Ab Wann Ist Zucker Für Babys Erlaubt? Ein Umfassender Leitfaden
Sobald ein Baby mit der Beikost beginnt, erhalten Eltern oft zahlreiche, manchmal widersprüchliche Ratschläge. Aussagen wie "Auf keinen Fall Kuhmilch!", "Bloß kein Gluten!" oder "Zitrusfrüchte machen wund!" sind weit verbreitet. Dieser Artikel soll Eltern helfen, diese Aussagen einzuordnen und aufzuklären, welche Lebensmittel für Babys im ersten Lebensjahr ungeeignet sind.
Es ist wichtig, mit der Beikost erst dann zu beginnen, wenn das Baby die sogenannten Beikostreifezeichen zeigt. Eltern sollten sich auf ihr eigenes Gefühl verlassen, da jedes Baby anders auf bestimmte Lebensmittel reagieren kann. Die hier aufgeführte Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und es können im Ausland abweichende Beikostempfehlungen existieren.
Die gute Nachricht ist, dass es nur wenige Lebensmittel gibt, die für Babys wirklich gefährlich werden können.
Absolut Tabu: Alkohol
Alkohol ist für Babys absolut tabu, da er Gift für das Nervensystem und den gesamten Körper ist. Babys dürfen weder Alkohol trinken noch Lebensmittel essen, denen Alkohol zugesetzt wurde. Dies gilt auch für Weißwein im Risotto oder Rotwein im Gulasch. In solchen Fällen kann Rotwein durch roten Traubensaft und Weißwein durch hellen Traubensaft oder Gemüsebrühe ersetzt werden.
Rohe Tierische Produkte: Fisch, Fleisch, Eier und Rohmilchprodukte
Roher Fisch, rohes Fleisch, nicht durchgegartes Ei sowie Rohmilchprodukte sind für Babys ungeeignet.
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Fisch und Fleisch
Jegliches Fleisch kann dem Baby angeboten werden, solange es komplett durchgegart ist und keine Gräten enthält. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sollten Kinder sogar bis zum 5. Geburtstag auf rohes Fleisch verzichten.
Eier
Rohe und weichgekochte Eier sind aufgrund der Salmonellengefahr nicht geeignet. Es ist jedoch falsch, Babys prinzipiell kein Ei zu geben. Rührei oder Ei in Form einer Tortilla sind geeignete Optionen. Auch in Backwaren darf Ei verwendet werden. Eine gute Faustformel sind 1-2 Eier pro Woche, wobei zu berücksichtigen ist, dass Babys meist kein ganzes Ei essen.
Rohmilchprodukte
Weich- und Frischkäse aus Rohmilch, wie Brie und Camembert, sind zu vermeiden. Hartkäse aus Rohmilch, wie Appenzeller, Emmentaler, Bergkäse und Parmesan, kann gegessen werden, da die Bakterien aufgrund der Trockenheit kaum Überlebenschancen haben. Rohmilch und Rohmilchprodukte (außer Hartkäse) müssen als solche gekennzeichnet werden. Büffel-Mozzarella ist beispielsweise oft aus Rohmilch hergestellt.
Verschluckungsgefahr: Prallelastische und Harte Lebensmittel
Prallelastische Lebensmittel im Ganzen (z. B. Cocktailtomaten, Heidelbeeren, Trauben, Mais) sowie harte Lebensmittel (z. B. Nüsse, rohe Möhre und roher Apfel) können für Babys gefährlich sein, solange keine Backenzähne vorhanden sind, um diese zu zerkleinern. Prallelastische Lebensmittel können halbiert, geviertelt oder zerdrückt angeboten werden. Nüsse, Beeren, Erbsen und Samenkörner sollten nur in Form von Mus bzw. zerkleinert oder zum Backen verwendet werden, um die Gefahr des Verschluckens oder der Aspiration zu vermeiden.
Honig und Ahornsirup: Risiko von Säuglingsbotulismus
Honig und Ahornsirup sind für Babys unter 1 Jahr tabu, da die Gefahr besteht, an Säuglingsbotulismus zu erkranken. Die Botulinumsporen werden bei nicht ausreichender Hitze nicht abgetötet und können im Darm des Babys Toxine bilden, die zu Verstopfung und Lähmung aller Muskelpartien führen können. Industriell hergestellte Produkte sind meist unter Druck hoch genug erhitzt und können verwendet werden, werden aber aufgrund der Süße nicht empfohlen.
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Pseudogetreide und Rohes Getreide
Quinoa, Amaranth und Buchweizen werden als Pseudogetreide bezeichnet. Da es keine genaue Daten- und Studienlage dazu gibt, raten Ernährungsgesellschaften davon ab, bzw. Babys sollten nur in Maßen davon essen. Auf rohes und unerhitztes Getreide sollte im ersten Lebensjahr ebenfalls verzichtet werden, da es für Babys schwer zu verdauen ist und eine Keimbelastung nicht auszuschließen ist. Dies gilt z. B. für selbstgequetschte Flocken aus Getreide.
Zucker und Süßungsmittel: Geschmacksprägung Vermeiden
Es ist nicht der Zuckerkonsum an sich, sondern vielmehr die Menge und Häufigkeit, die zu Karies führt. Karies entsteht durch Bakterien (Streptococcus mutans), die im Mund und den Zahnbelägen vorhanden sind und beim bakteriellen Abbau von Kohlenhydraten Säure produzieren, die den Zahnschmelz angreift. Daher ist eine gründliche und regelmäßige Zahnhygiene ab dem ersten Zähnchen wichtig. Zuckerersatzstoffe sind nicht zu empfehlen, da sie Zusatzstoffe enthalten können, die Bauchweh und Durchfälle verursachen können.
Babys schmecken als Erstes "süß", da sie diesen Geschmack schon aus dem Mutterleib und von der Muttermilch kennen. Es ist jedoch nicht nötig, extra gesüßte und gezuckerte Lebensmittel anzubieten und somit eine Geschmacksprägung für Süßes zu fördern. Die Süße von Früchten reicht vollkommen aus. Auch Fruchtsäfte und Limonaden sollten vermieden werden. Viele Breigläschen oder "Babykekse" enthalten Zucker, der oft als Dextrose, Glukose, Maltrosse etc. deklariert ist.
Salz und Gewürze: Nieren Schonung
Die Nieren des Babys werden durch Salz und salzhaltige Lebensmittel stark belastet. Zu viel Salz kann sogar eine Erhöhung des Blutdrucks bewirken. Deswegen sollte ein Baby unter einem Jahr maximal 1 g Salz pro Tag oder 7 g Salz pro Woche zu sich nehmen. Diese Menge wird durch den natürlichen Salzgehalt der Muttermilch bzw. durch Lebensmittel wie Gemüse, Fleisch und Getreide bereits komplett abgedeckt. Ab 1 Jahr sollten nicht mehr als 2 g Salz pro Tag angeboten werden. Salz wird häufig als Natrium angegeben. Viele Lebensmittel wie Käse, Frischkäse und Brot enthalten ebenfalls Speisesalz. Scharfe Gewürze sind für die Kleinen noch zu intensiv und können Schmerzen verursachen.
Bestimmte Gemüse Sorten: Nitratgehalt Beachten
Es gibt nur wenige Obst- und Gemüsesorten, die Babys im ersten Lebensjahr nicht essen dürfen. Blattsalate in Salatform können von den Babys nicht gekaut werden, würden aber eher am Gaumen kleben bleiben. Salat, Spinat, Mangold etc. können aber natürlich püriert in Suppen, Soßen oder Smoothies verwendet werden. Vor allem selbst gezogene Sprossen können gefährliche Keime enthalten und zu einer Lebensmittelvergiftung führen. Spinat, Mangold, Rote Bete und Rucola sollten nur in geringen Mengen und frisch verwendet werden, da sie sehr nitratreich sind. Beim Aufwärmen wird Nitrat zu Nitrit, was den Sauerstofftransport im Blut verhindern kann.
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Verarbeitete Lebensmittel und Fast Food
Fast Food ist für Babys nicht geeignet, da man oft nicht genau weiß, was drinsteckt. Verarbeitete Lebensmittel enthalten meist viel Salz und Zucker. Generell gilt: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser! Light-Varianten von Kuhmilch, Frischkäse etc. sind oft höher verarbeitet und haben nicht mehr die volle Nährstoffdichte.
Wurst: Hochverarbeitet und Schadstoffbelastet
Wurst ist hochverarbeitet, wird gepökelt, erhitzt, gewürzt, geräuchert etc. und enthält oft Teile vom Tier, die viele Schadstoffe aufweisen, wie z. B. in Leberwurst, Kalbsleberwurst und Teewurst. Die Leber ist das Entgiftungsorgan von Mensch und Tier - hier sammeln sich Schwermetalle und (Stress-)Hormone.
Zuckerersatz: Natürliche Süße Bevorzugen
Bei vielen Rezepten, die für Babys geeignet sind, kommt die Süße allein durch frisches Obst. Anstelle von Haushaltszucker können Datteln verwendet werden. Die natürliche Süße der getrockneten Datteln ist sehr stark. Sie können entweder mitkochen oder vorher einweichen und dann pürieren. Alternativ zu den Datteln kann auch Dattelsirup verwendet werden, allerdings sind Datteln zu bevorzugen, da sie nicht verarbeitet sind und mehr Nährstoffe enthalten. Auch andere Trockenobstsorten eignen sich super, um Teigwaren zu süßen.
Kakao und Schokolade: Carob als Alternative
Anstelle von Kakaopulver kann Carob verwendet werden. Auch Kakao in kleinen Mengen ist absolut in Ordnung. Carob ist das Fruchtmark der Carob-Frucht, das geröstet und anschließend ganz fein gemahlen wird.
Allergieauslösende Lebensmittel: Nicht Kategorisch Vermeiden
Nüsse, Tomaten, Erdbeeren und Zitrusfrüchte können allergieauslösend sein. Allerdings kommt es hier auf die Menge an. Sollte das Baby in Form von Hautausschlag oder einem wunden Po reagieren, so kann man die Lebensmittel erst einmal nicht geben und es nach einiger Zeit erneut ausprobieren. Es ist inzwischen bewiesen, dass ein kategorisches Vermeiden von allergieauslösenden Lebensmitteln im ersten Lebensjahr eher zu Unverträglichkeiten oder Allergien im späteren Leben führt als ein früher Kontakt damit.
Kuhmilch und Kuhmilchprodukte: In Maßen Erlaubt
Ein Baby darf ab dem Beikoststart Kuhmilch und Kuhmilchprodukte bekommen, allerdings nicht pur und nur in kleinen Mengen. Für die Kleineren ist die Eiweiß- und Mineralienkonzentration der Kuhmilch nicht optimal. Die Nieren können stark belastet werden. Milch stärkt durch ihren Kalzium- und Vitamin-D-Gehalt die Knochen und fördert ein besseres Wachstum. Die Angst vor Allergien ist auch hier (fast) unbegründet, da nur etwa 3% der Säuglinge gegen Kuhmilch allergisch sind. Milch sollte kein Muttermilchersatz sein und im ersten Lebensjahr nicht als Getränk angeboten werden.
Zucker im Detail: Auswirkungen und Alternativen
Industriezucker und künstliche Süße haben in der Ernährung von Babys und Kindern nichts zu suchen, da Zucker, bis auf den angenehmen Geschmack, keinerlei Vorteile bietet, dafür aber zahlreiche Nachteile bis hin zu echten gesundheitlichen Gefahren. Viele Eltern ernähren ihre Babys in den ersten 12 Monaten möglichst zuckerfrei. Nach dem 1. Geburtstag lautet die Empfehlung der WHO, maximal 10% des Energiebedarfs über Zucker zu decken.
Auswirkungen von Zucker
- Geschmackssinn: Bei Kindern, die früh viel Zucker aufnehmen, wird der Geschmackssinn für Süßes geprägt
- Verdauung: Zucker stört die Darmflora bzw. fördert das Wachstum von Pilzen.
- Heißhunger: Zucker lässt den Insulinspiegel sprunghaft ansteigen und dann wieder abfallen.
- Nährstoffmangel: Zucker erzeugt ein kurzzeitiges Sättigungsgefühl, ohne echte Nährstoffe zu liefern.
- Übergewicht: Um den Nährstoffbedarf zu decken, wird mitunter mehr gegessen. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für Übergewicht.
Zuckerfreie Erziehung: Realistisch?
Babys mögen’s süß, da Süß in der Natur „nicht giftig“ bedeutet. Die Prägung auf den süßen Geschmack ist biologisch sinnvoll. Allerdings wird der Vorteil dieser vom Industriezucker sozusagen ausgehebelt. Kinder können ihren angeborenen Verhaltensweisen folgend viel zu viel Zucker zu sich nehmen, der ihrer Gesundheit schadet. Es ist realistisch, ein Baby zuckerfrei aufzuziehen. Zwischen „verbieten“ und „nicht anbieten“ besteht ein großer Unterschied.
Zucker Alternativen
Nun wimmelt der Markt heute nur so von Zuckeraustauschstoffen, alternativen Süßungsmitteln und Süßstoffen. Zuckeraustauschstoffe wie Erytrit oder Xylit sind nicht kariogen, d.h. sie erzeugen kein Karies. Sie haben außerdem weniger Kalorien und treiben den Blutzuckerspiegel nicht in die Höhe. Flüssige, „natürliche „Süßungsmittel wie Agavendicksaft, Reissirup oder Ahornsirup sind oft nicht ganz so süß und enthalten wenigstens noch ein paar Nährstoffe. Chemisch gesehen sind sie aber meist reiner Zucker. Süßsstoffe wie Stevia, Saccharin oder Aspartam (alle Süßstoffe haben eine E-Nummer) haben keine Kalorien, sind nicht kariogen und auch für Diabetiker geeignet, d.h sie treiben den Blutzuckerspiegel nicht nach oben. Allerdings sind sie um ein Vielfaches süßer als Haushaltszucker und für Babys und Kinder absolut nicht empfehlenswert. Sie fördern unter anderem Heißhungerattacken, denn während das Gehirn etwas Süßes wahrnimmt und sich darauf einstellt, kommen dann kaum Kalorien zur Verwertung an. Allen Süßungsmitteln bleibt ein Fakt: Sie erzeugen einen süßen Geschmack, der nicht natürlich ist und das Kind zusätzlich an süße Lebensmittel gewöhnt.
Tipps für Eltern
- Solange ein Baby oder Kleinkind nicht nach Süßem fragt oder verlangt, braucht es keinen Zucker.
- Reduzieren Sie Zucker zu Hause oder lassen Sie ihn anfangs komplett weg
- Achten Sie auf versteckten Zucker in Fertigprodukten.
- Bieten Sie gesunde Alternativen wie Obst und Gemüse an.
- Verwenden Sie Süßigkeiten nicht als Belohnung.
Versteckter Zucker in Babyprodukten
Kekse für Säuglinge und Kleinkinder werben mit „babygerechter Rezeptur“ oder „kleinkindgerechter Rezeptur“. Nach der EU-Beikost-Richtlinie darf Getreidebeikost bis zu 7,5 Gramm Zucker pro 100 Kilokalorien enthalten. Viele junge Mamas schauen doch nicht auf die Inhaltsstoffe und meinen sie tun ihren Kleinen gutes. Der Kinderkeks wird mit "babygerechte Rezeptur" sowie "idealem und auch noch bekömmlichen Knabberspaß" beworben; enthält aber 25,2 g Zucker pro 100 g. Ich erwarte als Verbraucher, dass eine solche erhebliche Menge an Zucker sichtbar angegeben wird. Nicht nur in den Nährwerten.
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