Chateau Lübecker Marzipan — Geschichte, Herstellung und Sorten

Das Lübecker Marzipan gehört untrennbar zur Hansestadt an der Trave und ist heute in Lübeck mit einer geschützten Herkunftsbezeichnung zuhause. Obwohl die süße Spezialität ursprünglich aus dem Orient stammt, ist sie heute in Lübeck mit einer geschützten Herkunftsbezeichnung zuhause. Begib dich auf seine Spuren und erfahre mehr über Lübecks berühmteste Nascherei!

Ursprung und historische Reise

Marzipan ist hierzulande seit dem Mittelalter bekannt. Aus dem Orient kommend trat es im 12. Jahrhundert seinen Siegeszug im Abendland an. Schon um 900 erwähnte es der persische Arzt Rhazes in arabischen Medizinschriften. Im Orient erlangte die süße Mandelmasse als „Haremskonfekt“ Berühmtheit und der Sage nach wurde auf jedes Stück Naschwerk das Abbild eines Herrschers geprägt. Manche Erklärungen führen den Namen auf das lateinische marci panis als „Markusbrot“ zurück, andere auf das spanische mazapan oder das arabische mauthaban, eine byzantinische Münze.

Die gewaltigen Hansekoggen brachten Gewürze und andere gepriesene Zutaten in den hohen Norden. Mandeln und Rohrzucker, zu dieser Zeit äußerst luxuriöse Zutaten, stammten aus Persien. Damals lagen in den Häfen die Hansekoggen der Kaufleute. Mit ihren großen Frachträumen und der Hochseetauglichkeit boten sie optimale Voraussetzungen für den Transport großer Mengen kostbarer Güter aus dem fernen Osten. Lübeck prosperierte durch den Seehandel zur „Königin der Hanse".

Lübeck und die Legende vom Mandelbrot

Die Legende von der Erfindung der Süßware wird in Lübeck gern erzählt. Im 17. Jahrhundert, da die Stadt von den Schweden belagert wurde, begannen die Vorräte knapp zu werden. Dem Volk drohte der Hunger. Ein einfallsreicher Bäcker kam auf die Idee aus reichlich gestampften Mandeln und Zucker, denn dies waren die einzigen Lebensmittel, die noch in den Speichern der Stadt zu finden waren, Brote zu kreieren. Die Mandelbrote retteten den belagerten Lübeckern durch ihre Nahrhaftigkeit das Leben.

Glaubt man der lokalen Legende, wurde das Marzipan sogar in Lübeck erfunden. Als 1407 eine Hungersnot drohte, weil die Lübecker Kornspeicher leer standen, soll der Senat der Stadt die Bäcker beauftragt haben, ihr Brot aus Mandeln zu backen: Marci-panis (Mandelbrot) - die Entstehung des heute berühmten Marzipanbrotes? Ob nun in Spanien, Königsberg, der Provence oder Lübeck hergestellt, Marzipan hat neben seiner spannenden Historie auch geschmacklich viele Geister bewegt.

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Vom Luxusgut zur Volksdelikatesse

Verzehrt wurde Marzipan zunächst ausschließlich von der privilegierten Oberschicht, von Königen, Fürsten und Feldherren. Um auf den edlen Wert der Rohstoffe hinzuweisen, wurde es gebräuchlich, Marzipan an den Höfen sogar mit Blattgold zu überziehen. Bevor sich der Beruf des Zuckerbäckers entwickelte, waren exquisite Substanzen wie Zucker nur Apothekern zugänglich, die damit handeln durften. Somit wurde dem Marzipan zunächst vor allem eine heilende Wirkung nachgesagt.

Nachdem das Marzipan im Mittelalter Einzug in die Lübecker Apotheken gehalten hatte, entdeckte die neue Zunft der Zuckerbäcker es für sich. Zucker war zwar noch immer ein überaus teurer Rohstoff, durfte aber nun frei gehandelt werden. Jedoch kamen vorerst nur der Adel und wohlhabende Bürger:innen in den Genuss der süßen Nascherei. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts konnte auch die restliche Bevölkerung feinstes Marzipan genießen, da die Herstellung der Süßigkeit mit Zucker aus der Zuckerrübe erschwinglicher wurde.

Die Rolle Johann Georg Niedereggers und die Markenbildung

Mit Johann Georg Niederegger begann der wahre Siegeszug des Lübecker Marzipans im 19. Jahrhundert. Die Lehr- und Wanderjahre führten ihn als jungen Mann von Ulm nach Lübeck, und im Jahre 1806 konnte er sein eigenes Geschäft eröffnen. Fortan konnte er durch beste Qualität ständig den Ruf mehren. Sein Marzipanrezept aus soviel Mandeln wie möglich, so viel Zucker wie nötig, dazu noch ein Geheimnis, wird seit seinem Tode von Generation zu Generation weitergereicht.

Nach dieser etwas schwierigen Anfangsphase war die Erfolgsgeschichte des Niederegger Marzipans nicht mehr zu verhindern. Sein Unternehmen brachte den zart-süßen Rohstoff in großem Stil auf den Markt, sodass er bald weltweit für Furore sorgte. Heute ist Niederegger ein Unternehmen (J.G. Niederegger GmbH & Co. KG, gegründet von Johann Georg Niederegger), das dieses original Lübecker Marzipan unter strengen Qualitätsstandards herstellt.

Lübecker Marzipan im Schaufenster

Geschützte Herkunft und Qualitätskriterien

Heutzutage ist der Name „Lübecker Marzipan“ nach EU-Recht geschützt, was den hohen Qualitätsanspruch unterstreicht. Original Lübecker Marzipan zeichnet sich durch einen außergewöhnlich hohen Anteil an Mandeln aus - mindestens 70 Prozent dieser edlen Nüsse stecken darin. Das heißt, Niederegger ist eine Premium-Marke innerhalb der Lübecker Marzipanhersteller. Das Clou: Bei echtem Lübecker Marzipan beträgt das Verhältnis von Marzipanrohmasse (bestehend aus Mandeln) zu Zucker 70:30. Dieses ausgewogene Mischverhältnis sorgt für den besonders feinen und nussig-süßen Geschmack, für den Lübeck weltweit bekannt ist.

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Das Lübecker Marzipan trägt die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) und ist durch ein spezielles EU-Siegel gekennzeichnet. Dadurch dürfen ausschließlich Erzeugnisse, die innerhalb der Stadtgrenzen Lübecks und nach festgelegten Kriterien produziert werden, diesen Namen tragen. Das EU-Siegel bietet Verbrauchern zusätzliche Gewissheit: Alle Produktionsschritte - vom Rösten der Mandeln bis hin zur fertigen Marzipanmasse - finden komplett in Lübeck statt.

Rohstoffe und traditionelle Herstellung

Die Grundzutaten für die berühmte Köstlichkeit sind schnell aufgezählt: Mandeln, Zucker und Rosenwasser zur Aromatisierung. Mandeln bilden das Herzstück von Marzipan und bestimmen maßgeblich dessen Charakter. Besonders beim Lübecker Marzipan liegt ihr Anteil bei mindestens 70 Prozent, wobei ausschließlich ausgewählte, aromatische Sorten verwendet werden. Danach kommen die Mandeln in die Mühle, wo sie zu einer feinen Paste verarbeitet werden. Diese glatte Masse sorgt später für die charakteristische Zartheit des Marzipans.

Marzipanrohmasse: Hier liegen Mandeln (oder manchmal Aprikosenkerne) und Zucker bereits zerkleinert vor; sie bilden die Grundlage für jedes Marzipan. Marzipan: Um dieses Endprodukt herzustellen, wird der Rohmasse meist nochmal zusätzlicher Zucker oder Glukosesirup beigemischt, bis die gewünschte Süße erreicht ist. Walzwerke machen aus dem Gemisch einen zähen Brei, der traditionell in Kupferkesseln über offener Flamme geröstet wird. Was nun kommt, ist weitgehend geheim: Der Marzipanmacher verfeinert seine Köstlichkeit mit Rosenwasser und oft auch einem kleinen Anteil Bittermandeln - die genauen Rezepte werden natürlich nicht verraten.

Herstellungsübersicht (vereinfacht)

SchrittBeschreibung
Auswahl der MandelnNur besonders aromatische Sorten, geringe Bittermandelanteile
Reinigen & SchälenMandeln werden gereinigt, geschält und verlesen
MahlenMandeln werden zu feiner Paste gemahlen
MischenZucker und Rohmasse werden zu Marzipanrohmasse verarbeitet
VerfeinernRosenwasser, ggf. Bittermandelanteile, geheime Zutaten
Formen & VeredelnModellieren, mit Schokolade überziehen oder glasieren
Herstellung von Lübecker Marzipan in der Manufaktur

Sorten, Variationen und Einsatzgebiete

Marzipan ist so variantenreich wie geschmackvoll, man kennt es als geformte Glücksschweine, Schornsteinfeger- oder Hufeisenfiguren zum Jahreswechsel, Kuchenfüllung oder Hochzeitstortendekoration und in der Adventszeit als mit einer feinen Zimtschicht bestaubte Kartöffelchen oder mit herber Schokolade überzogene Marzipanbrote. Irgendwann begann man nämlich in Lübeck die feine hellgelbe Masse aus Mandeln und Zucker mit Schokolade zu überziehen. So wurde das Marzipan zur Praline.

Die Auswahl an Marzipan-Spezialitäten aus Lübeck ist wirklich beeindruckend. Jede Sorte überrascht mit eigenen Formen und Füllungen. Viele Betriebe experimentieren mutig mit neuen Zutaten und außergewöhnlichen Designs, bleiben dabei aber stets ihrer handwerklichen Tradition treu. Wer Pralinen aus Lübecker Marzipan probiert, entdeckt noch mehr Vielfalt: Das weiche Marzipan trifft auf dunkle Schokolade oder wird mit besonderen Zutaten kombiniert.

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Beim Persipan nimmt man statt Mandeln Aprikosen- oder Pfirsichkerne, deren Bitterstoffe jedoch vor der Verarbeitung entfernt werden müssen. In sehr ähnlichen Verfahren werden Persipan und Nougat hergestellt. Alle Naschvarianten haben eines gemeinsam: Sie sind sehr nahrhaft.

Kultur, Tourismus und Wirtschaft in Lübeck

Das Lübecker Marzipan hat eine ganz eigene Geschichte: Um 1800 begann der Aufstieg der süßen Versuchung zum Lübecker Wahrzeichen. Heute ist Lübecker Marzipan wie Nürnberger Lebkuchen oder Aachener Printen eine gesetzlich geschützte Herkunftsbezeichnung. Das Lübecker Marzipan ist ein Sinnbild echter Handwerkskunst und steht für außergewöhnliche Qualität.

Marzipan ist für Lübeck ein Wirtschaftsfaktor geworden. Das Marzipan zeichnet sich durch eine außergewöhnlich feine Textur und ein unverwechselbares Aroma aus - Eigenschaften, die Genießer weltweit schätzen. Viele schwören auf das original „Lübecker Marzipan“ aus Traditionsbetrieben wie Niederegger, Carsten, MEST oder Lubeca. Es gibt heute mehrere große Firmen, die Lübecker Marzipan herstellen und in die ganze Welt exportieren. Heute wird diese Spezialität in über 60 Ländern verkauft - darunter etwa die USA, Japan oder Großbritannien, wo sie besonders gefragte Exportware ist.

In den spezialisierten Läden und Marzipan-Speichern der Stadt, wie beim Lübecker Marzipan-Speicher, staunt man über die vielfältigen Kreationen. Viele Hersteller integrieren ein Café, in dem man sich bei Kaffee oder Tee ein Stück Marzipantorte gönnen und den Geschmack direkt vor Ort genießen kann. Im Marzipan-Museum im Obergeschoss des Café Niederegger lernt man alles über die Produktion und Geschichte des Lübecker Marzipans. Einige Hersteller oder Cafés bieten gelegentlich Führungen oder Sonderaktionen an, bei denen man zum Beispiel lernt, wie die Mandeln geröstet und verarbeitet werden.

Marzipanfiguren im Lübecker Marzipan-Museum

Mythen, Literatur und Marzipan in der Kultur

Der große Erzähler Boccaccio macht in seinen Geschichten den Zusammenhang zwischen Leidenschaft und Marzipan deutlich. Der Gelehrte Thomas von Aquin nahm das Marzipan sogar von der Liste der verbotenen Speisen während des Fastens, so sehr hatte ihn wohl der Genuss der Mandelspeise betört. Der Lübecker Dichterfürst und Nobelpreisträger Thomas Mann wurde in Marzipan verewigt. Als „Haremskonfekt" bezeichnete es Thomas Mann und fand, es liege schwer im Magen. Trotz der kritischen Distanz, die der Literaturnobelpreisträger zu der süßen Nascherei einnahm: Viele Menschen lieben es - und das nicht nur in der Marzipanstadt Lübeck.

Um geheimnisvolle Rezepte, Spionage und den Kampf um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Lübecker Marzipan-Welt ranken sich einige historische Romane, wie etwa das Buch "Das Marzipanmädchen" von Lena Johannson und "Lübecker Marzipan oder fünfzehn Rosen" von Harald Eschenburg, aber auch der vor zwei Jahren gedrehte Fernseh-Vierteiler "Der letzte Patriarch" mit Mario Adorf in der Hauptrolle.

Praktische Hinweise für Genießer und Besucher

Wer das alles ausgiebig erleben möchte, braucht eine komfortable Unterkunft: Im Premier Inn Lübeck kann man sich nach einem ereignisreichen Tag in superbequemen Betten traumhaft erholen. Marzipanland-Besuche, ein Bummel zum Holstentor, Liebe zu süßen Delikatessen oder Kultur in den engen Gängen der Altstadt: In Lübeck gibt es viel zu entdecken. Mit einem Stück hochwertigem Lübecker Marzipan in der Tasche macht man sich gern wieder auf den Weg durch die historisch geprägten Straßen dieser Hansestadt. So wird jeder Aufenthalt zu einem genussvollen Erlebnis in der Marzipan-Hochburg!

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