Wie sammeln Bienen Honig: Vom Nektar zur Wabe

Entdecken Sie die faszinierende Welt der Honigherstellung: Von der Blüte bis zum süßen Genuss. In diesem Artikel erfahren Sie alles über den Prozess, wie Honig entsteht. Tauchen Sie ein in die Welt der Bienen und entdecken Sie, wie sie Nektar sammeln, ihn verarbeiten und schließlich zu dem köstlichen Honig umwandeln, den wir alle lieben.

Wer macht den Honig?

Arbeiterbienen (die mindestens 98 % der Bienenpopulation ausmachen) produzieren den Honig in einem komplizierten Vorgang. Die Arbeiterbiene ist das weibliche Mitglied eines Bienenvolkes, das die meiste Arbeit verrichtet. Arbeiterinnen leben nur wenige Wochen bis einige Monate und durchlaufen verschiedene Aufgaben im Laufe ihres Lebens, abhängig von ihrem Alter und den Bedürfnissen des Volkes. Arbeitsbienen erhalten sofort nach dem Schlupf ihren ersten Job im Stock und der hat erstmal gar nichts mit Sammeln zu tun. Jede Biene arbeitet sich durch mehrere Aufgabenbereiche nach oben und wird erst kurz vor ihrem Tod eine Sammelbiene.

Welche Ressourcen sammeln Bienen?

Gesammelt werden die zuckerhaltigen Siebröhrensaftes der Pflanzen. Eine Quelle hierfür ist der Nektar, den die meisten Pflanzen gezielt in den Blüten und damit in der Nähe der Pollen ausscheiden. Als zweite Quelle gibt es Pflanzen, wie z.B. die Vogelkirsche (Prunus avium), die diesen Saft auch außerhalb der Blüten ausscheiden, die Stellen an denen dies geschieht, werden als extraflorale Nektarien bezeichnet. Die dritte Quelle wird von den Bienen über einen Umweg erschlossen: Läuse stechen die saftführenden Gefäße von Pflanzen an und scheiden einen großen Teil des Pflanzensaftes wieder aus; die Bienen sammeln diesen Saft und verarbeiten ihn zu Honig. Dieser Honigtauhonig wird Waldhonig genannt.

Wie findet die Biene die besten Blumen?

Die Biene wählt die Blüten, die sie anfliegt, basierend auf verschiedenen Faktoren aus. Dazu gehören unter anderem der Duft, die Farbe und der Nektargehalt der Blüte. Bienen sind in der Lage, bestimmte chemische Signale und UV-Muster wahrzunehmen, die von den Blüten abgegeben werden. Diese Signale helfen den Bienen dabei, die für sie geeigneten Blüten zu identifizieren. Bevor ein Bienenvolk in großem Umfang Nektar sammelt, schickt es zunächst Kundschafterbienen los, um die Nektarquelle zu finden. Nachdem sie die Nektarquelle gefunden haben, sammeln die Kundschafterbienen eine kleine Menge Nektar oder Pollen und teilen den gesammelten Nektar oder Pollen mit anderen Arbeiterbienen. Gleichzeitig „tanzen“ sie, um die Entfernung und Richtung der Nektarquellenpflanzen anzuzeigen, und dann fliegen viele Arbeiterbienen zur Nektarquelle, um zu sammeln.

Illustration: Bienentanz zeigt Richtung und Entfernung

Mit welchen Werkzeugen sammeln Bienen Nektar und Pollen?

Zum Saugen des Nektars haben Honigbienen einen hohlen Rüssel, der wie eine lange Zunge aussieht. Mit ihrem Rüssel saugt sie den Nektar aus den Blütenkelchen und speichert ihn vorübergehend in ihrem Honigmagen. Die Arbeiterbienen haben ein Paar symmetrischer Oberkiefer an ihren Mundwerkzeugen, mit denen sie festen Pollen kauen können. Gleichzeitig sind die Gliedmaßen der Arbeiterbienen auf Pollenkörbe und Pollenkämme spezialisiert. Kommt sie aus einer Blüte, fegt sie den Pollen zusammen und bugsiert ihn an eine Stelle des Hinterbeins, die eine Vertiefung und lange Haare besitzt. In diesem „Körbchen“ transportiert die Biene den Pollen zurück zum Stock, und damit er nicht rausrieselt, klebt sie ihn mit etwas Nektar zusammen, so dass er feste Klümpchen bildet.

Lesen Sie auch: Honigernte: Eine Frage der Bienenanzahl

Transport: der Honigmagen

Der Honigmagen (auch Honigblase genannt) ist eine Art Kropf, der es ermöglicht, Nektar, Honigtau und Wasser zu transportieren. In dieser speziellen Kammer wird der von den Bienen gesammelte Nektar vorübergehend gespeichert, bevor er zurück zum Bienenstock transportiert wird. Auf dem Rückflug zum Bienenstock wird der Nektar von Enzymen im Honigmagen verändert und teilweise verdaut. Im Proventriculus, dem ersten Teil des Magens, wird der süße, flüssige Nektar zunächst gespeichert. Dort spaltet ein spezielles Enzym, die Invertase, den im Nektar enthaltenen komplexen Zucker in Glukose und Fruktose auf.

Übergabe und erste Verarbeitung im Stock

Im Bienenstock angekommen, geben die sogenannten „Transportbienen“ den Nektar an die „kauenden“ Bienen weiter. Die heimkehrende Sammelbiene gibt ihren Honigblaseninhalt an eine andere Biene ab. Die Stockbiene nimmt den Nektar auf, kaut ihn und fügt eigene Enzyme hinzu. Jedes Mal wird dabei der zuckerhaltige Saft aufgesaugt und wieder abgegeben. Dabei reichert sich der Nektar mit Enzymen, Eiweißen, Säuren und anderen Stoffen der Bienen an. Andere Enzyme bekämpfen die im Nektar enthaltenen Bakterien, um zu verhindern, dass diese in den Honig gelangen.

Trocknung und Reifung: Aus Nektar wird Honig

Die Bienen müssen den Nektar verdicken, da er einen noch viel zu hohen Wasseranteil hat und in diesem Zustand gären würde. Der Wassergehalt wird reduziert, indem die Biene einen Nektartropfen über den Rüssel mehrfach herauslässt und wieder aufsaugt. Um diesen Wasserentzug weiter zu beschleunigen, verteilen die Arbeiterinnen die Substanz in den Waben, wo ihr Wasser entzogen wird. Die Verdunstung des Wassers wird beschleunigt, indem andere Bienen den unfertigen Honig mit ihren Flügeln anfächeln. Bei dem gesamten Prozess sinkt der Wassergehalt von 70-75% auf 20% oder weniger. Sobald der Wassergehalt bei 30-40% liegt, wird der verdickte Nektar in leere Wabenzellen verbreitet; bei 20% oder weniger ist der Honig reif.

Schema: Wasserentzug und Verdeckelung der Wabe

Einlagerung und Verdeckeln

Der Honig wird von den Bienen in eine Wabenzelle aus frischem Bienenwachs gefüllt, das sie absondern, und die Zelle wird mit einem Wachsdeckel verschlossen. Die Bienen verwenden frisch erzeugtes Bienenwachs um die Zellen der Wabe zu versiegeln und vor äußeren Einflüssen zu schützen. Diese Versiegelung trägt zur Stabilisierung der Temperatur und Feuchtigkeit bei, was die Reifung des Honigs unterstützt. Sobald der Honig reif ist, verschließen die Bienen die Zellen mit einer dünnen Wachsschicht, um ihn zu schützen. Dieser Vorgang wird von Imkern als „Verdeckeln“ bezeichnet.

Mengen, Leistungen und Lebenszeit

Der Honigmagen der Biene fasst 20 Milligramm Nektar. Um diesen während eines Fluges zu füllen, muss eine Biene rund 100 Blüten besuchen; dafür benötigt sie im Mittel 10 Minuten und legt dabei 1 km zurück. Die Leben einer Arbeitsbiene ist kurz: Nur 20 bis 30 Flugtage bleiben ihr durchschnittlich, um Nektar und Honigtau zu sammeln. Für 1 kg Honig sind 3 kg Nektar nötig; dazu müssen auf 50.000 Flügen 15.000.000 Blüten besucht werden. Die dabei zurückgelegte Strecke von 150.000 km entspricht fast dem vierfachen Erdumfang. Im Laufe ihres Lebens produziert eine einzelne Honigbiene nur etwa 1 Teelöffel Honig.

Lesen Sie auch: Warum Bienen Honig produzieren: Eine ausführliche Erklärung

Arten von Honig und ihre Herkunft

Der gesammelte Pflanzennektar bestimmt die Farbe, den Geschmack und die chemische Zusammensetzung des Honigs. Honig ist ein Naturprodukt und spiegelt mit seiner großen Geschmacksvielfalt die Blütenvielfalt einer Landschaft wieder. In Bayern können Imker zahlreiche Sortenhonige ernten - vom milden Rapshonig bis zum würzigen Waldhonig. Akazienhonig ist sehr hell und bleibt flüssig. Andere sortenreine Honige werden dagegen fest, wie beispielsweise Raps- oder Alpenrosenhonig. Honigtau-Honig (Waldhonig) hat einen besonders hohen Gehalt an Mineralstoffen und Enzymen und bleibt meistens flüssig und hat eine dunkle Färbung. Je nachdem, welche Pollen eine Biene sammelt und wo auf der Welt sie angebaut werden, variieren auch Farbe und Geschmack des Honigs.

Warum produzieren Bienen Honig?

Bienen produzieren und lagern ihre Vorräte (Honig, Gelée Royale, Propolis usw.) für den Eigenbedarf. Wenn es im Winter draußen nichts zu sammeln gibt, dient der Honig als Nahrung. Der Honig ist der Energievorrat der Honigbienen. Insbesondere im Winter, aber auch sonst bei schlechter Witterung, greifen sie auf diese Nahrungsreserve zurück. Im Winter ermöglicht dieser Vorrat, dass die Honigbiene als Volk mit mehreren Tausend Individuen überwintern kann. Um sicher über den Winter zu kommen, benötigt ein Bienenvolk ungefähr 15-20 kg Honig.

Bestäubung und Ökologie

Beim Sammeln dieser Rohstoffe in und an den Blüten bleiben Pollen im Haarkleid der Bienen haften und werden beim Besuch der nächsten Blüten auf deren Narbe übertragen. Diese Pollenübertragung nennt man Bestäubung. Bienen sind wichtige Bestäuber und spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, den Pollen von Pflanzen zu verbreiten, die wir brauchen, um zu überleben. In der Tat sind etwa ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel von Bestäubern abhängig, und die Honigbienen sind für etwa 80-90% dieser Produktion verantwortlich.

Foto: Biene auf Blüte beim Nektarsammeln

Honigernte und Imkerei

Wenn der Honig reif ist, also der Wassergehalt niedrig genug ist (laut Deutschem Imkerbund sind 18% der obere Grenzwert), erntet der Imker den Honig. Bei der Ernte werden die Waben aus dem Bienenstock entnommen, der Honig wird geschleudert und anschließend abgefüllt. Die Honigschleuderung ist ein wichtiger Schritt in der Honiggewinnung. Dabei wird der reifende Honig aus den Bienenwaben extrahiert. Nach der Schleuderung wird der Honig in saubere Gläser oder andere Behälter abgefüllt. Dabei wird darauf geachtet, dass der Honig hygienisch und schonend behandelt wird, um seine Qualität zu erhalten. Die Etikettierung der Gläser mit wichtigen Informationen wie Herkunft und Inhaltsstoffen rundet den Prozess ab.

Ethik, Schutz der Bienen und verantwortungsvoller Einkauf

Die Imker "stehlen" einen Teil dieses Notvorrats, wenn sie Honig ernten. Verantwortungsbewusste Imkerinnen und Imker gehen mit ihren Bienenstöcken und mit diesem Prozess sehr sorgfältig um. Nicht der gesamte Honig wird geerntet. Die Imker lassen in der Regel einen Honigvorrat für die Bienen. Es ist durchaus möglich, Honig zu ernten, ohne die Bienen zu schädigen oder zu töten, wenn vor, während und nach der Ernte bestimmte Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Beekeeping is managed differently around the world, and as in any other industry, some beekeepers are more responsible than others. It's best to look for the key labels to ensure your honey has been produced ethically.

Lesen Sie auch: Bienen und Wespen im Vergleich: Honig

Fakten & Zahlen (Auswahl)

Parameter Angabe
Wassergehalt reifer Honig ≤ 18-20 % (oberer Richtwert nach Deutschem Imkerbund)
Honigmagen Fassungsvermögen ~ 20 mg Nektar
Blüten für 1 kg Honig ~ 15.000.000 Blüten (oder sehr große Schätzungen: Millionen bis 20 Millionen)
Strecke für 1 kg Honig ~ 150.000 km (bei den genannten Annahmen)
Lebensdauer Sammelbiene (Flugtage) 20-30 Flugtage
Honigbedarf Volk für Winter ~ 15-20 kg

FAQs kurz

  • Wie machen Bienen Honig? - Bienen sammeln Nektar, speichern ihn im Honigmagen, reichern ihn mit Enzymen an, entziehen Wasser und lagern den fertigen Honig in Waben.
  • Warum produzieren Bienen Honig? - Als Energievorrat für Zeiten mit wenig Nektar, insbesondere für den Winter.
  • Welche Bienen produzieren Honig? - Vor allem die Honigbienen der Gattung Apis; nur ca. 4 % aller Bienenarten produzieren Honig in nennenswerter Menge.
  • Ist Honig Speichel? - Nein. Honig wird aus Nektar von Blüten oder Honigtau erzeugt und enzymatisch verarbeitet; es ist kein reiner Bienenspeichel.
Video: Vom Sammelflug bis zur Verdeckelung - Honigentstehung erklärt

Entdecken Sie die faszinierende Welt der Honigherstellung: Von der Blüte bis ins Glas. Erfahren Sie, wie Honig entsteht und worauf es beim verantwortungsvollen Kauf ankommt.

tags: #wie #sammeln #bienen #honig

Populäre Artikel: