Chivers Orangenmarmelade: Geschichte und Herstellung eines britischen Klassikers

Wenn man an typisch englische Brotaufstriche denkt, steht die Orangenmarmelade ganz oben auf der Liste - und Chivers gilt hier als Synonym für beste Qualität und Tradition. Die Geschichte und Herstellung dieses beliebten Produkts sind eng mit der Entwicklung des englischen Geschmacks und handwerklicher Sorgfalt verbunden. Chivers Orangenmarmelade verbindet heute unverwechselbaren Geschmack mit einer langen Vergangenheit und inspiriert sowohl klassische Rezepte als auch neue Kreationen.

Historischer Ursprung der Marmelade

Die ersten süßen Brotaufstriche gab es bereits in der Zeit des Römischen Reiches. Bei Ausgrabungen in Italien fanden Archäologen Anfang des 20. Jahrhunderts Reste von Zwetschgenmus in alten Tongefäßen. Das Mus wurde damals mit Zuckerrohr vermischt. Der Name Marmelade stammt vermutlich von dem griechischen Wort mermelata beziehungsweise leitet sich von dem spanischen Wort mermelada ab.

Der portugiesische Begriff marmelo bezeichnet die Quitte, aus der im portugiesischen Raum die ersten süßen Brotaufstriche hergestellt wurden. Vermutlich bedeutete „marmalade“ im Englischen eine Zeitlang auch Quittengelee, ehe sich die Bedeutung verengte. Genau wie Quitten enthalten Zitrusfrüchte von Natur aus Pektin, das beim Kochen geliert.

Archäologische Funde von Mus in Tongefäßen

Die Entstehung der englischen Orangenmarmelade

Die berühmte schottische Orangenmarmelade entstand durch einen Zufall. Ein geschäftstüchtiger Kaufmann erwarb gegen Ende des 18. Jahrhunderts im schottischen Dundee eine Schiffsladung Bitterorangen. Die Früchte waren roh nicht genießbar. Die Ehefrau des Kaufmanns zerkleinerte die Früchte und kochte sie mit viel Zucker ein. Die Kaufleute boten die Marmelade in ihrem Geschäft erfolgreich an. Noch heute gehört die schottische Bitterorangenmarmelade zu den beliebtesten und bekanntesten Marmeladen der Welt.

Die Nachfrage nach weiteren Marmeladen in Dundee war groß. Auf das schottische Ehepaar Janet und James Keiller geht deshalb die Gründung der ersten Marmeladenmanufaktur zurück. Die industrielle Produktion von Bitterorangenmarmelade begann in Schottland bereits 1797.

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Historische Darstellung: Dundee und die ersten Marmeladenfabriken

Chivers: Der Beginn einer britischen Erfolgsgeschichte

Den Grundstein für den Erfolg der britischen Traditionsmarmelade legte Stephen Chivers als er 1873 in Cambridge die erste Chivers Marmelade aus eigenen Früchten kreierte und kurz darauf den Entschluss fasste, spanische Bitterorangen zu verarbeiten. Daraus ging die Sorte Chivers Olde English hervor, welche die Türen in das britische Königshaus öffnete.

Für alle Produkte verwendet Chivers nur die besten Früchte und Zutaten und garantiert damit die konstant hohe Qualität. Neben den Klassikern „Olde English“ (herb), „English Orange“ (feinherb) und „Fruity Orange“ (fruchtig-süß) bietet Chivers auch ausgefallene Geschmacksrichtungen wie „Ingwer & Limette“ oder „Orange & Ingwer“.

1911 wurde Chivers aufgrund seiner hohen Qualitätsstandards zum ständigen Hoflieferanten der königlichen Familie ernannt und erhielt den Royal Warrant (die königliche Qualitätsauszeichnung).

Chivers Plantagen und Manufaktur
Marmeladensorten von Chivers Geschmack Besonderheit
Olde English herb Klassisch, Bitterorangen
English Orange feinherb Fruchtiger, milder
Fruity Orange fruchtig-süß Süßer Geschmack
Ingwer & Limette frisch, würzig Moderne Variante
Orange & Ingwer herb-würzig Innovative Geschmackskombination

Typisch englisch: Warum Zitrusmarmelade?

Knuspriger Toast mit Zitrusmarmelade - zum Frühstück ein Genuss! Aber bevor wir reinbeißen, stellt sich uns die Frage: Wieso ist Zitrusmarmelade eigentlich typisch englisch? Bekanntlich wachsen auf den Britischen Inseln keine Zitrusfrüchte, oder wenn doch, dann nur die kleine Ziervariante, die im Winter in die Orangerie muss.

Das Rätsel liegt, wie so oft, in der Geschichte. Als Seefahrernation importierte England schon vor Jahrhunderten exotische Produkte und so waren Orangen und andere Zitrusfrüchte bereits im 17. Jahrhundert verbreitet und wurden in London von sogenannten Orangenmädchen verkauft. An Bord der Schiffe selbst waren sie ohnehin unverzichtbar, seitdem man erkannt hatte, dass sie gegen die Seefahrer-Krankheit Skorbut (die von Vitamin-C-Mangel verursacht wird) vorbeugten.

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Das Wort Marmelade - auf Englisch „marmalade“ mit einem A mehr als bei uns - wurde ebenfalls importiert, und zwar aus dem Portugiesischen; „marmelo“ heißt allerdings Quitte und nicht Orange.

Orangenmädchen und britische Kolonialgeschichte

Die Zutaten und Herstellung von Orangenmarmelade

Grundzutat für Zitrusmarmelade ist übrigens die Pomeranze, die Bitterorange. Da es bei Orangen und Co. allerdings vor allem in der Schale sitzt, werden die Schalen für Zitrusmarmelade immer mitgekocht und teilweise noch klein geschnittene beigefügt - für viele Kenner das Beste!

Bietet den typischen leicht bitteren Geschmack einer englischen Orangenmarmelade und schmeckt zugleich sehr fruchtig und natürlich. Durchzogen von fein geschnittener Zitronenschale mit einem fruchtig-süßen Geschmack.

Von der Manufaktur zur industriellen Produktion

Die industrielle Herstellung von Marmelade begann bereits im 19. Jahrhundert. In Deutschland gab es die erste industriell hergestellte Marmelade zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu kaufen. Im Süden Deutschlands entstanden in dieser Zeit mehrere Marmeladenfabriken. Einige der Unternehmen gibt es noch heute.

Parallel dazu war im deutschsprachigen Raum das Einkochen von Gartenfrüchten eine notwendige Tätigkeit der Hausfrauen. Mithilfe eines sogenannten Einkochtopfes wurden im Haushalt aus Gartenfrüchten Marmeladen, Konfitüren und Gelees zubereitet und in Gläser abgefüllt. Die Aufstriche dienten der Bevorratung für die lange Winterzeit. Noch bis in die 1980er Jahre gab es die Tradition des Einkochens in vielen deutschen Haushalten. Heute erleben selbst zubereitete Marmeladen und Gelees ein Comeback.

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Industrielle Marmeladenproduktion

Marmelade und Konfitüre im Vergleich

Marmeladen vs. Zwischen Marmeladen und Konfitüren gibt es keinen geschmacklichen Unterschied. Konfitüren besitzen lediglich kleine Fruchtstücke, was bei Marmeladen nicht der Fall ist. Marmeladen werden nach dem Kochen noch durch ein Sieb gestrichen. Beide Arten von Fruchtaufstrichen gab es bis vor kurzem parallel im Handel zu kaufen.

Inzwischen ist der Name durch die Konfitürenverordnung klar geregelt. Als Marmeladen gelten nur noch Fruchtaufstriche aus Zitrusfrüchten. Die EU-Rechtsprechung hat diese Definition übernommen, sodass es eigentlich keine Marmelade aus Kirschen oder Erdbeeren mehr geben darf, sondern nur noch Konfitüre oder Gelee. Im deutschen Alltagssprachgebrauch ist diese Regelung allerdings nicht so recht angekommen.

Marmelade vs. Konfitüre: Unterschied grafisch dargestellt

Kulinarische Verwendung: Rezepte mit Chivers Orangenmarmelade

Orangenmarmelade ist nicht nur auf Toast ein Genuss - sie ist eine vielseitige Zutat für kreative Rezepte:

  • Keksrezepte: Teig zu einer Kugel formen und ca. 15 Minuten lang in den Kühlschrank geben. Aus dem Teig Rollen formen, flach drücken, und für 10-12 Minuten anbacken. Mit Orangenmarmelade füllen und weitere 8-10 Minuten backen. Mit Zuckerguss dekorieren.
  • Lemon-Curd-Kekse: Butter, Ei, Puderzucker, Vanillemark und Zitronenabrieb zugeben, zu einem Teig verkneten und kaltstellen. Runde Kekse ausstechen, Lemon-Curd darauf geben und mit einem zweiten Keks bedecken, dann backen.
  • Overnight Oats: Haferflocken mit Milch und Honig verrühren, mit Lemon Curd und Früchten wie Heidelbeeren, Basilikum oder Mandeln garnieren.
  • Salat mit Orangenmarmelade: Couscous mit Chivers Lemon Curd, Limettenabrieb und Olivenöl vermengen, frische Orangenfilets und Salat im Glas schichten.
  • Flammkuchen mit Marmelade: Teig dünn ausrollen, mit Schmand und Orangenmarmelade bestreichen, frische Orangenfilets und Basilikum als Topping.
  • Franzbrötchen & Zimtschnecken: Teig ausrollen, mit Orangenmarmelade bestreichen, mit Zucker und Zimt bestreuen, einrollen und in Scheiben schneiden, dann backen.
  • Hasen mit Ginger Jam: Quark-Teig ausstechen, Ginger Jam zwischen zwei Hasengebäck verteilen, backen und mit Butter bestreichen.

Diese Rezepte zeigen, wie vielseitig Chivers Orangenmarmelade in der Küche eingesetzt werden kann.

Schritt-für-Schritt Video: Orangenmarmeladen-Kekse mit Chivers

Chivers im britischen Alltag und Popkultur

Für Paddington birgt die orangefarbene Masse sogar Zauberkräfte. Stand: 23.11.2017, 15:26 Uhr. Paddington schmeckt’s nicht. Kein Wunder, der kleine Bär sitzt gerade im Knast. Unschuldig natürlich, Paddington ist ein sanfter Gentleman. Keiner seiner harten Mitgefangenen traut sich, über das grässliche Essen zu meckern, alle zittern vor dem Koch, einem brutalen Mithäftling. Allein Paddington stellt sich vor den bulligen Knuckles und beschwert sich. Bevor er von diesem zermalmt wird, zückt er seine Wunderwaffe: Orangenmarmeladensandwiches. Die trägt der Bär nämlich immer unter dem Schlapphut, für alle Notfälle. Hat ihm schon im ersten Film geholfen. Und nun wieder in der Fortsetzung, die am Donnerstag in die deutschen Kinos kommt.

Paddington Bär mit Orangenmarmeladen-Sandwich

Fazit: Chivers Orangenmarmelade als Inbegriff britischer Genusskultur

Die Geschichte um die Schöpfung eines der wohl britischsten Produkte liest sich wie ein Roman: Ein spanisches Handelsschiff, voll beladen mit Bitterorangen, wird von der stürmischen See in den Hafen von Dundee gezwungen. Um die kostbaren Früchte vor dem Verderben zu retten, wurden sie kleingeschnitten und mit einer guten Portion Zucker eingekocht. Was damals in Schottland aus der Not heraus entstand, wurde im 19. Jahrhundert zur britischen Tradition und Genusskultur. Chivers ist heute nicht nur ein Name, sondern ein Symbol für hochwertige, englische Orangenmarmelade, die Geschichte und Geschmack vereint.

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