Ist brauner Zucker für Diabetiker geeignet? Eine ausführliche Analyse

Die Frage, ob brauner Zucker für Menschen mit Diabetes geeignet ist, beschäftigt viele Betroffene. Gerade, weil brauner Zucker oft als gesündere Alternative zum klassischen weißen Zucker vermarktet wird, herrscht Unsicherheit darüber, ob er tatsächlich besser für den Blutzuckerspiegel und die allgemeine Gesundheit ist. In diesem Artikel beleuchten wir detailliert die Unterschiede zwischen braunem und weißem Zucker, den Einfluss verschiedener Zuckerarten auf den Stoffwechsel sowie spezielle Empfehlungen für Diabetiker.

Zuckerarten und ihre Verwendung in Lebensmitteln

Brauner Zucker: Herstellung, Zusammensetzung und Nährwert

Brauner Zucker entspricht bezüglich seiner chemischen Struktur dem normalen weißen Haushaltszucker. Die unterschiedliche Färbung des Haushaltszuckers beruht auf der Herstellungsmethode. Bei der Herstellung von braunem Zucker wird zunächst der Zellsaft aus zerkleinerten Zuckerrüben oder Zuckerrohr mit heißem Wasser herausgelöst. Dieser wird zu sogenanntem Dicksaft eingedampft, welcher zu Sirup verarbeitet wird. Wenn dieser Sirup auskristallisiert, entstehen Melasse und Rohzucker.

Brauner Zucker und Rohrzucker enthalten etwas mehr Mineralstoffe als weißer Raffinadezucker (Haushaltszucker), vor allem Kalium. Dieser Unterschied ist auf den Melasse-Anteil des braunen Zuckers zurückzuführen, der bei der Herstellung von weißem Raffinadezucker vollständig entfernt wird. Brauner Rohzucker enthält in erster Linie mehr Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen.

Weil ihr Anteil jedoch insgesamt sehr gering ist, wirkt sich dies nicht auf die Versorgung mit Nährstoffen aus. Hinsichtlich des Nährstoffgehalts gibt es allenfalls sehr geringfügige Abweichungen bei den Zuckersorten. Brauner Zucker enthält genauso viele Kalorien wie weißer Zucker. Außerdem weist er einen identischen Anteil an Kohlenhydraten auf und begünstigt in gleicher Weise die Entstehung von Karies.

Herstellung und Kristallstruktur von braunem und weißem Zucker

Brauner Zucker: Haltbarkeit und Geschmack

Der Unterschied zwischen weißem und braunem Zucker liegt in erster Linie im Geschmack. Weißer Zucker schmeckt nur süß, während brauner Zucker ein leicht malziges, karamellartiges Aroma aufweist. Die Melasse sorgt nicht nur für die braune Farbe, sondern auch für das besondere Aroma. Sie enthält außerdem geringe Mengen Feuchtigkeit, die es Mikroorganismen ermöglicht, sich zu vermehren. Weißer Zucker ist außerdem nahezu unbegrenzt haltbar, während brauner Zucker verderben kann. Brauner Zucker muss unbedingt kühl und trocken gelagert werden und außerdem schneller verbraucht werden als weißer Zucker.

Lesen Sie auch: Keksteig zum Naschen: So geht's!

Wie wirkt Zucker auf den Blutzucker und speziell bei Diabetes?

Zucker zählt zu den Kohlenhydraten und wird in verschiedene Gruppen eingeteilt. Es gibt einfache Kohlenhydrate, z. B. Glucose (Traubenzucker) oder Fruktose (Fruchtzucker), und komplexe Kohlenhydrate wie z. B. Stärke. Weiße und braune Zuckerarten bestehen hauptsächlich aus Saccharose, also Zweifachzucker. Haushaltszucker (egal in welcher Form) hat ca. 400 kcal pro 100g.

Die Verdauung und Aufnahme von Kohlenhydraten (und Zucker sind Kohlenhydrate) erfolgt bereits im Mund. Einfache Kohlenhydrate gelangen meist süß schmeckend sehr schnell aus unserem Darm ins Blut. Weil die meisten einfachen Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel rasch und stark erhöhen, solltest du maßvoll damit umgehen.

Zucker macht krank - hört man häufig. Aber stimmt das? Diabetes mellitus tritt in verschiedenen Formen auf und wird auch Zuckerkrankheit genannt. Viele glauben deshalb, dass man Diabetes bekommt, wenn man viel Zucker isst. Tatsächlich hat Diabetes den Spitznamen aber, weil der Blutzuckerspiegel bei dieser Erkrankung Achterbahn fährt, da der Körper seinen Insulinhaushalt nicht mehr richtig regulieren kann.

Wie Zucker im Körper wirkt und was bei Diabetes passiert

Dass der übermäßige Verzehr von Zucker einen direkten Einfluss auf die Entstehung hat, konnten Studien bislang nicht belegen. Weitere gesundheitliche Probleme ergeben sich jedoch durch den sprunghaft ansteigenden Blutzuckerspiegel nach dem Zuckerkonsum. Die Bauchspeicheldrüse produziert vermehrt Insulin, um die Glukose in die Zellen zu verlagern. Übergewicht gilt als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Krankheiten wie dem metabolischen Syndrom oder Diabetes.

Der Körper kann Kohlenhydrate und Zucker nur dann als Energiespeicher nutzen, wenn sie nicht im Übermaß gegessen werden. Wer die empfohlene tägliche Maximalmenge an Kalorien, zu der auch der Zucker in Lebensmitteln beiträgt, regelmäßig überschreitet, kann auf Dauer an Gewicht zunehmen.

Lesen Sie auch: Die Geheimnisse von Rohrzucker und braunem Zucker enthüllt.

Zuckerkonsum bei Diabetes: Worauf kommt es an?

Laut Empfehlung der deutschen Ernährungsfachgesellschaften sollten Erwachsene nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag zu sich nehmen, also bis zu 16 Zuckerwürfel. Für Erwachsene mit einem täglichen Durchschnitts-Energieverbrauch von 2.000 kcal sind das bis zu 50 g Zucker am Tag. Diese Menge kann schnell zusammenkommen - vor allem, wenn zuckerhaltige Getränke und Süßigkeiten konsumiert werden.

Im Rahmen einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung ist gegen den maßvollen Genuss von Zucker nichts einzuwenden. Wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, kann auch gelegentlich Zucker konsumieren. Besonders Diabetiker und Diabetikerinnen sollten jedoch beachten, dass Haushaltszucker in jeder Form den Blutzuckerspiegel nach dem Essen schnell in die Höhe treibt und Heißhunger auslösen kann.

Zuckerarten und deren Einfluss auf den Blutzucker bei Diabetes

Ist brauner Zucker gesünder als weißer für Diabetiker?

Eine gesündere Ernährung lässt sich demnach nicht durch die Entscheidung zwischen weißem und braunem Zucker beeinflussen. Brauner Zucker ist demnach nicht als gesünder zu bewerten als weißer Zucker. Der Kalorien- und Kohlenhydratgehalt beider Zuckersorten ist nahezu identisch. Auch begünstigen sie gleichermaßen die Kariesentstehung. Ob Sie Zucker für 0,69 € pro Kilo (weißer Haushaltszucker) oder für 20-30 € pro Kilo (Kokosblütenzucker, Rote-Bananen-Pulver) kaufen, bleibt Ihnen überlassen. Aber einen gesundheitlichen Nutzen haben Sie von beidem nicht.

Die Unterschiede zwischen den Zuckersorten sind aber so minimal, dass sie bei normalen Mengen überhaupt keinen Unterschied machen. Unabhängig von der Farbe und Herstellung des Zuckers zeigt sich also: Zucker bleibt Zucker. Sowohl brauner als auch weißer Zucker bestehen aus Saccharose. Der leicht erhöhte Anteil an Mineralstoffen im braunen Zucker hat keine relevante ernährungsphysiologische Bedeutung.

Selbst der Gebrauch von „natürlichen“ Süßungsmitteln wie Honig, Agavendicksaft oder Ahornsirup bietet für Diabetiker keine nennenswerten Vorteile, da sie zu ähnlich hohem Anteil aus Zucker bestehen und den Blutzucker ähnlich beeinflussen. Ein gesundheitlicher Nutzen durch Enzyme im Honig oder einen geringfügig niedrigeren Glykämischen Index machen diese Süßen trotzdem nicht zu einem „gesunden“ Zuckerersatz.

Lesen Sie auch: Vorteile und Verwendung von braunem Zucker

Vergleich: Kalorien- und Nährstoffgehalt weißer vs. brauner Zucker
Zuckerart Kalorien/100g Kohlenhydrate/100g Mineralstoffe Einfluss auf Blutzucker
Weißer Zucker ~400 kcal ~100g Sehr gering Schneller Anstieg
Brauner Zucker ~400 kcal ~100g Minimal höher (v.a. Kalium) Schneller Anstieg

Empfehlungen für den Zuckerkonsum bei Diabetes

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, pro Tag nicht mehr als zehn Prozent der Nahrungsenergie durch zugesetzten Zucker zu decken. Im Alltag empfiehlt es sich, beim Einkauf auf die Zutatenliste von Lebensmitteln zu achten, denn Zucker kann unter verschiedenen Namen versteckt sein, etwa Glucose, Fruktose, Saccharose oder Sirup.

Am besten halten Sie sich an die Empfehlung, 2 Portionen Obst am Tag zu genießen und gleichzeitig Ihren Blutzuckerspiegel zu beobachten. Auf zu große Mengen Fruchtzucker sollte man allerdings verzichten, da er auch bei Menschen ohne Fructose-Intoleranz schlecht verdaulich ist. Obst ist in natürlicher, unverarbeiteter Form eine sehr gute Quelle für eine Vielfalt an wertvollen Inhaltsstoffen, die für den Erhalt der Gesundheit eine wichtige Rolle spielen.

Bei vielen fruchtigen Fertigprodukten wie Obstsäften oder Smoothies ist der Zuckergehalt sehr hoch und genau wie Haushaltszucker kritisch zu bewerten. Fertige Obstsäfte und Smoothies aus dem Kühlregal enthalten oft große Mengen Zucker und künstliche Aromen. Besonders zuckerhaltig ist Trockenobst, da durch den Entzug von Wasser der Zuckergehalt stark konzentriert wird.

Unabhängig davon, welches Obst Sie bei Diabetes wählen, ist ein weiterer Alltagstipp: Verzehren Sie Obst am besten immer in Kombination mit eiweiß- oder fettreichen Produkten - zum Beispiel in Form eines Fruchtquarks. Das Eiweiß der Milchprodukte kann zudem den Blutzucker langsamer steigen lassen.

Tipps für den Zuckerkonsum bei Diabetes (Infografik)

Süßungsmittel als Alternative für Diabetiker

Süßungsmittel sind Zusatzstoffe aus der Lebensmittelindustrie, die nach EU-Zulassungsprüfung mit einer eigenen E-Nummer gelistet werden. Sie haben kaum bis gar keine Kalorien, greifen die Zähne nicht an und sind geschmacksneutral, was viele Leute positiv bewerten. Vor allem aber haben sie keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel, weshalb Süßungsmittel der ideale Zuckerersatz für Diabetiker sind. Die süß schmeckenden Zuckeralkohole (z.B. Xylit, Erythrit) und Süßstoffe (z.B. Stevia) sind für Diabetikerinnen und Diabetiker häufig besser geeignet als klassischer Zucker.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass brauner Zucker für Diabetiker keinerlei gesundheitlichen Vorteil gegenüber weißem Zucker bietet. Beide Zuckerarten wirken sich nahezu identisch auf den Blutzuckerspiegel aus und fördern bei übermäßigem Konsum die Entwicklung von Übergewicht und Karies. Für Diabetiker und Diabetikerinnen ist daher die Menge viel entscheidender als die Wahl der Zuckersorte.

tags: #ist #brauner #zucker #für #diabetiker #geeignet

Populäre Artikel: