Dubai-Schokolade Hype: Hintergründe und Verfügbarkeit
Menschen stehen stundenlang Schlange, im Internet wird sie zu absurden Preisen gehandelt: Der Hype um die Dubai-Schokolade ist riesig. Wer da nicht mitmacht oder noch nichts davon gehört hat, kann nur schwer verstehen, dass Menschen sich so verhalten, nur um eine bestimmte Schokoladensorte zu ergattern. Es ist erstaunlich, wie schnell wir uns von Social Media einwickeln lassen.
Was ist die Dubai-Schokolade?
Dubai-Schokolade ist Schokolade, die mit Pistaziencreme und Kadaifi gefüllt ist. Die Füllung besteht aus geröstetem und gehacktem Kadaifi („Engelshaar“), gehackten Pistazien bzw. Als Schokolade wird meist Vollmilchschokolade verwendet, alternativ Bitterschokolade. „Can’t Get Knafeh of It“ wurde 2021 von Sarah Hamouda, der Gründerin von Fix Dessert Chocolatier, in Dubai entwickelt. Die Dubai-Schokolade erlebte 2024 und Anfang 2025 einen Hype in den sozialen Medien.
Ursprung und Hersteller
Die Schokolade selbst, wie der Name bereits verrät, kommt aus Dubai. Hier vertreibt die Manufaktur namens "Fix Dessert Chocolatier" die Tafeln. Unternehmensgründerin Sarah Hamouda gilt als Erfinderin der Pistazien-Kreation. Die Idee kam ihr während ihrer zweiten Schwangerschaft, als sie nichts fand, das ihren Heißhunger stillte. Sie entschied sich, sich selbst etwas auszudenken. Die Dubai-Schokolade war geboren. 2022 war Markteinführung.
Die originale Dubai-Schokolade gibt es nur in Dubai an wenigen Orten zu kaufen. Es gibt keine autorisierten Vertriebshändler:innen oder Wiederverkaufende, keinen Laden und auch keine FIX-Franchises in einem anderen Land als Dubai. Die Marke postet regelmäßig Hinweise auf ihren sozialen Kanälen, in denen sie daran erinnert, dass die offiziellen Produkte nur über Deliveroo in Dubai und Abu Dhabi, am offiziellen FIX-Stand im Duty Free des Dubai International Airport Terminal 3, in den Minibars des Jumeirah Marsa Al Arab Resorts und immer dann, wenn besondere Veranstaltungen auf den offiziellen FIX-Kanälen angekündigt werden, erhältlich sind.
Warum der Hype? Soziologische und marketingtechnische Gründe
Ein Produkt hat nicht nur einen Gebrauchswert, sondern darüber hinaus auch symbolischen Wert. Die wenigsten Menschen essen Schokolade, um einfach nur satt zu werden. Die Dubai‑Schokolade klingt nach Luxus, nach Exotik, nach einem Hauch von "1001 Nacht". Dubai steht für Glitzer und Glamour, aber auch für Gangster und Geldwäsche.
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Vier Buchstaben fassen den Hype perfekt zusammen: FOMO - die "Fear of Missing Out" (zu Deutsch: Angst, etwas zu verpassen). Es genügt, wenn ein paar Influencer ihre glamourösen Unboxing-Videos posten, und schon fühlen sich alle, als ob sie etwas verpassen, wenn sie diese Schokolade nicht besitzen. Die Schokolade wird zum Statussymbol: "Schaut her, ich habe eine, ich war der Erste!"
Marktforscher: Konsumenten sehnen sich nach "exklusiven Genussmomenten". Für diese Zielgruppen - oft Konsumpioniere - spielt der Preis eine untergeordnete Rolle. Ein hoher Preis steigert sogar das exklusive Erlebnis und verleiht dem Produkt zusätzlichen Status. Soziale Medien wirken dabei als Katalysator. Innerhalb weniger Tage erreiche ein Trend weltweit Konsumenten, "die immer auf der Suche nach dem nächsten großen Genusserlebnis sind". "Ohne Social Media wäre dieser rasante Erfolg undenkbar", so Tim Gensheimer, Markt- und Sozialforscher am SINUS-Institut.
Verbreitung, Nachahmer und Markenanmeldungen
Der Markt wurde binnen kürzester Zeit mit Produkten geflutet, die anfangs den Namen Dubai‑Schokolade trugen. Im Internet tauchten Copycat-Produkte und fast identische Verpackungen auf; man muss wirklich genau hinsehen um die Namen FEX und FOX (statt FIX) zu erkennen. Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt gab es in Deutschland zum Stand 4. Dezember 2024 insgesamt 19 aktive Markenanmeldungen, die den Begriff „Dubai“ im Zusammenhang mit Süßwaren umfassen. In Europa wurden mehr als 30 ähnliche Markenanmeldungen für Schokolade registriert.
Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie ist der Meinung, dass als „Dubai‑Schokolade“ bezeichnete Schokoladenerzeugnisse auf der ganzen Welt hergestellt werden dürfen. Trotzdem mahnte ein Importeur im Dezember 2024 andere Hersteller ab, da deren Dubai‑Schokolade nicht in Dubai produziert wird. Trotz der Abmahnungen vertreiben zahlreiche Hersteller weiter unter der Bezeichnung Dubai‑Schokolade.
Gerichtliche Entscheidungen und rechtliche Lage
Schokoladenhersteller, die bis vor kurzem noch auf den Dubai‑Hype aufgesprungen waren, werden bei ihren Werbemaßnahmen wohl künftig zurückhaltender sein. Ein Grund hierfür dürfte das jüngste Urteil des Oberlandesgerichts Köln (OLG Köln) sein, das in vier Parallelverfahren klargestellt hat, dass „Dubai‑Schokolade“ eine einfache geografische Herkunftsangabe im Sinne von § 126 Abs. 1 MarkenG bleibt und sich (noch) nicht zu einer bloßen Gattungsbezeichnung gewandelt hat (Urteil vom 27.06.2025 - 6 U 52/25).
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Das OLG Köln hat sehr deutlich gemacht: Wird das betreffende Produkt weder in Dubai hergestellt noch dort wesentlich veredelt, führt die Bezeichnung „Dubai‑Schokolade“ zur Irreführung. Verpackungselemente wie die Skyline von Dubai oder englische Claims verstärken laut Gericht diese Fehlvorstellung. Schon wenn 15 bis 20 Prozent der Verbraucher mit dem Begriff „Dubai‑Schokolade“ eine konkrete geografische Herkunft verbinden, bleibe der Schutz der Herkunftsbezeichnung bestehen. Alle Urteile aus den betreffenden Verfahren gelten künftig für gleichartige Fälle als richtungsweisend und bindend, bis ein Hauptsacheverfahren anderes ergibt.
Für Schokoladenhersteller und -händler bedeutet das: Wollen sie weiterhin mit dem Label „Dubai“ werben, müssen sie das Produkt in Dubai fertigen lassen, die Ware mit einem klaren, gut sichtbaren Herkunftshinweis versehen und die Lieferkette dokumentieren. Ansonsten gilt es, rasch auf Bezeichnungen wie „Dubai Style“ oder gänzlich neue Marken auszuweichen und sämtliche visuelle Dubai‑Anspielungen zu entfernen. Ohne solche Maßnahmen drohen einstweilige Verfügungen, Rückruf‑ und Abmahnkosten sowie Ordnungsgelder.
Qualitäts- und Sicherheitsprobleme bei Importen
In Deutschland führte die Lebensmittelüberwachung in Baden‑Württemberg im Dezember 2024 eine Untersuchung von acht Proben „Dubai‑Schokolade“ durch: Fünf Proben waren unterschiedliche Chargen eines Herstellers aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), drei stammten von verschiedenen Produzenten aus der Türkei. Bei einer Stichprobe von acht Schokoladeprodukten, die als Dubai‑Schokolade beworben wurden, sind bei einer Untersuchung alle durchgefallen.
| Problem | Feststellung |
|---|---|
| Palmöl statt Kakaobutter | VAE‑Proben enthielten Palmöl, damit sind es keine Schokoladen im gesetzlichen Sinne |
| Unangegebene Allergene | In drei Proben aus der Türkei wurde Sesam nachgewiesen, ohne Deklaration |
| Künstliche Farbstoffe | Fast alle Proben enthielten Farbstoffe, die hochwertige Zutaten vortäuschten |
| Mykotoxine / Schimmel | Hohe Anteile an Aflatoxinen in Pistazienfüllungen, Gesundheitsrisiko |
| Glycidyl‑Fettsäureester | In einigen Proben fast doppelt so hoher Wert wie erlaubt |
„Von Betrug bis Gesundheitsschädlichkeit wurde in den ersten Importproben von 'Dubai‑Schokolade' alles gefunden. Das ist so nicht akzeptabel", sagte Verbraucherminister Peter Hauk (CDU). Für Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg war ein Schimmelfund in den Pistazienprodukten keine Überraschung. "Das größte Problem in Bezug auf Gesundheit sind natürlich eine mögliche Belastung durch Salmonellen oder im Besonderen durch Mykotoxine, die von Schimmelpilzen produziert werden und die sehr gefährlich für Menschen sind." Die Waren dürfen bis zur endgültigen Ergebnisermittlung nicht verkauft werden.
Verbraucherreaktionen, Preisentwicklung und Verfügbarkeit
Im Herbst vergangenen Jahres sind dann Supermärkte und Discounter auf den Trend aufgesprungen. Und auch der Schokoladenhersteller Lindt hat Mitte November eine eigene Dubai‑Schokolade lanciert - für rund 15 Euro pro Tafel. Das führte zu langen Schlangen vor Filialen in Hamburg, Berlin oder Stuttgart. Stundenlanges Anstehen für 150 Gramm Schokolade - so geschehen in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und zuletzt Hamburg.
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Markensoziologe Oliver Errichiello erkennt, "dass sozusagen jede Tankstelle inzwischen Dubai‑Schokolade anbietet. Ich glaube, man darf sich nicht einbilden, dass bei Hype Logik eine Rolle spielt." Das Augsburger Institut für Generationenforschung ermittelte in seiner Trendstudie, dass 60 Prozent der Befragten nicht nochmal Dubai‑Schokolade kaufen wollen. Lindt hat den Preis mittlerweile um ein Drittel reduziert. Vereinzelt gibt es noch Dubai‑Schokoladen in Supermärkten und Discountern zu kaufen.
Mittlerweile gibt es fast alles in einer Dubai‑Geschmacksrichtung: In Bäckereien gibt es Dubai Style Kuchen, Croissants und sogar Milkshakes. Namhafte internationale Schokoladenmarken wie Lindt, Godiva und Galaxy sind ebenfalls mit von der Partie. Auf dem europäischen Festland wurden Copycat‑Produkte angeboten; günstig sind sie dennoch nicht.
Original vs. Kopien: Geschmack und Qualität
Die Produkte in den Supermärkten haben nichts mit richtiger Dubai‑Schokolade zu tun. Im Gegensatz zu vielen europäischen Produkten - Champagner, Parmigiano Reggiano, Kalamata‑Oliven - gibt es für die Schokolade aus Dubai keine geschützte Ursprungsbezeichnung (DOP). In vielen Fällen enthalten Nachahmungen geringeren Pistazienanteil und einen hohen Anteil pflanzlicher Öle.
Ich habe mich schließlich entschieden, das Original zu probieren: die “Can't Get Knafeh Of It” von FIX, die tatsächlich in Dubai produziert wird. Als ich die sakura‑rosafarbene Folie öffnete, knackte die Tafel, die Süße der cremigen Pistazienpaste und das überraschende Knacken des irgendwie immer noch knusprigen Knafehs führten zu meiner Einsicht, dass die Influencer:innen vielleicht doch ein wenig Recht hatten. Dennoch habe ich auch zahlreiche Copycat‑Produkte getestet und festgestellt, dass einige Versionen qualitativ stark abweichen.
Nachhaltigkeit, Gesundheit und Kritik
Die Delikatesse mag schmecken, ist aber leider auch eine Kalorienbombe: Der 200‑Gramm‑Riegel “Can't Get Knafeh Of It” von FIX kommt mit sage und schreibe 992 Kalorien und 60 Gramm Fett einher. Die Frage nach fair gehandelten Produkten und die Vertrauenswürdigkeit von Fair‑Trade‑Siegeln wird lauter.
Ein weiterer Kritikpunkt sind mögliche gesundheitliche Risiken durch mangelhafte Kontrolle bei Importen: Die Schimmelpilze könnten zu Leberschäden führen oder ein höheres Risiko für Krebs ergeben. Für Sesam‑Allergiker sind nicht deklarierte Zutaten gefährlich. Verbraucherschutzbehörden haben deshalb Sonderprogramme gestartet, um angebotene Dubai‑Schokolade genauer unter die Lupe zu nehmen.
Wie und wo bekommt man echte Dubai‑Schokolade?
Die originale Dubai‑Schokolade von FIX ist an wenigen offiziellen Verkaufsstellen in Dubai erhältlich: Deliveroo‑Lieferungen (zweimal täglich), der offizielle FIX‑Stand im Duty Free des Dubai International Airport Terminal 3, Minibars in ausgewählten Luxushotels und bei besonderen Veranstaltungen. Hamouda hat von Kund:innen gehört, die extra Wecker stellen und Bots entwickeln, um die nur zweimal täglich stattfindenden Deliveroo‑Lieferungen nicht zu verpassen; und sogar von Leuten, die nur für die Schokolade nach Dubai fliegen.
Auf dem europäischen Festland sind die meisten als "Dubai‑Schokolade" angebotenen Produkte eher „Dubai Style“ oder Nachahmungen; echte, in Dubai produzierte FIX‑Riegel sind hier kaum regulär verfügbar. Wer wirklich das Original möchte, kommt um eine Bestellung in Dubai oder einen Kauf vor Ort kaum herum.
Fazit zu Verfügbarkeit und Zukunft des Trends
Ob der Hype weiter wachsen wird oder das Ende bereits erreicht ist, bleibt abzuwarten. Negativschlagzeilen und Lebensmittelkontrollen haben dem Trend zugesetzt. Markensoziologe Oliver Errichiello meint: "Jetzt, wo ohnehin dieser Hype seinen Höhepunkt erreicht hatte, glaube ich, dass das vielleicht nochmal so der letzte Todesstoß ist für eine Neuigkeit, die ohnehin jetzt mehr oder weniger langsam ausläuft".
Gleichzeitig hat die Dubai‑Schokolade eine Spur in der Konsumkultur hinterlassen: Sie zeigt, wie Social Media, Exklusivität und FOMO Trends befeuern, und wie schnell Nachahmer den Markt überschwemmen können. Für Konsument:innen heißt das: Genau hinschauen bei Herkunftsangaben, Zutatenlisten und rechtlicher Kennzeichnung - und bei Bedarf lieber das Original direkt vor Ort erwerben.
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