Apfelkuchen und Baklava oder eine neue Heimat für Leila – Detaillierte Zusammenfassung des Buchinhalts
„Apfelkuchen und Baklava oder eine neue Heimat für Leila“ von Kathrin Rohmann ist ein bewegendes Kinderbuch, das die Geschichte der elfjährigen Leila erzählt, die mit ihrer Mutter und ihren Brüdern aus Syrien auf der Flucht vor dem Krieg nach Deutschland kommt. Nach einer langen und gefährlichen Reise landet Leila mit ihrer Familie in Großbödecke, einer niedersächsischen Kleinstadt, und muss sich dort völlig neu orientieren. Das Buch behandelt auf sensible Weise Themen wie Heimatverlust, Erinnerung, Flucht und Freundschaft.
Leilas Flucht und der Start in Deutschland
Die Flucht aus Syrien verändert das Leben der Familie tiefgreifend. Mutter Aischa besteht darauf, dass ihre Kinder zunächst zur Schule gehen, statt - wie die Brüder es sich wünschen - einen Lebensmittelladen zu eröffnen. Frühstück vor der Schule ist für die Kinder neu, aber sie akzeptieren die deutschen Gepflogenheiten, denn für das Ankommen in der neuen Heimat sind diese kleinen Rituale wichtig.
Leila ist ein Mädchen, das durch ihre Flucht vor dem Krieg viel Schweres erlebt hat: „Es ist eine Walnuss aus Syrien. Aus dem Garten meiner Großmutter. Alles ist darin, alles … Der Duft, das Zwitschern der Vögel, all seine Schönheit. Ich hatte die Nuss bei mir, den ganzen Weg von Syrien nach Deutschland.“ Diese Walnuss ist ihr einziger Besitz, der sie an die Heimat erinnert und ist zugleich ein Symbol für Verlust und Sehnsucht. Sie erzählt der Walnuss all ihre Sorgen, als spräche sie mit ihrer geliebten Oma.
Das Ankommen in Deutschland ist geprägt von Unsicherheit und Ängsten. Leila mag ihrer Mutter zunächst kaum glauben, dass alles gut wird. Doch immerhin fallen in Großbödecke keine Bomben. Ein guter Anfang für ihre neue Lebensetappe.
Die Walnuss - Symbol für Heimat und Erinnerung
Die Walnuss aus dem Garten der Großmutter ist Leilas wertvollster Besitz und Kraftquelle. „Nur die Walnuss hat sie als Erinnerung bei sich. Als Leila die Nuss verliert, bricht für sie eine Welt zusammen.“ Leila spürt, wie ihr die Tränen aufsteigen und sie durchsucht verzweifelt ihre Tasche. Die Nuss ist verschwunden.
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Im Kontext von Flucht und dem Schmerz des Heimatverlustes spielt die Erinnerung in Form dieses kleinen Gegenstandes eine besondere Rolle: „Wer jedoch aus seiner Heimat flüchten muss, der hat kaum Platz oder die Möglichkeit, Erinnerungsstücke mitzunehmen. Und wenn doch, dann sind sie etwas ganz besonders Wertvolles, von dem man sich nicht mehr trennen möchte.“
Die neue Schule und die Suche nach der Walnuss
Der erste Tag an der neuen Schule ist für Leila schwer. „Wieder ist das syrische Mädchen mit ihrer Mutter und ihren beiden Brüder umgezogen. Doch dieses Mal haben sie eine gemütliche kleine Wohnung, die nun ihr Zuhause ist.“ Die Einrichtung ist spartanisch, aber Leila hat ihre Walnuss - bis sie diese verliert.
Am nächsten Tag beginnt die Suche nach der Walnuss im Schulgebäude. Max, ihr Mitschüler, beobachtet sie dabei und bietet ihr Hilfe an. „Nachdem die Geschichte der Nuss aus ihr herausbricht, bietet Max ihr an, beim Suchen zu helfen.“ Leila nimmt die Hilfe zögerlich an und zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Freundschaft.
Freundschaft über Grenzen hinweg
Max ist ein lebensfroher Junge, dessen Eltern einen Bauernhof bewirtschaften. Er wächst behütet auf und begreift zunächst nicht, was es bedeutet aus der Heimat fliehen zu müssen. Die beiden Kinder sind unterschiedlichen Lebenswelten entwachsen, aber die Suche nach der Walnuss verbindet sie.
Max traut sich nicht, die neue Mitschülerin anzusprechen, bis er ihr in der Schule Erste Hilfe leisten kann. Doch danach ist Leila sehr verstört. Mit Max’ Hilfe gelingt es, das schüchterne und in sich gekehrte Mädchen aus ihrem Schneckenhaus herauszulocken. „Nur zögerlich nimmt Leila diese an, doch langsam schließen die beiden Freundschaft. Max gelingt es, das schüchterne und in sich gekehrte Mädchen aus ihrem Schneckenhaus herauszulocken.“
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Oma Gertrud - Parallele der Fluchtgeschichten
Eine besonders zentrale Figur ist Max’ Oma Gertrud. Sie versteht Leila, denn auch sie musste als Kind nach dem Zweiten Weltkrieg aus Pommern fliehen. Als Erinnerung an ihre Großmutter hat sie nur ein Lebkuchenrezept. „Mit dem Rezept und der Nuss hat die Autorin zwei schöne ‚Bilder‘ gefunden, die auch Zehnjährigen den abstrakten Begriff der ‚verlorenen Heimat‘ plausibel machen.“
Oma Gertrud tröstet Leila und spricht ihr Mut zu. So wird deutlich, dass Flucht, Verlust und Neubeginn universelle Erfahrungen sind, die nicht nur Migranten, sondern auch Deutsche betreffen können: „Denn wie sich herausstellt, ist auch sie geflohen. Ende des zweiten Weltkrieges aus dem besetzten Pommern. Sie kann sich also gut in das Mädchen hineinversetzen und baut schnell eine Verbindung zu ihr auf.“
Kulturelle Integration - Apfelkuchen und Baklava
Bei einem Schulfest gibt es dann beide Sorten Gebäck: heimischen Apfelkuchen und syrisches Baklava. Das gemeinsame Backen symbolisiert die Verschmelzung von Kulturen und den Prozess des Ankommens in einer neuen Heimat.
| Kultur | Symbolisches Gebäck | Bedeutung |
|---|---|---|
| Deutschland | Apfelkuchen | Heimat, Kindheitserinnerung von Max |
| Syrien | Baklava | Familientradition, Geschmack von Zuhause |
Die Autorin schafft es, die abstrakte Thematik der „verlorenen Heimat“ mit diesen symbolträchtigen Bildern greifbar zu machen. Die Figuren erleben im Alltag, dass Heimat in kleinen Dingen weiterlebt - in einem besonderen Rezept oder einer Walnuss.
Berührende Darstellung der Fluchterfahrungen
Kathrin Rohmann greift mit viel Feingefühl die aktuelle Flüchtlingsthematik auf und setzt sie für Kinder verständlich und angemessen um. „Viele Schrecken und Grausamkeiten des Krieges, aber auch die Gefahren der Flucht über das Mittelmeer werden von ihr nur im Groben angedeutet.“ Die jungen Leser wissen, dass Leila große Strapazen ertragen hat, doch sie werden nicht mit der ganzen Grausamkeit und Brutalität der Realität konfrontiert. So entsteht ein Kinderbuch, das tröstet und Hoffnung schenkt.
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Der emotionale Zugang zum Thema Flucht gelingt vor allem durch die parallelen Erzählstränge: Einmal aus der Perspektive der elfjährigen Leila, einmal aus der ihres Klassenkameraden Max. Die ersten Schulwochen am neuen Wohnort und die familiären Hintergründe beider Kinder werden so lebendig und nachvollziehbar geschildert.
Empfehlung und abschließende Hinweise zum Buch
Alles in allem gibt es eine klare Leseempfehlung: „Apfelkuchen und Baklava“ ist ein gefühlvolles und berührendes Kinderbuch über Verlust, Hoffnung und das Ankommen in einer neuen Welt. Das Buch ist für Leser ab 10 Jahren gedacht. Die Illustrationen von Franziska Harvey sorgen zusätzlich für einen gelungenen Zugang.
Was fehlt, ist vielleicht eine kurze Erklärung, was es mit der Flucht von Max’ Oma auf sich hat - etwas Hintergrundinformation wäre im Anhang nützlich gewesen, denn Kinder im Grundschulalter kennen die historischen Zusammenhänge meist nicht.
Buchinformationen
- Autorin: Kathrin Rohmann
- Illustrationen: Franziska Harvey
- Verlag: Boje Verlag, Köln 2016
- Seitenzahl: 176
- Zielgruppe: ab 10 Jahren
Leilas Geschichte macht beim Lesen traurig, ist aber auch tröstend. Und durch die Freundschaft mit Max bekommt das Mädchen, das Schreckliches erfahren musste, am Ende ihr Lachen zurück.
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