Craquelé-Glasur für Keramik: Detaillierte Anleitung zur Herstellung und Anwendung

Craquelé-Glasur fasziniert viele Keramikliebhaber, denn die entstehenden feinen Risse verleihen jedem Werkstück einen einzigartigen, kunstvollen Charakter. Die Technik kann sowohl gezielt für dekorative Effekte eingesetzt werden, aber auch als Ergebnis bestimmter Brenn- und Glasurprozesse auftreten. In dieser maximal detaillierten und praxisorientierten Anleitung werden sämtliche Schritte von der Materialauswahl bis zur Anwendung und zu möglichen Fehlerquellen in der Herstellung von Craquelé-Glasuren aufgezeigt - inklusive historischer Hintergründe und modernen Praxistipps.

Was ist Craquelé-Glasur?

Craquelé ist eine Bezeichnung für die Struktur in einer Glasur. In der Regel sind Craquelé-Glasuren transparent. Craquelé beschreibt feine Risse oder Spalten auf der Oberfläche einer Glasur, wodurch sichtbare ungleichmäßige Muster entstehen. Diese Risse entstehen auf natürliche Weise im Laufe der Alterung von Gegenständen, aber viele Menschen suchen diesen Effekt, um verschiedene Kunstwerke und Keramikstücke zu dekorieren.

Diese entstehen durch die unterschiedlich starke Wärmeausdehnung des Tons und der darauf aufgetragenen Glasur. Auch wenn der Ofen nach einem Glasurbrand zu früh geöffnet wird, kann es passieren, dass die Glasur Sprünge bekommt und reißt. Die Auswahl der Craquelé-Glasuren ist farblich recht eingeschränkt. Die Struktur eines Craquelés kann die optische Wirkung des keramischen Trägers stark beeinflussen.

Craquelé-Muster auf Keramikschalen

Historisches und Materialien

Die Geschichte der Glasuren ist eng mit der frühesten Glasherstellung und Metallurgie im östlichen und südlichen Mittelmeerraum verbunden. Glasierte Figuren, Gefäße und Fliesen dürften ab dem 4./3. Jahrtausend v. Chr. existiert haben. Metalloxid-Beigaben machten eine reiche Farbpalette möglich, noch im 13. Jh. wurden unterschiedlich farbige Bleiglasuren genutzt. Craquelé-Effekte sind insbesondere im asiatischen Raum, z.B. bei Raku-Ware, häufig zu finden.

Unter Glasur versteht man einen glasartigen Überzug auf einem keramischen Träger. Die Glasur kann poröse Keramik abdichten und zur dekorativen Gestaltung beitragen. Der Scherben beeinflusst deren optische Wirkung durch Material, Farbe und Relief.

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Alte Keramik mit Craquelé-Glasur aus China

Zusammensetzung der Craquelé-Glasur

Die Zusammensetzung von Glasuren aus Silikaten und Flussmitteln erfolgte bis zum 19. Jh. nach Erfahrungswerten. Siliziumdioxid wird Glasuren meist in Form der Mineralien Quarz, Flint, Feldspat oder Kaolin beigegeben. Da Siliziumdioxid einen sehr hohen Schmelzpunkt hat, muss dieser durch Zugabe von Flussmitteln wie Blei-, Kalium-, Natrium-, Barium- und Lithiumverbindungen gesenkt werden.

Glasuren wurden und werden nach bestimmten Rezepturen zusammengestellt und entweder trocken oder nass auf den Scherben aufgetragen. Bei speziellen Craquelé-Glasuren entsteht dieser Effekt durch das Missverhältnis der Ausdehnung zwischen Glasur und Scherben beim Brennvorgang.

Mit einem eisenhaltigen Tonmehl bekommt die Glasur einen honigfarbenen Grundton im oxidierenden Brand. Wenn du lieber ein farbloses Glas willst kannst du z. B. ein eisenarmes Tonmehl verwenden. Einfärben kannst du Craqueléglasuren natürlich auch wie alle anderen Glasuren mit Farbkörpern oder mit färbenden Oxiden/Carbonaten.

Vorbereitung der Keramik für die Glasur

  1. Der Ton muss komplett durchgetrocknet und staubfrei sein. Du kannst es mit einem feuchten Schwamm oder einem weichen Pinsel ganz leicht abwischen - das verbessert die Haftung der Glasur.
  2. Für Glasurproben werden Probeteile aus Ton benötigt, die vor dem Auftragen der Glasur im Schrühbrand bereits geschrüht sein müssen. Die wohl einfachste Variante sind liegende Proben aus rechteckigen Tonplatten.
  3. Stehende Probenteile oder kleine gedrehte Becher eignen sich für eine detailliertere Untersuchung des Flussverhaltens einer Glasur. Die Form und Art der Probeteile hängt von den spezifischen Anforderungen und Interessen bezüglich der Glasurproben ab.
Werkzeuge und Probeteile für Glasurtests

Eigenschaften und Vorteile von Flüssigglasuren

  • BOTZ Glasuren zeichnen sich durch ihr sehr gutes Streich- und Brennverhalten aus und sind mit BOTZ Glimmer, Engobe sowie Unidekor mischbar.
  • Alle BOTZ-Glasuren sind kennzeichnungsfrei und somit gebrauchsfertig.
  • Ein weiterer großer Vorteil von Flüssigglasuren: Sie verursachen keinen Staub.
  • Alle Glasuren sind sehr ergiebig. Eine 200-ml-Dose entspricht ca.

Anleitung: Craquelé-Glasur Schritt für Schritt

Grundform herstellen

  1. Im ersten Schritt formen Sie eine Schale nach Wunschgröße. Geben Sie diese anschließend bei mindestens 900°C in den Schrühbrand.
  2. Alternativ können Sie eine fertige Schale als Schrühware verwenden.

Glasur auftragen

  1. Tragen Sie Glasur 9104 Cognac in drei Schichten auf. Die Glasur jeweils gut trocknen lassen. Die Standfläche der Schale bleibt unglasiert.
  2. Tragen Sie danach zwei Schichten 9448 Himmelblau direkt über die getrockneten Cognac-Schichten auf. Die Schichten jeweils gut trocknen.
  3. Streichen Sie entstandene Bläschen mit dem Finger glatt. Im Anschluss lassen Sie die Schale weiter durchtrocknen.
  4. Empfohlen: Den Rand nicht mit der Unifarbe überglasieren. So erzeugen Sie einen stärkeren Kontrast am Rand.
Glasurauftrag auf Keramikwerkstück

Brennvorgang und Kontrolle des Craquelé-Effekts

  • Geben Sie die Schale zum Glasurbrand bei einer Brenntemperatur von 1050°C in den Ofen.
  • Überprüfe, ob die Glasur gleichmäßig verlaufen ist, ob Risse oder Blasen entstanden sind - und ob das Stück wasserdicht ist.
  • Feine Risse entstehen durch die unterschiedlich starke Wärmeausdehnung von Ton und Glasur.
  • Wenn der Ofen nach dem Glasurbrand zu früh geöffnet wird, kann es passieren, dass die Glasur Sprünge bekommt und reißt.

Craquelé-Techniken und besondere Methoden

Technik mit Einkomponenten-Craquelant

  1. Streichen Sie die Oberfläche mit einer dunklen Acrylfarbe und lassen Sie sie vollständig trocknen.
  2. Tragen Sie eine Schicht Craquelant auf (nicht zu dick).
  3. Lassen Sie die angegebene Zeit trocknen, bis die Oberfläche bei Berührung leicht klebt.
  4. Streichen Sie den helleren Farbton in einer nicht zu dünnen Schicht auf die Craquelant-Glasur.
  5. Lassen Sie die Farbe bei Raumtemperatur mit kalter Luft aus einem Haartrockner vollständig trocknen.
  6. Schützen Sie die Oberfläche mit Acryllack.

Beachten Sie, dass Form und Größe der Risse bei diesem Effekt aus vielen Gründen variieren können. Die Richtung, in der das Produkt und die abschließende Farbschicht aufgetragen werden, beeinflusst das endgültige Craquelé-Muster ebenso wie die Menge der Farbe.

Craquelé-Technik auf Keramik, Detail

Crackle-Effekt mit Zweikomponenten-Craquelant

  1. Tragen Sie eine Schicht der Komponente A auf und lassen Sie sie trocknen.
  2. Mit der Komponente B ebenso verfahren.
  3. Sobald die transparenten Risse trocken sind und sich gebildet haben, tragen Sie Wachspatina mit einem Baumwolltuch auf, bis die Risse gefärbt sind.
  4. In diesem Fall schützt das Wachs die Oberfläche, so dass keine Schutzschicht wie Lack benötigt wird.

Selbstgemachter Crackle-Effekt mit weißem Bastelkleber

Es gibt zwei Techniken: mit Pinsel oder Schwamm.

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  • Streichen Sie die Oberfläche mit der Grundfarbe und lassen Sie sie vollständig trocknen.
  • Tragen Sie eine großzügige Schicht weißer Bastelkleber auf.
  • Streichen Sie die zweite Farbe auf. Kleber sollte nicht verlaufen.
  • Lassen Sie den Kleber trocknen oder verwenden Sie kalte Luft aus Föhn oder Heißluftpistole.
  • Das Craquelé erscheint in Sekundenschnelle.
  • Nach dem Trocknen eine Schicht Lack auftragen.
Anleitung für Craquelé mit Bastelkleber

Fehler, Tipps und kreative Freiheiten

Fehlerquellen und Vermeidung

  • Fast hätte ich mir mehr Arbeit gemacht als nötig und viel Zeit vertrödelt: Die Einsatzplatten des Ofens sollte man mit Trennmittel einpinseln und brennen.
  • Der Boden bleibt glasurfrei - entweder mit Wachs oder durch gezieltes Aussparen.
  • Die Füße sind komplett mit der Glasur verschmolzen und ich konnte beides wegwerfen: Beim Glasieren rundherum sollte die Auflagefläche unbedingt ausgespart werden.
  • Farbverläufe sehen schnell nach Grundschule aus, insbesondere am Rand. Im Zweifel lieber schlicht bleiben.
  • Füße oder keine Füße? Sinn dieser ist häufig, die Platte zu schützen, aber sie ist durch das Trennmittel geschützt. Wenn Füße, dann gleichmäßig verteilen.
  • Boden unglasiert lassen - ansonsten kann das Stück nach dem Brennen hängen bleiben oder unschöne Schnitte verursachen.

Tipps zur Farbgestaltung

Experimentieren ist zwar immer toll, macht aber mit etwas Hintergrundwissen mehr Spaß. Verschiedene Farbgruppen zu mischen und zu kombinieren, kann zu faszinierenden Ergebnissen führen. Hol dir die Inspiration aus deiner Umgebung! Lass die Farben zu deinen Verbündeten werden und öffne die Tür zu deiner kreativen Reise.

Analoge Farbgruppen eignen sich für ruhige, konsistente Designs; Komplementärfarben für starke Akzente und Triadische für abwechslungsreiche Grafiken.

Beispiel Craquelé-Schale Farbgestaltung

Glasurbrand: Temperatur und Kontrolle

Glasuren erhalten ihren glasartigen Charakter im Brand, der zwischen 700 und 1400°C liegt. Der spezifische Schmelzpunkt richtet sich nach der Zusammensetzung und der Hitzebeständigkeit des Scherbens. Scherben- und Glasurbestandteile werden durch Hitzeeinwirkung verändert, bis die Glasurrohstoffe zu einem Glas ausgeschmolzen sind.

Die meisten Glasuren für Schrühware werden bei 1020-1050°C gebrannt. Die exakte Temperatur steht auf dem Etikett deiner Glasur oder in der Produktbeschreibung.

Um den Brennverlauf und die Temperaturhöhe steuern zu können, suchten Töpfer Jahrhunderte lang nach geeigneten Messmethoden. Hermann August Segers Segerkegel werden in den Brennofen gestellt und zeigen durch ihr Schmelzverhalten die Gare des Brandes an.

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Tabelle: Wichtige Schritte für Craquelé-Glasur

Schritt Beschreibung
Vorbereitung Schwamm/Pinsel reinigen, Scherben staubfrei machen, Form herstellen
Schrühbrand Erster Brand bei ca. 900°C
Glasurauftrag 3 Schichten Craquelé-Glasur dünn oder dick, je nach gewünschtem Muster
Trocknen Zwischen den Schichten gut trocknen lassen
Glasurbrand Brand bei 1050°C, Ofen geschlossen lassen bis vollständiges Abkühlen
Kontrolle Craquelé prüfen, evtl. Lackieren zum Schutz

Craquelé in der Praxis: Kreativität und Fehlerkultur

Am Anfang zählt vor allem: Ausprobieren, Fehler machen, besser werden. Learning by doing ist ja auch eine Alternative, wenn man damit leben kann, dass eben viel schief geht. Lieber geht was schief. Wer jetzt denkt: „Wieso macht sie nicht nen Kurs vorher?“ hat nicht unrecht, aber ein Kurs kann die eigene Kreativität nicht ersetzen. Mach dich bereit, deiner Kreativität freien Lauf zu lassen!

BOTZ Glasuren: Anwendung und Vorteile

Glasuren von BOTZ sind ideal geeignet für zahlreiche wunderschöne und kreative Ausdrucksmöglichkeiten. Die Marke BOTZ bietet Flüssigglasuren in einer Vielzahl von Farbtönen in unterschiedlichen ml-Gebinden und kann einfach mit dem Pinsel aufgetragen werden.

BOTZ Flüssigglasuren im Einsatz

Sonderfälle und weitere Effekte

Weitere besondere Craquelé-Effekte können erzielt werden, indem der Rakubrand angewandt wird. Diese Glasurtechnik beruht auf einer schnellen Abkühlung und stellt einen besonderen Effekt dar, wobei die Glasur durch einen Schock aufreißt.

Die Füße oder Auflageflächen sind bei bestimmten Glasuren zu vermeiden, da diese stark zerfließen und nur auf waagerechten Flächen angewendet werden können.

Wenn man sich ein wenig mit Glasuren beschäftigt, wird einem schnell klar, dass es deutlich schwieriger ist, eine nicht rissfreie Glasur zu entwickeln als eine Craqueléglasur.

Inspirierende Beispiele und Anwendungen

  • Brustplatte einer Mumie mit türkisfarbener Glasur, 19./20. Dynastie
  • Sancai-Plastik eines Pferdes mit Bleiglasuren, China, 8. Jh.
  • Schale aus Porzellan mit Seladonglasur, China, 18. Jh.
  • Vase mit Eosin-Lüsterglasur
Historische Inspirationen Keramik Craquelé

Fazit: Weg zur eigenen Craquelé-Keramik

Craquelé-Glasuren sind durch Werkstoffe, Brenntechnik und Glasurauftrag individuell herstellbar. Fehler und Experimente sind Teil des Lernprozesses. Mit BOTZ Glasuren und den beschriebenen Techniken kann man faszinierende Craquelé-Effekte erfolgreich selbst herstellen.

Craquelé-Effekte auf Keramik: Inspiration und Praxis

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