Blutiger Zucker: Ursachen, Symptome und Behandlung von Unter- und Überzuckerungen inklusive diabetischer Ketoazidose
Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine Erkrankung, bei der der Zuckerstoffwechsel gestört ist. Diese führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel der Betroffenen dauerhaft erhöht ist. Mit der Zeit kann dies die Blutgefäße und verschiedene Organe schädigen.
Was ist Diabetes und welche Typen gibt es?
Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine chronische Erkrankung, bei der insbesondere der Zuckerstoffwechsel gestört ist. Abhängig von der Ursache und vom Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung lassen sich verschiedene Diabetes-Typen klassifizieren: Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2, Diabetes Typ 3, Gestationsdiabetes.
- Diabetes mellitus Typ 1: Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift. Bei ihnen die Bauchspeicheldrüse kein oder nur sehr wenig Insulin herstellt. Typ-1-Diabetes betrifft etwa fünf bis zehn Prozent aller Menschen mit Diabetes.
- Diabetes mellitus Typ 2: Typ-2-Diabetes ist eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsel, bei der sowohl genetische Faktoren als auch ein ungesunder Lebensstil eine Rolle spielen. Typ-2-Diabetes ist die häufigste Form von Diabetes und betrifft vor allem ältere Menschen.
- Diabetes Typ 3 und Gestationsdiabetes: Diabetes Typ 3 ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen von Diabetes, die selten auftreten. Bildet sich ein Diabetes mellitus erstmals im Verlauf einer Schwangerschaft aus, bezeichnen Mediziner diese Form als Gestationsdiabetes.
Allgemeine Ursachen und Mechanismen
Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es vermittelt die Aufnahme des Energielieferanten Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Körperzellen und senkt dadurch den Blutzuckerspiegel. Wenn die Zellen weniger empfindlich für Insulin werden (resistent), benötigt der Stoffwechsel immer mehr Insulin.
Die Forschung geht heute davon aus, dass die Insulinresistenz vererbt werden kann. Wer seinen Körper mit vielen Portionen leicht verwertbarer Kohlenhydrate versorgt, hält die Bauchspeicheldrüse im Dauerbetrieb. Bei Typ-2-Diabetikern liegt der Homa-Index durchschnittlich über 5,0. Der ständig erhöhte Insulinspiegel wirkt sich an anderer Stelle aus: Der Körper lagert mehr Fett ein - im Bauchraum wie auch in den Organen.
Symptome von Überzuckerung (Hyperglykämie) und diabetischer Ketoazidose
Die krankhaft erhöhten Blutzuckerwerte lösen bei Diabetes vielfältige Symptome aus. Akute Symptome treten insbesondere bei einer Stoffwechselentgleisung auf, wenn der Blutzuckerspiegel extrem hoch ist. Eine diabetische Ketoazidose geht in der Regel mit stark erhöhten Blutzuckerwerten über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) einher.
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- Typische Symptome einer Überzuckerung sind: Müdigkeit, starker Durst, erhöhter Harndrang, Übelkeit, vertiefte Atmung.
- Bei süßlich riechendem Atem und vertiefter Atmung, Müdigkeit und Erbrechen kann es sich um eine diabetische Ketoazidose handeln, die vor allem bei Typ-1-Diabetes auftritt.
- Bei typischen Fällen können auch Werte über 1.000 mg/dl (55,5 mmol/l) auftreten; einige Blutzuckermessgeräte zeigen stark erhöhte Werte nicht an und geben "HI" aus.
Was passiert bei einer Ketoazidose? Wenn zu wenig Insulin im Blut ist, gelangt kein Zucker in die Zellen und der Blutzuckerspiegel steigt an. Um den Energiebedarf anders zu decken, baut der Körper vermehrt Fettreserven ab. Bei diesem Vorgang entstehen saure Ketonkörper. Diese reichern sich im Blut an und führen zu einer Übersäuerung, einer sogenannten Azidose.
Ein Teil der Ketonkörper wird mit dem Harn ausgeschieden und über die Atemluft abgeatmet. Der Atem riecht dann süßlich. Durch den stark erhöhten Blutzucker kommt es zu vermehrtem Harndrang. Das führt zu einem großen Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten. Austrocknung und Kreislauf-Versagen drohen.
Deshalb braucht eine Patientin oder ein Patient mit einer diabetischen Ketoazidose zur Behandlung vor allem eine große Menge an Flüssigkeit. Ohne Gegenmaßnahmen und eine geeignete Therapie führt eine Ketoazidose zu einem diabetischen Koma und ist lebensgefährlich.
Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Überzuckerung
- Bei Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit den Notruf verständigen.
- Ist die Person ansprechbar, fordern Sie sie direkt auf, die Überzuckerung zu behandeln. In der Regel wurde mit dem Diabetes-Fachpersonal vorab ein Plan für Notfälle festgelegt.
- Führen Sie, wenn möglich, einen Test auf Ketone durch.
- Es ist wichtig, dass die Person viel Wasser trinkt.
- Lassen Sie die Person nicht alleine. Helfen Sie ihr in eine sichere Position. Kontrollieren Sie den Blutzuckerwert sowie den Gesundheitszustand regelmäßig.
Gut zu wissen: Bei süßlich riechendem Atem und vertiefter Atmung, Müdigkeit und Erbrechen kann es sich um eine diabetische Ketoazidose handeln. Dies ist eine sehr gefährliche und lebensbedrohliche Notfallsituation.
Symptome und Ursachen von Unterzuckerung (Hypoglykämie)
Bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) enthält das Blut ungewöhnlich wenig Zucker (Glukose). Unterzuckerung (Hypoglykämie) wird häufig durch die Medikamente ausgelöst, die den Diabetes kontrollieren sollen. Viel seltenere Ursachen einer Hypoglykämie sind andere Medikamente, eine schwere Erkrankung oder Organversagen, eine Reaktion auf Kohlenhydrate (bei anfälligen Menschen), ein Insulin-produzierender Tumor in der Bauchspeicheldrüse und einige Arten der bariatrischen Operation.
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Ein Abfall der Blutglukose verursacht Symptome wie Hunger, Schwitzen, Zittern, Ermüdung, Schwäche und fehlendes klares Denkvermögen. Dagegen führt eine schwere Unterzuckerung zu Symptomen wie Verwirrtheit, Krampfanfällen und Koma.
- Leichte Hypoglykämie: Schwitzen, Nervosität, Zittern, Ohnmacht, Herzklopfen und Hunger.
- Schwere Hypoglykämie: Schwindel, Ermüdung, Schwäche, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Verwirrung, undeutliche Sprache, verschwommenes Sehen, Krampfanfälle und Koma.
Symptome von Unterzuckerung entwickeln sich zumeist erst, wenn der Blutzuckerspiegel unter 60 mg/dl (3,3 mmol/l) im Blut abgesunken ist. Der Körper reagiert zunächst auf einen Abfall des Blutzuckerspiegels, indem er Glukagon freisetzt, das primäre Hormon, das die Freisetzung von Glukose aus den Körperspeichern anregt. Auch andere Hormone können ausgeschüttet werden, darunter Adrenalin, Cortisol und Wachstumshormone.
Ursachen für Hypoglykämie im Detail
- Medikamentenbedingt: Die meisten Fälle von Unterzuckerung treten bei Diabetikern auf und werden durch Insulin oder andere Medikamente verursacht (besonders Sulfonylharnstoffe, Glinide).
- Nüchternhypoglykämie: Bei schweren Trinkern, die kaum essen, kann der Alkohol die Bildung von Glukose aus der Leber blockieren. Bei Personen mit Leberkrankheiten kann die Leber eventuell nicht ausreichend Glukose bilden und speichern.
- Postprandiale Hypoglykämie: Kann auftreten, nachdem eine Person eine sehr kohlenhydratreiche Mahlzeit zu sich genommen hat.
- Seltene Ursachen: Insulinom (insulinproduzierender Tumor), hormonelle Störungen (z. B. Addison-Krankheit), chronische Nierenkrankheit, Herzinsuffizienz, Krebs und Sepsis.
Diagnose und Sofortmaßnahmen bei Hypoglykämie
Die Diagnose basiert auf dem Vorfinden von niedrigen Blutzuckerspiegeln, während Symptome auftreten. Bei bekannten Diabetikern kann ein Arzt eine Unterzuckerung vermuten, wenn die Symptome beschrieben werden. Die Diagnose kann bestätigt werden, wenn niedrige Blutzuckerspiegel gemessen werden, während Symptome auftreten.
Sofort-Maßnahmen bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie): Ist die Person ansprechbar, geben Sie ihr etwas Zuckerhaltiges zu trinken oder zu essen. Beispielsweise ein zuckerhaltiges Getränk wie Fruchtsaft oder Limonade. Auch Traubenzuckerplättchen oder andere zuckerhaltige Lebensmittel wie Honig oder Gummibärchen eignen sich.
Ist die Person bewusstlos, flößen Sie ihr nichts in den Mund ein. Es droht Erstickungsgefahr. Bei Bewusstlosigkeit den Notdienst verständigen. Falls vorhanden, nutzen Sie eine Glukagon-Spritze oder ein Glukagon-Nasenspray.
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Behandlung und Prävention
Die Behandlung umfasst Ernährungsumstellung, körperliche Aktivität, Medikamente und Insulintherapie. Mit frühzeitiger Therapie ist die Prognose günstig, aber ohne Behandlung drohen Komplikationen. Wer rechtzeitig den Lebensstil umstellt, kann große Mengen an Medikamenten vermeiden und die Insulinresistenz sogar wieder umkehren. Etwa die Hälfte aller Typ-2-Diabetikerinnen und -Diabetiker könnten ihre Krankheit allein schon durch gezielte Bewegung und eine bewusste Ernährung zurückdrängen.
Bewusste Ernährung bei Diabetes bedeutet: Es gibt zwar keine Tabus - aber die Mengen spielen eine erhebliche Rolle. Kohlenhydrate fördern den Blutzuckeranstieg, einfache Kohlenhydrate lassen den Blutzucker besonders steil ansteigen. Deshalb sollte man bei Diabetes Süßes und Weißmehlprodukte unbedingt einschränken. Brot und Beilagen sollten generell nur in der komplexen, also ballaststoffreichen Variante auf den Tisch kommen: Vollkornbrot, -nudeln, -reis, ungezuckerte Getreideflocken.
Bewegung hilft unmittelbar, weil Muskeln Glukose brauchen: Sie entnehmen ihre Energie dem Blutzucker. Diabetikerinnen und Diabetiker sollten durch gezielte Kraftübungen Muskulatur aufbauen. Daneben brauchen Betroffene regelmäßiges Ausdauertraining, das kann dauerhaft den Blutzuckerspiegel senken.
Tabletten können die Ernährungsumstellung unterstützen. Metformin und einige andere Substanzen (wie zum Beispiel GLP-1-Analoga, SGLT-2-Hemmer) fördern sogar die Gewichtsreduktion. Der Einsatz von Insulin sollte gut abgewogen werden, da ein Teufelskreis aus Gewichtszunahme und Insulin-Dosissteigerung droht.
Behandlung der diabetischen Ketoazidose
Bei einer diabetischen Ketoazidose treten vor allem eine große Menge Flüssigkeit, Ausgleich von Elektrolytverlusten und Gabe von Insulin in der klinischen Behandlung in den Vordergrund. Deshalb braucht eine Patientin oder ein Patient mit einer diabetischen Ketoazidose zur Behandlung vor allem eine große Menge an Flüssigkeit. Ohne Gegenmaßnahmen und eine geeignete Therapie führt eine Ketoazidose zu einem diabetischen Koma und ist lebensgefährlich.
Behandlung der Hypoglykämie
Die Symptome einer Unterzuckerung lassen innerhalb von Minuten nach der Aufnahme von Zucker in jeglicher Form nach, z. B. Süßigkeiten, Glukosetabletten oder einem süßen Getränk wie ein Glas Fruchtsaft. Wenn bei schwerer oder langanhaltender Unterzuckerung die orale Zuckeraufnahme nicht möglich ist, verabreichen Ärzte rasch Glukose intravenös, um Hirnschäden zu vermeiden.
Menschen mit bekanntem Risiko für Episoden einer schweren Unterzuckerung können für Notfälle Glukagon mit sich führen. Die Verabreichung von Glukagon regt die Leber an, große Glukosemengen freizusetzen. Es wird als Injektion oder durch einen Naseninhalator verabreicht und normalisiert die Blutglukose innerhalb von 5 bis 15 Minuten wieder auf ein ausreichendes Niveau.
Folgen bei unbehandeltem Diabetes
Ein unentdeckter Diabetes mellitus, nicht gut eingestellte oder häufig zu hoch liegende Blutzuckerwerte haben Folgen. Sie schädigen beispielsweise die Blutgefäße und Nerven, was zu teils gravierenden Störungen verschiedener Organsysteme und Körperfunktionen führt.
- Nervenschäden (Polyneuropathie): Etwa 30-50 % aller Diabetiker entwickeln im Krankheitsverlauf eine Polyneuropathie.
- Schäden an Blutgefäßen (Mikro- und Makroangiopathie): Können Herz, Gehirn, Augen, Nieren und Haut betreffen.
- Diabetischer Fuß: Schlecht heilende chronische Wunden und Geschwüre im Bereich der Unterschenkel/Füße.
- Psychische Folgen: Ungefähr 20 bis 30 Prozent aller Diabetes-Patienten leiden unter einer depressiven Verstimmung oder einer Depression.
Wann zum Arzt?
Die wichtigsten akuten Diabetes-Symptome sind vermehrter Harndrang, starker Durst, Schwäche, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen sowie Sehstörungen. Bei Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit muss umgehend ärztliche Hilfe gerufen werden. Gut zu wissen: Bei Typ-1-Diabetes tritt die diabetische Ketoazidose häufiger auf, aber auch bei Typ-2-Diabetes kann eine diabetische Ketoazidose auftreten.
| Problem | Typische Werte | Wichtigste Sofortmaßnahme |
|---|---|---|
| Unterzuckerung (Hypoglykämie) | <60 mg/dl (3,3 mmol/l) Orientierung | Traubenzucker, zuckerhaltiges Getränk; bei Bewusstlosigkeit Glukagon/Notruf |
| Schwere Überzuckerung / Ketoazidose | >250 mg/dl (13,9 mmol/l), ggf. >1000 mg/dl | Notruf, viel Flüssigkeit, Kontrolle auf Ketone, stationäre Behandlung |
Diabetes gilt als Volkskrankheit; allein in Deutschland behandeln Ärztinnen und Ärzte rund acht Millionen "Zuckerkranke". Ein Typ-2-Diabetes entsteht meist schleichend und mit unspezifischen Symptomen. Wer rechtzeitig den Lebensstil umstellt, kann große Mengen an Medikamenten vermeiden und die Insulinresistenz sogar wieder umkehren.
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