Bierkonsum bei Diabetes: Was Diabetiker beachten müssen

Ob mit oder ohne Diabetes, im Prinzip gelten im Umgang mit Alkohol für alle die gleichen Regeln. Frauen sollten nicht mehr als zehn Gramm Alkohol pro Tag zu sich nehmen (0,1 Liter Wein oder 0,2 Liter Bier), und Männer nicht mehr als 20 Gramm (0,2 Liter Wein oder 0,4 Liter Bier). Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, die Auswirkungen von Alkohol auf den Blutzucker zu kennen und nicht zu unterschätzen.

Alkohol und Diabetes: Eine Einführung

Wenn Menschen mit Diabetes Empfehlungen für eine gesunde Ernährung erhalten, sollte das Thema Alkohol nicht fehlen. Es geht nicht darum, Alkohol zu verbieten, sondern vielmehr darum, über dieses Genussmittel zu informieren. Alkohol entsteht durch die Vergärung von Zucker aus Obst, Getreide, Reis oder Kartoffeln. Nach der Aufnahme gelangt er schnell aus Magen und Darm ins Blut und beeinflusst den Körper.

Die Auswirkungen von Alkohol auf den Blutzucker

Alkohol kann sowohl ungünstige als auch günstige Auswirkungen haben. In Maßen erhöht Alkohol das "gute" HDL-Cholesterin, das vor Gefäßkrankheiten schützt. Kleine Mengen können auch die Blutgerinnung herabsetzen und das Blut flüssiger machen. Bestimmte Substanzen im Wein, sogenannte Antioxidantien, können die Entstehung einer besonders aggressiven Form des "schlechten" LDL-Cholesterins verzögern.

Alkohol wird über die Leber abgebaut, was Stunden dauern kann. In dieser Zeit blockiert Alkohol die Freisetzung von Traubenzucker aus dem Leberspeicher, was zu einem sinkenden Blutzuckerspiegel führt. Dies kann besonders riskant sein, wenn zuvor starke körperliche Bewegung stattgefunden hat. Es ist wichtig, die Anzeichen einer beginnenden Unterzuckerung zu erkennen, was im Rauschzustand schwierig sein kann.

Praktische Tipps für den Biergenuss bei Diabetes

Allgemeine Empfehlungen

Diabetiker müssen Alkohol nicht grundsätzlich meiden, sollten aber nicht mehr als ein bis zwei "Drinks" pro Tag zu sich nehmen. Ein Drink entspricht einem kleinen Glas Bier (0,3 l) oder 100 bis 150 Milliliter Wein.

Lesen Sie auch: Analyse: Alkoholfreies Bier ohne Zucker

Was Sie beachten sollten:

  • Kohlenhydrate: Für die in Bier enthaltenen Kohlenhydrate sollte kein Insulin gespritzt werden.
  • Essen: Wer Bier trinkt, sollte kohlenhydratreiche Lebensmittel dazu essen.
  • Zeitpunkt: Trinken Sie nicht zu spät am Abend, um eine unbemerkte Unterzuckerung in der Nacht zu vermeiden.
  • Medikamente: Bedenken Sie, dass einige Diabetesmedikamente zusammen mit körperlicher Bewegung die blutzuckersenkende Wirkung von Alkohol verstärken können.
  • Autofahren: Trinken Sie keinen Alkohol vor oder während einer Autofahrt.
  • Blutzucker kontrollieren: Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker nach Alkoholgenuss, um mögliche Blutzuckerschwankungen zu erkennen und rasch reagieren zu können.
  • Blutzucker vor dem Schlafen: Vor dem Einschlafen nach Alkoholgenuss sollte der Blutzucker höher liegen als sonst, zum Beispiel 180 statt 120 mg/dl (10,1 statt 6,7 mmol/I).

Die richtige Wahl des Bieres

Bei der Wahl der Biersorte sind Geschmack, Preis und Alkoholgehalt wichtige Faktoren. Menschen mit Diabetes sollten jedoch auch den Kohlenhydratgehalt berücksichtigen. Kohlenhydratreduzierte Sorten sind eine gute Wahl, da sie deutlich weniger Kohlenhydrate enthalten als normales Bier. Beispiele hierfür sind Jever light, Köstritzer Spezial Pils, Sternquell 70iger und Maisels Edelhopfen. Achten Sie auf die Kennzeichnung „kohlenhydratarm“ oder „kohlenhydratreduziert“ auf dem Etikett.

Leichtbier enthält weniger Zucker und Alkohol und ist ebenfalls eine gute Alternative. Alkoholfreies Bier kann eine sinnvolle Option sein, da es meist weniger Kalorien und Zucker enthält. Achten Sie jedoch darauf, dass „alkoholfrei“ in Deutschland bis zu 0,5 % Alkohol bedeuten kann. Wer komplett auf Alkohol verzichten möchte, sollte Biere mit „0,0 %“ wählen.

Zu vermeidende Getränke

Süße alkoholische Getränke wie Liköre, Cocktails oder süße Weine sollten vermieden werden, da sie viel Zucker enthalten und den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen. Auch bei alkoholfreien Bieren ist Vorsicht geboten, da sie mehr Malzzucker und somit viele Kohlenhydrate enthalten können.

Wann ist Alkohol tabu?

Es gibt Situationen, in denen Menschen mit Diabetes auf Alkohol verzichten sollten:

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Erkrankungen von Leber und Bauchspeicheldrüse
  • Gestörter Fettstoffwechsel
  • Diabetesbedingte Nervenschädigung
  • Erhöhte Neigung zu Unterzuckerungen
  • Schwere Neuropathie
  • Hohe Blutfettwerte
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Erhöhter Blutdruck

Alkohol und Unterzuckerung: Eine gefährliche Kombination

Alkohol kann die Bildung von Glukose in der Leber unterdrücken, was besonders bei gleichzeitiger Einnahme von Insulin oder Sulfonylharnstoffen gefährlich ist. Die Gefahr, eine Unterzuckerung nicht zu erkennen, ist bei starkem Alkoholkonsum besonders hoch. Hypoglykämien können sechs bis 36 Stunden nach Alkoholkonsum eintreten.

Lesen Sie auch: Milch, Bier und Honig: Ein Genuss

Was tun bei Unterzuckerung?

Bei einer akuten Unterzuckerung durch Alkohol hilft kein Glukagon mehr, sondern nur noch eine Zuckerinjektion in die Vene. Lassen Sie es nicht so weit kommen!

Die Rolle von Insulin

Alkoholische Getränke enthalten Zucker und schnelle Kohlenhydrate, die den Blutzucker schnell ansteigen und wieder abfallen lassen. Nach dem Genuss von Alkohol ist die Leber mit dessen Abbau beschäftigt.

Empfehlungen von Experten

Diabetologen empfehlen, vor dem Alkoholkonsum viel zu essen und die Insulindosis entsprechend anzupassen. Bei größeren Mengen Alkohol sollte der Blutzuckerwert eher etwas zu hoch sein. Pro Glas über das erste Glas hinaus sollte eine zusätzliche Sicherheits-BE gegessen werden. Vor dem Schlafengehen sollte der Blutzucker noch einmal gemessen und erhöhte Werte von 200 bis 250 mg/dl nicht sofort korrigiert werden, da Alkohol den Blutzucker auch Stunden nach dem Konsum noch senken kann.

Die positiven Aspekte von moderatem Alkoholkonsum

Mäßiger Alkoholkonsum kann positive Auswirkungen haben: Er erhöht das "gute" HDL-Cholesterin, hemmt die Verklumpungsneigung der Blutkörperchen, bessert die Insulinresistenz und senkt kurzfristig den Blutdruck.

Fazit: Biergenuss in Maßen ist möglich

Menschen mit Diabetes müssen nicht vollständig auf Bier verzichten. Wichtig ist, die Auswirkungen von Alkohol auf den Blutzucker zu kennen, die richtigen Biersorten zu wählen und einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Ein maßvoller Genuss ist durchaus möglich, solange die individuellen Grenzen und Risiken berücksichtigt werden. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt oder Diabetes-Team, um eine individuelle Strategie für den Alkoholkonsum zu entwickeln.

Lesen Sie auch: Schokolade und Bier: Eine unerwartete Paarung

tags: #Bier #bei #Diabetes

Populäre Artikel: