Alnatura Honig: Herkunft und Produktion im Detail
Alnatura steht als Bio-Marke für eine große Honigvielfalt, die sich sowohl an gesundheits- als auch umweltbewusste Konsumenten richtet. Der Waldhonig von Alnatura ist ein Paradebeispiel für die Komplexität moderner Bio-Lebensmittelkennzeichnung - insbesondere im Hinblick auf die Herkunft und Produktion. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher achten beim Einkauf besonders auf die Angaben zur Herkunft, um beispielsweise ausschließlich deutschen Honig zu wählen. Doch die zahlreichen Hinweise und Siegel auf dem Etikett werfen regelmäßig neue Fragen auf.
Etikettierung, Herkunft und Transparenz
Die Alnatura GmbH kennzeichnet ihren Waldhonig aus ökologischem Anbau auf der Rückseite mit „Hergestellt in: Deutschland“. An anderen Stellen weisen das EU-Bio-Logo auf „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“ und eine Länderauflistung auf „Brasilien, Italien, Mexiko“ als Herkunft hin. Zu Hause können Konsumentinnen und Konsumenten auf dem Glas dann „Brasilien, Italien, Mexiko, Spanien“ entdecken (Anmerkung: Bei dem von Lebensmittelklarheit gekauften Glas fehlte Spanien). Diese Vielzahl an Einträgen kann verwirren und die tatsächliche Herkunft verschleiern.
Nach der EU-Ökoverordnung müssen Bio-Lebensmittel den Ort der Erzeugung der landwirtschaftlichen Ausgangsstoffe auf dem Etikett angeben. Gemäß der Honig-Verordnung müssen das Ursprungsland oder die Ursprungsländer auf dem Etikett stehen, in dem oder denen der Honig erzeugt wurde. Der Hinweis „Hergestellt in:“ ist nach Auffassung von Lebensmittelklarheit bei Honig missverständlich. Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch definiert den Begriff „Herstellen“ als das Gewinnen, Herstellen, Zubereiten, Be- und Verarbeiten und Mischen.
Alnatura kennzeichnet den Bio-Waldhonig auf der Rückseite mit mehreren Herkunftshinweisen. Auf der linken Etiketthälfte weist das EU-Bio-Logo auf „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“ hin. Am unteren Rand des Etiketts nennt ein Aufdruck das Mindesthaltbarkeitsdatum, die Chargennummer und die Länder „Brasilien, Italien, Mexiko“.
Hintergründe der Bio-Kennzeichnung
Der Hinweis, dass der Waldhonig in Deutschland hergestellt wurde, irritiert, wenn der Honig laut Bio-Kennzeichnung aus „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“ stammt. Für das Gewinnen im Sinne von Erzeugen sind die Bienen zuständig. Die Herkunft der Ausgangsstoffe wird mit „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft" gekennzeichnet, da Honigrohstoffe oft aus verschiedenen Ländern stammen und erst in Deutschland verarbeitet - also gemischt, abgefüllt oder untersucht - werden.
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| Herkunft laut Etikett | Bedeutung |
|---|---|
| „Hergestellt in: Deutschland“ | Abfüllung und Mischung erfolgten in Deutschland |
| „Brasilien, Italien, Mexiko, Spanien“ | Zutaten stammen aus diesen Ländern |
| „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“ | Rohstoffe wurden sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU gewonnen |
Die Entstehung von Honig
Die Entstehung von Honig besteht aus der Honigbereitung und der anschließenden Honigreifung. Wichtigster Ausgangsstoff für die Honigbereitung ist Nektar - ein zuckerhaltiger Saft, den Blütenpflanzen aus ihren Nektarien abscheiden. Als weitere wesentliche Quelle kommt in einigen, hauptsächlich gemäßigten Klimaregionen der Erde Honigtau hinzu, der insbesondere dann in großen Mengen zur Verfügung steht, wenn es zu einer Massenvermehrung verschiedener Blattläuse und Schildläuse kommt.
Waldhonig wird beispielsweise überwiegend aus den Ausscheidungen von Baumläusen produziert. Diese Ausgangsstoffe für die Honigbereitung werden von bestimmten Arbeiterbienen gesammelt, welche die Zuckersäfte mit ihrem Rüssel aufnehmen und in der Honigblase (Trophallaxis) zwischenlagern. Schon bei der Aufnahme werden dem Saft spaltende Enzyme aus den Futtersaftdrüsen hinzugesetzt. Die zugesetzten Enzyme sind Glucosidasen und Amylasen.
Verarbeitung im Bienenstock
Wenn die Sammelbienen wieder im Bienenstock ankommen, geben sie dort den unfertigen Honig aus ihrer Honigblase an Stockbienen weiter, die ihn im Laufe der Zeit mehrfach transportieren (umtragen), indem sie ihn in ihren Körper aufnehmen und wieder abgeben. Der Wassergehalt wird in zwei Schritten reduziert: Zuerst wird ein Tropfen Nektar über den Rüssel mehrmals herausgelassen und wieder eingesaugt. Danach, ab einem Wassergehalt von 30 bis 40 %, wird der so schon bearbeitete und etwas eingedickte Nektar über und auch im Brutnest in leeren Wabenzellen ausgebreitet.
Die weitere Verdunstung des Wassers wird jetzt durch Fächeln mit den Flügeln beschleunigt. Dabei wird beispielsweise nachts die Stockluft mit kühlerer und trockenerer Außenluft getauscht, die auf annähernd Brutnesttemperatur aufgeheizt wird. Schließlich wird ein Wassergehalt von unter 20 % erreicht, meist 18 % oder sogar noch etwas geringer. Der jetzt fertige Honig wird noch einmal umgetragen und in Lagerzellen über dem Brutnest eingelagert, wobei er mit einer luftundurchlässigen Wachsschicht überzogen wird. Imker bezeichnen diesen Vorgang als Verdeckeln. Er ist für sie das Zeichen, dass der Honig reif ist und geerntet werden kann.
Mischung und Qualität von Honigen unterschiedlicher Länder
Honig wird erst erzeugt, wenn die Sammelbienen mehr Nektar in den Stock bringen als in der Zeit zur Ernährung des Bienenvolkes und der Aufzucht der Brut benötigt wird. Liefert die Umgebung des Stocks eine über dem Eigenverbrauch liegende Menge, nennen Imker dies eine Blüten- oder Honigtautracht. Honige verschiedener botanischer Herkunft unterscheiden sich nicht nur in Geschmack, Geruch und Farbe voneinander. Oft wird das Aroma eines Honigs durch den Nektar einer Massentracht dominiert, wobei sogenannte „Beitrachten“ dem Honig die besondere Geschmacksnote verleihen.
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Ist der Honig mit einer botanischen Herkunftsangabe versehen, so muss der Honig überwiegend, das heißt zu mehr als 50 %, aus der beschriebenen Quelle entstammen. Das wird unter anderem über Geschmack, Pollengehalt (Melissopalynologie) und elektrische Leitfähigkeit bestimmt. Der am häufigsten vorkommende Pollen wird „Leitpollen“ genannt und meistens dient er der Deklarierung der Honigsorte.
Bio-Honig aus verschiedenen Kontinenten
In Australien, Asien und Amerika wird nicht nur der Honig der auch bei uns beheimateten Westlichen Honigbiene genutzt. Wer den BIO-zertifiziert hat und wie, steht da nicht. Daneben steht ein ausgeflockter hellbrauner Honig: "Vielblütenhonig" genannt. Auch den dreh' ich natürlich rum, weil auch da ganz groß ein BIO-Siegel im Etikett ganz groß BIO verspricht. Im Eindruck steht dann "Mischung aus nicht EU-Honigen" und dahinter eine nachträgliche Einstempelung "Indien" "Südamerika". Auch Produkte aus Osteuropa werden häufig als „BIO“ gekennzeichnet, wobei die Überprüfung und die Zulassungskriterien variieren können. Das europäische "Bio"-Label schickt Kontrolleure z.B. in die Blaubeer-Ernte nach Indien. Vor Ort prüfen die dann, ob die Kriterien eingehalten werden, und wenn ja, darf diese Ernte in Europa als "Bio" auf den Markt geworfen werden.
Der BIO-Verbraucher ist ja angeblich gebildet, ernähungs-, umwelt-, gesundheitsbewußt. Nein. Deswegen steht der Biohonig im Supermarkt länger in den Regalen, als im kleinen Bioladen nebenan der Biohonig vom Bioimker vor Ort. Denn der aufmerksame Konsument ist tatsächlich aufmerksam. Wer tatsächlich "Bio" einkauft, kauft sein Zeug auch meistens nicht im Supermarkt, sondern im Tante-Emma-Laden. Lokal. Sicher ist die biologische Erzeugung von Nahrungsmitteln noch am Anfang, aber der ist wenigstens geschafft.
Verbrauchertäuschung und das EU-Bio-Label
Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Herkunft. Ein EU-Bio-Siegel wiederum bedeutet lediglich, dass die Mindeststandards für ökologischen Anbau eingehalten wurden - unabhängig davon, ob der Honig aus Indien, Argentinien oder Mexiko stammt. Diese werden offiziell zu den Kontrollen "eingeladen" und von dem Betrieb für die Kontrollen bezahlt. Zertifiziererei ist ein lukratives Geschäft für die Anbauer als auch für die Kontrolleure.
Die Arbeit und Bemühungen der hier in Deutschland lange existierenden Biomarken respektiere ich jedoch sehr. Leider kann man nicht jeden Kunden im Gespräch darüber informieren was er alles mit dem BIO Honig aus sonst woher erkauft. Oft ist dem Kunden nicht bewusst, dass auch außerhalb der EU produzierter Honig das EU-Bio-Siegel tragen kann.
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Honigproduktion und Sortenvielfalt
Die Farbe eines Honigs kann zwischen weiß bis hellgelb, gelb, beigefarben, braun und grünschwarz variieren. Sie ist ebenso wie der Geschmack abhängig von den besuchten Blüten oder dem gesammelten Honigtau. Die Konsistenz von Honig reicht von dünnflüssig über cremig bis fest. Sie hängt vom Fructose-Glucose-Verhältnis ab und davon, wie der Honig weiterverarbeitet und gelagert wird. Bei längerer Lagerung kann flüssiger Honig auskristallisieren und damit fest werden. Der ernährungsphysiologische Wert des Honigs ergibt sich in erster Linie aus dem hohen Zuckergehalt, daneben aus den enthaltenen Mineralstoffen und Enzymen. Vitamine liegen normalerweise nicht in bedeutender Konzentration vor. Eine Ausnahme sind bestimmte Honigsorten aus Gebirgsgegenden, die einen hohen Vitamin-C-Gehalt von 116-240 mg auf 100 g haben.
Ernte, Verarbeitung und Besonderheiten
Aus der Wabe wird der Honig in einer speziellen Zentrifuge, einer sogenannten „Honigschleuder“, bei Umgebungstemperatur gewonnen. Je nach Sorte - etwa bei Heidehonig - verwenden Imker eine Spindelpresse statt der Schleuder. Die deutsche Honigverordnung (HonigV) unterscheidet allerdings nicht zwischen Waben- und Scheibenhonig. Der Begriff „kalt geschleuderter Honig“ ist ein irreführender Begriff für Honig, der keinen Hitzeschaden aufweist. Honig wird generell ohne Erwärmung (der Waben) über die im Bienenstock herrschende Temperatur geschleudert. Höhere Temperaturen fördern darüber hinaus die Bildung von HMF, einem Abbauprodukt vieler zuckerhaltiger Lebensmittel mit möglicherweise gesundheitsschädigender Wirkung.
Deutscher Honig und internationale Importe
Der Pro-Kopf-Verbrauch beträgt in Deutschland etwa 1 kg pro Jahr. Die Honigernte in Deutschland hat im Jahr 2020 29.249 Tonnen betragen, nach 24.080 Tonnen im Jahr 2019. Deutschland hat im Jahr 2020 rund 88.000 Tonnen Honig importiert, der aus 59 Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union stammt.
| Jahr | Deutsche Ernte (t) | Import gesamt (t) | Import aus EU (t) | Import aus Nicht-EU (t) |
|---|---|---|---|---|
| 2020 | 29.249 | 88.000 | 27.118 | 60.948 |
Die drei größten Lieferländer aus Nicht-EU-Ländern im Jahr 2020 waren die Ukraine (15.741 Tonnen, 17,9 %), Mexiko (13.530 Tonnen, 15,4 %) und Argentinien (12.748 Tonnen, 14,5 %).
Honigsorten im Überblick
- Blütenhonig: Honig aus dem Blütennektar von Pflanzen
- Waldhonig: überwiegend aus Honigtau
- Akazienhonig: aus Robinienblüten, bleibt sehr lange flüssig
- Edelkastanienhonig: kräftig, leicht bitter
- Heidehonig: kräftiges, herbes Aroma mit geleeartiger Konsistenz
- Lindenhonig: fruchtig, süß, leicht minzig
Regionale Bio-Imkerei versus Supermarkt-Biohonig
Wer regionale Bio-Qualität sucht, ist beim Imker vor Ort am besten aufgehoben. Denn der aufmerksame Konsument ist tatsächlich aufmerksam. Wer tatsächlich "Bio" einkauft, kauft sein Zeug auch meistens nicht im Supermarkt, sondern im Tante-Emma-Laden. Lokal. Bei den "Bio-Ketten" muß wie in jedem Discounter auch für gleichbleibende Verfügbarkeit und Mindestqualität gesorgt werden, alles andere ist auch dort mittlerweile egal. Dem Hobbyimker ist der Weg über den regionalen Hofladen, den Obst- und Gemüsehändler sowie dem örtlichen Bäcker und anderer nahe Vertriebsmöglichkeiten offen. Da kann man sich auch selbst von der Qualität überzeugen.
Kritik und Verbraucherfragen
- Wie zuverlässig ist die Bio-Kennzeichnung bei international gemischtem Honig?
- Erfüllen importierte Biohonige tatsächlich strenge ökologische Standards?
- Wer überprüft die Einhaltung der Bio-Kriterien im Ausland?
- Lohnt sich der Kauf von regionalem Honig trotz höherem Preis?
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