Arno Wielgoss — Schokolade, Geschichte und Produkte von PERÚ PURO
Dr. Arno Wielgoss ist promovierter Tropenbiologe und Mitgründer des Unternehmens PERÚ PURO, das sich aktiv gegen Regenwaldzerstörung und Armut einsetzt. PERÚ PURO importiert und vertreibt Bio-Edelkakao, Gourmetschokolade und Hochlandkaffee aus Peru. Dabei wird strengstens auf BIO, Faire-Trade, Hilfe zur Selbsthilfe und höchste Qualität gesetzt.
Wie alles begann: Ein persönlicher Schicksalsschlag und die Gründung
Angefangen hat alles mit einem tragischen Unfall: Im Jahr 2000 ertrank der Bruder von Arno Wielgoss, der 20-jährige Frederic, im Fluss Urubamba bei einer Entdeckertour im peruanischen Regenwald. Aus dieser Initiative entstand der nach dem verstorbenen Bruder benannte Verein "Frederic - Hilfe für Peru". Entstanden ist das sozial ausgerichtete Unternehmen 2014 aus einem gemeinnützigen Verein, der aufgrund eines Schicksalsschlags von Arno und seiner Familie ins Leben gerufen wurde. Der Verein unterstützte Menschen in den Bereichen Bildung, Landwirtschaft und Gesundheit und wollte sie befähigen, diese Projekte selbst zu verwalten und durchzuführen.
Dr. Arno Wielgoss beschloss, zunächst vor Ort zu bleiben, um die Situation genauer zu studieren und Spanisch zu lernen. Seine ersten Schritte in der Entwicklungshilfe machte er dann gemeinsam mit einem Entwicklungshelfer in Lima. In den dortigen Slums entwickelten die beiden ein System von unterirdischen Komposthaufen, um einen Teil des Mülls von der Straße zu schaffen. Sein eigentliches Interesse galt aber weiterhin der Situation der Kakaobauern im tropischen Regenwald. Er entschied sich für ein Studium der Tropenbiologie und verband das mit seinem Engagement in Peru.
Vom Verein zum Unternehmen: Ziel - Unabhängigkeit der Kleinbauern
Der Verein schaffte es, dass die Bewohner dank der ökologischen Landwirtschaft eine bessere Ernte einfuhren und eine überdurchschnittliche Qualität von Kakao produzierten, die sogar EU-zertifiziert wurde. Die Menschen aber befanden sich weiterhin in einem Abhängigkeitsverhältnis mit Zwischenhändlern, die die Preise ganz bewusst tief hielten. Diese Situation war der Ausschlag für die Gründung von PERÚ PURO.
Weil sie nicht hinnehmen wollten, dass 35 Kleinbauern in Peru trotz der Einhaltung höchster Sozial- und Umweltstandards und der Produkten hochwertigen Edelkakaos keine fairen Preise erzielen konnten, haben die Tropenbiologin Dr. Frauke Fischer und der tropische Agrarbiologe Dr. Arno Wielgoss im Jahr 2015 ihr Unternehmen PERÚ PURO gegründet. Die APECMU-Kooperative verkauft ihren hochwertigen Chuncho-Kakao direkt an das noch junge deutsche Unternehmen PERU PURO, das 2015 von Dr. Arno Wielgoss und Dr. Frauke Fischer gegründet wurde.
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Agroforstsysteme, Biodiversität und Klimaschutz
Mit Hilfe von peruanischen Experten wurde den Bauern, von denen viele nach dem Prinzip der Brandrodung wirtschafteten, das Bewusstsein für einen ökologischen Umgang mit dem Regenwald beigebracht, erzählt Arno Wielgoss. Statt Regenwald zu roden, um Plantagen anzulegen, zeigte Wielgoss den Bauern, wie sie degradierte Böden wieder für den Anbau verwenden können und die Kakaopflanzen in artenreichen Kakaogärten - sogenannten Agroforstsystemen - anbauen können. Statt gerodeter Flächen mit Monokulturen lebt so die Biodiversität auf den Anbauflächen auf.
Betreut wird in Peru ein vorbildliches Kakao-Projekt mit einem 900 Hektar großen Regenwald-Gebiet, auf dem seltener Chuncho-Kakao in Mischkulturen angebaut wird. 200.000 Tonnen CO2 werden so durch diesen agroforstwirtschaftlich behandelten Regenwald gebunden. Weil der Boden auf diesem Areal vorher degradiert war, verdient diese erfolgreich realisierte Öko-Leistung umso mehr besondere Anerkennung.
Der besondere Kakao: Chuncho - Ur-Kakao aus dem Urubamba-Tal
Der Chuncho-Kakao gilt nach aktuellem Kenntnisstand als die möglicherweise älteste Kakaosorte der Welt. Wenn diese Hypothese stimmt, würde es bedeuten, dass alle anderen Kakaosorten vom Chuncho abstammen. Der alte Chuncho wächst in Peru im artenreichen Urubamba-Tal, an den Ufern des gleichnamigen Flusses, etwa 200 Kilometer nordöstlich der Großstadt Cusco. Geerntet wird Chuncho-Kakao - der Ur-Kakao, von dem alle heutigen Kakao-Sorten abstammen. Chuncho ist mittlerweile rar geworden und sogar vom Aussterben bedroht.
Die Kooperative APECMU, die 2012 gegründet wurde, baut den Kakao in artenreichen Mischkulturen an. Bis heute ist APECMU der exklusive Lieferant von PERÚ PURO für die Chuncho-Kakaobohnen. Durch eine faire und freundschaftliche Zusammenarbeit sind die Kakaobauern in der Lage, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Wielgoss kennt alle 40 teilnehmenden Bauern persönlich.
Faire Preise und höhere Einkommen
Seit 2015 importieren sie selbst den Kakao der Kleinbauern. Ihr Kakao ist bio-zertifiziert und wird fair gehandelt. Aber: Sie zahlen den Bauern deutlich mehr als den Fairtrade-Mindestpreis. Für eine Tonne Kakao erhalten die Bauern von PERÚ PURO 4.000 US-Dollar. Der Fairtrade-Mindestpreis liegt deutlich unter 2.000 Dollar. Die Bio-Standards erfüllt PERÚ PURO ebenfalls - und noch mehr: „Wir haben viel strengere Regeln“, erklärt Fischer.
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Die Weiterverarbeitung des Kakaos (Schroten und Rösten) erfolgt in Zukunft von den Frauengruppen vor Ort. Ein „Gamechanger“, wie es Fischer nennt. 45 Familien sind inzwischen Mitglieder in der Kooperative APECMU aus der Region um das peruanische Dorf Ivochote, mit der PERÚ PURO ohne Zwischenhändler handelt. Wer sich als Bauer bewährt hat und die strengen Standards einhält, kann Mitglied der Kooperative werden, bekommt dann sein Stimmrecht und kann den Kurs von APECMU aktiv mitbestimmen.
Produkte: Vom Rohkakao bis zur preisgekrönten Schokolade
Als Rohkost oder geröstet gibt es Kakaobohnen und Kakaonibs (kleine Stückchen, zum Beispiel für Müsli), Kakao-Tee, Kakaomasse und natürlich Schokolade. PERÚ PURO schaffte es als eine der ersten, verschiedene Kakaoprodukte wie Kakaoschalentee, geröstete und rohe Kakaobohnen sowie Kakaonips in Deutschland in den Einzelhandel zu bringen.
Aufgrund einer immer höheren Kundennachfrage fing PERÚ PURO an, aus dem Kakao Schokolade zu produzieren. Ein Schweizer Chocolatier verarbeitete den hochwertigen Rohstoff zu feinster Schokolade, die bis heute einen riesigen Erfolg feiert und sogar international ausgezeichnet wurde. Die Schokoladenherstellung erfolgt in der Schweiz in der Fabrik der Firma „Felchlin“, die sich auf die Verarbeitung von hochwertigen Ursprungs-Schokoladen aus nachhaltigen Edelkakaos spezialisiert.
Chuncho-Gold Grand Cru: Jahrgangs-, Lagen- und Sortenschokolade
Den Erfolg der Schokolade verdankt PERÚ PURO der Crowdfunding-Aktion „Schokoheld werden“. 25.000 Euro haben sie damals als Vorfinanzierung für die Produktion in einer Schweizer Schokoladenmanufaktur gebraucht. Mit der CHUNCHO GOLD Grand Cru - und immer noch aus einem Teil der Mittel unserer Crowdfunding-Kampagne - kommt mit der 52% dunklen Vollmilch die zweite Jahrgangs-, Lagen-, Sortenschokolade auf den Markt.
Dass die 70-prozentige Chuncho-Schokolade im Weltfinale 2019 der „International Chocolate Awards“ mehrere Silber-Medaillen in unterschiedlichen Kategorien (auch Bronze für die Vollmilch-Sorte) erhalten hat, ist keine Überraschung. Denn auch unserer Meinung nach überzeugt dieses Kakao-Prachtstück mit einem genialen und komplexen Geschmack. Geschmacklich präsentiert sie einen fulminant karamelligen Nuss-Nougat-Grundton mit Rahm, einer schönen Malznote und spannenden Anklängen Cola-artiger Gewürze. Ihre dominante Fruchtigkeit, die sich mit der Zeit immer stärker entwickelt, zeigt sich in Form von ausdrucksstarken, aber stets ausgewogen süßen Zitrus-Fruchtnoten (Limetten, Chinotto, Grapefruit).
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Sensorik und Genuss
Sie ist einerseits sehr mild, sodass sie sogar für Kinder hervorragend geeignet ist, andererseits ist sie mit einem eindrucksvoll ausbalancierten süßen und facettenreichen Fruchtcharakter ausgestattet. In Geschmack ist sie erstaunlich süß und mild. Für eine 70-prozentige Dunkelschokolade sehr untypisch riecht sie besonders ausdrucksstark nach italienischem Haselnuss-Gianduja-Nougat. Im Geschmack ist sie erstaunlich süß und mild, nussig: Nuss-Nougat, karamellisierte Nüsse, dezente Fruchtnoten.
Weitere Produktlinien: Kaffee und Paranüsse
Gleichzeitig wächst unsere Schokoladenfamilie weiter. Wir starten mit Kaffee. Auf unserer Perureise im Jahr 2020 lernen wir die Kaffeebauernkooperative Chaco Huayanay kennen. Weil diese Kleinbauern von hochwertigem Kaffee und Regenwaldschutz genauso begeistert sind wie wir, kommen wir schnell ins Geschäft.
Paranüsse fest im Programm. Nachdem wir im Herbst 2021 versuchsweise 100kg Paranüsse aus Wildsammlung im peruanischen Tieflandregenwald importiert haben, um sie unseren Kund:innen anzubieten, besuchen wir auf unserer Perureise im Februar 2022 erstmals die Familien, die die Paranüsse sammeln. Anders als Kakao und Kaffee werden Paranussbäume nicht angepflanzt, sondern wachsen wild im Regenwald. Ihre Früchte werden auch nicht geerntet, sondern vom Boden aufgesammelt.
Vertrieb, Preise und Reichweite
Die Schokolade und andere Bio-Produkte sind in Deutschland im Internet und inzwischen über 120 Läden erhältlich. Dass der faire und ökologische Anbau, der Import und die Manufaktur einen Preis haben, dürfte wenig überraschen: 5,50 Euro kostet eine Tafel. „Man muss sich aber fragen, warum wir in Deutschland Schokolade für unter einen Euro haben.“
Bisher wurden 45.000 Tafeln gefertigt. „Das macht eine Firma wie Ritter Sport wohl in zehn Minuten“, witzelt Fischer. Für die Zukunft sind schon neue Produkte geplant: Zum Beispiel soll es bald eine eigene Kaffee-Sorte geben; geröstet in Schweinfurt. Dass sich ihr Modell durchsetzen kann, davon sind Fischer und Wielgoss überzeugt.
Soziale Projekte, Ehrenamt und Gemeinnützigkeit
Seit dem Jahr 2000 arbeiten Arno Wielgoss und der von seiner Familie gegründete Verein „Frederic - Hilfe für Peru“ intensiv mit den Kleinbauern im Urubambatal zusammen. Gemeinsam werden Bildungs-, Sozial- und Öko-Projekte entwickelt. Aus diesem Hilfsprojekt hat sich über die letzten mehr als 20 Jahre nicht nur eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, sondern auch eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte entwickelt, die die Bauern immer unabhängiger von Spendengeldern macht und für Wohlstand und damit für die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben in der Region zu führen, sorgt.
Inzwischen ist unser Verein mit über 100 festen Mitgliedern weit über seinen Gründungsort Nüdlingen hinausgewachsen. Mit großem ehrenamtlichem Engagement können wir effektive, transparente und unbürokratische Hilfe zur Selbsthilfe leisten, die fast ohne Verwaltungskosten auskommt. Wir sind jedes Jahr mehrere Monate auf eigene Kosten vor Ort in Peru und koordinieren zusammen mit den dortigen Partnern zahlreiche Projekte.
Ausblick und Bedeutung für die Branche
PERÚ PURO sieht sich als Treiber einer nachhaltigen Entwicklung des Kakao- und Schokoladensektors. Obwohl wir (noch) sehr klein sind, zeigen wir auch den Großen der Branche, wie eine andere nachhaltig, gerechte und faire Lieferkette aussehen kann. Fischer: „Wir wollen weg von den Spenden für die Kleinbauern. Die machen dort den besten Kakao der Welt. Und wir wollen, dass sie dafür ordentlich bezahlt werden.“
Kurzübersicht: Hauptprodukte von PERÚ PURO
| Produkt | Beschreibung |
|---|---|
| Kakaobohnen (roh/geröstet) | Rohkost oder geröstet, auch als Zutat für Müsli oder Backen |
| Kakaonibs | Kleine Stückchen für Müsli oder Gourmetverwendung |
| Kakaotee | Getränkeform aus Kakaoschalen |
| Kakaomasse | Grundstoff für Schokolade und Verarbeitung |
| Chuncho Gold Grand Cru (70% & 52%) | Jahrgangs-, Lagen- und Sortenschokolade aus Chuncho-Kakao, prämiert |
| Hochlandkaffee | Kooperation mit Chaco Huayanay; hochwertiger peruanischer Kaffee |
| Paranüsse | Wildsammlung aus dem Tieflandregenwald |
Die Unternehmensgeschichte von PERÚ PURO verknüpft wissenschaftliche Expertise, nachhaltige Anbaukonzepte, soziale Verantwortung und hochwertige Produktvermarktung zu einem Modell, das sowohl den Konsument:innen ein besonderes Genussprodukt bietet als auch den Kleinbauern im Urubamba-Tal zu fairen Einkommen und zu mehr Unabhängigkeit verhilft.
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