manche sehen sie sogar als Teil der modernen kulturellen Identität Dubais. Zugleich hat der Trend den Markt global verändert: Mittlerweile gibt es fast alles in einer Dubai‑Geschmacksrichtung - von Kuchen über Croissants bis zu Milkshakes und Eiscreme.

Hält der Hype an?

Ob sich der Hype auf Dauer halten kann, bleibt abzuwarten. Entscheidend für die Nachhaltigkeit des Trends werde sein, ob das Geschmackserlebnis die hohen Erwartungen erfüllt, so Tim Gensheimer. Sein Fazit: "Solange der Reiz der Exklusivität und das Gefühl, Teil eines besonderen Trends zu sein, bestehen bleiben, dürfte die Nachfrage anhalten - auch wenn die Preise im Laufe der Zeit sinken könnten." Andererseits zeigen Untersuchungen und Verbraucherstudien Anzeichen für Hype‑Müdigkeit: Eine Trendstudie ergab, dass 60 Prozent der Befragten nicht nochmal Dubai‑Schokolade kaufen wollen. Negativschlagzeilen und Qualitätsmängel könnten dem Trend zudem einen weiteren Dämpfer verpassen. Der Hersteller Lindt hat den Preis für seine Variante bereits reduziert.

Kurze Fakten‑Tabelle

Aspekt Kurzbeschreibung
Hauptzutaten Vollmilchschokolade, Pistaziencreme, Kadaifi (Engelshaar), Tahini
Ursprung Manufaktur FIX Dessert Chocolatier, Dubai (Erfinderin: Sarah Hamouda)
Viralitätstreiber Social Media, Influencer, ASMR‑Videos, FOMO
Hauptkritik Hoher Preis, unklare Pistazienanteile, Lebensmittelkontroll‑Beanstandungen, Nachhaltigkeitsprobleme
Kalorien Beispiel: 200 g Riegel ≈ 992 kcal

Die Dubai‑Schokolade ist damit sowohl ein Produkt des Zeitgeistes als auch ein Lehrstück moderner Konsumkultur: Ein handwerklich hergestelltes Produkt, viral gemacht durch Social Media, multipliziert durch Nachahmer und Marktmechanismen - mit ökonomischen, ökologischen und gesundheitlichen Fragestellungen, die über das süße Vergnügen hinausweisen.

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