Coca-Cola England: Zuckergehalt, Rezeptur und Auswirkungen der Zuckersteuer

Seit April 2018 gilt in Großbritannien eine Zuckersteuer auf zuckerhaltige Softdrinks. Diese Maßnahme hat weitreichende Folgen für die Rezepturen von Getränken, insbesondere für den Marktführer Coca-Cola sowie andere Marken wie Fanta, Sprite, Orangina und viele weitere. Die Zuckersteuer ist Teil eines umfassenden Programms zur Bekämpfung von Übergewicht und Diabetes, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte steht die Frage, wie der Zuckergehalt in Softdrinks reduziert und welche Effekte dies auf den Konsum, die Gesundheit und die Wirtschaft hat.

Zuckersteuer Wirkung in Großbritannien - Infografik

Hintergrund: Einführung der Zuckersteuer

In Großbritannien und Irland tritt die Zuckersteuer auf Softdrinks in Kraft. Wer künftig in Großbritannien ein Erfrischungsgetränk schlürft, muss für den darin enthaltenen Zucker zuzahlen. Die Steuer gilt vorerst nur für Softdrinks: Enthalten sie mehr als fünf Gramm Zucker pro hundert Milliliter, werden 18 Pence Steuer pro Liter fällig. Bei mehr als acht Gramm sind es sogar 24 Pence. In Irland gilt ab Freitag eine ähnliche Regelung. Die neue Steuer soll helfen, die Fettleibigkeit zu verringern. Die gesundheitlichen Erfolge seien messbar. Auch die Zahngesundheit von Kindern verbesserte sich.

Die britischen Gesundheitsbehörden empfehlen pro Tag maximal 30 Gramm Zucker für Erwachsene, 24 Gramm für Kinder bis 10 Jahre und 19 Gramm für Kinder bis 6 Jahre. In der Praxis konsumieren die meisten Menschen mehr Zucker. Ein Liter Coca-Cola enthält bereits 106 Gramm Zucker.

Zuckersteuer: Internationale Perspektive

Großbritannien reiht sich neben Irland, Portugal, Estland, Belgien, Norwegen, Mexiko, Südafrika und Frankreich in die immer länger werdende Liste von Ländern ein, die mit steuerlichen Anreizen aktiv gegen Fehlernährung, Fettleibigkeit und Diabetes vorgehen. Laut «table.media» erheben bereits mehr als 100 Länder eine Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke. Weltweit ergreifen viele Industrieländer bereits politische Maßnahmen gegen Übergewicht.

Rezepturänderungen bei Coca-Cola und anderen Herstellern

Die Auswirkungen der 2016 angekündigten Steuern sind bereits zu spüren: Inzwischen haben die meisten Hersteller ihre Rezepturen verändert und Zucker durch Süßstoff ersetzt. Auch Coca-Cola hat seine Marken Fanta und Sprite für den britischen Markt auf steuerfreies Niveau heruntergezuckert. Der britische Marktführer Coca-Cola hat den Zuckergehalt seiner Getränke Fanta und Sprite seitdem unter die 5-Gramm-Marke gesenkt (Fanta von 6,9 auf 4,6 Gramm und Sprite von 6,6 auf 3,3 Gramm). In Deutschland enthalten Fanta und Sprite aktuell mehr als 9 Gramm Zucker. Britvic, der Branchenzweite in Großbritannien, hat den Zuckergehalt vieler Produkte ebenfalls reduziert, so dass 94 Prozent seiner Markenprodukte nun weniger als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten.

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Vergleich Zuckergehalt Fanta, Sprite, Orangina - Tabelle
Marke Zuckergehalt (UK) g/100ml Zuckergehalt (DE) g/100ml Rezepturänderung
Coca-Cola (Classic) 10,6 10,6 Keine Änderung
Fanta 4,6 9,0 Reduktion durch Süßstoffe
Sprite 3,3 9,0 Reduktion durch Süßstoffe
Orangina <5 9,7-11,8 Reduktion durch Süßstoffe

Auch der Orangina-Hersteller Lucozade Ribena Suntory und die Handelsunternehmen Lidl und Tesco haben den Zuckergehalt ihrer Softdrinks gesenkt, um der neuen Steuer zu entgehen. Der Nestlé-Konzern kündigte an, dass drei seiner San Pellegrino-Limonaden ab April 2018 ebenfalls weniger als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten werden.

Foodwatch kritisierte allerdings, dass viele Hersteller den Zucker durch Süßstoffe ersetzten. Rezepturänderungen sollten darauf abzielen, nicht nur den Gehalt von Zucker, sondern den Süßgeschmack insgesamt zu verringern, um der allgemeinen Süßgewöhnung bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken. Änderungen sollten aber darauf abzielen, den Süßgeschmack zu verringern, um der Gewöhnung bei jungen Menschen entgegenzuwirken, forderte die Organisation.

Coca-Cola Classic: Keine Rezepturänderung in UK

Die Coke selbst bleibt eine Zuckerbombe. Am Freitag wird das Gesöff deshalb teurer. Um den höheren Preis zu kaschieren, verkleinert Coca-Cola die Flaschen von 1,75 auf 1,5 Liter, sie kosten nun um 20 Pence mehr. Ein Liter Coca-Cola enthält bereits 106 Gramm Zucker.

Coca-Cola Zuckerbombe - Flaschenvergleich

Wirtschaftliche Auswirkungen

Der Verband der Soft-Drink-Hersteller weist darauf hin, dass 340.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von den 13 Milliarden Litern Limonade abhängen, die die Briten jedes Jahr in sich hineinschütten. Allerdings trinken sie von Jahr zu Jahr etwas weniger davon, die Berichte über die Gefahren von Zucker haben gewirkt. Während die britische Regierung 2016 noch von 520 Millionen Pfund Steuereinnahmen für 2018-2019 ausging, rechnet das OBR nun mit weniger als 240 Millionen Pfund Einnahmen. Die neue Steuer dürfte daher auch nicht 520 Millionen Pfund, wie ursprünglich vorhergesagt, in die Kassen spülen, sondern deutlich weniger.

Zuckersteuer: Diskussion und Auswirkungen in UK

Gesundheitliche Effekte der Steuer

Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Cambridge hat die Auswirkungen dieser „Zuckersteuer“ untersucht. Grundlage ihrer Untersuchung waren Umfrage-Ergebnisse der „National Diet and Nutrition Survey“ (NDNS), einer kontinuierlichen Querschnittsumfrage zu Lebensmittelkonsum, Nährstoffaufnahme und Ernährungszustand der in britischen Privathaushalten lebenden Allgemeinbevölkerung. Die NDNS wird finanziert vom „Office for Health Improvement and Disparities“ (OHID) und von der „UK Food Standards Agency“ (FSA). Das Forschungsteam verwendete eine repräsentative Stichprobe von 7.999 Erwachsenen und 7.656 Kindern und Jugendlichen (anderthalb bis 19 Jahre) aus den Jahren 2011 bis 2019.

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Die Ergebnisse sind erfreulich: Kinder nahmen mit 47,8 Gramm im Vergleich zu zuvor 62,4 Gramm pro Tag deutlich weniger Zucker aus der gesamten Nahrung zu sich, bei Erwachsenen sank der Zuckerkonsum von täglich 57,9 Gramm auf 47,9 Gramm Zucker. In den ersten elf Monaten nach ihrer Einführung konsumierten Kinder täglich rund 5 Gramm weniger zugesetzten Zucker, als nach der Fortschreibung der Daten zu erwarten gewesen wäre. Erwachsene nahmen 11 Gramm weniger Zucker zu sich.

Studie Zuckeraufnahme Kinder & Erwachsene - UK

Als Folge der Zuckersteuer wurden bis 2020 in Großbritannien 12 Prozent weniger Minderjährige zum Ziehen von Zähnen ins Spital eingewiesen. Der hohe Zuckerkonsum und damit auch stark gezuckerte Getränke können Übergewicht und Diabetes vom Typ 2 fördern. Besonders deutlich ist dieser Effekt bei Heranwachsenden.

  • Die britischen Gesundheitsbehörden empfehlen pro Tag maximal 30 Gramm Zucker für Erwachsene, 24 Gramm für Kinder bis 10 Jahre und 19 Gramm für Kinder bis 6 Jahre.
  • Heranwachsende in Großbritannien nahmen etwa 70 Gramm Zucker pro Tag zu sich, schreiben die Autoren der Studie aus Cambridge.
  • Eine wesentliche Quelle sind Süssgetränke.

Gesellschaftliche und politische Debatte

44 Prozent der Konsumenten sagen, sie versuchen, weniger Zucker zu essen. Ein NGO-Experte macht Zuckergetränke für Übergewicht und Diabetes verantwortlich. Falsche Ernährungsgewohnheiten führen zu schweren Wohlstandskrankheiten. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) forderte ebenfalls ähnliche Maßnahme auch für Deutschland, um den hohen Softdrink-Konsum zu senken.

„Wir dürfen nicht weiter zusehen, wie durch überzuckerte Produkte die Gesundheit unserer Kinder gefährdet wird. Und das gilt nicht nur für Softdrinks“, sagte Kinder-und Jugendarzt Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Er sieht die Politik gefordert. Projekte zu gesunder Ernährung in Schulen reichten in keiner Weise, um den riskanten Trend zu stoppen. „Wir brauchen Maßnahmen, die dauerhaft sind und die ganze Bevölkerung erreichen“, betonte er.

Experten fordern, in Deutschland den Mehrwertsteuersatz für Softdrinks von derzeit 19 Prozent auf 29 Prozent anzuheben. Für ungesunde Produkte, wie Fertigpizzas sollte der Satz auf 19 Prozent (statt heute 7 Prozent ) steigen. Im Gegenzug sollten dafür Obst und Gemüse (heute 7 Prozent) gänzlich von der Mehrwertsteuer befreit werden.

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Kritik und Zukunftsaussichten

Foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner und Finanzminister Olaf Scholz auf, in Deutschland ebenfalls eine Herstellerabgabe auf übersüßte Getränke einzuführen und im Gegenzug Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer zu befreien. Ernährungsministerin Julia Klöckner hält eine Zucker-Abgabe jedoch „für den falschen Weg“. Die Abgabe sollte zudem auch Süßstoffe umfassen.

Rezepturänderungen sollten darauf abzielen, nicht nur den Gehalt von Zucker, sondern den Süßgeschmack insgesamt zu verringern, um der Gewöhnung bei jungen Menschen entgegen­zuwirken.

Zukunft Softdrinks: Weniger Zucker, mehr Süßstoff

Weitere Initiativen zur Zuckerreduktion

Die dem Gesundheitsministerium angegliederte Behörde Public Health England hat die Hersteller von Süßigkeiten und Keksen aufgefordert, den Zuckergehalt ihrer Produkte bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Das soll zunächst freiwillig geschehen.

  • Public Health England fordert auch Süßwarenhersteller zur Zuckerreduktion auf.
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  • Mit neuen Formaten wirbt Coca-Cola bei Jugendlichen.

Fazit: Die Rolle von Coca-Cola und die Zukunft zuckerhaltiger Getränke in England

Die Einführung der Zuckersteuer hat dazu geführt, dass der Zuckergehalt von Softdrinks in Großbritannien massiv gesenkt wurde. Coca-Cola und andere Hersteller haben ihre Rezepturen den neuen gesetzlichen Vorgaben angepasst, indem sie Zucker gegen Süßstoffe tauschten. Die Coke selbst blieb eine Ausnahme und enthält weiterhin viel Zucker, was sich im Preis und Flaschengröße widerspiegelt. Studien bescheinigen der Zuckersteuer echte Auswirkungen auf die Gesundheit - insbesondere bei Kindern. Die gesellschaftliche Debatte über die beste Strategie zur Reduktion von Zucker und dem Süßgeschmack in Lebensmitteln hält an und wird wohl auch künftig die Entwicklung auf dem Getränkemarkt beeinflussen.

Zuckerreduktion: Gesundheits- und Markttrend - England

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