Die Torte ist weg! – Bedeutung, Herkunft und vielseitiger Einsatz des Bilderbuch-Klassikers

Kinder werden dieses Buch lieben! Sie können darin nämlich nicht nur einer Torte nachjagen, die vor Herrn und Frau Hunds Augen geklaut wurde, sondern auch herausfinden, warum das Hasenkind ständig plärrt oder wieso das Chamäleon einen roten Hintern hat. Oder weshalb das elfte Entlein auf Abwege geraten ist. Mit jeder Seite steigt die Spannung!

Cover und Personen der Geschichte

Herkunft und Entstehung des Buches „Die Torte ist weg!“

Der niederländische Illustrator Thé Tjong-Khing hat „Die Torte ist weg!“ ganz ohne Text konzipiert und es macht einen Riesenspaß, die vielen Details, die er darin versteckt hat, zu entdecken! Ganz ohne Worte erzählt der in Indonesien geborene und in den Niederlanden lebende Illustrator Thé Tjong-Khing parallel zahlreiche, in sich geschlossene Geschichten, die sich mit allerlei Turbulenzen im Wald abspielen. Er bettet seine Geschichte in gewaltige Landschaften ein, wobei sich der letzte zu nehmende Hügel sogar als friedlicher Dinosaurier entpuppt. Diese Landschaften werden durchzogen von Wegen auf welchen wiederum die Charaktere in "Umblätterrichtung" ihrem Ziel zustreben, um dann alle gemeinsam auf einem großen Platz zu feiern.

Das Bilderbuch „Die Torte ist weg!“ von Thé Tjong-Khing eignet sich für das literarische Lernen ganz besonders. Es gibt in diesem Buch nämlich keine Buchstaben und Sätze, sondern einfach nur Bilder, und zwar solche, die auf wundersame Weise eine Vielzahl von Geschichten erzählen.

Thé Tjong-Khing bei der Illustration und Elemente aus „Die Torte ist weg!“

Inhalt und Bedeutung: Die Handlung und ihre Besonderheiten

Auf der ersten Seite des Buches klauen zwei freche Mäuse eine Torte. Frau Hund hat eine leckere Torte gebacken, die darauf wartet, von ihr und Herrn Hund verspeist zu werden. Aber bevor es dazu kommt, muss Herr Hund noch ein bisschen im Garten arbeiten. Plötzlich kommen zwei Ratten aus dem Wald und stehlen die Torte. Was für eine Frechheit! Sofort nehmen Herr und Frau Hund die Verfolgung auf. Und nicht nur die beiden haben ein Problem. Mama Gans geht ein Küken verloren, die Hasenmama bekommt ihr Kleines nicht beruhigt und Mama und Papa Schwein suchen verzweifelt ihr Kind.

Charakter Konflikt/Handlungsstrang
Herr und Frau Hund Verlust der Torte / Verfolgung der Diebe
Mama Gans & Küken Verlorenes Entenkind
Hasenfamilie Weinendes Hasenkind
Schweinefamilie Verschwundenes Ferkel
Chamäleon Bekommt roten Po

Im nahe gelegenen Wald lauern bereits zwei dunkle Gestalten, die es auf die Torte abgesehen haben. Und schon beginnt eine spannende Verfolgungsjagd, die ganz ohne Text auskommt. Kann denn die Torte noch gerettet werden? Entsetzt schreit Frau Hund auf, als sie die beiden Kuchenräuber-Ratten auf ihre Torte zustürzen sieht und Herr Hund kann nur noch tatenlos zusehen.

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Szene: Die Torte wird gestohlen, Beginn der Verfolgungsjagd

Auf ihrer Verfolgungsjagd verlieren Herr und Frau Hund Harke und Schlappen, die den ausgelassenen Affen als Spielzeug dienen. Frau Katze wird der stattliche Hut geklaut, die kickenden Frösche verärgern den Kater und Klein Schwein ist verschwunden. Während Frau Katze, sich die Nase haltend, ihrem Hut hinterher eilt, holt sich das Chamäleon einen roten Popo, weil es auf einer frisch gestrichenen Bank ausgeruht hat.

Nur die Ratten, die bisher keine Ruhe hatten, ihre Beute anzurühren, nutzen dieses Unglück und nehmen einen großen Bissen aus der Torte. Letztendlich wird das kleine Schweinchen vom Storch aufgefangen, die Affen zanken sich um die erbeuteten Stücke, das Chamäleon trifft seine Angebetete und die Ratten werden überwältigt. Beim Anblick der Kätzin ist der Kater so verzückt, dass er den ganzen Ärger um den Fußball schlagartig vergisst. Das Hasenkind ist glücklich, weil es sein Schmusetier in den Armen hält. Unter den ärgerlichen Blicken der gefesselten Tortendiebe bekommen alle am Ende ein Stück Torte ab.

Bilderbuch-Erlebnis: „Die Torte ist weg!“ - Entdecken & Erzählen

Bedeutung und Verständnis: Warum fasziniert „Die Torte ist weg!“ so sehr?

Das detektivische Verfolgen der einzelnen Figuren in ihren individuellen, gut strukturierten Geschichten macht dieses ausgefallene Buch einzigartig und spannend. Es schult das Auge, ist sprachfördernd und ist absolut unterhaltsam - und das für beinahe jede Altersgruppe. Wie Kinder mit Büchern umgehen, hängt in hohem Masse von ihren bisherigen Erfahrungen ab. Die Geschichten an sich sind aber nicht ausschließlich an die Schrift gebunden. Das heißt, dass auch Kinder, die in schriftfernen Familien aufwuchsen, denen nicht erzählt oder vorgelesen wurde, dennoch narrative Strukturen oder zumindest narrative Elemente kennen (Figurenkonstellationen, Handlungsmuster, Motive), sie haben sich diese im Laufe ihrer Kindheit zum Teil mit Hilfe von audiovisuellen Medien angeeignet (Fernsehen, Kino, Hörkassetten).

Hier können Bilderbücher Brücken schlagen. Reich illustrierte Geschichten bieten Kindern die Möglichkeit, Text- und Bildelemente zu verknüpfen, sie können in ihrem Tempo, nach eigenem Gutdünken vor- und zurückblättern und so lange bei einzelnen Sequenzen verweilen, wie es für das Verstehen notwendig ist. Sie können die Bilder und Texte immer wieder anschauen und so wichtige Erfahrungen im Umgang mit Büchern, Texten und Geschichten machen. Bilder und Texte erzählen die Handlung gleichzeitig, in vielen Büchern sind sie gar «gleichwertig», das heißt, dass auch Kinder, die noch nicht lesen können, Geschichten bildlesend verstehen können, indem sie ihre bereits entwickelte literarische Verstehensfähigkeit nutzen.

Didaktischer Einsatz und Potenziale im Unterricht

„Die Torte ist weg!“ ermöglicht ein entdeckendes, handlungs- und ressourcenorientiertes Arbeiten mit Bildern und Geschichten. Das Auftauchen der unterschiedlichsten Charaktere und die Verstrickung in die individuellen Geschehnissen lässt sie, kleinen Detektiven gleich, ermitteln, was sich genau begeben hat.

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Auch für den DaZ-Unterricht bietet sich die Arbeit mit diesem Bilderbuch sehr gut an. Da unterschiedliche Tiere im Buch vorkommen, lernen die Kinder diese kennen. Außerdem gibt es viele Alltagswörter und Sätze, die die Kinder hierdurch lernen können. Daneben bieten sich zu diesem Bilderbuch die vielfältigsten Schreibanlässe an. Das Buch selber bietet dafür schon die möglichen Differenzierungen. So können die Kinder beispielsweise nur eine Szene beschreiben, nur einen Handlungsstrang erzählen oder aber eine komplexe Geschichte mit mehreren Handlungssträngen schreiben. Außerdem könnten sie Drehbuchautoren werden und kleinere Theaterstücke mit Dialogen einproben, eine Szene als Film aufnehmen und vieles mehr. Die Bilder können aber auch als Ausgang genommen werden und comicartig durch Sprechblasen und einzelne Sätze ergänzt werden.

Vielschichtigkeit: Detailreiche Szene zum Erforschen

Bereits für die Altergruppe ab zwei Jahren (Verlagsempfehlung 4 Jahre!) ist das Buch sehr zu empfehlen, da es sprachfördernd ist und auf witzige Art und Weise immer neue Geschichten beobachten lässt. Für etwas ältere Kinder ist es aber ebenso geeignet.

Illustration und Gestaltung - Was macht das Buch optisch besonders?

Mit Feder und Aquarellfarbe zeigt der Illustrator, wie Zufälle die Tiere zusammenführen und wie sich bei aller Dramatik alles zum Guten wendet. Auf großflächigen Hintergründen schafft er Figuren mit hohem Wiedererkennungswert. Mit Hilfe ausgefallener Accessoires gelingt es ihm sehr gut, ihnen eine charakteristische und beinahe menschliche Note zu verleihen. Die Illustrationen sind relativ abstrakt und dennoch detailliert, gerade auch was Gesichtsausdrücke und damit verbundene Emotionen anbelangt. Die Figuren sind kindgerecht gezeichnet, auch wenn manchmal nicht ganz klar ist, welches Tier nun dargestellt wird. Also ist auch hier die Fantasie gefragt. Die Bilder sind sehr wimmelbildartig. Das liegt daran, dass so viele unterschiedliche Handlungsstränge auf den Bildern dargestellt oder zumindest angedeutet werden.

Wegen der Komplexität der Bilder würde ich aber auch eher dazu tendieren, das Bilderbuch erst ab etwa 3 Jahren zu empfehlen (vom Verlag wird es bereits ab 2 Jahren empfohlen). Die Farbgebung ist zu Beginn und auch gegen Ende hin vorwiegend in helleren Grün-, Gelb-, Blau- und Grautönen. Zu Beginn dominieren aber auch dunklere Grüntöne, die vielleicht das Chaos und die kommende Aufregung andeuten und so eine gewisse Spannung erzeugen. Neben den dominierenden Tönen werden durch die Figuren viele Farbakzente gesetzt, die sich weitestgehend über die Bilder verteilen. Zur Mitte hin, dem Höhepunkt, werden die Farben etwas dunkler. Hierdurch wird die Atmosphäre der drohenden Gefahr hervorragend durch die Farbgebung hervorgehoben. Nach der Auflösung der Probleme werden die Farben wieder heller und harmonischer.

Farbliche Entwicklung und Bildaufbau in „Die Torte ist weg!“

Rezeption, Auszeichnungen und Fazit

Insgesamt ist "Die Torte ist weg" sehr zu empfehlen und es ist kein Wunder, dass es bereits mehrfach ausgezeichnet wurde - wie zum Beispiel mit dem holländischen Woutertje Pieterse Preis 2005 oder dem silbernen Griffel. Kinder werden dieses Buch lieben! Man kann dieses im Moritz Verlag erschienene Bilderbuch auf unterschiedlichste Weise "lesen". Entweder man verfolgt Seite für Seite die Entwicklung aller Geschichten oder man lässt sich treiben und versucht herauszufinden, warum Dinge so eingetreten sind. In der Regel wird man beides tun, was letztendlich auch den Reiz ausmacht. Denn jedes noch so kleine Detail kann wichtig sein.

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Denn jedes noch so kleine Detail kann wichtig sein. So erreicht der Illustrator Tjong-Khing mit zeichnerischen Mitteln kurzweilige Unterhaltung für Klein und Groß. Ein Guck- und Suchbilderbuch ohne Worte, dafür voller Anregungen zum Hinschauen und Kombinieren, voller witziger Ideen und Aha-Effekte!

Inszenierung der Suche im Buch „Die Torte ist weg!“

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