Udo Honig, FC Bayern München, Betrug: Hintergründe und mediale Aufarbeitung
Uli Hoeneß steht im Zentrum eines öffentlichen Debattenfeldes, das juristische, mediale und persönliche Facetten vereint. Der Ex-Präsident des Fußball-Rekordmeisters war am 13. März 2014 wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Dreieinhalb Jahre, so viel Haft gab es für 28,5 Millionen Euro hinterzogene Steuern.
In seiner Abschiedsrede vor den Bayern-Mitgliedern im Mai 2014 sagte Hoeneß: "Es werden fünf Bücher über mich geschrieben, alle diese Leute haben mit mir kein Wort gewechselt. Es wird nicht darum gehen, dass man informieren will, nein, man will Kohle verdienen - und das ist frevelhaft." An keinem Buch hat irgendein Hoeneß mitgewirkt, auch die ZDF-Doku neulich stieß auf beinahe subtilen Widerstand: Bis zwei Tage vor dem Sendetermin war unklar, ob der Film umgeschnitten werden muss, weil die DFL, der Dachverband der Profiklubs, die mündlich zugesicherten Lizenzrechte an TV-Bildern plötzlich nur gegen Vorlage einer Einverständniserklärung des FC Bayern herausgeben wollte. Um ein paar TV-Bilder geht es dabei wohl nicht - eher um die Deutungshoheit der Person Hoeneß.
Persönliche Situation und Umfeld
"Ich habe den Eindruck, dass er seinen Frieden gefunden hat", sagte Rummenigge. "Ich habe den Eindruck, er fühlt sich wohl", fand Rummenigge. Er meinte, dass für den früheren Nationalspieler das Gefühl am schlimmsten gewesen sei, dass ihm seine Würde genommen wurde. "Einige alte Kämpfer, die mit ihm die Fußball-Karriere bestritten haben, und gute Freunde haben ihn auch besucht da drüben." An der Säbener Straße hatte Hoeneß Anfang des Jahres sein altes Büro bezogen, jüngst war er bei einem U19-Spiel der Bayern in Mainz erstmal wieder auf einer Tribüne zu sehen.
Die mediale Aufarbeitung: Doku-Drama und Satire
In eigener Sache hat sich Hoeneß, 63, bisher noch nicht geäußert, dafür haben eine Menge anderer Leute sich über ihn den Kopf zerbrochen. Neulich erst ließ das ZDF eine ganze Batterie von Experten aufmarschieren, 26 an der Zahl, die im Doku-Drama Der Patriarch Aufstieg und Fall des Uli H. erklärten. Vom Metzgerssohn aus Ulm zum Steuersünder vom Tegernsee, da wurde nichts ausgelassen.
Die Udo Honig Story (Regie: Uwe Janson/Buch: Janson, David Ungureit) geht an diesem Dienstag um 20.15 Uhr bei Sat.1 auf Sendung. Die "Udo Honig Story" lebt von den Schauspielern: Hannes Jaenicke als Franz Kaiser (links) und Uwe Ochsenknecht als Udo Honig. Die Dreharbeiten zu der Komödie legten zwar an einem Sonntag im vergangenen März einmal kurz den Münchner Marienplatz lahm, weil die Film-Crew auf dem Rathausbalkon drehen durfte. Ansonsten sucht man echte Schauplätze, die Säbener Straße oder die Arena, aber vergeblich. Sowohl Hoeneß selbst als auch der Verein haben an der Vermarktung des Kriminalfalles durch Dritte kein Interesse.
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Udo Honig setzt an, wo Der Patriarch aufhört: nach dem Urteil, beim Haftantritt. Der Film - gar nicht so unlustig wie das Vorhaben befürchten ließ - geht den harten Stoff spielerisch an, in einer fiktiven JVA mit Wärtern in Fantasieuniformen und Häftlingen mit Rückennummern auf dem Knast-Kittel (Honig trägt die Zehn des Spielmachers). Auch diesem Film liegt die Annahme zugrunde, Hoeneß alias Honig sei ein Mensch, der glaubt, die einzige Bezugsgröße in seinem Handeln sei er selbst. Ihm kann keiner.
Entsprechend arrangiert sich Udo Honig mit dem Leben im Knast und macht auch dort Karriere. Die Auseinandersetzung mit seinem fehlerhaften Handeln, der Steuerhinterziehung, liefern die Therapiestunden mit der Knast-Psychologin, die sich seiner Einflussnahme zu entziehen versucht. Da werden schon mal ein paar ernste Wahrheiten gelassen ausgesprochen, sie gehören zu den besseren Momenten des Film - wie auch Uwe Ochsenknecht als honigsüßer Hoeneß. Er ist dem Original fast erschreckend ähnlich, im Profil könnte es auch der hinein montierte echte Hoeneß sein.
Schauspielerische Besetzung und Wirkung
Die Lebensversicherung des Sat.1-Films ist ohnehin seine Besetzung. Heiner Lauterbach als Gefängnisdirektor, Hannes Jaenicke als Franz Kaiser (Beckenbauer) oder Wolfgang Fierek als Paul Greitner (Breitner) spielen mit viel Lust und so souverän, dass man dem Drehbuch fast die peinliche Verballhornung der Namen durchgehen lassen möchte. Ochsenknecht macht seine Sache als Uli-Hoeneß-Verschnitt bestens und sieht dank nach vorne geschobenem Kinn und angefutterten Extra-Kilos dem Original erstaunlich ähnlich. Auch Nebenrollen wie Honigs Zellennachbar Stefan (Max von Thun), Direktor Moser oder Knastfiesling Alex (Martin Feifel) sind genau gezeichnet und hervorragend besetzt - ebenso wie die Figur von Honigs Ehefrau Marion (Gisela Schneeberger), die ihren Mann aus den Klauen der Spielsucht befreien will.
Hannes Jaenicke gibt den solariumgebräunten und süffisant arroganten Beckenbauer-Verschnitt Franz Kaiser. Wie spielt man den Kaiser Franz wenn man gar nicht bairisch spricht? Schauspieler Hannes Jaenicke hat für seine Rolle in einem Satirefilm über Uli Hoeneß unzählige Youtube-Videos angeschaut - und "den VHS-Kurs Giesingerisch" belegt. Ein Anruf beim Dreh.
Kritische Bewertungen und Publikumsreaktionen
"Wir haben einen neuen Spielstand. Honig: 28 Millionen - Deutschland: 0": Mit diesen Worten wird der verurteilte Fußballmanager Udo Honig im Knast von seinen Mitinsassen begrüßt. Die Uli-Hoeneß-Satire auf Sat.1 fängt gut an. Doch trotz amüsanter Einfälle und guter Besetzung enttäuscht "Die Udo Honig Story" leider. Denn die Satire bleibt unter ihren Möglichkeiten - und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen sorgt sie für sehr viel weniger echte Lacher, als man annehmen könnte. Zum anderen wirkt der Film ziemlich zusammengeschustert und streckenweise wie eine lose Aneinanderreihung von Episoden. Es scheint, als wollte Sat.1 unbedingt Hoeneß' gesamtes Leben als Rückblenden in den 90-Minüter packen.
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Trotz amüsanter Einfälle dieser Art bleibt "Die Udo Honig Story" aber größtenteils ziemlich langweilig. Weder kommt rechte Spannung auf, noch fiebert man mit den Charakteren richtig mit. Auch das Ende wirkt halbgar und unbefriedigend. Es scheint, als wurde die Satire mit zu heißer Nadel gestrickt - vielleicht, weil man dem ZDF-Doku-Drama "Uli Hoeneß - Der Patriarch" zuvorkommen wollte. Das schaffte Sat.1 allerdings nicht: Der Film im Zweiten wurde bereits Ende August ausgestrahlt.
Schadenfreude und ethische Fragen
Das Lachen kann schon mal im Hals stecken bleiben, wenn Udo Honig in der Knasthierarchie nur langsam aufsteigt, verprügelt und geschnitten wird. Der Film bleibt dicht dran an der Wirklichkeit. Der Tod seines Hundes, den Hoeneß über alles liebte, wird ebenso verarbeitet wie die Indiskretionen, die es über die Gefängnismauern direkt in die Boulevardblättern geschafft haben. Einige Szenen sind traurig, andere ein bisschen zu voyeuristisch neben den vielen, deutlich fiktiven Spielszenen. Als sollte das Publikum eben doch den echten Hoeneß im Knast erleben dürfen und nicht den falschen Honig - mit der Schadenfreude als einkalkuliertem Reflex.
Denn bei aller Witzigkeit: Natürlich ist auch die Satire eine Charakterstudie, die nur vom Ende her gedacht ist - der Steuerfall als logische Konsequenz eines Lebens im Machtrausch. Der Porträtierte und sein Kreis sehen das freilich ganz anders: Für sie ist es nur der eine Ausrutscher in einem ansonsten tadellosen Leben. Gerade Hoeneß hat mit seinem während der Gerichtsverhandlung vorgetragen Mantra, "kein schlechter Mensch" zu sein, die Einmaligkeit seiner Verfehlung herauszuarbeiten versucht. Jetzt, in der Rückschau, wird die Gier zu seinem einzigen, bestimmenden Wesenszug, ob dokumentarisch im ZDF belegt oder satirisch auf Sat.1 angedeutet.
Widersprüche und Deutungshoheit
Die Udo Honig Story löst diesen Widerspruch ebenso wenig auf wie die ZDF-Doku. Menschen, die Hoeneß gut kennen, solche, die ihn schon einmal gesehen haben, und solche, deren Namen Hoeneß selbst noch nie gehört hat, wechselten sich vor der Kamera ab und lieferten ein Psychogramm wenig überraschenden Inhalts: Da hat einer geglaubt, er könne alles und jeden kontrollieren, um dann vom Landgericht München ein bisschen Zeit des Erwachens geschenkt zu bekommen. Für viele Beobachter bleibt die Frage: Wie lässt sich das Lebenswerk eines einflussreichen Vereinsfunktionärs angemessen bewerten, wenn Gerichtsurteil, öffentliche Debatten und Unterhaltung gleichzeitig um Deutungshoheit ringen?
| Aspekt | Inhalt |
|---|---|
| Urteil | Verurteilung wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Mio. Euro, 3,5 Jahre Haft |
| Mediale Formen | ZDF-Doku "Der Patriarch", Sat.1-Satire "Die Udo Honig Story" |
| Reaktion des Umfelds | Rummenigge: Eindruck, dass Hoeneß Frieden gefunden hat; Verein weigert sich, Vermarktung zu unterstützen |
| Kritik an Satire | Unter ihren Möglichkeiten, Flickenteppich aus Rückblenden, weniger Lacher als erwartet |
Niemand aus dem Kreis der Familie Hoeneß, auch niemand aus dem engen Kreis des FC Bayern hat an der ZDF-Doku mitgewirkt, ebenso wenig wie am zweiten Film, der auf der Steuersache Hoeneß basiert. Für den Umgang mit dem Fall bleibt damit die Frage offen, wer das letzte Wort hat: die Gerichte, die Chronisten, die Satiriker oder die Betroffenen selbst.
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