Kekswichsen: Bedeutung, Herkunft und kulturelle Hintergründe

Das sogenannte „Kekswichsen“ ist ein Phänomen, das unter Jugendlichen immer wieder Gegenstand von Gerüchten, Anekdoten und urbanen Legenden ist. Doch woher stammt dieser Begriff, was genau beschreibt er und wie entwickelte sich die Bedeutung des Wortes „wichsen“ im Laufe der Zeit?

Wortherkunft und Bedeutungswandel von „wichsen“

Das Verb „wichsen“ ist im deutschen Sprachraum schon seit dem 15. Jahrhundert belegt. Es stammt als Lautvariante von dem vom Substantiv „Wachs“ bzw. Verb „wächsen“ ab. Ursprünglich bedeutete „wichsen“, etwas mit Wachs oder einem wachsartigen Mittel einzureiben, um es glänzend oder sauber zu machen, etwa Schuhe, Stiefel oder Böden. Die Literatur liefert dazu zahlreiche Beispiele: „Schuhe, Stiefel, Leder glänzend wichsen“ oder „Die hohen Bogenfenster spiegelten sich im gewichsten Parkett“.

In einzelnen Mundarten hielt sich der Ausdruck „wächsen“, in der Literatursprache setzte sich „wichsen“ durch. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine weitere Bedeutung: „den Bart wichsen“ steht schon seit dem 17. und 18. Jahrhundert für das präzise und steife Frisieren eines Schnauzbarts, etwa „Sie trugen gewichste Schnurrbärtchen“.

Bedeutungswandel des Verbs „wichsen“ im Deutschen: historische Entwicklung (Infografik)

Im 18. Jahrhundert kam die Bedeutung „prügeln“ hinzu und seit dem 19. Jahrhundert erhielt das Wort umgangssprachlich und salopp die Bedeutung „onanieren“, also sich selbst sexuell zu befriedigen. Diese Bedeutung ist heute vermutlich die gebräuchlichste, insbesondere im Jugend- und Populärsprachgebrauch.

Kekswichsen - Das Spiel und seine Regeln

Beim Spiel „Kekswichsen“, auch als Keks-Wichsen, Kekswixen oder Kekswixxen bezeichnet, platzieren sich mehrere männliche Teilnehmer im Kreis um einen Keks oder auch ein anderes Nahrungsmittel, beispielsweise auf einem Tisch. Sie masturbieren so lange, bis jeder versucht hat, den Keks zu treffen. Als Verlierer gilt, wer nicht trifft oder als letzter zum Höhepunkt kommt - dieser muss den Keks mit dem „Belag“ essen, und das oft vor der gesamten Gruppe.

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  • Die einen stehen, die anderen knien sich um den Keks.
  • In manchen Versionen dient ein Helm als Ziel, der Verlierer muss ihn aufsetzen.
  • Eine weitere Variante ist das „Eimerwichsen“, bei dem in einen Eimer mit einem Getränk ejakuliert wird - der letzte muss die Mischung trinken.
  • Auch Gruppenspiele mit abgewandelten Regeln existieren, zum Beispiel beim Militär oder in Internaten.
Darstellung des Gruppenspiels Kekswichsen (schematisch, anonymisiert)

Diese Praxis wird auch als Initiationsritual und Gruppenbestrafung verstanden. Besonders im Zusammenhang mit monoedukativen Privatschulen (speziell britischen Internaten), in US-amerikanischen Studentenverbindungen oder bei Gesellschaftsscherzen taucht das Thema immer wieder auf.

Internationale Varianten und Bezeichnungen

Im englischen Sprachraum ist dieses Spiel als „Soggy Biscuit“ („feuchter Keks“) oder „Soggy Cookie“ bekannt und wird erstmals in den 1960ern in Australien erwähnt. Weitere internationale Bezeichnungen sind:

  • Soggy Sao, Bush Biscuit Game (Australien, nach den jeweiligen Keksmarken „Sao“ und „Bush Biscuits“)
  • Soggy Marie (Südafrika, abgeleitet vom „Marie biscuit“)
  • Spille kiks (Dänisch)
  • Runkekjeks (Norwegisch), runka bulle oder runkbulle (Schwedisch)

Karte: Internationale Verbreitung und Bezeichnungen von Kekswichsen

Im Französischen und Englischen wird dieses Verhalten im Kontext von Frat Hazing als Initiationsritual geführt.

Kulturelle Erwähnungen und mediale Rezeption

Obwohl viele Männer laut Forendiskussionen angeben, nie an einem solchen Ritual teilgenommen zu haben und es für eine urbane Legende halten, gibt es zahlreiche literarische und mediale Bearbeitungen. Schon Frank Wedekind schildert in „Frühlings Erwachen“ (1891) Gruppenmasturbationen, beim Spiel ging es darum, ein am Boden liegendes Zwanzigpfennigstück zu treffen. In der Inszenierung von Amélie Niermeyer in München war das Ziel der Gruppenmasturbation explizit ein Keks. Auch in Günter Grass’ Novelle „Katz und Maus“ wird Gruppenmasturbation beschrieben.

Im Film „Crazy“ (2000) wiederum wird Benjamin von Internatsfreunden zum Kekswichsen eingeladen. In der britischen Popkultur wurde das Thema aufgegriffen, etwa im Roman „The Liar“ von Stephen Fry (dt. „Der Lügner“), und ein Song auf der 1994 erschienenen CD „Tripping The Light Fantastic“ der Rockband The Enid behandelt explizit das „Biscuit Game“. Ebenso war das Thema Gegenstand einer Folge der deutschen TV-Gerichtsshow „Richterin Barbara Salesch“.

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Filmausschnitt oder Zusammenstellung aus Medien mit Bezug zum Kekswichsen

Bemerkenswert ist der Gebrauch des Begriffs in der Jugendsprache: Im Umgang mit Begriffen wie „wichsen“ in Kinder- und Jugendbüchern wird diskutiert, wie und ob man Kindern diese Bedeutungsvielfalt erklären soll. Das Wort wichsen durchlief einen auffälligen Bedeutungswandel. Erst seit dem 19., spätestens 20. Jahrhundert, steht wichsen für „onanieren“, während es bis dato primär die Pflege von Schuhen und Leder bedeutete. So erläuterten manche Großeltern das Putzen und „Wichsen“ der Schuhe ohne jeglichen sexuellen Unterton, wohingegen der heutige Sprachgebrauch oft einen anzüglichen Kontext unterstellt.

Gruppenmasturbation im sozialen und kulturellen Umkreis

Kekswichsen ist als besondere Ausprägung von Gruppenmasturbation zu sehen. Gruppenmasturbation kann im weiteren Sinne als gegenseitige oder parallele Selbstbefriedigung in Anwesenheit Dritter erfolgen. Meist ist das Ziel, durch Berührungen oder das Zusehen in möglichst kurzer Zeit eine Ejakulation zu erreichen. Solche Praktiken dienten in verschiedenen Kontexten auch zur Stärkung der Gruppenzugehörigkeit („Initiation“) oder zur Bloßstellung einzelner Mitglieder.

Bekannte Sozialforscher und Sexualwissenschaftler wie Sigmund Freud und Betty Dodson setzten sich mit Gruppenmasturbation auseinander: Sie werteten diese als natürliche, wenn auch sozial tabuisierte Ausdrucksformen sich entwickelnder Sexualität. Gerade in Internaten, beim Militär oder in Studentenverbindungen wird Gruppenmasturbation gelegentlich als Mutprobe oder Wettstreit praktiziert.

Sexualpädagogische Bewertung von Gruppenmasturbation und Mutproben (Infografik)
Ursprüngliche Bedeutung (bis 18. Jh.) Erweiterte Bedeutungen (ab 18. Jh.) Moderne Bedeutung (ab 19. Jh.)
Mit Wachs oder Schuhcreme glänzend putzen Frisieren (Bart), Prügeln Onanieren, salopp für Selbstbefriedigung

Legendenbildung und soziale Dynamik

Viele Menschen empfinden Ekel oder Ungläubigkeit beim Gedanken an das Verspeisen des „Kekses“ und halten das Kekswichsen für eine reine urbane Legende. Tatsächlich werden solche Geschichten auch eingesetzt, um Schrecken zu verbreiten, andere herabzuwürdigen oder Eindruck zu schinden. Allerdings zeigen Rückmeldungen aus Internetforen und Berichten aus Schulen und Verbindungen, dass das Kekswichsen zumindest gelegentlich praktiziert wurde.

Dort, wo Mutproben und Initiationsrituale auch das Essen von Regenwürmern, gefährliche Aufgaben oder extreme Mutproben umfassen, erscheint selbst ein solch ungewöhnliches Ritual im Rahmen des Möglichen.

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Kekswichsen als urbane Legende vs. soziale Realität (Vergleich)

Kekswichsen und verwandte Begriffe im internationalen Sprachgebrauch

Im amerikanischen Englisch taucht das Spiel unter Bezeichnungen wie „group masturbation“, „soggy biscuit“, „soggy cookie“ oder „eating a bowl of fuck“ auf. In Großbritannien ist „biscuit“ ein trockener Keks, in den USA würde man „cookie“ sagen. In Frankreich, Norwegen, Dänemark und Schweden gibt es ebenfalls eigene Begriffe, die sich auf Masturbation und einen Keks oder ein Brötchen beziehen.

Die Band „Limp Bizkit“ bezieht ihren Namen jedoch nicht auf das Kekswichsen-Spiel.

Fazit zum kulturellen Phänomen Kekswichsen

Das Kekswichsen steht exemplarisch für einen kreativen, oft tabubehafteten Umgang Jugendlicher mit Sexualität und Prüfungen an Gruppengrenzen. Es bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Mythos, sozialer Realität und medialem Diskurs - und ist damit ein besonders spannendes Beispiel für die Entwicklung, Verbreitung und Wandlung von Begriffen und Praktiken im Deutschen und darüber hinaus.

Bedeutung von Ritualen und Mutproben in der Jugendkultur

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