DDR Nougat Schokolade Geschichte und Herstellung: Von Schmalkalden bis Ost- und Westdeutschland
Wie alles begann …1893
1893 gründeten Willi Viebahn und seine Schwester Anna Reim ein kleines Café in Schmalkalden. Nach dem ersten Weltkrieg investierten Anna Reim und ihr Sohn in eine kleine Fabrik, da ihr Nougat im Café sehr beliebt war. Bei der Verpackung halfen ihnen Freunde aus dem Nachbarort, in deren Unternehmen Zigarren gewickelt und verpackt wurden. Die Jahre des Ersten Weltkrieges waren schwierig. Glücklicherweise kam Sohn Paul 1918 gesund aus dem Krieg zurück. Nun konnte er sein Können zeigen. Mit seiner inzwischen verheirateten Schwester und deren Mann Adolf Erbe beschlossen sie den Bau einer Fabrikation in Schmalkalden. In diese Zeit fiel auch die Anschaffung einer eigenen Nougatmasse-Fertigung. Im Nachbarort Kleinschmalkalden wurden in einem befreundeten Unternehmen Zigarren gewickelt und verpackt. Dazu bediente man sich einer Packmaschine, mit deren Hilfe mehrere Zigarren in einem Arbeitsgang mechanisch abgepackt werden konnten. Dies brachte die Reims auf eine brillante Idee. Da mit einer einfachen Strangformtechnik auch der Nougat in die Form einer Zigarre gebracht werden konnte, entschied man sich für die Anschaffung und den Einsatz einer solchen Packmaschine. Die Nougatstange war geboren.
Die Nougatstange im Wandel der Zeit
1920 Die Geburtsstunde der Nougatstange. Die rasant ansteigende Nachfrage nach Nougat konnte nicht mehr bedient werden. Eine automatische Packmaschine musste her. Die rettende Idee lieferte ein befreundeter Zigarrenfabrikant: Mit einer umfunktionierten Zigarrenpackanlage wechselte die Nougatform vom Block in die heutige Stangenform. So konnten 30 Nougatstangen pro Minute in Stanniol verpackt werden und der Nachschub war gesichert! Interessant zu wissen: Heute sind es 155 Stangen pro Minute.
Tradition und Innovation. Geringe Rohstoffzuteilungen sorgten während des Zweiten Weltkriegs für einen rapiden Rückgang des Umsatzes, der 1938 noch 2,2 Millionen Reichsmark betrug. 1943 arbeiteten nur noch 59 von ursprünglich 350 Beschäftigten im Unternehmen. Aufgrund der mangelnden Rohstoffe für die Herstellung von Nougat wurden während des Zweiten Weltkriegs Kunsthonig und Füllungen oder Backmassen für Bäckereien produziert.
Neuanfang nach dem Krieg und DDR-Phase
1950 Neuanfang nach dem Krieg. Mit einer Tagesmenge von rund 600 Kilogramm Nougat kam die Produktion wieder in Schwung. Die Kaugummiproduktion wurde 1978 auf Anforderung der DDR-Wirtschaftsplaner nach Bernburg verlagert, wo die Kaugummifabrik immer noch in Betrieb ist. Die Firma wurde als W. Viebahn KG Nougat- und Marzipanfabrik teilverstaatlicht und trug wieder den Namen des Gründers Willy Viebahn. Allerdings durfte die Firma noch eine Zeit lang als erster Betrieb der DDR „Jonny Kaugummi“ in Kugelform herstellen. Jonny Kaugummi war nach dem Westernhelden „John Wayne“ benannt und fand reißenden Absatz, aber Nougat wurde unterdessen zur nachgefragten Rarität, der sogenannten „Bückware“.
Lesen Sie auch: Nougat-Schokolade: Vielfalt und Herstellung
1960er-1980er: DDR-Entwicklung und Nudossi
1989 Die Treuhandanstalt übernimmt und das Ende droht. Mit der deutschen Wiedervereinigung tritt die Treuhandanstalt in den Betrieb ein. Der Unternehmensberater Karl Heinz Einhäuser wird beauftragt, den ehemaligen VEB zu verkaufen oder abzuwickeln. Ende des Jahres 1992 drohte die Schließung, da bis dahin kein Käufer gefunden wurde, der die Produktion fortsetzen wollte. Mut und Vision - Unsere Erfolgsgeschichte. 2012 Die Viba Nougat-Welt wird zum Tourismusmagnet. Mit dem Motto „Mitmachen - Erleben - Genießen“ ist die Viba Nougat-Welt seit 5. Februar 2012 nach 18 Monaten Bauzeit eine der am meisten besuchten touristischen Attraktionen in Thüringen. Jedes Jahr besuchen rund 130.000 Gäste die Viba Nougat-Welt und nutzen das vielfältige Angebot. Die „gläserne Praline“ war eine visionäre Idee von Karl Heinz Einhäuser. Diese DDR-Süßigkeiten schmecken wie die guten alten Zeiten.
Die DDR-Nougatcreme Nugana und andere Ost-Süßigkeiten
1893-1945 Der Ursprung des Nougats liegt im Italienischen Piemont; in Deutschland entwickelte sich die Nougatstange vor allem durch technologische Fortschritte. Die DDR setzte auf eigene Kreationen wie Nugana, eine Nougatcreme aus Nugatan (Haselnuss-Nougat) und Schokolade, die als Brotaufstrich, Kuchenfüllung und Glasur verwendet wurde. Die Zetti Nugana-Schokolade war eine zentrale Zutat, und die Goldeck-Süßwaren GmbH in Zeitz führt die Tradition fort. Die DDR nutzte zudem Ersatzschokoladen, wenn Devisen knapp waren, wie die Schlager-Süßtafel von Zetti ohne Kakaoanteile. Der Verzehr von solchen Produkten spiegelte den Alltag im Osten wider, in dem Kreativität und Selbstherstellung wichtig waren.
Nudossi: Die Ost-Nuss-Nougat-Creme
Die Nudossi-Geschichte beginnt 1920 mit dem Backhaus Vadossi in Dresden-Plauen. Nach dem Krieg wechselte das Unternehmen mehrfach den Standort, wurde verstaatlicht und 1964 als Nudossi bekannt. Die Produktion wurde 1964 im Westen durch Nutella inspiriert; danach entwickelte das DDR-Unternehmen ein eigenes Pendant. In den 1980er-Jahren wurde Nudossi ins Dresdner Elbflorenz-Hauptwerk verlegt. Nach der Wende wurden Reorganisationen vorgenommen, und Nudossi erlebte 1999-2004 einen Boom. Seit 2016 wurde die Rezeptur angepasst: weniger Fett, mehr Zucker, Palmöl bleibt umstritten.
- 1920-1964: Entwicklung und Verlagerung der Nudossi-Produktion
- 1964-1990: Verstaatlichung, Ost-Drang nach lokalen Rohstoffen
- 1990er-heute: Privatisierung, Neustart, Modernisierung der Rezeptur
Zutaten und Struktur der Nudossi-Nuss-Nougat-Creme
Typische Bestandteile sind Haselnüsse, Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Kakaomasse, Emulgatoren, Vanilleextrakt und Fette. Energetischer Gehalt pro 100 g liegt bei ca. 574 kcal. Heute produziert das Unternehmen unter dem Namen Sächsische und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG rund sechs Tonnen Nudossi pro Tag.
Gegenwart und Produktvielfalt von Viba
Heute umfasst das Sortiment über 500 Produkte von Nougat- und Marzipan-Sorten bis Pralinen, Dragees und Fruchtriegeln. Zu den Innovationen gehören Ruby- und Blonde-Schokolade sowie verschiedene Nougat-Spezialitäten, die teilweise aus Steinwalzen fein gemahlen werden. Die Produktion erfolgt überwiegend mit hochwertigen Haselnüssen, Kakao und Kalifornischen Mandeln. Viba steht damit für eine lange Tradition und ständige Weiterentwicklung.
Lesen Sie auch: Analyse: Lindt Weiße Schokolade Nougat
DDR-Alltag, Konsum und Nachgeschichte
Der Alltag in der DDR war geprägt von Mangellagen und kreativen Lösungen. Selbermachen war weit verbreitet, und Nougatcremes wie Nugana waren Bestandteil vieler Haushalte. Nach der Wende verschwanden DDR-Marken zunächst vom Markt, kehrten aber später in Form von Ostalgie zurück. Die Geschichte der Nugana-Schokolade und der Ost-Nougat-Cremes zeigt Einfallsreichtum, Anpassungsfähigkeit und den Wunsch nach kleinen Freuden im Alltag. Ein Mythos über Stierblut in DDR-Schokolade wurde durch Klaus Valdeig widerlegt, was die Historie pragmatisiert und faktenbasiert erklärt.
Tabellarischer Überblick zu wichtigen Stationen
| Jahr | Ereignis | Ort | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 1893 | Café Viebahn gründen | Schmalkalden | Beginn der Firmengeschichte |
| 1920 | Nougatstange geboren | Schmalkalden | Automatisierte Verpackung via Zigarrenpackanlage |
| 1943 | Belegschaft reduziert | Schmalkalden | Rohstoffmangel im Krieg |
| 1964 | Nudossi entwickelt | Radebeul/Dresden | Nach West-Konkurrent Nutella |
| 1999 | Neustart Nudossi | Weimar/Thüringen | Privatisierung und Markenname |
Heute steht die Viba Sweets GmbH für eine Geschichte von Ausdauer, Innovation und Nostalgie. Die Produkte verbinden Erinnerung mit moderner Süßwarentechnologie und finden sowohl in Thüringen als auch deutschlandweit Verbreitung.
Lesen Sie auch: Nougatcreme: Einfache Variationen
tags: #DDR #Nougat #Schokolade #Geschichte #und #Herstellung


