Delitzscher Schokoladenfabrik: Geschichte, Wandel und Sortiment im Überblick

Die Geschichte der Schokoladenproduktion in Delitzsch ist eng mit der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Deutschlands, insbesondere der DDR, verbunden. Von den Anfängen als Familienunternehmen bis zur Verstaatlichung und schließlich zur Privatisierung spiegelt die Geschichte der Delitzsch Schokolade die Höhen und Tiefen der deutschen Industrie wider.

Unsere Schokoladenfabrik in Delitzsch kann auf eine lange Historie zurückblicken. Seit der Gründung 1894 ist es stets gelungen, trotz zweier Weltkriege und Veränderungen in den Eigentumsverhältnissen, die Produktion aufrecht zu erhalten.

Historische Außenansicht der Delitzscher Schokoladenfabrik in der Dübener/Eilenburger Straße mit rotbraunen Klinkern

Gründung und frühe Expansion (1894-1906)

Begonnen hat damals alles mit der Firma von Albert Böhme und seinem Schwager Karl Hommel, die ihre Süßwaren zuerst auf Jahrmärkten und Volksfesten verkauften. In der Dübener Straße in Delitzsch, wo auch heute noch der Firmensitz der Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH zu finden ist, beginnen Albert Böhme und sein Schwager Karl Hommel 1894 mit der Produktion von Süßwaren.

1894 unter dem Namen "Gebrüder Böhme" gegründet und von 1896 bis 1906 von Albert Böhme geführt. Neben Schokolade und Pralinen wurden Süßigkeiten aller Art hergestellt.

Die Beliebtheit der Schokoladenprodukte verbreitet sich über die Delitzscher Grenzen hinaus nach Leipzig und Halle und aus den kleinen Anfängen entwickelt sich bald ein großes Unternehmen. Traditionell vertraut die Unternehmensführung auf die Qualifikationen der Mitarbeiter, die im eigenen Betrieb angelernt werden.

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So erhält die Delitzscher Schokoladenfabrik 1909 von der Stadt Delitzsch die offizielle Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen.

Zeitleiste 1894-1922: Von „Gebrüder Böhme“ zur AG und zur Marke „Böhme“

Vom Familienbetrieb zur Aktiengesellschaft (1906-1922)

Am 17.12.1906 (Eingetragen am 15.1.1907) Umwandlung in eine Aktiengesellschaft die von 1907 bis 1922 unter dem Namen "Delitzscher Schokoladen-Fabrik AG vormals Gebrüder Böhme" firmiert. Seit 1906 hieß die Firma „Delitzscher Schokoladenfabrik AG“, ab 1922 „Böhme AG“.

Ab 1922 wird die Firma in Delitzsch unter dem Namen Böhme AG geführt. Die Firma, ansässig in der Eilenburger Straße 13, entwickelte sich schnell zu einem bekannten Namen für Süßwaren, deren Produkte zunächst auf Jahrmärkten und Volksfesten verkauft wurden.

Krisen, Kriege und Kontinuitäten

Seit der Gründung 1894 ist es stets gelungen, trotz zweier Weltkriege und Veränderungen in den Eigentumsverhältnissen, die Produktion aufrecht zu erhalten. Nach den Erschütterungen der beiden Weltkriege und während der Zeit des geteilten Deutschlands, wird der Markenname Böhme in Westdeutschland durch ein kleines Sortiment von Schokoladen, Pralinen, Fruchtgummi, Bonbons und Weinbrandbohnen unter dem Vertrieb der Firma Wissoll aufrecht erhalten.

Die strategisch günstige Lage von Delitzsch, mit ihren Rohstoffvorkommen, der zentralen Lage und den guten Böden, bot eine ideale Basis für die wirtschaftliche Entwicklung im Industriezeitalter. Der Bau wichtiger Eisenbahnstrecken Ende des 19. Jahrhunderts förderte zusätzlich die Entwicklung von Delitzsch zu einem Standort des Genusses, bekannt für Bier, Zucker und Schokolade.

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Kartografische Darstellung: Lage Delitzschs im mitteldeutschen Industrieraum und wichtige Bahnlinien

Die sozialistische Ära: VEB und Kombinat (1950-1990)

In den DDR-Jahren wird die ehemalige Böhme AG durch die sozialistische Wirtschaftsreform in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt. Während der DDR wurde das Unternehmen in den volkseigenen Betrieb „VEB Süßwaren Delitzsch“ umgewandelt, die Produktion lief weiterhin im aus den 1920er Jahren stammenden Firmengebäuden aus prägnanten rotbraunen Klinkern.

Das Werk in Delitzsch wird enteignet und bis 1990 als VEB Süßwarenkombinat Delitzsch weitergeführt. 1953: VEB Mitteldeutsche Süßwarenfabriken Delitzsch/Eilenburg.

1955: VEB Sachar-, Kakao- und Schokoladenwerke Delitzsch. 1960: VEB Delitzscher Schokoladenwerke "Delitzscher". 1966: VEB Vereinigte Süßwarenwerke Delitzsch/Eilenburg. 1974: VEB Vereinigte Süßwarenwerke Delitzsch/Eilenburg/Bergwitz.

Diese Umstrukturierungen waren typisch für die DDR-Wirtschaft, in der Betriebe verstaatlicht und zu größeren Einheiten zusammengefasst wurden. 1980 wurde das VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch gegründet, das dem Ministerium für Bezirksgeleitete Industrie und Lebensmittelindustrie, Berlin, des Ministerrates der DDR unterstellt war.

Dem VEB Süßwarenkombinat waren 1980 insgesamt 21 volkseigene Betriebe mit Sitz im gesamten Territorium der DDR unterstellt, darunter namhafte Betriebe wie VEB Berliner Schokoladenwerk "Elfe", VEB Süßwarenfabrik Döbeln, VEB Schokoladenfabrik "Halloren" Halle und VEB Schokoladen- und Zuckerwaren "Zetti" Zeitz. Neben den Produktionsbetrieben gehörten zum Kombinat auch Betriebe des Rationalisierungsmittelbaues, wie der VEB Forschung und Rationalisierung Leipzig und der VEB Ratiobau Pößneck.

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Der VEB Forschung und Rationalisierung Leipzig führte nicht nur die Planung, sondern auch die Realisierung der Rationalisierungsvorhaben der Süßwaren- und Dauerbackwarenindustrie der DDR durch. Die Beschäftigtenzahl des Stammbetriebes stieg von 1973 bis 1989 nur gering: von 1100 auf 1230 Mitarbeiter.

Organigramm des VEB Süßwarenkombinat Delitzsch mit angeschlossenen Betrieben

Schokoladenproduktion in der DDR

Die Schokoladenproduktion in der DDR war, wie die gesamte Wirtschaft, stark von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Rohstoffknappheit und Devisenmangel führten dazu, dass oft Ersatzprodukte hergestellt wurden.

Trotz dieser Herausforderungen gelang es der ostdeutschen Süßwarenindustrie, qualitativ hochwertige Produkte herzustellen, wenn ausreichend Rohstoffe vorhanden waren. Ein bekanntes Beispiel ist die "Schlager Süßtafel" von Zetti, die ohne Kakao hergestellt wurde.

Wendezeit, Privatisierung und neue Eigentümer (1990-2008)

Mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 begann ein neues Kapitel für die Delitzsch Schokolade. Die Delitzscher Schokoladen GmbH i. G. wurde am 7. Mai 1991 an das Wilhelm Schmitz-Scholl Unternehmen (WISSOLL) verkauft.

1991 wird das Werk von Wissoll zurückgekauft, die bereits die Markenrechte an Böhme besaßen. Nach der Wende wird das Unternehmen eine hundertprozentige Tochter der Firma Wissoll, welche in den folgenden Jahren den Firmenstandort Delitzsch zu einer der modernsten Pralinenfabriken Europas gestaltet.

Wissoll wurde 2003 von van Netten übernommen. Seit 2005 ist die Delitzscher Schokoladen GmbH wieder ein unabhängiges Familienunternehmen. 2008 übernimmt die Halloren Schokoladenfabrik AG die insolvente Firma.

Reportage: Transformation der Delitzscher Schokoladenfabrik nach 1990

Markenname, Identität und regionale Wurzeln

Seit 1906 hieß die Firma „Delitzscher Schokoladenfabrik AG“, ab 1922 „Böhme AG“. Mit der Wiedereinführung der Marke Delitzscher in den Regionen, wo Delitzscher auch heute noch ein Begriff ist, knüpft das Unternehmen an seine regionalen Wurzeln an.

Heute ist die Schokoladenfabrik in Delitzsch ein selbständiges Unternehmen. Darüber hinaus ist für die Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH der wachsende Geschäftszweig der Handelsmarken von Bedeutung.

Sortiment und Geschäftsfelder

Als Spezialist für Schokoladen und Süßwarenspezialitäten verfügen wir über eine lange Firmentradition und sind in den drei Geschäftsfeldern Private Label, Co-Manufacturing und Unternehmensmarken tätig. Nach den Erschütterungen der beiden Weltkriege und während der Zeit des geteilten Deutschlands, wird der Markenname Böhme in Westdeutschland durch ein kleines Sortiment von Schokoladen, Pralinen, Fruchtgummi, Bonbons und Weinbrandbohnen unter dem Vertrieb der Firma Wissoll aufrecht erhalten.

Entsprechend der Tradition reichte die Produktpalette von Schokolade, Pralinen, Weinbrandbohnen bis zu Bonbons. Stolz ist das mittelständische Unternehmen auch auf seine umsatzstarken Exporttätigkeiten nach Ost- und Westeuropa, Nordamerika und Asien.

  • Private Label: Darüber hinaus ist für die Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH der wachsende Geschäftszweig der Handelsmarken von Bedeutung.
  • Co-Manufacturing: Als Spezialist für Schokoladen und Süßwarenspezialitäten verfügen wir über eine lange Firmentradition und sind in den drei Geschäftsfeldern Private Label, Co-Manufacturing und Unternehmensmarken tätig.
  • Unternehmensmarken: Mit der Wiedereinführung der Marke Delitzscher in den Regionen, wo Delitzscher auch heute noch ein Begriff ist, knüpft das Unternehmen an seine regionalen Wurzeln an.
Produkt-Infografik: Pralinen, Tafelschokolade, Bonbons, Weinbrandbohnen und Exportmärkte

Zeitleiste der Unternehmensentwicklung

Jahr Ereignis
1894 1894 unter dem Namen "Gebrüder Böhme" gegründet und von 1896 bis 1906 von Albert Böhme geführt.
1906/1907 Am 17.12.1906 (Eingetragen am 15.1.1907) Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.
1907-1922 "Delitzscher Schokoladen-Fabrik AG vormals Gebrüder Böhme".
1922 Seit 1906 hieß die Firma „Delitzscher Schokoladenfabrik AG“, ab 1922 „Böhme AG“.
1950-1953 In den DDR-Jahren wird die ehemalige Böhme AG in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt; 1953: VEB Mitteldeutsche Süßwarenfabriken Delitzsch/Eilenburg.
1960-1980 1960: VEB Delitzscher Schokoladenwerke "Delitzscher"; 1980: Gründung VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch.
1991 Die Delitzscher Schokoladen GmbH i. G. wurde am 7. Mai 1991 an WISSOLL verkauft.
2003-2008 Wissoll wurde 2003 von van Netten übernommen; 2008 übernimmt die Halloren Schokoladenfabrik AG die insolvente Firma.

Standort, Gebäude und regionale Spezialitäten

Während der DDR wurde das Unternehmen in den volkseigenen Betrieb „VEB Süßwaren Delitzsch“ umgewandelt, die Produktion lief weiterhin im aus den 1920er Jahren stammenden Firmengebäuden aus prägnanten rotbraunen Klinkern. In der Dübener Straße in Delitzsch, wo auch heute noch der Firmensitz der Delitzscher Schokoladenfabrik GmbH zu finden ist, beginnen Albert Böhme und sein Schwager Karl Hommel 1894 mit der Produktion von Süßwaren.

Nach altem Delitzscher Rezept wird seit einigen Jahren wieder die Kräuterspezialität "Naumann-Bitter" hergestellt. Ein Mysterium sind die originalen Delitzscher Hefeplinsen, die seit dem 19. Jahrhundert in den Ausflugslokalen der Stadt serviert wurden.

Quellenlage und Archivbestände

Für die Erforschung der Geschichte des VEB Süßwarenkombinat Delitzsch sind Archivbestände von großer Bedeutung. Im Oktober 1990 wurden 17 laufende Meter betriebliches Schriftgut an das Staatsarchiv Leipzig übergeben.

Der zusammengefaßte Bestand wurde 1997 auf der Grundlage der Ordnungs- und Verzeichnungsgrundsätze von 1964 erschlossen. Der Umfang des Bestandes beträgt 10 laufende Meter.

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