Die Geschichte und Herstellung der Dresdner Marzipan Dominosteine

Kaum eine andere Süßigkeit verkörpert die Weihnachtszeit in Deutschland so sehr wie der Dresdner Dominostein. Ursprünglich als erschwingliche "Notpraline" entwickelt, wurde er im Laufe der Zeit zur feinen, mehrschichtigen Spezialität mit Marzipan, die besonders in Sachsen und ganz Deutschland mit Weihnachten untrennbar verbunden ist.

Historische Werbung für Dresdner Dominosteine

Der Ursprung: Erfinder Herbert Wendler und die Geburtsstunde des Dominosteins

Erfunden hat den Dominostein der Dresdner Chocolatier Herbert Wendler (1912-1998) im Jahre 1936. Wendler gründete seine Pralinenmanufaktur bereits 1933, nachdem er seine Lehre bei „Riedel & Engelmann“ in Dresden abgeschlossen hatte. Ursprünglich Hersteller von Luxuspralinen, war Herbert Wendlers Ziel, eine Praline zu schaffen, die sich jeder leisten kann. Mit nur 24 Jahren entwickelte er eine günstige Alternative zu den damals sehr teuren Pralinen.

Der Dominostein besteht traditionell aus mehreren Schichten: brauner Lebkuchen als Boden, darauf Kirschsaftgelee und eine Schicht hochwertigen Marzipans. Zum Schluss wird alles mit Schokolade überzogen. Der Name der Praline wurde dabei vom beliebten Dominospiel entlehnt.

Schichtaufbau eines traditionellen Dominosteins (Lebkuchen, Gelee, Marzipan, Schokolade)

Dominosteine im Krieg und Nachkriegsdeutschland: Vom Festgebäck zur „Notpraline“

In den Zeiten der Lebensmittelknappheit während des Zweiten Weltkriegs erfreute sich der Dominostein großer Beliebtheit und wurde als „Notpraline“ oder „Kriegspraline“ bekannt. Die Zutaten für feine Schokoladenpralinen waren damals knapp und teuer. Wendlers Dominostein, der aus günstigeren Rohstoffen mehrfach geschichtet wurde, bot vielen Menschen einen Hauch von Luxus. Selbst Soldaten führten die nahrhaften Würfel als Proviant mit sich.

Auch im privaten Umfeld brachte der Dominostein mit seiner Kombination aus schlichteren, aber dennoch edlen Zutaten weihnachtliche Freude - selbst in Hungerjahren. Durch die Möglichkeit, diesen kleinen Luxus in Massen zu produzieren, wurde der Dominostein bald fester Bestandteil auf den Weihnachtstellern, nicht nur in Dresden, sondern in ganz Deutschland.

Lesen Sie auch: Marzipan-Stollen nach Dresdner Art

Herstellung und Geschichte der Dresdner Dominosteine

Die Entwicklung nach 1945 und die Rolle der Firma Dr. Quendt

Nach dem Krieg war Wendlers Firma zunächst zerstört. Doch ab 1952 nahm er in Dresden-Klotzsche die Produktion wieder auf, bis sein Betrieb 1972 verstaatlicht wurde. Der Betrieb wurde in den volkseigenen Betrieb „VEB Rubro“ und später in die „VEB Elite Dauerbackwaren“ eingegliedert. Mit der politischen Wende 1990 erhielt Wendler seinen Betrieb zurück, musste aber 1996 Insolvenz anmelden. Das Originalrezept sowie die Produktionsmittel wurden dann von der Dr. Quendt Backwaren GmbH übernommen.

Seit 1999 laufen die Dominosteine dort vom Band. Dr. Hartmut Quendt, ebenfalls ein begeisterter Lebensmitteltechnologe, brachte eine eigene Spezialmaschine ein und baute die Produktion in den Folgejahren systematisch aus. Heute gehört Dr. Quendt sowohl mit Christstollen als auch mit Dominosteinen zu den umsatzstärksten Weihnachtsbäckereien Deutschlands. 2014 übernahm die Aachener Lambertz-Gruppe die mittlerweile bekannte Marke.

Moderne Produktionslinie für Dresdner Dominosteine bei Dr. Quendt

Was ist das Besondere am Original Dresdner Dominostein?

Das Dresdner Original ist heute als sächsische Spezialität eingetragen und deutschlandweit sowie international beliebt. Entscheidend ist der Qualitätsanspruch: Statt einfacher Marmelade kommt in die Originalrezeptur Kirschsaftgelee, und bei den „feinsten Dominosteinen“ wird auf Marzipan aus Mandelkernen gesetzt, nicht auf das preiswertere Persipan aus Aprikosenkernen. Die Lebkuchenschicht entsteht aus aufwendig hergestelltem Lagerteig, der mehrere Wochen bis Monate ruht, bevor er weiterverarbeitet wird. Das begründet die besondere Konsistenz und das Aroma.

Komponente Herstellungsmerkmal
Lebkuchen Traditioneller Lagerteig, aus Eiern, Zucker, Mehl, Kakao, Gewürzen und Hirschhornsalz
Gelee Klassisch Kirschgelee aus Sauerkirschen (seltener Aprikosen, niemals einfaches Apfelgelee)
Marzipan Nur echtes Marzipan aus Mandelkernen, nicht Persipan (Qualitätsmerkmal)
Schokolade Zartbitterkuvertüre für die herbe Note
Klassische Zutaten für den Dresdner Dominostein: Marzipan, Lebkuchen, Kirschgelee, Schokolade

Herstellung: Dresdner Marzipan Dominosteine selbst backen

Dominosteine selber machen ist gar nicht so schwer wie vielleicht vermutet. Die einzelnen Schichten werden im Folgenden genauer erklärt:

Lebkuchenschicht

  • Eier und Zucker schaumig schlagen.
  • Mehl, Kakaopulver, Hirschhornsalz, Lebkuchengewürz und Salz mischen, zugeben und alles vermengen.
  • Die Masse in eine Form geben und bei ca. 170° C Umluft etwa 15 Minuten backen, dann abkühlen lassen und Ränder abschneiden.

Fruchtschicht (Kirschgelee)

  • Gelatine in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken und zusammen mit 380 ml Kirschkonfitüre (ohne Stücke) und 100 ml Wasser vorsichtig erhitzen.
  • Masse ohne Kochen auflösen und auf die vorbereitete Lebkuchenschicht geben. Mindestens 5 Stunden kaltstellen.

Marzipanschicht

  • Rohmarzipan mit gesiebtem Puderzucker und ggf. 1 TL Rum verkneten und auf die Geleeschicht ausrollen.

Fertigstellung

  • Alles abdecken und nochmals kühlen (1 Stunde).
  • Schokolade im Wasserbad schmelzen.
  • Die festgewordene Platte in kleine Würfel schneiden und in Schokolade tauchen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Herstellung der Dominosteine

Markenvielfalt und regionale Variationen

Der Name „Feinste Dominosteine“ ist heute geschützt. So dürfen die süßen Würfel nur heißen, wenn sie mit echtem Marzipan gefüllt sind. „Feine Dominosteine“ enthalten hingegen auch Persipan. Neben dem Dresdner Original gibt es inzwischen zahlreiche andere Hersteller und Varianten, etwa mit weißer Schokolade oder Aprikosengelee. Jede Backstube hat ihr eigenes Rezept, wobei die feinen Dresdner Dominosteine besonders hohen Ansprüchen genügen müssen.

Lesen Sie auch: Rezept für Dresdner Lebkuchen Konfekt

Sortimentsvielfalt: Dominosteine mit Zartbitter, Vollmilch oder weißer Schokolade

Die Rolle im heutigen Weihnachtsbrauchtum

Vor 87 Jahren erfunden, gehört der Dominostein heute zu jedem wohlsortierten Weihnachtsteller. Die unschlagbare Kombination aus Lebkuchen und Marzipan mit feinem Fruchtgelee und Schokoladenguss weckt bei Jung und Alt Weihnachtsstimmung. Ob einzeln beim Bäcker gekauft oder in großen Packungen zur Adventszeit - Dominosteine stehen inzwischen auf Augenhöhe mit traditionellen Weihnachtsgebäcken wie Christstollen oder Printen.

Weihnachtsteller mit Dresdner Dominosteinen

Die feinsten Marzipan-Dominosteine von Dr. Quendt werden weiterhin nur nach dem geheimen Originalrezept von Herbert Wendler hergestellt und enthalten hohe Anteile an Marzipan, Kirschgelee und Zartbitterschokolade. Die Marzipanschicht zeichnet sich durch einen besonders intensiven Mandelgeschmack und eine feine Bittermandelnote aus. So bleibt der Dresdner Dominostein ein süßes Stück Weihnachtstradition, das Innovation, Handwerkskunst und Genuss zusammenführt.

Tradition und Genuss: Dresdner Dominosteine im Weihnachtsalltag
Historischer Blick auf Dresden und die Schokoladenindustrie um 1930

Lesen Sie auch: Lebkuchen Spitzen selber machen

tags: #Dresdner #Marzipan #Dominosteine #Geschichte #und #Herstellung

Populäre Artikel: